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Bericht des

schweiz. Generalkonsuls in Rio-Janeiro

(Hrn. Eug. Emile

Raffard von Genf) über das Jahr l870.

(Vom 6. April 1871.)

An den hohen schweiz. Bundesrath.

Tit..

An der geschäftlichen Lage dieses Landes ist natürlich der 1870 in Europa ansgebrochene Krieg nicht spurlos vorübergegangen. Jn den lezten Monaten des Jahres stellte sich eine .Abnahme des Jmports ein, ohne jedoeh eine Preiserhöhung zur Folge zu haben, indem unser Markt schon vorher mit Waaren aller Art reichlich versehen worden war. Mogen nun auch einerseits die Ereignisse in Europa auf unsern gesehäfttiehen Verkehr naehtheilig eingewirkt haben , so ist doch anderseits dnrch

den glüklichen Ausgang des Krieges mit Paraguay der Kredit des Lau-

des gehoben worden. So z. B. standen die seehsprozentigen Rententitel, deren Zinse in Papiergeld ausbezahlt werden , zu Ansang des Jahres aus 80 , während sie zu Ende des Jahres aus pari gestiegen

sind. Gleichzeitig hob sich auch der Werth der öfsentlichen Fonds, nahm die Entwerthung des Papiergeldes ab, zeigte die eingetretene Kurserhohnng bessere Zustände an.

Der Wechselkurs staud zu Anfang des Jahres auf 20 d. , stieg allmälig auf 25 und gelangte nahezu aus pari, d. h. aus 27 ds. per 1000 Reis.

.^

635 Hierbei ist wohl zu beachten, dass diese Hausse der öffentlichen ^onds tro^ einer ziemlich starken Emission neuer Titel erfolgt ist. Die

Staatsschuld des Reiches betrug nämlich am 31. Dez. 1869

Rs. 590,000:000^000 und erreichte am 31. Dez. 1870 . . ,, 844,000:000^000 ^der, zum Kurse von 24 d., ^ 64,400,000.

Diese Ziffern umfassen die in- und ausländische Schuld und das

Vapiergeld.

1869 stieg die Gesammteinsuhr aus die hohe Ziffer v o n . . . . . . R s . 86,334:704065 Dagegen betrug sie pro 1. Semester 1870 nicht mehr als . . . .

,, 29,203 : 023^453 Für das ganze Jahr dürfte sie sich demnach aus ,, 58,000 : 000^000 ja sogar, angesichts der kriegerischen Ereignisse, noch aus weniger belausen.

. Für den Aussalt im Jmport ist aber noch ein anderer Beweis vorhanden : die Einnahmen des Zollamtes. Dieselben blieben 1870 weit hinter denen des Vorjahres zurük, troz einer namhasten Erhöhung

der Eingangshalle. 1869 haben die Einnahmen des Zollamtes in Rio de Janeiro . . . . . . R s . 26,009:999^135 1870 aber bloss . . . . . . ,, 22,563:012^601 betragen.

Da jedoch die Einsuhr gegen Ende des Jahres 1869 im Hinblik ....us die erhöhten neuen Zölle , welche 1870 zur .Anwendung kommen sollten, eine ausnahmsweise und ausserordentliche war, so ist der Unterschied , welchen die Ziffern dieser beiden Jahre ausweisen, keineswegs ...ls ein normaler anzusehen.

Aber auch in der Aussnhr ist eine Verminderung ersolgt. Der Wexth der im Hafen von Rio de Janeiro verschifften brasilianischen Vrodul.te belies sieh:

1868 auf . . . Rs. 81,337:142^510 1869 ,, . . . ,, 88,849:006^425 1870, 1. Semester, aus ,, 27,631:609^512

Diese das erste Semester des Jahres 1870 betretende Ziffer zeigt .gegenüber denen der Vorjahre eine grosse Differenz . das zweite Semester aber , während dessen die .^lussuhr der gut ausgesallenen Ernte von

1870 stattgesunden hat, wird die ^ag.^ in günstiger Weise modifiziren.

Vom 1. Januar 1871 hinweg ist der Zollznsehlag von 40 Bro^ent in ^olge der Eurserhöhung aus 34 Brozent reduzirt worden; die andauernde Besserung des Kurses - gegenwärtig wird er zu 25^ eotirt -- lässt noch weitere Reduktionen hoffen.

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Bericht des schweiz. Generalkonsuls in Rio-Janeiro (Hrn. Eug. Emile Raffard von Genf) über das Jahr l870. (Vom 6. April 1871.)

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1871

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17.06.1871

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