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Bundesrathsbeschluß in

der Rekurssache des Herrn Jules Béguin, auf dent Schlosse Hautefin, Kts. Freiburg, betreffend Gerichtsstand.

(Vom 1. Mai 1867.)

D e r schw e i z e r i sche B u n d e s r a t h

hat in Sachen des Herrn Jules Béguin, aus dem Schlosse Hantefin,

Kts. Freiburg, betreffend Gerichtsstand ;

nach angehortem Berichte des Justiz- und Bolizeidepartements und nach Einsicht der Akten, woraus sich ergeben.

I. Am 7. Oktober 1865 erliess Herr Rotar S c h o r d e r e t in Freiburg eine Aufforderung au den Reknrrenten, ihm sur Besorgung verschiedener Gessaste die Summe von Fr. 150 zu bezahlen oder doch deren Schuldpslieht anzuerkennen. Jm Falle des Widerspruchs sei er, Herr Béguin, aus den 6. Dezember vor das Friedensriehteramt Schmitten porgeladen. Au diesem Tage u..urde aber die Verhandlung verschoben und Herr Beguin selbst sezte jener Aufforderung Folgendes bei : "Les parties se réassignent pour la conciliation qui sera tentée en ,,même temps que les parties suivront eu cause et pour quelle au"dience Mr. Béguin fera entendre ses témoins. ^ H. Herr Schorderet liess nun den Herrn Bégnin neuerdings, auf den 20. Dezember 1865, vorladen. Au diesem Tage erschien Herr

17 ..^echtsagent ^rangier in Freiburg vor dem Friedensrichteramte und ...xklärte namens des He...rn Béguin, teuerer fei dem Viager nichts

schuldig. nachdem Herr Schorderet, damit dieser Broz^ss nicht die .Kompetenz des Friedensgexichtes überstehe, feine Forderung auf Fr. 145 xeduzirt hatte, verfügte nun der Friedensrichter, dass die Parteien auf den 3. Januar 1866 v..... das Friedensgexicht ^u Schmitten vorgeladen feien.

Herr Béguin erschien jedoch am 3. Januar 1866 nicht vor dem Friedensgerichte , worauf er in contumaciam zur Bezahlung der vom Kläger geforderten Summe verurtheilt wurde.

III. Jn Folge dessen erliess nun umgekehrt Herr Béguin eine V und machte diesem die Anzeige , dass er die Aushebung jenes Urtheils vexlauge. Die diessallige Verhandlung fand am 6. April 1866 statt.

Samens des Herrn Béguin erschien Herr Advokat Wuilleret in Freiburg, welcher das Rechtsbegehren stellte, dass Herr Schorderet mit seiner Klage abzuweisen sei, weil er sie gemäss Art. 50 der Bundesverfassung, Art. 6 der Kantonalversassung und Art. 14 der Zivilprozeßordnung vor einem inkompetenten Richter angebracht habe. Zur Unterstüzung dieser Einrede produite Herr Béguin ein Zeugniss des Gemeind.erathes von St. Légier, Kantons Waadt, vom 22. Dezember 1865, wonach ex Mitglied des Gemeinderathes von St. Legier und la Chiesa sei, und ein anderes Zeugniss des Gemeinderathes von Düdingen, Kantons Freiburg , dahin gehend, dass Herr Béguin am 1. Hornun^g 1866 ange^ zeigt habe, dass er von nun an seinen Wohnsiz aus der Hohezelg haben werde.

Das Friedensgerieht wies das Rechtsbegehxen des H.^rrn Béguin ab, gestüzt daraus, dass er, obwohl Mitglied des Gemeinderathes von la Cl.ies^ , deuuoch seinen steten Wohnfiz aus der hohen Zelg habe, was von ihm nie in Widerspruch gesezt, sondern sogar anerkannt worden, zumal er bei der Einleitung des Brozesses selbst einen Versehu^ unterschrieben habe ; die erwähnten Versassnngs- und Gesezesvorschristen kommen somit nicht zur Anwendung.

IV. Gegen dieses Urtheil rekurrirte Herr Béguin an das Kantonsgericht von ^reiburg und begründete vor diesem den Gesichtspunkt, dass er für die im ..Streite liegende rein personliche ^ordernng an seinem Domizil im Kanton Waadt belangt werden müsse. Am 1. Angnst 1866 verwarf jedoeh das Kantonsgericht diese Einrede und sprach Herrn forderet sein Rechtsbegehre.n zu. Dieses Urtheil stüzte sich auf sol-

gende Gesichtspunkte : Allerdings handle es sich uni eine personlich...

Forderung, allein Herr Béguin habe eben sein Domizil im Kanton Freiburg und zwar gerade in dem Bezirke, wo er belaugt wordeu sei, was durch folgende Umstände als bewiesen erscheine.

Bunde.^blall. ^...hrg. XlX. Bd. III.

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18 ....I) La notoriété publique. Chacun sait en elket que Mr. Bé^um ...hahue le chateau de la Hautelni la plus grande partie de l'année, ..qu'en ce lieu il possède nn domaine, qu'il tient lu^mém.^ qu'n .^y a le sié^e de ses affaires relatives a l'agriculture.

^) La déclaration du Conseil communal de Guin de laquelle ...il appert que Mr. .Iules Béguin, propriétaire à la Hautefin, est toléré .^daiis prédite commune de Gum, y a déposé ses oa.^ers et que le .^^ Février dernier il a meme déclaré à cette autorité locale, qu'il .^faisait élection de domicile.

..3) Les nombreuses notilications juridiques qui, dans les divers ^procès qu'il a soutenus dans ce Canton, ont été recues par Mr.

.^.Iules Béguin à son château de la Hautelin.

^) La réass.^nation que, le 6 Décembre I86^, Mr. Bé^nm a ^écrite de sa mam an pied du mandat de sommation que lui avait ^si^nifié Mr. ^chorderet, de quelle réassi^aation il résulte en oarti^ ^cuher qu'elle devait avoir lieu pour tenter la conciliation, suivre en ^ cause, le cas échéant, et que Mr. B.^um a consenti mémc .. ce ..que Mr. ^chorderet fit entendre ses témoms devant la .Iust.ce de ^pa^.. dont il s'agit et dans le procès actucl.

^ue la déclaration délivrée par le Conseil communal de St. Lé^.er, ^portant que Mr. Béguin faisait partie du Conseil communal de cette ^ localité, le .^ Décembre 186^. n'a aucune portée dans la présente ^difilculté, puisque le recourant reconnaît lui^méme dans son mémoire ^ d'appel, que ces fonctions avaient cessé le ^ Fevrier I866, époque ^ou. les parties n'avaient pas encore paru devant le .In^e, de sorte ..que le procès proprement. dit n'était .^omt encore introduit.^

V. Mit Eingabe ohne Datum (eingegangen den 2. März 1867^ rekuxrixte .^erx ^üxspxeehex Dr. Wildbolz in Bern Ramens des Herrn

Béguiu an den Bundesrath uud stellte das Gesuch , dass das Urtheil des Friedensgeriehtes zu Schmitten vom 3. Januar 1866 als uiehtig

erklärt werden mochte, weil es im Widexspru.he stehe mit Art. 50 der Bundesverfassung. Allerdings sei .^err Béguin Eigenthüu.er eines .Landgutes im Bezirke Schmitten und oster dort anwesend, allein seinen Hauptwohusiz habe er iu St. .Légier beibehalten, wo auch seine Mutter wohne , und wo er ebensalls verschiedene Güterkomplex^e befi^e , die er gelbst besorge, während er die Liegensehasten im Kantou Freiburg durch . einen Verwalter besorgen lasse. Er habe erst nach dem 3. Jannar 1866 seine Vapiere bei dem Gemeinderathe von Schmitten deponirt.

dieser Umstand sei also ohne Einflnss auf die Behandlung der schon Vorher rechtshängigen Klage. Ueberdiess habe Herr Béguiu seiu Hauptdomizil im Kanton Waadt nie ausgegeben. Als entscheidender Beweis

^asür diene der Umstand, dass er zur Zeit, als das Urtheil gefällt wor^

den, noeh Mitglied des Gemeinderathes von St. Légier und La Chiesa^.. ge-

19 wesen sei. Auch der Umstand , dass er in andern Streitigkeiten den Gerichtsstand von Sehmitten anerkannt habe, sei bedeutungslos, da sie den Charakter von Jmmobiliarstreitigkeiten gehabt. Jn der Einwilligung zur Verschiebung einer Gerichtsverhandlung konne nicht eine Aner-

kennung des Gerichtsstandes liegen. Endlich sei noch am 28.. März

1866 von dem Bezirksgerichte zu Vivis in einem andern Zivilprozesse des Herrn Béguin angenommen worden , dass er in St. Legier domizilirt sei. Er konne also nicht gleichzeitig auch noch einen festen Wohnsiz im Kanton Freiburg gehabt^ haben.

VL

Ramens des Herrn Sehorderet wurde diese Beschwerde von

Herrn Lizenziat A. Gendre in Freiburg mit Eingabe vom 26. März 1867 beantwortet. Zur Begründung des Freiburgischen Gerichtsstandes erorterte Herr Gendre im Wesentlichen die gleichen Gesichtspunkte, wie sie im Urtheile des Kantonsgerichtes von Freiburg dargestellt sind.

Jm Fernern wurde die Behauptung aufgestellt und durch Vorlage der Akten uuterstüzt, dass Herr Béguin jenes Urtheil und dessen Folgen anerkannt habe. Er habe nämlich die Behandlung der Hauptsache wiederholt verschoben, ohne den angekündigten Rekurs an den Bundesrath einzugeben. Endlieh habe ihn Herr Schorderet am ..). Rovember 1866 zitirt, damit über die Hauptsache verhandelt und der Ausschluss vom Rekurse ausgesprochen werde. Am 23. Rovember seien sie dann vor Gericht erschienen, wobei der Repräsentant des Hrn. Béguin nochmals die Suspension verlangt habe bis zum Entscheide des Bundes-

xathes. Hr. Schorderet habe sich, im Hiublike aus die vieleu Aufsorderungen zur Ausführung des Rekurses , der Verschiebung widersezt und sei hierin vom Richter geschult worden. Jn ^.olge dessen haben beide Varteien die Abhorung ihrer Zeugen verlangt und neue Vertagung auf den 7. Dezember 1866.

Au diesem Tage habe Hr. Béguin eine neue Vertagung verlangt , weil seine Zeugen im Kanton Waadt wohnen. Hr. Sehorderet, dieser Verzogerungen müde, habe endlieh auf den 18. Januar 1867 wieder vorgeladen und an diesem Tage ein Kontumazurtheil zu seinen Guusten erhalten,. das nun in Reehtskrast erwachsen sei. Dieses Urtheil müsse gesehnt werden, da der sreiburgis.he Gerichtsstand uicht bloss an sieh kompetent , sondern von dem Rekurrenten selbst im Verlaufe des ganzen Vro^esses wiederholt anerkannt worden sei ; JnEr wägung: 1) Die Beurtheil.ung der Frage, ob der sreib..rgische Geriehtsstaud zuständig sei , den .^orderuugsprozess gegen den Returrenten zu beurtheilen, mnss, ganz abgesehen von dem Umstande , ob derselbe zur Zeit der Anhebuug der Klage im Kanton ^reibnrg einen regelmäßigen Wohnsiz gehabt, in bejahendem Sinne entschieden werden, was sieh ans folgenden tatsächlichen^ Verhältnissen ergibt,

20 2) Bei den Verhandlungen por dem Friedensrichter am ..... und 20. ....Dezember 1^5 hat er sich ohne Kompetenzeinrede materiell eingelassen, indem er da^ erste Mal selbst zu Zeugenabhörungen seine Zustin.müng ^ und da.^ zweite Mal die Richtigkeit der Forderung selbst

I^xitt;

3) Auch auf die Zitation vor Frieden.^gericht zur Aburtheilung der Sache erhob er keine Kompetenzeinrede, sondern blieb einfach weg und lief^ ein Kontumazurtheil ergehen, 4) Es ist allerdings richtig, dass Reknrrent bei spätern gerichtlichen Sehritten zu wiederholten Malen die Zuständigkeit des freiburgischen Richters bestritt , aber doch wieder an den Brozessverhandlungen freiwillig Theil nahm und^ keineswegs klar und bestimmt eine Berichtsablehnende Jutention an den Tag legte , 5) Dieses ergibt sich namentlich daraus , dass er wiederholt VerSchiebung der weitern Verhandlungen anbegehrt , angeblich um bei der

Bnndesbeh.^rde Schritte zu thun. Als aber dieses nicht geschah und

der Richter endlich die Brozessperhandlungen weiter führte, begehrte Rekurrent wtedex Vertagung auf den 7. Dezember 1866 und verlangte Abhorung seiner Zeugen , welches Begehren er bei einer spätern Tagfahrt wiederholte :.

6) Aus allen diesen Umständen ergibt sich, dass Rekurreut durch verschiedene Vrözessvorkehren den freiburgisehen Gerichtsstand nicht formlich ablehnte, daher seine so spät eingereichte Beschwerde nicht als begründet betrachtet werden kann ; besch lo s s e n: 1. Der Rekurs wird als nicht begründet abgewiesen.

2. Dieser Beschluß ist dem ^taatsrathe des Kantons ^reiburg, zuhanden der betreffenden Gerichte und des Reknrsbeklagten, sowie dem Rekurrenten unter Rüksendung der ^kten mittheilen.

.^llso beschlossen, .^ern, den 1. Mai 1867.

Jm Ramen des schweizerischen Bundesrathes, Der B u n d e s p r ä s i d e n t : ^. ^ornerod.

Der Kanzler der Eidgenossenschaft:

Schieß.

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Bundesrathsbeschluß in der Rekurssache des Herrn Jules Béguin, auf dem Schlosse Hautefin, Kts. Freiburg, betreffend Gerichtsstand. (Vom 1. Mai 1867.)

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16.11.1867

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