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Botschaft des

Bundesrates an die Bundesversammlung betreffend die Bewilligung eines Bundesbeitrages an den Kanton Wallis für die Yerbauung des St. Barthelemybach.es im Gebirge, bei St-Maurice, II. Etappe.

(Vom 24. Mai 1935.)

Herr Präsident!

Hochgeehrte Herren!

Mit Schreiben vom 18. Februar 1935 hat das Baudepartement des Kantons Wallis unserem Departement des Innern ein Projekt für die Verbauung des St. Barhélemybaches im Gebirge, bei St-Maurice, II. Etappe, im Kostenvoranschlage von Fr. 870,000 zur Genehmigung und Subventionierung eingereicht.

1. Allgemeines.

Der Wildbach St. Barthélémy entspringt am kleinen Gletscher «Plan névé» am Südhang der Dent du Midi. In seinem obersten Lauf stürzt er über steile Hänge von verwittertem Schieferfels zu der auf 1400 bis 1100 Meter über Meer gelegenen Alp Foulet hinunter, wo sein Lauf auf ca. l km Länge in Gehängeschutt eingeschnitten ist ; dann durchfliesst er eine ungefähr 2 km lange felsige Schlucht und wirft schliesslich einen mächtigen Schuttkegel in das" breite Tal der Ehone hinaus. Das Einzugsgebiet misst 12,3 km2.

Am 20. September 1926 trat an der Cime de l'Est, dem östlichen Gipfel der Dent du Midi, eine weitgreifende Ablösung von Felsmassen ein. Diese verursachte infolge des gleichzeitig eintreffenden wolkenbruchartigen Eegens und des noch vorhandenen Lawinenschnees einen mächtigen Murgang, der die Bahn und die Strasse sowie ein ausgedehntes Gebiet des bewaldeten Schuttkegels überdeckte und das Bhonebett vollständig ausfüllte. Im Gebiet der Alp Foulet hatte das Wasser im sandigen Untergrund eine enge Binne von mehr als 10 m Tiefe ausgespült, so dass weitere Nachstürze und gewaltige Materialabschwem-

900 mungen zu gewärtigen waren. In den folgenden Jahren sind dann auch im Ehonetal weitere sehr grosse Schäden infolge Materialüberführungen durch den St. Barthélemybach enstanden.

Die Bundesbahnen, welche ihre Simplonlinie stark gefährdet sahen, studierten nun verschiedene Vorschläge für die Abwendung der immer wachsenden Gefahr, wie zum Beispiel die Tunnelierung des Schuttkegels, bis sich die verschiedenen Interessenten, nämlich die SBB (Simplonlinie), der Kanton Wallis (Simplonstrasse), die Stadt Lausanne (Elektrizitätswerk Bois Noir) und der Kanton Waadt (Bad Lavey), zur Finanzierung der Verbauung des St. Barthélemybaches im Gebiete der Alp Foulet zusammenfanden.

Das allseitig gutgeheissene und von den eidgenössischen Bäten mit Beschluss vom 20. Dezember 1928 genehmigte und subventionierte Projekt hat in der Hauptsache eine Verbauung mittelst acht sehr grossen Sperren vorgesehen; sechs sollten auf der Alp Foulet und zwei unmittelbar unterhalb dieses Gebietes beim Binlauf des Baches in die felsige Schlucht zur Ausführung gelangen. Mit letzteren wollte man am Fusse einer umfangreichen Rutsch bewegung des linksseitigen Berghanges die Bachsohle soweit erhöhen, dass allmählich Beruhigung zu erhoffen wäre. Die oberen Sperren haben den Zweck, ein weiteres Einschneiden des Gewässers in den Gehängeschutt zu verhindern, die steilen Anbräche am Ufer zu stützen und grosse Terrassen zu schaffen, die bei weiteren Felsbrüchen einen Teil des abstürzenden Materials zurückhalten können.

Diese obere Sperrengruppe ist die wichtigere. Man hat den Bau dort begonnen, und zwar wurden von den fraglichen Bauten zunächst die beiden untersten erstellt. Ein Felsriegel, der das Tal durchquert, ermöglichte den Beginn der Arbeit mit Nummer 3 von unten gezählt, und Nummer 4 konnte bald nachfolgen. Die beiden Sperren sind etwa 27 m hoch, sehr lang und erforderten zusammen eine Betonmasse mit Steinverkleidung von 83,000 m3. Diese Arbeitsleistung, mit kleineren Werken im Unterlauf des Baches, hat den Baukredit von Fr. 4,000,000 bis auf rund Fr. 285,000 erschöpft.

Im Gegensatz zu Talsperren zum Zwecke der Kraftnutzung, für die jeweilen eine möglichst geeignete Stelle ausgesucht wird, muss bei einer Verbauung das gefährlichste Gebiet zur Behandlung gelangen, und die Bauplätze, später auch die Werke selbst, werden von zerstörenden
Gewalten aller Art heimgesucht. Eine Lawine hatte die Bauinstallation weggefegt und die Baustelle etwa 20 m hoch überlagert. Einen ganzen Sommer hat man in Schnee, Eis und grossen Steinblöcken gegraben und die Baugrube ausgeschachtet, bis man auf eine einigermassen feste Unterlage gelangte. Die Aufbereitung des Betonmaterials war äusserst schwierig. Die grosszügig angelegten Installationen haben für sich allein viel Geldaufwand erfordert und im allgemeinen nicht befriedigt. Die Einrichtungen für die Winterarbeit versagten vollständig.

Immerhin liess sich mit der grossen Aufwendung von Arbeit und Geld eine ganz erhebliche Beruhigung im Erosionsgebiet von Foulet erreichen. Die

901 erstmals entstandene gefährliche enge Schlucht ist zum Teil aufgefüllt; zwei Terassen von ansehnlicher Ausdehnung sind enstanden und können bei weiteren Abstürzen aus dem unzugänglichen Felsgebiet recht grosse Materialmengen zurückhalten. Auf Begehren des Kantons Wallis mussten die Bundesbahnen, welche den ganzen Bau leiteten, auch einen Beitrag von Fr. 150,000 an die Erstellung der Strasse nach Mex leisten.

Das Oberbauinspektorat hätte nun lieber einen grösseren Zeitraum verstreichen lassen bevor man mit den Bauten wieder einsetzt, auf dass die erwartete Auffüllung hinter den ausgeführten Sperren sich noch vollständiger ausbilde und mit grossen Steinen verfestige, bevor über der kunstlich eingestauten Materialablagerung weitere Werke aufgeführt werden. Die Generaldirektion der SBB wünscht aber ihre Anlage möglichst bald und möglichst vollständig zu sichern ; das Abwarten von unbestimmbaren Zeiträumen lässt sich mit der verlangten Sicherung des Verkehrs im Tale nicht leicht in Einklang bringen. Von Seiten der Bahn und auch des Kantons ist man der Ansicht, der Zeitpunkt für die Erstellung von wenigstens zwei weiteren Sperren sei gekommen und die Finanzierung sei einzuleiten.

2. Technisches.

Das nun vorliegende Projekt betrifft den Bau einer dritten Sperre im Alpgebiet und eventuell einer Vorsperre; ferner ist die Erstellung der untersten Sperre, Nr. l des Generalprojektes, vorgesehen, damit die dortige Rutschung, die unter anderem ebenfalls den Zugang zu den Bauplätzen und das Gebiet des Barackenlagers gefährdet, baldmöglichst festgelegt werden könne. Diese unterste Bauinstallation kann auch vorteilhaft sein, wenn im Frühjahr der obere Bauplatz noch nicht schneefrei ist und man auf Lawinen gefasst sein muss; man kann dann nach Bedarf die oben benötigten Arbeiter vorübergehend auf nutzbringende Art an sicherer Stelle beschäftigen.

Gemäss dem Grundgedanken des ursprünglichen Projektes soll auch mit den jetzt vorgesehenen Bauten nicht nur die Erosionsrinne festgelegt, sondern ebenfalls für weitere Ablagerungsplätze gesorgt werden. Die Sperren werden demnach wieder eine das übliche Mass weit überschreitende Höhe von 16--18 m erhalten müssen ; die Vorsperre soll 8 m hoch werden. Die obere Baute, welche ungefähr da zu stehen kommt, wo erstmals Nummer 6 vorgesehen war, soll ihr Fundament in dem
seit der Erstellung der nächstuntern Baute angeschwemmten Material finden. Es bedingt dies verschiedene besondere Vorkehrungen, im speziellen eine starke Eisenarmierung, so dass bei starker Auskolkung unter dem Überfall das Bauwerk in den seitlichen Hangen vorübergehend seinen Halt findet. Diese Anordnung vermehrt die Stauwirkung der Sperre nach aufwärts und erleichtert die schwierige Ausschachtung der Fundamente.

In bezug auf das Baumaterial hat das Oberbauinspektorat immer dem Zementmauerwerk gegenüber dem Beton den Vorzug gegeben. In diesem Sinne wird von jetzt an die Verwendung von Beton möglichst eingeschränkt werden.

902 3. Finanzielles.

Der Kostenvoranschlag für die neuen Bauten betragt Fr. 870,000 und setzt sich wie folgt zusammen: 1.

2.

3.

4.

Projekt und Bauleitung Sperre Nr. l Sperre Nr. 6 Vorsperre zu Nr. 6 :

Fr.

» » » Insgesamt

54,000 315,000 355,000 146,000

Fr. 870,000

Die Einheitspreise sind den schwierigen Verhältnissen im Gebirge und den gemachten Erfahrungen der I. Etappe angepasst. Es sind 3650 m3 Aushub, 8500 m3 Mörtelmauerwerk sowie verschiedene Nebenarbeiten und Posten für Unvorhergesehenes in Eechnung gebracht worden.

Die folgenden unter Abschnitt «1. Allgemeines» genannten Interessenten werden sich ebenfalls an den Arbeiten der II. Bauetappe mit den gleichen Beiträgen beteiligen wie es beim ersten Projekt der Fall war, nämlich: Kanton Wallis Kanton Waadt Stadt Lausanne

6% 2% 4% Total 12%

Die Beteiligung der Bundesbahnen wird von der Subvention des Bundes abhängen. Der Bundesbeitrag betrug bei der ersten Vorlage 45 %. Es wurde schon damals erwähnt -- und hat sich nachträglich durch die Erfahrung bestätigt --, dass es sich hier um eines der schwierigsten Wildwasser der Schweiz handelt und dass die ausserordentliche Steilheit des oberen Gewässerlaufes sowie die äusserst ungünstigen Eigenschaften des Flyschgebirges alle Arbeiten sehr erschweren. Da abgesehen von den aufgeführten 12 % der Bund in Wirklichkeit die Arbeiten bezahlen muss, glauben wir, dass sich in diesem besondern Falle doch eine nur teilweise Herabsetzung der Subvention auf 40 % rechtfertigen lässt.

Der Bundesbeitrag würde sich demnach auf 40 % von Fr. 870,000 = Fr. 348,000 belaufen. Da mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren gerechnet wird, kann das Jahresmaximum auf Fr. 150,000 festgesetzt werden.

Die eidgenössische Inspektion für Forstwesen hat schon bei der ersten Projektvorlage keine besondern Wünsche vorgebracht. Anlässlich der Erstellung der ersten Sperren wurden bereits auf Anweisung der Bauleitung grosse Böschungsflächen mit jungen Alpenerlen, Akazien usw. bestockt.

903 Wir erlauben uns daher, Ihnen den beigefugten Entwurf eines Bundesbeschlusses zu unterbreiten und zur Genehmigung zu empfehlen.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren, die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Bern, den 24. Mai 1935.

Im Namen des Schweiz. Bundesrates, Der Bundespräsident : R. Minger.

Der Bundeskanzler: G. Bovet.

904 (Entwurf.)

Bundeslb eschluss über

die Zusicherung eines Bundesbeitrages an den Kanton Wallis für die Verbauung des St. Barthelemybaches im Gebirge, bei St-Maurice, II. Etappe.

Die Bundesversammlung der schweizerischen E i d g e n o s s e n s c h a f t , auf Grund des Bundesgesetzes vom 22. Juni 1877 betreffend die Wasserbaupolizei ; nach Einsicht eines Schreibens des Baudepartements des Kantons Wallis vom 18. Februar 1935; einer Botschaft des Bundesrates vom 24. Mai 1935, beschliesst :

Art. 1.

Dem Kanton Wallis wird für die Verbauung des St. Barthelemybaches bei St-Maurice, II. Etappe, ein Bundesbeitrag von 40 % der wirklichen Kosten zugesichert bis zum Höchstbetrage von Er. 348,000, d. h. 40 % der Voranschlagssuinme von Fr. 870,000.

Art. 2.

Die Auszahlung dieses Beitrages erfolgt im Verhältnis des Fortschreitens der in den jeweiligen Bauprogrammen vorgesehenen Arbeiten gemäss den von der Kantonsregierung eingereichten und vom eidgenössischen Oberbauinspektorat geprüften Kostenausweisen. Der jährliche Höchstbetrag wird auf Fr. 150,000 festgesetzt, zahlbar erstmals im Jahre 1936.

Art. 3.

Bei der Berechnung des Bundesbeitrages werden berücksichtigt die eigentlichen Baukosten, einschliesslich der Enteignungen und der unmittelbaren Bauaufsicht, die Kosten des Ausführungsprojektes und des Kostenvoranschlages,

905 ferner die Aufnahmen des Perimeters. Dagegen sind nicht in Anschlag zu bringen die Kosten irgendwelcher anderer Vorverhandlungen, der Tätigkeit von Behörden, Kommissionen und Beamtungen (von den Kantonen laut Art. 7 a des Wasserbaupolizeigesetzes zu bestellende Organe), auch nicht die Kosten der Geldbeschaffung und die Verzinsung.

Art. 4.

Dem eidgenössischen Oberbauinspektorat sind die Detailplâne -- besonders die Fundationspläne der Sperren -- und die jahrlichen Bauprogramme zur Genehmigung einzureichen.

Art. 5.

Die planmässige Bauausführung und die Bichtigkeit der bezüglichen Ausweise werden vom eidgenössischen Oberbauinspektorat kontrolliert. Die Kantonsregierung wird zu diesem Zwecke den Beamten der genannten Amtsstelle die nötige Auskunft und Hilfeleistung zukommen lassen.

Art. 6.

Der Unterhalt der subventionierten Bauten ist gemass dem eidgenössischen Wasserbaupolizeigesetz vom Kanton Wallis zu besorgen und vom eidgenossischen Oberbauinspektorat zu überwachen.

Art. 7.

Dem Kanton Wallis wird eine Frist von einem. Jahr gewährt, um sich darüber zu erklären, ob er den vorstehenden Bundesbeschluss annimmt.

Der Bundesbeschluss fallt dahin, wenn dessen Annahme nicht innerhalb dieser Frist erfolgt.

Art. 8.

Dieser Beschluss tritt, als nicht allgemein verbindlicher Natur, sofort in Kraft.

Der Bundesrat ist mit seiner Vollziehung beauftragt.

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Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung betreffend die Bewilligung eines Bundesbeitrages an den Kanton Wallis für die Verbauung des St. Barthélemybaches im Gebirge, bei St-Maurice, II. Etappe. (Vom 24. Mai 1935.)

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29.05.1935

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