#ST#

Schweizerisches Bundesblatt.

38. Jahrgang. I.

Nr.. 13.

# S T #

27. März 1886.

Bericht des

Bundesrathes an die Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1885

II. Geschäftskreis des Departements des Innern.

I. Centralverwaltung.

1. Referendumsangelegenheiten, eidgenössische "Wahlen und Abstimmungen.

Im Berichtjahre hat eine einzige eidgenössische Abstimmung stattgefunden, nämlich diejenige vom 25. Oktober betreffend theilweise Aenderung der schweizerischen Bundesverfassung (Alkoholfrage). Ueber das der Vorlage günstige Resultat haben wir Ihnen bereits durch Botschaft vom 20. November 1885 (Bundesbl.. IV, 367) Bericht erstattet.

2. Organisation und Geschäftsgang.

In Ersetzung des verstorbenen Herrn Siegfried A b t von Bünzen wurde am 9. Januar Herr Georg Albert P f u n d von Unter-Hallau, bisheriger Sekretär der Bundeskanzlei, als Departementssekretär gewählt.

Bundesblatt 38. Jahrg. Bd. i.

32

436

3. Bundeskanzlei, l. Sitzungen der Räthe und deren Protokolle.

A. Gesetzgebende, Räthe.

Im Jahre 1885 wurden drei Sessionen abgehalten, nämlich vom 9. bis 28. März, J. bis 27. Juni und 7. bis 24. Dezember.

In dieser Zeit hielt der Nationalrath 6l, der Ständerath 57 und die Vereinigte Bundesversammlung 3 Sitzungen, welch letztere den 24. Mars, 16. Juni und 15. Dezember stattfanden.

B. Bundesrath.

Der Bundesrath hielt 124 Sitzungen und erledigte 6049 Geschäftsnummern. Im Vorjahre betrug die Zahl der von ihm behandelten Geschäfte 6158; es ist demnach ein kleiner Rückgang zu verzeichnen.

C. Protokolle.

Der Stand der Reinschrift der Protokolle der Vereinigten Bundesversammlung, des National- und Ständerathes und des Bundesrathes, sowie des Missivenbuches erhellt aus der für die Geschäftsprüfungskommission bereit gehaltenen Tabelle.

D. Register.

Die Register der Bundesversammlung, des National- und dos Ständerathes, sowie dasjenige des Bundesrathes, sind nachgeführt.

Laut den Kontrolen der Registratur sind während des Jahres 1885 im Ganzen 6285 (1884: 7150) Sehreiben an den Bundesrath gelangt und den einzelnen Departementen überwiesen worden.

II. Uebrige Kanzleiarbeiten.

A. Die Gesammtzahl der durch Kanzleischreiben erledigten Geschäfte betrug 1918 Nummern (1884: 2290, 1883: 1678 Nummern).

G e r i c h t l i c h e E r ö f f n u n g e n wurden bestellt: für Prankreich 337, Rumänien 26, Oesterreich 17, Bayern 5, verschiedene Kantone in's Ausland 91, Total 476(1884: 583) M i l i t ä r v o r l a d u n g e n wurden bestellt: für Frankreich 587, Oesterreich 24 . ,, 611(1884: 675) Civilstandsakten wurden an die Kantone und an auswärtige Staaten befördert ,, 8,939(1884: 7,886) S t r a f u r t h e i l e ebenso . ,, 2,776(1884:3,052) Total der bestellten Aktenstücke 12,802(1884:12,196)

437

Endlich wurden 68 Rogatorien schweizerischer Gerichte an auslandische vermittelt ; bei 9 weitem waren die Vollzugsakten am Schlüsse des Jahres noch nicht zurückgekommen.

B. Ueber den Stand der weitem auf der Kanzlei geführten Bücher und Kontrolen gibt ebenfalls eine besondere Tabelle Auskunft.

III. Personelles.

An die durch Beförderung erledigte Stelle des Kanzleisekretärs und Büreauchefs wurde im Januar der bisherige Kanzlist und italienische Korrespondent, Herr Dr. Gr. G r r a f f i n a , gewählt, mit Amtsantritt auf 15. Februar; an des Letztern Stelle sodann den 14. April Herr Antonio J a n ne r aus Tessin, gewesener Gymnasiallehrer in Bellinzona, mit Amtsantritt auf 1. Mai.

IV. Drucksachen.

Was die besorgten D r u c k s a c h e n anbetrifft, so wurden vorn B u n d e s b l a t t , welches i n vier Bänden 2 1 2 3 / 8 deutsche hält, 2100 abonnirte und 839 Gratisexemplare, zusammen 2939 Exemplare, ausgegeben.

Vom VIII. Bande der eidg. G e s e t z s a m m l u n g neue Folge sind im Berichtjahre 228/4 deutsche, 22 13/16 französische u n d 2 3 9/16 italienische Bogen gedruckt worden.

Von der Eisenbahnaktensammlung wurden 171/8 Bogen in deutscher Sprache und 183 3/8 in französischer Sprache gedruckt, wodurch der VIII. Theil neue Folge abgeschlossen werden konnte.

4. Archive und Münzsammlung.

Der ohne die Supplemente letzte Band IV, 1. e. (1549 bis 1555) des Werkes der a l t e r n A b s c h i e d e s a m m l u n g ist im Berichtjahr zum Drucke befördert worden und wird gegen Ende des heurigen Jahres in einer Stärke von circa 180 Bogen zur Veröffentlichung gelangen. Gegenwärtig (Anfangs Februar) steht der Druck mit 125 Bogen beim Monat Juli 1554. Für die Supplemente lieferten den wesentlichsten Bearbeitungsstoff wiederum die Kantonsarchive von Zürich, Bern, Luzern, Freiburg und Solothurn, während Einzelnes auch kleinern Ortsarchiven und Bibliotheken, sowie Druckwerken entnommen worden ist. Die Ausbeute fällt zumeist in den Zeitraum bis 1520.

438

Die Veröffentlichung der Neuausgabe des Repertoriu ma d e r T a g s a t z u n g s a b s c h i e d e v o n l 803 bis 1813 wird erst im Laufe des gegenwärtigen Jahres erfolgen. Zwar ist im Berichtjahr der vollständige Text des Werkes mit 102 Druckbogen fertig geworden ; aber nun ermangelt noch die Erstellung und der Druck des Registers, das zur Zeit in Arbeit ist.

Von der Aktensa m ml u n g auc der Z e i t der h e l v e t i s c h e n R e p u b l i k (1798 bis 1803) ist der im Vorjahre zum Drucke beförderte erste Band im Berichtjahr mit 155 Bogen, umfassend die Zeit vom Oktober 1797 bis Ende Mai 1798, zum Abschlüsse gebracht worden und wird binnen Kurzem in die Oeffentlichkeit gelangen. Für einen zweiten Hand ist das Manuskript schon soweit vorbereitet, daß die, Drucklegung desselben in einigen Wochen erfolgen kann. Das Ergebniß der heurigen Redaktionsarbeit aus den Originalakten, für Band l und 2, beziffert sich auf circa 80 Druckbogen.

Nach dem Bericht des mit der Unternehmung betrauten Herrn Legationssekretär Dr. Rott ist über den Fortgang der A b s c h r i f t e n s a m m l u n g a u s P a r i s im Wesentlichen Folgendes zu melden: Das Ergebniß des Abschreibens stellt sich im Berichtjahr auf 5806 Seiten. Mit dieser Leistung sei das Material der ersten Arbeitscampagne (1444 bis 1610) in allen Quellen fast gänzlich erschöpft und auch schon stark in den nächstfolgenden Zeitraum (1610 bis 1649) hinübergegriffen, soweit es die Akten der Nationalbibliothek, des Auswärtigen Amtes, des Ministeriums des Krieges, des Nationalarchivs und des Instituts betrifft. Au der Arbeit, sind zur Zeit außer Herrn Dr. Rott fünf Kopisten beschäftigt. Au das Bundesarchiv sind von der letztjährigen Ausbeute 20 Fascikel mit 1014 Aktenstücken abgeliefert worden. Daneben gelangte der vom Vorjahr lier unter der Presse befindliche 2. Band des ,,Inventaire sommaire" (1610 bis 1649) in einer Stärke von 41 Bogen zur Veröffentlichung, und die nächste Fortsetzung dieser Arbeit ist so weit vorbereitet, daß der 8. Band wohl noch im Laufe des heurigen Jahres in den Druck gegeben werden kann.

Ueber die B e t h ä t i g u n g des B und e s a r c h i variates während des abgelaufenen Jahres, sowie über den Stand der e i d g e n ö s s i s c h e n M ü n z s a m m l u n g , ist Folgendes zu berichten.

Von sämmtlichen Departementen, von
zweien freilich noch nicht ganz vollständig, sind im Berichtjahr die Akten der XI. Amtsperiode (1879/81) an das Archiv abgegeben uud dort in provisorischer Weise aufgestellt worden. Inzwischen wurde zugleich auch die definitive Bereinigung und Einordnung zur Hand ge-

439 nommen und in dieser Weise zunächst die Akten über Handel und Landwirthschaft, sowie die allgemeine Bundesverwaltung ganz und von den Innern und Auswärtigen Angelegenheiten ein kleinerer Theil definitiv erledigt. Vorerst aber mußten circa 20,000 bundesräthliche Missivenkonzepte der Amtsperiode mit den zukommenden Akten vereinigt werden, mit welcher Arbeit theilweise schon im Vorjahre der Anfang gemacht worden war. Einen fernem Arbeitsgegenstand bildete die alphabetische Behandlung und Registrirung der umfänglichen Bürgerrechtsakten und die Umschreibung dos Verzeichnisses der Urkunden seit 1848. Weiter mußten in Folge des neuen Zuwachses eine große Zahl von Aktenfascikeln neu überschrieben und etiquettirt werden, während die nöthig gewordene Verlegung zweier Magazine aus dem Erdgeschoß und zweiten Stock des Bundesrathhauses in das Souterrain eine Neuordnung des Materials mit sich brachte. Auch eine größere Menge von Belegbänden zur eidgenössischen Staatsrechnung, die Abstimmungs- und Referendumsakten aus dem Berichtjahr, viele Urkunden und Drucksachen für die Imprimatensammlung waren entgegen zu nehmen, au zukommendem Orte unterzubringen und zu verzeichnen. An ausgegebenen Aktenstücken weist die Archivkontrole die starke Zahl von 6232 Stücken auf wovon am Schlüsse des Jahres 1578 noch nicht wieder an das Archiv zurückgelangt waren. Auf eine Menge kleinerer Geschäfte, wie der Archivdienst sie fast täglich mit sich bringt: Erledigung von Anfragen aller Art, Nachschlagungen, Berichterstattungen, sei hier nur im Allgemeinen hingewiesen. Dagegen muß der Thätigkeit des Oberarchivars als Leiter und theilweise auch als Redaktor einer Anzahl hievor aufgeführter literarischer Unternehmungen des Bundes um so mehr ausdrücklich an dieser Stello Erwähnung gethan werden, als dadurch, was ganz besonders im Berichtjahr bei dem gleichzeitigen Druck von vier Bänden der verschiedenen Publikationen mit Revision der Manuskripte und Korrekturen u. s. w. der Fall war, seine Zeit in starkem Maße in Anspruch genommen wird, wozu im abgelaufenen Jahre noch eine ausnahmsweise Bethätigung während fast drei Monaten mit Aufstellung der von Herrn Dr. Groß für die Eidgenossenschaft erworbenen Pfahlbautensammlung hinzukam.

Wegen Mangel an geeigneter Kaufsgelegenheit hat die eidgenössische M ü n z s a m m l u n g im Berichtjahr
eine nur geringe Vermehrung erhalten. Der Zuwachs beträgt im Ganzen 15 Stücke mit einem Metallwerth von Fr. 13. Damit erreichte die Sammlung auf Ende des Jahres, da ein Abgang aus den Doubletten nicht statthatte, einen Gesammtbestand von 5638 Stücken im Metallwerthe von Fr. 16,008. 63.

440

5. Bibliothek.

Der bisherige Bestand der Bibliothek ist in einem Hauptkatalog und vier Supplementen verzeichnet. Da jedoch diese Kataloge zum Theil vergriffen sind, so haben wir, um wieder einen bessern Einblick in die Bibliothek zu ermöglichen, auf einen Neudruck des Gesammtkataloges Bedacht genommen, welcher auch die seit 1883 neu hinzugekommene Literatur enthalten soll. Neben den ordentlichen Anschaffungen hat die Büchersammlung durch die Zusendung offizieller Drucksachen von auswärtigen Staaten wieder einen namhaften Zuwachs erhalten. Was die stets zunehmenden Frequenzverhältnisse anbelangt, so mag die erfreuliche Thatsache hier Erwähnung finden, daß die Bibliothek von den eidgenössischen Beamten und Angestellten immer fleißiger benutzt wird und daß auch von Seite der schweizerischen Gelehrten sich eine erhöhte Aufmerksamkeit kund gibt.

Es wurden im Ganzen bei 1600 Bände ausgeliehen, von denen am Jahresschlüsse ungefähr 300 noch nicht eingeliefert waren.

II. Vollziehung der Bundesverfassung und eidgenössischer Gesetze.

1. Primarunterricht.

Mit Eingabe vom 6. Mai stellte der Vorort dos Verbandes der schweizerischen geographischen Gesellschaften das Gesuch, der Bund möchte a. die Herstellung von Reliefs über die einzelnen Bezirke der Schweiz im Maßstabe von l : 25,000 (Gebirgsgegenden im Maßstabe von l : 50,000), sowie von Schulwandkarten und von Schülerkärtchen übelnehmen und diese Lehrmittel zum Selbstkostenpreise abgeben ; b. die Anordnung treffen, daß die Lehrer in den Lehrerrekrutenschulen augeleitet werden, für den geographischen Schulunterricht taugliche Kalten und Reliefs zu verfertigen.

Den ersten Theil des Begehrens glaubten wir mit Rücksicht auf den Wortlaut des einschlägigen Art. 27, Alinea 2, der Bundesverfassung, nach welchem die Beschaffung der Lehrmittel für die Primarschule nicht Sache, der Bundesbehörden sein kann, in seinem vorliegenden Umfange ablehnen zu sollen. Die von den Petenten

441

zitirte Subventionirung des Lebet'schen Vögelbilderwerkes kann nicht als Präzedenzfall angerufen werden, indem bei jener Maßregel wesentlich der ,,Schutz der nützlichen Vögel" (Art. 25 der Bundesverfassung) in Betracht fiel. Dagegen sind wir, falls das Bedürfniß in der Folge sich allgemeiner äußern sollte, nicht abgeneigt, durch das eidg. topographische Bureau eine billige kleine Schweizerkarte für den Gebrauch der Schiller herstellen zu lassen, und den kantonalen Erziehungsdirektionen zum Selbblkostenpreise zur Verfügung zu halten.

Auf den zweiten Theil des Gesuches konnten wir aus dein Grunde nicht eintreten, weil in dem Unterrichtsplane für die Lehrerrekruten bereits 20 Stunden für Terrainlehre und Kartenlesen augesetzt sind, was knapp ausreicht, u in das Notwendigste in beiden Zweigen, vom militärischen Standpunkte aus betrachtet, beizubringen.

Für einen hinreichend gründlichen Unterricht in der Terraindarstellung im Sinne der Petenten ist die Zeit zu kurz; mehr Stunden dafür einzuräumen erscheint unzuläßig, da dies nur auf Kosten der soldatischen Ausbildung der Rekruten geschehen könnte. Abgesehen davon, daß die Institution dei- besonderen Lehrerrekrutenschulen auf die Dauer kaum beibehalten werden wird, ist überhaupt- kein Grund vorhanden, den Lehrern im Militärdienste einen Unterricht zu ertheilen, dessen Pflege fuglich den Lehrerseminarien überlassen werden kann.

2. Freizügigkeit der Personen, welche wissenschaftliche Berufsarten ausüben; Medizinalprüfungen.

Infolge der Motion Bruggisser (Postulatensammlung Nr. 823) waren schon im Jahre 1884 mit den Regierungen von Frankreich, Italien, Oesterreich-Ungarn und Liechtenstein Verhandlungen angeknüpft worden, um die gegenseitige A u s ü b u n g d e r m e d i z i n i s c h e n G r e n z p r a x i s mit diesen Staaten in derselben Weise vertraglich zu regeln, wie dies bereits gegenüber Deutschland geschehen.

Im Berichtjahre konnten die betreffenden V e r t r ä g e mit O e s t e r r e i c h - U n g a r u und mit L i e c h t e n s t e i n «um Abschluß gebracht werden ; die Unterhandlungen mit F r a n k r e i c h nehmen ebenfalls einen günstigen Verlauf, und es steht auch hier eine befriedigende Lösung zu erwarten, so daß wir hoffen, Ihnen diese drei Konventionen in der Sommesession zur Ratifikation unterbreiten zu können.

442 Dagegen erklärte die i t a l i e n i s c h e Regierung unserem Gesandten, es sei ihr nicht möglich, auf die Proposition einzutreten, weil eine derartige Uebereinkunft den einschlägigen Landesgeset/.en zuwiderlaufen würde. Uebrigens seien die erforderlichen Erleichterungen durch die in den Zollreglementen enthaltenen Vorschriften bereits gewährt und würden thatsächlich auch benutzt. Endlich habe mit Ausnahme ganz vereinzelter Fälle, welche die dadurch bedingten Abänderungen in der Gesetzgebung nicht rechtfertigen könnten, das Bedürfniss einer vertraglichen Regelung der Materie sich bis jetzt nicht fühlbar gemacht.

Wir glaubten, in dieser Antwort eine definitive Ablehnung erblieken und auf ein vs eiteres Insistiren verzichten zu sollen.

Unsere Bemühungen bei der d e u t s c h e n R e i c h s r e g i e r u n g bezüglich d e r A n r e c h n u n g d e s i n G e n f z u r ü c k g e l e g t e n m e d i z i n i s c h e n S t u d i u m s bei dem durch die deutsehe Medizinalprüfungsordnung vorgesehenen Nachweis einer gewissen Studienzeit (zu vergleichen der letztjährige Geschäftsbericht) sind erfolglos geblieben, indem das deutsche auswärtige Amt, namentlich mit Rücksicht auf den Umstand, daß in Genf sämmtliche medizinische Vorlesungen in französischer Sprache gehalten werden, durch Note an die Schweiz. Gesandtschaft in Berlin vom 20. Februar es definitiv abgelehnt hat, die den Universitäten Basel, Zürich und Bern gewährte Vergünstigung auch auf die Genfer Hochschule auszdehnen.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zurich stellte die Anfrage, ob es nicht möglich sei, die W i r k u n g e n eines bevorstehenden k a n t o n a l e n S t r a f u r t h e i 1s gegen einen wegen Pflichtverletzungen allergröbster Art verfolgten Arzt hinsichtlich des E n t z u g e s d e r v e n i a p r a c t i c a n d i a u f d a s g a n z e Gebiet d e r E i d g e n o s s e n s c h a f t a u s d e h n e n zu lassen.

Dem Petenten wurde erwidert, daß weder das Bundesgesetz .betreffend die Freizügigkeit des Medizinalpersonals vom 19. Dezember 1877 (A. S. n. F. III, 379), noch die einschlägigen Verordnungen irgend welche Anhaltspunkte böten, um in der gewünschten Weise direkt vorzugehen. Da indessen die Bewilligung zur Ausübung der ärztlichen Praxis jeweilen von der Kantonsbehörde ertheilt werde, welche ihrer Beurtheilung der
einzelnen Fälle den Besitz nicht nur eines eidgenössischen Diploms, sondern, nach Anleitung der kantonalen Vorschriften, auch der übrigen Qualifikationen, namentlich in sittlicher Beziehung, zu Grunde zu legen berechtigt sei, so könne die beabsichtigte Wirkung dadurch erzielt werden, daß die zürcherische Behörde den Regierungen der

443

andern Kantone von dem gefällten Urtheile zu gutfindender Berücksichtigung Kenntniß gebe.

Ein im Kanton Bern niedergelassener A v K t bat sich gegen die Regierung dieses Kantons wegen Auflage einer P a t e n t g e b ü h r b e s c h w e r t (zu vergleichen Geschäftsbericht pro 1880, Bundesbl.

1881, II, 92). Die Erledigung dieses Rekurses fallt ins folgende Jahr.

Die vierjährige Amisperiode des l e i t e n d e n A u s s c h u s s e s f ü r d i e e i d g e n ö s s i s c h e n M e d i z i n a l p r ü f u n g e n ging m i t dem Schlüsse des Berichtjahres zu Ende; es wurden auf eine neue Amtsdauer in ihren Funktionen bestätigt die Herren L. M e y e r , Sanitätsrath in Zürich, Th. C h a l l a n d , Direktor der Irrenanstalt in Lausanne, Prof. Dr. O l i v e t in Genf und Dr. L. G. C o u r v o i s i e r in Basel als Mitglieder und die Herren Dr. Sonddre g g e r in St. Gallen und Dr. G u i l l a u m e in Neuenburg als Suppleanten. An Stelle des zurücktretenden Herrn Dr. Hans Weber wurde als fünftes Mitglied (Ortspräsident für Bern) Hr. Dr. Gr. R e l l s t a b , Präsident der Inseldirektion in Bern, gewählt.

Die Bestellung des Präsidiums, welche der leitende Ausschuß -selbst vorzunehmen hat, wird in der ordentlichen Frühjahrssitzung erfolgen.

Für das Jahr 1887 ist eine durchgreifende R e v i s i o n des P r ü f u n g s r e g l e m en tes vom 2. Juli 1880, welche nach den bisherigen praktischen Erfahrungen geboten erscheint, in Aussicht genommen.

Die im Berichtjahre abgehaltenen '267 P r ü f u n g e n finden sich in den beiden umstehenden Tabellen nach Kategorien, Prüfungssitzen und Resultaten, sowie nach der Heimathörigkeit der 253 geprüften Personen ausgeschieden.

444

Eidgenössische Medizinalprüfungen 1885.

Basel.

tj a £>

'O

H

bD :pi

a

Medizinische

Î

prop. Prüfung Fachprüfung

o>

bo :p

:3 Ö OJ

bD :g

P



Pg

O

o

n

bu

O>

Thierärztliche

[

prop. Prüfung Fachprüfling

fl

bo

«

a

2

3 5 2

2

-- | -- 11 _ Ì 4

i

<1!

bD

3 16 10 8 19 i 10 1 4

A

a t)

0)

15 y

prop. Prüfung Fachprüfung

aa>

T3

Vorprüfung Pharmazeutische

-c)

-o 1 » C M

abn


-o · i o

Lausanne Zürich.

Genf.

1

bD

:p C

£>

Bern.

1

l

o

:O 9

75

·o

bO

bo :-3 C

33

(D

w>

a


g 3

M

o a ïi | O

0} a O |P

1 i

!

i

3

2 33

6 3

22

1

1 4 8 1 16

4

2

4

1 _

1 3 4

! ·«' a

T3

a

4>bo

a> bO

. :p Ì -

'a

', bo

36

\ a


P

75 22 60 5

97

3

7 15 1 19 8 39

2

14

9

8

·i

267

1 162 mediainieiRhe ' Prüfungen. '

65 J

8 18 3l

,

92

Im Ganzen.

Total.

O)

73 pharmazeutische Prüfungen.

'

i1i 2>ä 1 32 thierärztliche| Prüfungen.

9 J

8 77 15 214 53 267

5 28 _.

31

<» '

a i bo S i -a bo a CD

7 -- - -- -- 1 -- -- --

26 i 5 55 20 28

·aa

T3



Zusammen.

267 Prüfungen.

445 Basel.

Bern.

4 1 -- 1 8 1

2

Genf.

Lausanne Zürich,

Total.

10 2

16 4

Schweizer.

Aargau Appenzell A. Rh.

1 Appenzell I. Rh. .

Basel-Landschaft .

Basel-Stadt, . .

Bern 1 Freiburg St. Gallen .

Genf ' Glarus Graubünden . .

Luzern Neuenburg Schaffhausen . .

Schwyz Solothurn Tessin Thurgau Obwalden Nidwaiden Uri Waadt ! Wallis Zürich Ziie !

Ausländer.

. .

. .

3 -- . .

3 1

. .

Deutschland . . . .

Oesterreich . . . .

l Frankreich .

. . .

Italien Rußland Bulgarien Serbien Capland Irland

1

%

1 1

1

34

\

1

6 1 1 1 2

2!

14 :

2

2 3

4 !

2 _

1 1 1

5 8 1

7 2

3 1

3

22 1

1

--

_ |

4 1

3

3

__

10

«)

2

3 1 1

2 10 40 3 ' 24 10 5 9 .

3 l 8 !

9 ' 7 6 1 9

--

1

1 3

i 1; 2 4 3 2 ' 5

:«> 2 1 6 S 28 26 1 : 2 j 4 14 2 1 ·< 1

1

1 1

3

--

31

75

1

-- 1

33

36

92 1 267

6 1 1 j »!

1 j

'

44«

3. Civilstand und Ehe.

Die im Vorjahre zum Zwecke des Abschlusses einer U e he. reinkunft beireffend g e g e n s e i t i g e k o s t e n f r e i e Mittheilung von Civilstandsakten mit I t a l i e n angeknüpften Unterhandlungen hüben einen günstigen Fortgang genommen, konnten indessen im Berichtjahr nicht vollständig zu Ende geführt werden.

Zwei durch den Geistlichen der englischen Botschaft in Paris abgeschlossene Trauungen von Schweizerbürgern mit Engländerinnen mußten von der Eintragung in die heimatlichen Civilstandsregister in der Schweiz als ungültig ausgeschlossen werden, weil diese Ehen unsern Informationen zufolge in Frankreich, dem Lande der EheSchliessung (Art. 54, Alinea 3, der Bundesverfassung), nicht gültig wind, indem d e r englischen Botschaft i n Paris n u r f ü r d e n Fall lische Staatsaugehörige sind.

Auf Anregung des Bundesgerichtes, welchem bei seiner Rechtsprechung in Ehescheidungssachen verschiedene Unregelmäßigkeiten bekannt geworden waren, sahen wir uns im Falle, die Kantonsregierungen durch Kreisschreiben vom 14. Juli (Bundesbl. III 728") einzuladen, dafür zu sorgen, daß die Civilstandsbeamten k e i n e Te mporalscheidungserkenntniss in die C i v i l s t a n d s r e g i s t e r e i n t r a g e n , sondern n u r e i g e n t l i c h e S c h e i d u n g s u r t h e i l e , und auch diese erst dann, wenn sie sich überzeugt haben, daß dieselben in R e c h t s k r a f t e r w a c h s e n sind.

Im Fernern wurde der Regierung eines Kantons, dessen Gerichte sieh für die Mittheilung der Scheidungsurtheile an die Civilstandsämter lückenhafter Formularien bedienten, in welchen namentlich die Bezeichnung des schuldigen Theils und der kWKartefrist fehlte, die Einführung eines vollständigeren Formulars empfohlen.

Eine Kantonsregierung hatte sich geweigert, die auf der Mairie des XIX. Arrondissements in Paris in rechtsgültiger Weise angeschlossene Ehe zwischen zwei Augehörigen ihres Kautons in die heimatlichen B-Register eintragen zu lassen, und zwar hauptsächlich wegen Nichtbeachtung der kantonalen Gesetzesbestimmung, wonach ein Bürger des betreffenden Kantons zu seiner Verheirathung im Auslande der speziellen Ermächtigung des Staatsrathes bedürfe, welche Vorschrift in den Heimatscheinen für Unverheirathete ausdrücklich erwähnt sei.

Die betreffende Regierung wurde hierauf von uns eingeladen, die Eintragung dieser Ehe anzuordnen, unter Hinweis darauf, daß die zitirte kantonale Vorschrift durch das» Bundesgesetz über Civil-

447

stand und Ehe vom 24. Dezember 1874 (.Art. 25 und 62, Ziff. 10) aufgehoben worden und die kantonale Behörde nicht berechtigt sei, die Anerkennung einer Ehe von der Beobachtung dieser derogirten Bestimmung abhängig zu machen.

Dieser Spezialfall bot Anlaß, die Regierungen derjenigen Kantone, deren Formular für die Heimatscheine von Unverheirateten noch derartige mit Bundesverfassung und Bundesgesetz in Widerspruch stehende Zusätze enthielt, durch Kreisschreiben vom 16. März zur Streichung derselben aufzufordern (zu vergleichen der Geschäftsbericht des eidg. Justizdepartements).

Die an den Nationalrath adressirte, uns zur Erledigung überwiesene P e t i t i o n der G e m e i n d e A g r a vom 12. Dezember ging von der Ansicht aus, daß nicht nur die Civilstandsregister am Ende eines jeden Jahres abzuschließen seien, sondern auch dio betreffenden B ä n d e . Wir haben diese irrige Auffassung unter Hinweis auf Art. 10 des Reglements über die Führung der Civilstandsregister vom 20. September 1881 rektifizirt.

Auch im Berichtjahre mußten wieder mehrere Civilstandsbeamte wegen Vornahme ungesetzlicher Trauungen (Mißachtung der Vorschriften über das Alter der Brautleute und über die Wartefrist für Wittwen und geschiedene Frauen) durch Vermittlung der betreffenden Kantonsregierungen nach Art. 59,2 des Bundesgesetzes zur Strafe gezogen werden.

4. Gesundheitswesen.

Mit Rücksicht auf die irn Spätsommer in Frankreich und Italien wieder ausgebrochene C h o l e r a sahen wir uns genöthig t , tun 26. August an der französischen und am 18. September au der italienischen Grenze die von unsern Choleraexperten als unerläßlich erachteten Schutzmaßregeln zu ergreifen. Da die Ausbreitung und namentlich die Intensität der Seuche sieh, mit Ausnahme der Insel Sizilien, in gewissen Schranken hielt, so durfte von dem Erlass bezüglicher Vorschriften für das Innere unseres Landes Umgang genommen werden, und es konnte auch der angeordnete Grenzschutz in seinem ganzen Umfange am 28. November aufgehoben werden.

Bezüglich der Ausrichtung der Bundesbeiträge an die den Kantonen und Gemeinden aus der Cholerakampagne des .Jahres 1881 erwachsenen K o s t e n verweisen wir auf die in der Nachtragskredit botschaft vom 5. Juni 1885 (Bundesbl. III, 265) enthalteneu detaillirten Angaben.

448

Die Durchführung Her C h o l e r a p o lizei auf dem b a d i sch eu B a h n h o f e in B a s e l im Jahre 1884 hatte zu Differenzen zwischen der Regierung des Kantons Basel-Stadt und dem großh. badischen Ministerium geführt. Wir waren bemüht, diese Anstände auf dem Konferenzwege zu heben, wobei die Herren Regierungsräthe W. Klein und Dr. Karl Burckhardt-Iselin als schweizerische Delegirte fungirten. Wenn auch im Berichtjahr eine Einigung nicht mehr erzielt werden konnte, so ist doch bestimmte Aussicht auf eine haldige Erledigung vorhanden.

Dein von der zuständigen Kantonsregierung unterstützten Gesuche einer Kurhausverwaltung entsprechend, haben wir unsere Vertreter im Ausland angewiesen, tendenziös entstellten Berichten auswärtiger Zeitungen über den Gesundheitszustand schweizerischer Fremdenzentren wie sie beinahe in jeder Saison wiederkehren, ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und solche unrichtige Angaben in jedem einzelnen Falle nach vorheriger amtlicher, wenn nöthig telegraphischer Konstatirung des Sachverhaltes jeweilen in den betreffenden Preßorganen mit möglichster Beförderung zu widerlegen.

Eine kantonale Sanitätsbehörde beschwerte sieh darüber, dass ein in einem andern Kanton belegenes industrielles Etablissement bei größter Sommerhitze und während derFremdensaisonn ein äußerst ü b e l r i e c h e n d e s D ü n g m a t e r i a l auf eine das Publikum in hohem Grade belästigende und angesichts der drohenden Choleraeinschleppung g e s u n d h e i t s g e f ä h r l i c h e W e i s e i n offenen Eisenbahnwagen z u r V e r f r a c h t u n g b r i n g e .

In Folge des bereitwilligen Entgegenkommens der betreffenden Kantonsregieruug konnte zwar rasche Abhülfe geschaffen werden; immerhin machte sich auch bei diesem an und für sich ziemlich geringfügigen Spezialfall wiederum der Mangel jeglicher gesetzlicher Normirung der Bundeskompetenzen fühlbar.

Gegen den von der Kantonsregierung bestätigten Beschluß eines kantonalen Sanitätsrathes, durch welchen jede fernere Anwendung und Benutzung von B i e r p r e s s i o n e n im Gebiete des Kantons u n t e r s a g t wurde, ist von den betroffenen Bierbrauern und Bierwirtheu der R e k u r s an den Bundesrath ergriffen worden.

Derselbe konnte im Berichtjahr nicht mehr erledigt werden.

III. Gesetzgeberische Vorarbeiten.

Im Berichtjahre wurde die Bearbeitung eines neuen Entwurfes zu einem eidgenössischen E p i d e m i e n g e s e t z und eines Aus-

449

führungsgesetzes über die A l k o h o 1fr a g e an die Hand genommen. Ueber diese beiden Vorlagen, welche erst im laufenden Jahre zum Abschluß gelangen, werden selbstständige Berichterstattungen erfolgen.

IV. Ausstellungen und Kongresse im In- und Ausland.

Den die i n t e r n a t i o n a l e K u n s t a u s s t e l l u n g in A n t w e r p e n beschickenden schweizerischen Künstlern wurde durch einen Beitrag an die betreffenden Mehrkosten die Vereinigung ihrer Kunsterzeugnisse in einer nationalen schweizerischen Abtheilung ermöglicht. (Zu vergleichen Nachtragskreditbotschaft vom 5. Juni 1885, Bundesbl. IU, 265.)

Der Abschluß der K o n v e n t i o n betreffend den g e g e n s e i tigen A u s t a u s c h a m t l i c h e r A k t e n s t ü c k e und w i s s e n s c h a f t l i c h e r P u b l i k a t i o n e n , welche von der im April 1883 in B r ü s s e l stattgefundenen i n t e r n a t i o n a l e n K o n f e r e n z festgestellt worden war (Geschäftsbericht pro 1883, Bundesbl. 1884, II, 27), hat infolge von Unterhandlungen, welche die belgische Regierung mit einigen der betheiligten Staaten über deren definitiven Beitritt zu pflegen im Falle war, etwelche Verzögerung erlitten.

Indessen konnte die ebenfalls in Brüssel stattfindende Unterzeichnung nunmehr auf den 15. März 1886 anberaumt werden. Die Konvention wird Ihnen s. Z. zur Ratifikation unterbreitet werden.

Bei der in den Monaten Mai und Juni in Rom abgehaltenen vierten i n t e r n a t i o n a l e n S a n i t ä t s k o n f e r e n z, deren Zusammentritt namentlich durch die neuerliche Cholerainvasion veranlaßt worden, war die Schweiz vertreten durch Hrn. Minister B n v i e r in Rom, welchem die Herren Dr. Son d e r e g g e r in St. Gallen und Dr. R e a l i in Cevio als technische Delegirte beigegeben wurden. Die technische Spezialkommission konnte über verschiedene wichtige Fragen, wie beispielsweise über die Verwerflichkeit der Landquarantaine, Mehrheitsbeschlüsse erzielen, die theilweise an Einstimmigkeit grenzten; die diplomatischen Vertreter erklärten sich indessen mangels genügender Instruktionen außer Stande, ihrerseits bindende Beschlüsse zu fassen, und als zu dem Zwecke ein zweiter Zusammentritt der Konferenz auf den 16. November in Aussicht genommen werden wollte, stellte sich heraus, daß von den betheiligten Staaten einzig die Schweiz bereit war, durch inter-

450

nationale Abmachungen ein einheitliches Vorgehen bei der Bekämpfung von Epidemien herbeizuführen.

Es wäre zwar eine durchaus irrige Auffassung, wenn mau aus diesem Grunde schließen wollte, die Konferenz in Rom sei resultatlos verlaufen ; dieselbe hat im Gegentheil wesentlich zur Abklärung der vorhandenen Kontroversen und zur gegenseitigen Annäherung der Anschauungen beigetragen; ihr günstiger Einfluß hat sich zum Theil schon bei der Durchführung der Choleramaßregeln im BerichtJahre fühlbar gemacht. Die Protokolle über die Verhandlungen und Beschlüsse der Konferenz stehen zur Verfügung der Geschäftsprüfungskommission.

Auf dem ersten allgemeinen s c h w e i z e r i s c h e u A e r z t e t a g, welcher am 30. Mai in B e r n abgehalten wurde, war der Bundesrath durch ein Mitglied vertreten.

Der schweizerischen geologischen Gesellschaft (Präsident Herr Prof. E. Renevier in Lausanne) wurde durch Zuwendung eines Beitrages von Fr. 600 die Beschickung des im Monat September in B e r l i n stattgefundenen i n t e r n a t i o n a l e n g e o l o g i s c h e n K o n g r e s s e s ermöglicht.

V. Werke der öffentlichen Gemeinnützigkeit und Wohlthätigkeit.

1. Schweizerische naturforschende Gesellschaft.

Mit Rücksicht auf die baldige Vollendung der geologischen Karte der Schweiz konnte der Bundesbeitrag an die schweizerische n a t u r f o r s c h e n d e Gesellschaft für das Berichtjahr von Fr. 30,000 auf Fr. 25,000 herabgesetzt werden.

Aus dem Berichte der g e o d ä t i s c h e n Kommission dieser Gesellschaft ist hervorzuheben, daß die im Vorjahre beschlossenen astronomischen Beobachtungen zum Anschlüsse an Italien auf Wunsch der italienischen Delegirten auf das nächste Jahr verschoben und dafür ergänzende Beobachtungen auf Gäbris und Simplon angeordnet wurden, welche seither ausgeführt worden sind. Ferner wurde die von dem eidgenössischen Eisenbahn-Departement angeregte Frage besprochen, oh es nicht zweckmäßig wäre, die sämmtlichen Eisenbahn-Stationen an das von der Kommission ausgeführte Präzisions-Nivellement anzuschließen, und darauf hin beschlossen, unter gewissen Bedingungen auf der Linie Bern-Thun

451

eine Probearbeit dieser Art anzuordnen, welche seither vorgenommen worden ist und als Basis für weitere Besprechungen dienen wird.

Der Stand der auf das Nivellement und die Anschlusstriangulationen bezüglichen Rechnungen ergab sich als ein sehr befriedigender, und es schien alle Hoffnung vorhanden, noch im Laufe des Jahres d i e betreffenden Druckarbeiten anordnen z u können.

welcher mehrere bezügliche Arbeiten übernommen hatte, durch längeres ernstliches Unwohlsein an .deren Vollendung verhindert worden ist.

In Bezug auf die Thätigkeit der g e o l o g i s c h e n Kommission der naturforschenden Gesellschaft ist zu bemerken, daß das letzte Blatt (XIII) der geologischen Karte bearbeitet wurde und mit; Beginn des Jahres 1886 zur Publikation gelangen kann. Der Druck der begleitenden Texte geht ebenfalls vorwärts, so daß demnächst die Vollendung des ganzen Werkes gewärtigt werden darf. Im Laufe des Berichtjahres sah sich Herr Professor Dr. Bernhard S t u d er in Bern, welcher der geologischen Kommission während 25 Jahren als Präsident vorgestanden hatte, wegen zunehmender Schwäche des Augenlichts genöthigt, seine Demission einzureichen.

Wir fühlen uns gedrungen, dem mehr als 90jährigen Veteranen der vaterländischen Wissenschaft, welcher mit großer Uneigennützigkeit und seltener Energie so lange auf seinem Posten ausharrte, bis eisein Lieblingswerk als zu Ende geführt betrachten konnte, an dieser Stelle noch unsern besondern Dank auszusprechen. Das Präsidium der Kommission wurde dem Herrn Professor Alphonse F a v i - e in Genf übertragen.

Der A r b e i t s t i s c h am z o o l o g i s c h e n I n s t i t u t , in N e a p e l war im Berichtjahr, der zeitweise daselbst herrschenden Cholera ungeachtet, fast für 12 Monate besetzt, und zwar von Hrn. Maurice J a q u e t in Neuenburg während 5, von Hrn. Ed. B o rn a n d in Lausanne, während 41/2 und von Hrn. Dr. Fritz Zschokke, inAaraun während 2 Monaten. Sowohl die Konnnission, welche den Tisch zu vergeben hat, als die erwähnten drei jungen Gelehrten, sind einstimmig in ihrem Lobe über die gute Aufnahme und die Zuvorkommenheit, die unsern Landsleuten in der von Prof. Dohrn geleiteten Anstalt zu Theil werde.

2. Schweizerische geschichtforschende Gesellschaft.

Schweizerisches Idiotikon.

Die geschichtforschende Gesellschaft veröffentlichte im Jahr 1885 außer dem Jahrgang XVI des A n z e i g e r s f ü r s c h w e i z e r i s c h e Bundesblatt.

38. Jahrg. Bd. I.

33

452

G e s c h i c h t e , mit welchem der IV. Band dieser Publikation abschließt, den X. Band des J a h r b u c h e s für s c h w e i z e r i s c h e G e s c h i c h t e . Derselbe enthält Abhandlungen der Herren Staatsarchivar Dr. Schweizer in Zürich (Freiheit der Schwyzer), F. Gabr.

Meyer in Einsiedeln (Schule von St. Gallen), Dr. A. von Gonzenhach in Bern (Lostrennung der Schweiz vom deutschen Reiche) und Prof. Dr. G. von Wyß in Zürich (Antiquitates Einsidlenses und Liber Heremi). Beigegeben ist ein Inhaltsverzeichniß der ersten 10 Bände (1876--1885). Dagegen konnte Band VIII deiQ u e l le n zur S c h w e i z e r g e s c h i c h t e (ßd. 2 der Ausgabe des Campell) im Berichtjahre nicht mehr vollendet werden ; doch ist der Druck sehr weit vorgeschritten und die Ausgabe des Buches in nächster Zeit zu erwarten. Der Gesellschaftsrath hat für weitere Bände der ,,Quellen", welche sich an Band IX (Bd. 3 des Campell) ansehließen sollen, schon ziemlich weit reichende Vorbereitungen getroffen. Insbesondere liegen größere Materialien, Kopien des Montforter Urkundenschatzes im fürstlich Thurn und Taxis'schen Archiv in Regensburg, sehr aufschlußreich für die Geschichte des St. Galler Rheinthaies und des Vorarlberg, sowie Abschriften aus der Zurlauben'schen Briefsammlung in der Aarauer Bibliothek, welche für die politische, die Kultur- und Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts sehr interessant ist, für bevorstehende Editionen bereit.

Von dem s c h w e i z e r i s c h e n I d i o t i k o n erschienen im Berichtjahre die Lieferungen 8 und 9. Da in der 9. Lieferung der Buchstabe F zu Ende geführt wird , so beschloß der geschäftsleitende Ausschuß, den I. Band mit derselben abzuschließen und bei diesem Anlaße wiederum einen Bericht über den Fortgang des Unternehmens zu veröffentlichen, welchen wir der Geschäftsprüfungskommission zur Einsicht bereit halten.

3. Verband der schweizerischen Gesellschaften.

geographischen

Der Verband erhielt im Berichtjahre zum ersten Mal einen Bundesbeitrag von Fr. 1000. Derselbe wurde von der Centralleitung der geographischen Gesellschaft von B e r n zugetheilt, welche sich an ein Unternehmen von allgemeinem Interesse gewagt hatte, dessen Durchführung ihre finanziellen Kräfte überstieg. Es handelt sich um die Erstellung eines g e o g r a p h i s c h e n L e h r u n d L e s e b u c h e s , für welches die genannte Gesellschaft unter den schweizerischen und in der Schweiz lebenden Gelehrten einen Konkurs mit Preisen von Fr. 1500, Fr. 1000 und Fr. 500 eröffnet

453

hat. Da die Eingabefrist erst mit dem Monat Februar 1887 abläuft, so kann über das Ergebniß der Konkurrenz noch nicht berichtet werden. Wir beschränken uns hier auf den Hinweis, daß die Verbreitung geographischer Kenntnisse für unser Land in handelspolitischer Beziehung von Wichtigkeit ist, und daß die Art und Weise, in welcher in neuerer Zeit ausländische GeographieHandbücher hie und da mit unsern Landesgrenzen umspringen, die Behandlung dieses Gegenstandes durch einen einheimischen Gelehrten nicht überflüssig erscheinen läßt.

4. Schweizerische statistische Gesellschaft.

Diese Gesellschaft setzte auch im Berichtjahre ihre Thätigkeit in gewohnter Weise fort. Eine Jahresversammlung wurde ausnahmsweise zwar nicht abgehalten, da diejenigen Mitglieder, welche Referate zu bringen pflegen, in anderer Weise stark beschäftigt waren. Dagegen war die s t a t i s t i s c h e Z e i t s c h r i f t reichlich mit Stoff versehen. Die Zusammenstellung der S t a t i s t i k d e r g e g e n s e i t i g e n H ü l f s g e s e l l s c h a f t e n in d e r Schweiz kam nicht vollends zum Abschluß. Der nach Bezahlung der letzten Nummer der Zeitschrift pro 1885 noch muthmaßlich verbleibende Saldo von circa Fr. 3500 wird durch die Publikation dieser Statistik aufgebraucht werden.

5. Hebung der Kunst, schweizerisches Nationalmuseum.

schweizerischer Kunstverein.

Die Vorstudien für die Gründung eines schweizerischen K u n sis a l o n s (Petition Buchser und Konsorten) und eines schweizerischen N a t i o n a l m u s é u m s (Motion Vögelin), sowie für die Su b v e n t i o n i r u n g ö f f e n t l i c h e r Al te r t h ü m e r s a m m l u n gen (Motion Muheim-Rusch), konnten im Berichtjahre nicht wesentlich gefördert werden. Es liegt dies zum Theil in der großen Tragweite dieser Projekte, durch welche eine allseitige und gründliche Prüfung bedingt ist, zürn Theil in den dabei in Betracht kommenden ungünstigen Verhältnissen und Umständen, die dem Einflüsse der Bundesbehörde nicht immer erreichbar sind. Wir werden übrigens unser Möglichstes thun, um auf diesen Gebieten zu einem befriedigenden Resultate zu gelangen.

Inzwischen haben wir den Intentionen der Antragsteller vorläufig dadurch entgegenzukommen gesucht, daß wir die Beschickung der internationalen Kunstausstellung in Antwerpen seitens einhei-

454

mischer Künstler durch Uebernahme eines Theiles der Kosten begünstigten , und daß wir historische Kunstdenkmäler vor der Verschleppung in's Ausland nach Kräften zu bewahren trachten. Da der von Ihnen zu letzterem Behufe bewilligte Nachtragskredit von Fr. 5000 (Botschaft vom 9. Dezember 1885, Bundesblatt IV, 575) seinen ursprünglichen Zweck (Erwerbung von Glasgemälden aus dem Kloster Rathhausen) wegen der auf der betreffenden Auktion in Basel verlangten exorbitanten Preise nicht erfüllen konnte, so überließen wir dem Vorstand der G e s e l l s c h a f t f ü r E r h a l t u n g h i s t o r i s c h e r K u n s t d e n k m ä l e r (Präsident Hr. Th. de Saussure in Genthod) auf dringendes Ansuchen die genannte Summe in der Meinung, daß daraus, gegen vorherige Einholung unserer Zustimmung in jedem einzelnen Fall, einige andere ihm bekannte, historisch und künstlerisch werthvolle Glasseheiben, deren Veräußerung in's Ausland drohte, zu Händen des Bundes angekauft und damit dem Lande erhalten würden. In diesem Sinne wurde noch im Berichtjahr eine Glasscheibe aus dem Jahr 1500, das Wappen des Kardinals Schinner darstellend, um den Preis von Fr. 1400 erworben. Der beabsichtigte Ankauf eines zweiten Glasgemäldes verzögerte sieh bis in's folgende Jahr. Wir werden dafür besorgt sein, daß die auf diesem Wege erworbenen Gegenstände in einer Weise provisorisch untergebracht werden , welche die definitive Erledigung der Hauptfrage in keiner Weise präjudizirt. Wenn in das ordentliche Jahres budget pro 1886 nicht ein bezüglicher Posten eingestellt wurde, so ist dies wesentlich auf den Unistand zurückzuführen, daß zur Zeit nicht genügende Anhaltspunkte dafür vorhanden waren, ob und in welchem Maße die eidgenössischen Finanzen im laufenden Jahre nach dieser Richtung hin würden in Anspruch genommen werden.

Wir fügen liier noch bei, daß während des Berichtjahres die provisorische Installation «1er Gross'schen P f ah l b a u t e n s a mm-I u u g imBundesrathhausee durchgeführt worden ist.

S c h w e i z e r i s c h e r K u n s t v e r e i n . Aus der Bundessubvention von Fr. 6000 hat die bezugsberechtigte Sektion Basel zwei Bilder angekauft, nämlich ,,Incendie" von Edouard Castres in Genf und ,,Etang en Camargues" von Auguste Potter in Genf.

6. Versicherungsverein der eidgenössischen Beamten und Bediensteten.

Im Berichtjahre haben Neuaufnahmen stattgefunden:

455

1) Nach Tarif A (Ableben) . . .288 Policen (230 Mitglieder) für Fr.

2) Nach Tarif B (Ableben oder 60. Altersjahr) . 164 ,, (139 ,, ) ,, ,, 3) Nach Tarif C (Renten) . . 2 ,, ( 2 ) " ,,

902,900 494,800 1,200

Total 454 Policen (372 Mitglieder) für Fr. 1,398,900 gegenüber dem Vorjahre mit . . 252 ,, (225 ,, ) ,, ,, 854,200 Es übertrifft dieses Ergebniß dasjenige von 1883 (bisher günstigstes) um 170 Policen für Fr. 511,100 Versicherungssumme.

Die ungewöhnliche Zunahme im Jahre 1885 hat ihren Grund namentlich in der durch die Statutenrevision bedingten mäßigen Erhöhung der Prämien für die erst nach dem 1. Januar 1886 eintretenden Mitglieder. Dieses Resultat wird daher für die nächsten Jahre kaum mehr erreicht werden, im Gegentheil dürfte infolge der letztes Jahr stattgefundenen a u ß e r g e w ö h n l i c h e n Zunahme für einige Zeit eine Stagnation eintreten, da für die Zukunft hauptsächlich nur neu in den eidgenössischen Dienst eintretende Beamte und Angestellte sich zur Aufnahme in den Verein melden werden.

So günstig sich im abgelaufenen Jahre die Aufnahmen gestalteten , so ungünstig sind leider die Sterblichkeitsverhältnisse geblieben, indem durch Tod abgingen 64 Policen mit Fr. 150,626 gegenüber 1884 von 45 Policen mit Fr. 101,777. Fällige Policen aufs 60. Altersjahr waren es 5 Policen mit Fr. 9800. Infolge Auswanderung wurden sofort ausbezahlt 6 Policen mit Fr. 785.

Austritte und Ausschlüsse waren es 29 Policen mit Fr. 72,814.

Der Vermögensstand verzeigt auf 31. Dezember 1885 Summe von Fr. 1,312,777. 17.

die

Die Bundessubvention von Fr. 50,000 wurde, wie früher, nur Ermäßigung der Prämien um 25 °/o verwendet, an welcher Vergünstigung auch 213 Beamte (mit einem Beitrag von zusammen Fr. 4703) partizipirten, welche sich vor Gründung des Vereins, beziehungsweise vor ihrem Eintritt in den eidgenössischen Dienst, anderweitig versichert hatten.

Die von der Delegirtenversammlung in St. Gallen am 12. und 13. August auf Grund der bisherigen Erfahrungen durchberathene S t a t u t e n r e v i s i o n erhielt am 25. September unsere Genehmigung und wurde in der Urabstimmung vom 25. November von den Mit-

450

gliedern des Vereins angenommen, so daß die neuen Statuten auf den 1. Januar 1886 in Kraft gesetzt werden konnten. Ueber die damit eingetreteneu Aenderungen gibt der gedruckte Jahresbericht Aufschluß.

7. Schweizerische permanente Schulausstellungen.

Ueber die ersprießliche Wirksamkeit und die gedeihliche Fortentwicklung der beiden vom Bunde suhventionirten Schulausstellungen in Z ü r i c h und Bern enthalten die von den Direktionen erstatteten Spezialberichte, auf welche zu verweisen wir uns hier, beschränken, einläßliche Mittheilungen.

Der S o c i é t é des i n s t i t u t e u r s de la Suisse r o m a n d e bewilligten wir unterm 16. September au die im Jahre 1886 in P r u n t r u t abzuhaltende Jahresversammlung einen Bundesbeitrag von Fr. 1000 in Anbetracht des Umstandes, daß mit diesem Fest eine S c h u l a u s s t e l l u n g verbunden sein wird, auf welchem Gebiete die französische Schweiz bis jetzt noch keine Subventionen erhalten hatte (für das laufende Jahr ist zum ersten Mal ein Beitrag an die unlängst gegründete permanente Schulausstellung in Freiburg in Aussicht genommen).

8. 11 Repertorio di giurisprudenza patria cantonale e federale.

Die Herausgeber dieser Zeitschrift erfüllten auch im BerichtJahre diejenigen Bedingungen, welche seinerzeit an die Gewährung einer Bundessubvention geknüpft worden waren.

VI. Polytechnische Schule.

Dem Spezialberichte des schweizerischen Sehulrathes entnehmen wir folgende Angaben : 1. Leistungen und Frequenz der Anstalt. Die Zahl der im Berichtjahre angekündigten Vorlesungen und Uebungskurse betrug: Im Wintersemester 254, im Sommersemester 238. Die Zahl der wirklich gehaltenen belief sich auf 229 resp. 214.

Zur Aufnahme als regelmäßige Schüler haben sich angemeldet:

457

im Oktober 1884 im April 1885

184, 9,

Summa

im Oktober 1883 im April 1884

193

168 7 175

Die Zahl der Aufgenommenen betrug : im Oktober 1884 174, im Oktober 1883 161 im April 1885 9, im April 1884 7 Summa der Angemeldeten.

Von diesen 183 ganze resp. theilweise während den übrigen Zeugnisse die Prüfung

183 = 95 %

168 = 96 °,0

neu eingetretenen Schülern hatten 73 die Aufnahmsprüfung an der Schule zu bestehen, 110 auf Grund der von ihnen produzirten erlassen wurde.

10 Bewerbern = 12 °/o der Geprüften und 5 °/o der Angemeldeten wurde . die Aufnahme verweigert.

Von den neu Eingetretenen entfallen auf: 1884/85. 1883/84.

d i e Bauschule .

.

.

.

.

5 10 d i e Ingenieurschule .

.

.

.

31 26 die mechanisch-technische Schule 51 42 die chemisch-technische Schule 60 62 die Forstschule 8 4 die landwirtschaftliche Abtheilung .

6 11 die Fachlehrerabtheilung .

.

. 2 2 13 183

Die Gesiimmtfrequenz stellt sich : an regulären Schülern auf 412 an Zuhörern auf .

. 320

1883/84 ,,

168

413 289

Total 732 ,, 702 Es ergibt sich sonach gegenüber 1883/84 eine Verminderuug um l Schüler, dagegen eine Vermehrung um 31 Zuhörer, also eine Zunahme der Gesammtfrequenz um 30.

Im Laufe resp. mit Schluß des Berichtjahres haben die Anstalt verlassen :

458

1) Vor Beendigung ihrer Studien .

2) Mit Diplom und Abgangszeugniß 3) Absolvirte Schüler früherer Jahre

.

.

.

70 93 30

193 (1883/84 184) Dieselben abgerechnet von der Gesammtfrequenz .

.

.

.

. 4 1 2 ergibt als Uebertrag auf 1885/86 vom vorigen Jahre.

.

.

219, gegenüber 229

Von den 412 regulären Schülern waren: 220 Schweizer 1883/84 224 192 Ausländer ,, 189 412

,,

413

Die Zahl der Schweizer hat demnach um 4 ab-, diejenige der Ausländer um 3 zugenommen.

Nach Fachschulen geordnet entfallen auf:

1884/85.

1883/84.

O

11

'

i

Bauschule . . . .

' Ingenieurschule Mechanisch-technische Schule . . . .

Chemisch - technische , Schule . . . .

Forstschule . . . .

Land wirtschaftliche Abtheilung . .

Fachlehrerabtheilung .

h

03

·sbJ3 o CQ

>i~ ii

">

--·

f^ 0>

:ca

·»

& f'· I-]

:ca

<ä -^>

ft& &a

cn

O

N



^ <1

·s <« ·1 'S » O ·<

i P-l || ^

o

Si G)

*&

H

14 32

10 58

24 90

22 31

8 61

30 92

49

48

97

38

50

88

56 18

66 122 l| 19

61 18

58 119 1 19

13 38

5 18 4 1 42

11 43

8 3

Ö

c5

a ,0 <1

6 2 |

9 3 .

19 46

220 192 412 224 189 413 12

|

d5 p

-G

1 4

1

18 ' i

459

Auf die einzelnen Kantone der Schweiz und das ausland vertheilt, ergibt sich folgendes Verhältniß : A. S c h w e i z e r 220, nämlich: Zürich 59, Bern 17, Aargau 16, Graubünden 15, Waadt 14, St. Gallen 12, Neuenburg 12, Genf 12, Thurgau 11, Baselstadt 10, Freiburg 8, Solothurn 7, Glarus 7, Luzern 6, Tessin 6, Schaffhausen 3, Baselland l, Appenzell l, Wallis l, Zug l, Schwyz l, Unterwaiden --, Uri --. Differenz minus 4.

JB. A u s l ä n d e r 192, nämlich: Russische Staaten 48, Oesterreich-Ungarn 38, Deutschland 28, Italien 15, Rumänien 13, Griechenland 12, Nord- und Südamerika 9, Schweden und Norwegen 7, Frankreich 7, Großbritannien 4, Luxemburg 2, Bulgarien l, Türkei 1.

Kleinasien l, Ostindien l, Serbien --, Holland 5. Differenz plus 3.

Unter den oben erwähnten 320 Auditoren befanden sich 128 Studirende der zürcherischen Universität; im Schuljahr 1883'84 waren ihrer 124 eingeschrieben.

2. Fleiß und Disziplin. In Ausübung der reglementarischen Kontrole über Fleiß und disziplinarisches Verhalten wurden eine größere Anzahl Ermahnungen durch die Vorstände und den Direktor ertheilt, gegen 18 Schüler die Androhung der Wegweisung, gegen einen Schüler die Wegweisung selbst ausgesprochen.

Die Zahl der N ich t p r o m o vi r teil beträgt 13 % (1883 '84 13,3 % Es bewarben sich 60,3 % der hiezu Berechtig!eu uni das Diplom, von diesen erhielten 82,1 °/o das Diplom, während 17,0 % abgewiesen wurden.

Mit Schluß des Berichtjahres belauft sich nunmehr die Zahl der ertheilten Diplome auf 1296.

Von den im Berichtjahre fälligen Preisaufgaben wurden diejenige der chemisch-technischen und der Forstabtheilung gelöst.

Herr Friedrich Nötzli von Höngg erhielt für Lösung der Preisaufgabe der chemisch-technischen Abtheilung den Hauptpreis, Herr Ulrich Gyr von Uster für Lösung der forstlichen Aufgabe den Nahepreis.

Außer den regelmäßig wöchentlich wiederkehrenden Ex k u rsionen fanden mit allen Abtheilungen auch die vorgesehenen größern Exkursionen statt.

460

3. Sammlungen und wissenschaftliche Anstalten. Der Titel ,,Sammlungen" umfaßt 30 verschiedene, jeweilen unter der Direktion eines Professors stehende Unterabtheilungen. Für dieselben werden alljährlich Kredite ausgesetzt, die von Fr. 50 im Minimum bis Fr. 3000 im Maximum, letztere Summe einzig für die Maschinenmodellsummlung, ansteigen. Im Durchschnitte variiren die bezüglichen Beträge zwischen Fr. 300 und 1000 (vide jeweilen das Jahresbüdget der polytechnischen Schule).

Größere Summen bedürfen selbstverständlich das physikalische Institut, das chemisch-analytische, chemisch-technische und das agrikultur-chemische Laboratorium, sowie die Bibliothek. Diese Instiute beziehen außer den Krediten, welche ihnen jeweilen aus den Mitteln der Schule zur Verfügung gestellt werden, noch die Gebühren der Schüler und Zuhörer für Benutzung dieser Anstalten.

Aus dem Umstände, daß diese Einnahmen an Gebühren von der großem oder geringem Frequenz abhängig sind und bei Entwurf des Voranschlages für das künftige Jahv nur annähernd bestimmt o ö werden können, folgt nothwendig eine jeweilige größere odor geringere Differenz zwischen Budget und Rechnung, welche indessen selbstverständlich die Ansätze aus den Mitteln der Schule nicht alteriren, vielmehr sich innerhalb der Zuschüsse aus den Gebühren bewegen. Wo ausnahmsweise die Einnahmen von den Ausgaben überschritten werden, wie namentlich bei dem physikalischen Institute, werden jeweilen die Defizite durch Nachtrags- oder Extrakredite gedeckt, welche nach einläßlicher Prüfung der Verhältnisse der Schulrath bewilligt.

Wenn demnach die diesjährige Rechnung für die Sammlungen uud Anstalten gegenüber dein Budget im Betrage von Fr. 80,550 eine Ausgabe von Fr. 112,544. 67 (einschließlich Fr. 14,700 Extrakredite für die Sternwarte, die guologisch-paläontologische Sammlung und das physikalische Institut) zeigt, so ist in vorstehenden Bemerkungen die Erklärung hiefür ausreichend gegeben.

P h y s i k a l i s c h e s I n s t i t u t . Das Laboratorium war im Wintersemester 1884/1885 von 29 Laboranten, im Sommersemester 1885 von 22 Laboranten besucht.

An wissenschaftlichen Arbeiten haben Herr Professor Weber 5, Herr Professor Schneebeli 3, einige ältere Praktikanten deren 6, worunter 3 Diplomarbeiten, ausgeführt.

Es ist eine unbestrittene Thatsacbe, daß Vorlesungen über angewandte Physik absolut nicht ausreichen, jungen Leuten, welche sich der Technik widmen wollen, volles Verständniß der physika-

461

lischen Naturgesetze, genaue Bekanntschaft mit den physikalischen Untersuchungs- und Meßmethoden und sicheres Wissen über du; physikalischen Eigenschaften der wichtigsten zur Anwendung kommenden Stoffe zu überliefern, daß vielmehr eine gründliche physikalische Schulung nur durch eine innige Kombination und Durchdringung von Vorlesungen und von praktischen Arbeiten im Laboratorium erzielt werden kann. Anfänglich glaubte man, die Verwirklichung dieser Idee bis nach Erstellung eines Neubaues für Physik verschieben zu sollen. Da aber schon der Beginn, namentlich aber die Vollendung der Baute noch in ziemlicher Ferne steht, so unternahm man es, trotz der beschränkten, ja ganz ungenügenden Lokalitäten das oben genannte Programm mit Hülfe eines Aufwandes von viel Zeit, Muhe und Geduld mit Beginn des Schuljahres 1885/86 dadurch zu verwirkliehen, daß die dreistündige Vorlesung über elektrische Beleuchtung mit dreistündigen Meßübungen verbunden wurde. Daß mit diesem Sehritte einem lebhaft gefühlten Bedürfnisse nach praktisch-physikalischer Schulung entgegengekommen wurde, illustrirt die Thatsache, daß von den 36 Besuchern der Freivorlesung über die ,,elektrische Beleuchtung" nicht weniger als 20 die angesetzten fakultativen Meßübungen besuchen.

Außer diesen werden im laufenden Semester 1885/86 die verschiedenen physikalischen Uebungen noch von 32 Praktikanten besucht, und es ist damit der Zeitpunkt gekommen, von welchem an eine weil ere Entwickelung des physikalischen Unterrichtes in den jetzigen Räumen absolut abgeschnitten ist. Schon die Unterbringung und Anleitung dieser genannten Anzahl von Praktikanten wird nur möglich, wenn von Seite der Leitung auch die letzte Stunde dem Laboratorium gewidmet wird und jeden Tag unter Zeit- und Arbeitsverlust neue Kombinationen der Arbeitsplätze vorgenommen werden. Das ist ein Zustand, welcher allenfalls einige Semester durch ertragen werden kann und im Interesse der Schule und des Unterrichtes auch ertragen wird, aber auf Jahre hinaus ist derselbe unhaltbar und ein Neubau deßhalb absolutes dringendes Bedürfniß.

I m c h e m i s c h - a n a l y t i s c h e n L a b o r a t o r i u m arbeiteten im Wintersemester 86, im Sommersemester 71 Praktikanten.

Die große Mehrzahl der Schüler beschäftigte sich mit analytisch chemischen Arbeiten im Sinne des Programmes; einige,
besonders aus der Abtheilung VI B, daneben auch mit der Darstellung von Präparaten. Etliche der älteren Schüler und die meisten Auditoren bearbeiteten selbstständige Themata. Sechs derselben benutzten ihre Untersuchungen als Dissertation zur Doktorpromotion. Diese

462

Arbeiten sind in den ,,Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft" veröffentlicht; worden. Ebenso sind in der nämlichen Zeitschrift einige vom Leiter des Laboratoriums, Herr» Prof. Hantzsch.

und seinem Privatassistenten ausgeführte Arbeiten publizirt.

D a s eh e m i s c h -1 e c h n i s e h e L a b o r a t o r i u m war besucht im Wintersernester von 61, im Sommersemester von 56 Praktikanten. Um diese unterzubringen, mußtennicht nur in jedem verfügbaren Winkel Plätze errichtet werden, selbst der erste Assistent mußte noch die Hälfte seines Arbeitsplatzes hergeben. Wie bei dem analytischen Laboratorium, wurden auch hier eine Anzahl selbstständige Untersuchungen zur Doktorpromotion benutzt.

Ueber das a g r i k u l t u r - c h e m i s c h e L a b o r a t o r i u m ist zunächst zu erwähnen, daß an den praktischen Uebungen in demselben im Wintersemester 1884/85 4 Schüler und 2 Zuhörer, im Sommersemester 1885 dagegen 13 Schüler und 2 Auditoren sich betheiligten.

Auch hier macht sich der Platzmangel, welcher seit Jahren durch Ueberlassung einiger Räume an die landwirthschaftlichchemische Untersuchungsstation entstanden ist, recht fühlbar. Es liegt sehr im Interesse der Anstalt, daß in Folge Verlegung dieser Station in das neue Chemiegebäude die von ihr okkupirten Räume ihrer ursprünglichen Bestimmung baldigst wieder zurückgegeben werden können.

Noch möge hier erwähnt werden, daß die Untersuchung schweizerischer Käsesorten, welche seit einigen Jahren im agrikulturchemischen Laboratorium im Gange war, nunmehr-abgeschlossen ist und daß ein Referat über die gewonnenen Resultate nächstens zur Veröffentlichung gelangen wird.

Diebeiden Futterbaukurse a u f d e m l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n V e r s u c h s f e l d e, von denen der eine im Jahre 1876, der andere 1880 begonnen wurde, haben mit dem Berichtjahre ihren Abschluß gefunden. Uie Resultate werden veröffentlicht werden. Im Allgemeinen gehen dieselben vor der Hand dahin, daß : 1) der Kunstfutterbau nur für eine beschränkte Reihe von (2--6) Jahren zweckdienlich erscheint und demnach 2) die Anlage von Kunstdauerwiesen ohne Erfolg ist, weil der künstlich hergestellte Pflanzenbestand mit der Zeit durch die natürliche Flora verdrängt wird.

463

Es sollen indessen diese Fragen durch spätere V ersuche au endgültigem Entscheide gebracht werden, nachdem das Land, welches nunmehr 10 Jahre lang zu Futterbauversuchen gedient hat und nun zu Versuchen mit Getreide und Hackfrüchten benutzt werden soll, hiefür wieder geeignet sein wird.

S t e r n w a r t e . Die astronomischen Vorlesungen und Uebungen haben ihren regelmäßigen Verlauf genommen.

Der Umbau des Refraktors, für welchen der größere Theil des vor zwei Jahren bewilligten Extrakredites von Fr. 10.000 bestimmt ist, nimmt mehr Zeit in Anspruch, als anfänglich gedacht wurde; aber er wird durch Hrn. Kern in Aarau gemeinschaftlich mit der Société genevoise sehr sorgfältig ausgeführt, und es steht in Aussicht, daß das Instrument im nächsten Mai wieder in der Kuppel der Sternwarte, die inzwischen reparirt worden ist, wird aufgestellt werden können.

B i b l i o t h e k und Lesezimmer wurden auch im Berichtjahre in erfreulicher Weise benutzt.

Auch im verflossenen Jahre wurden die Sammlungen des Polytechnikums von verschiedenen Seiten in verdankenswerther Weise mit zahlreichen Geschenken bedacht.

4. Annexanstalten, a. A n s t a l t zur P r ü f u n g der Festigkeit von B a u m a t e r i a l i e n . Die Anstalt wurde von Industriellen Baubehörden und Bahnverwaltungen des In- und Auslandes auch im Betriebsjahre in sehr bemerkenswerther Weise in Anspruch genommen.

Die vorgenommenen Versuche vertheilen sich auf: Künstliche und natürliche Bausteine 46U . 5849 Bindemittel 25 Bauhölzer Metalle 915 Seile und Triebriemen .

81 40 Chemische Analysen Summa 7370 Was die Anschaffungen betrifft, so ist vor Allem die Maschine von Mohr & Federhoff in Mannheim zu erwähnen, für deren Erwerbung ein Extrakredit von Fr. 5000 bewilligt worden ist. Die Maschine ist in gutem Zustande angekommen und funktionirt ausgezeichnet.

464

Die Rechnung zeigt an Einnahmen ' «n Ausgaben

Fr. 20,972. 59 ,, 20,964. 23

Saldo Fr.

8. 36

Zur Bewältigung der Arbeiten der Station beschäftigte die Antalt außer dem Vorstünde zwei ständige Arbeiter und im ersten Halbjahre einen Assistenten, an dessen Stelle im zweiten Halbjahr ein Schüler der Bauabtheilung täglich 2--3 Stunden Aushülfe leistete; endlich mußte von der Nordosthalm die vertragliche Hülfsmannschaft zur Bedienung der Maschine voll in Anspruch genommen werden.

Die Arbeit ist namentlich für den Vorstand, der nebenbei auch noch seinen ausgedehnten Pflichten als Lehrer nachkommen muß, eine geradezu aufreibende, besonders mit Rücksicht auf den Umstand, daß die große Maschine, getrennt von dem übrigen Theile der Anstalt, im Bahnhofe und überdies in einem während des Winters fast unbewohnbaren Räume aufgestellt ist. Die Errichtung einer ständigen Assistenz ist demnach dringendstes, unabweisbares Bedürfhiß, um dein Vorstande zu ermöglichen, allen Anforderungen der Schule und der Anstalt gerecht zu werden.

b. Su m en k on t r o l s t a t i o n . In der verhältnißmäßig kurzen Zeit von 8 Jahren ihres Bestandes hat die Anstalt im Samenhandel unstreitig bedeutende Zebekstöbde ausgemerzt. Das beweist am besten die Zusammenstellung der Untersuchungsresultate von Einst und Jetzt. Noch im Jahre 1877 war es eine häufige Erscheinung, daß die Kleesamen mit künstlich gefärbten Steinchen und mit minderwerthigen Stoffen verfälscht wurden, und daß die Waare mit Samen von parasitischen und andern schädlichen Pflanzen verunreinigt war. Schlecht keimende Samen waren im Handel nicht selten. Heute gehören solche Fälle, Dank der geübten Kontrole, zu den Ausnahmen. Wenn man bedenkt, welcher Schaden dem Landwirthe durch Aussaat von schlechten Samen erwächst, so muss wohl Jedermann den Nutzen der Kontrole anerkennen.

Im Ganzen wurden im Berichtjahre 1877 Proben untersucht, welche 3823 quantitative Bestimmungen erforderten, die ihrerseits in der Mehrzahl doppelt und dreifach ausgeführt werden mußten.

Von diesen 1877 Untersuchungen waren 458 Nachuntersuchungen, von welchen 76 % garantiegemäß, 24 °/o nicht garantiegemäß ausfielen. Es sei hier neuerdings betont, daß nur die Nachuntersuchungen dem Käufer die Gewißheit geben,wirklichh gute Waare zu erhalten, und daß demnach diese Nachuntersuchungen noch viel mehr angestrebt werden sollten, als dies zur Zeit der Fall ist. Es

465

wird das neue Reglement der Station wesentlich dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

Den Bestimmungen des neuen Reglements gemäß waren sämrntliche bisherige Verträge auf den erstmöglichen Termin zu kündigen. Es betraf dies 55 Firmen, von denen mit Schluß des Jahres 48 auf Grund des Reglements neue Verträge abgeschlossen haben, 5 ausgetreten sind, während bei zwei Firmen der bisherige Vertragbis 1. Juli resp. 31. Dezember 1886 noch fortzubestehen hat. Ueberdies sind dem Vertrage zwei neue Firmen beigetreten, so daß zur Stunde 50 Firmen nach den Bestimmungen des neuen Reglements der Kontrole unterstellt sind.

Die Rechnung zeigt bei einer Einnahme von Fr. 14,172. 95 eine Ausgabe von ,, 14,365. 86 und schließt demnach mit einem Defizit von Fr.

192. 91 welches auf das neue Jahr übertragen worden ist.

Voraussichtlich werden die Bestimmungen des neuen Reglements und der Betrieb der Anstalt im neuen Lokale des Chemiegebäudes einerseits die Einnahmen etwelchermaßen vermindern, anderseits die Ausgaben vermehren, so daß eine Erhöhung des Budgets als unabweisbares Bedürfniß in Aussicht steht. Wir werden im Falle sein, bei Anlaß des Budgetentwurfes für 1887 bezügliche Vorlagen zu machen.

c. Lan d w i r t h s c h a f t l i c h - e h e m i s c h e U n t e r s u c h u n g H s t a t i o n . Die Zahl der Kontroifirmen betrug im Berichtjahre: Für Düngmittel .

.

.

.24 ,, Futtermittel.

.

.

.10 34

Im Vorjahre waren im Ganzen 27, demnach Vermehrung um 7 Firmen.

Die Gesammtzahl der im Jahre 1885 ausgeführten Bestimmungen betrug 5005 bei 900 Einsendungen gegenüber 803 Einsendungen im Jahre 1884. Dieselben beschlagen: 673 Düngmittel mit 1967 beantragten u. 4056 ausgeführten Untersuch.

121 Futtermittel ,, 244 ,, ,, 518 ,, ,, 12 Wein u n d ) ,,., 431 94 Diverse / » » " " » Hieraus geht hervor, daß der Sicherheit wegen jede Bestimmung durchschnittlich doppelt ausgeführt wurde.

466

Bin recht erfreuliches Resultat ergibt der Vergleich der diesjährigen sogenannten kostenfreien Nachuntersuchungen mit denjenigen des Vorjahres. Während das Jahr 1884 bei 803 Einsendungen 457 Nachuntersuchungen aufweist, fallen auf die 900 Einsendungen des Berichtjahres bereits 652 Nummern mit 4000 quantitativen Bestimmungen oder 72,44 % auf diese Kategorie gegen 56,9 % im Jahre 1884. Es resultirt daraus, daß die Station vorzugsweise ihre Kräfte der Erfüllung ihres eigentlichen Zweckes widmet, die Landwirthe vor Uebervortheilug zu bewahren, und daß es demnach im wohlverstandenen Interesse der Landwirthe liegt, sich der Anstalt immer mehr zu bedienen. Mit Genugthunng darf an dieser Stelle auch hervorgehoben werden, daß das von der Station seiner Zeit öffentlich empfohlene Verfahren des genossenschaftlichen Ankaufes von Düngmitteln nach Gehaltsprozenten vielfach adoptirt wird.

An den Einsendungen beteiligten sich fast alle Kantone der Schweiz, darunter Zürich mit 359, Thurgau mit 116, Luzern mit 113 Nummern. Deutschland sandte 5, Italien 6, Frankreich 5 Nummern. Außerdem wurden 12 Oechsle'sche Mostproben, Nr. 132 bis 143, kontrolirt.

Die Rechnung zeigt an Einnahmen Fr. 17,800. an Ausgaben Fr. 19,100', überdies sind au rückständigen Rechnungen noch zu bezahlen Fr. 2400.

Geht schon aus diesem Umstände das BudUrfniß nach künftiger Erhöhung des Budgets der landwirthschaftlich-chemischen Untersuchungsstation hervor, so ist dies noch mehr der Fall, wenn man berücksichtigt, daß in Zukunft nach Bezug des neuen Lokales im Chemiegebäude die Betriebskosten sich nothwendig und zwar nicht unbedeutend höher stellen müssen, abgesehen von allem Andern schon deshalb, weil der Gas- und Wasserkonsum das Budget bedeutend höher belasten muß als bisher, da bei Mitbenutzung der Räume des laudwirthschaftlichen Laboratoriums einzig ein Beitrag von nur Fr. 350 an die allgemeinen Verwaltungskosten berechnet wurde. Dann erfordert die Bewältigung der außergewöhnlichen Anzahl von Untersuchungen, die der Hauptsache nach sich auf wenige Monate zusammendrängen, ein verhältnismäßig zahlreiches Arbeitspersonal, da der Vorstand mit einem oder zwei Assistenten unmöglich ausreichen.

Wie bei der Samenkontrole werden wir demnach auch hier im Falle sein, bei Anlaß der Büdgetaufstellung diesen Faktoren im Sinne einer Erhöhung des Bundesbeitrages Rechnung zu tragen.

467

Die Berathungen der vom Schulrathe eingesetzten Kommission von Fachmännern zur Aufstellung neuer R é g l e m e n t e für die beiden Stationen haben im Berichtjahre ihren Abschluß gefunden; es sind die Réglemente, nachdem sie von einer Kommission und vom Plenum des Schulrathes durchberathen und in ihrer Fassung festgestellt, unterm 5. Juni 1885 genehmigt worden. Diese Réglemente sind zur Zeit in voller Wirksamkeit. In Ausführung derselben hat der Schulrath die Aufsichtskommission über die beiden Stationen in folgenden Persönlichkeiten bestellt: Hr. Prof. Dr. Krämer, Vorstand der landwirtschaftlichen Abtheilung ; ,, Prof. Landolt, Vorstand der Forstschule; ,, Ineichen z. Sentenhof Muri, als Vertreter der praktischen Landwirthe; ,, Prof. Dr. Schulze, Professor der Agrikulturchemie, und ,, Prof. Dr. Schröter, Professor der speziellen Botanik in landwirthschaftlicher und forstwirtschaftlicher Richtung.

Uie Kommission hat zu ihrem Präsidenten ernannt den Vorstand der landwirtschaftlichen Abtheilung, Hrn. Prof. Dr. Krämer, zum Vize-Präsidenten Hrn. Prof. Landolt, zum Sekretär Hrn. Prof.

Dr. Schröter, endlich als spezielle Inspektoren der landwirthschaftlichchemischen Untersuchungsstation Hrn. Prof. Dr. Schulze, der Samenkontrolstation Hrn. Prof. Dr. Schröter bestellt.

Die Garantien und Kautelen dieser für die Interessen der Landwirthschaft so hochwichtigen Institute scheinen uns nun in der That in vertrauenswürdiger Weise erstellt, und es ist erfreulich, zu hören, daß die landwirtschaftlichen Vereine über diese Reorganisation sich sehr befriedigt erklären.

5. Amtstätigkeit der Schulbehörden. Der Schulrath trat im Berichtjahre zu 5 Sitzungen zusammen, in denen er 126 Traktanden behandelte. Die wichtigsten Gegenstände wurden in besondern Kommissionssitzungen vorberathen. Die Mitglieder des Schulrathes wohnten außerdem, soweit möglich, den jeweiligen Aufnahms- und Diplomprüfungen bei. Das Präsidialprotokoll weist die Abwandlung von 343 Geschäften nach.

Als Nachfolger des Hrn. Direktor Bridel, dessen Hinschied schon der letzte Bericht erwähnte, wurde als Mitglied des Schulrathes Hr. Nationalrath Marti in Bern gewählt.

A e n d e r u n g e n i m L e h r e r p e r s o n a l . E s haben ihre Entlassung genommen: Hr. Méquet, Professor für höhere Mathematik Bundesblatt. 38. Jahrg. Bd. I.

34

468

in französischer Sprache, welcher nach 25jähriger ausgezeichneter Wirksamkeit an der Schule auf Ende März 1886 zurücktritt; sodann die Assistenten Peter und Stadier am analytischen, Burkhardt am technischen und Boßhard am agrikultur-chemischen Laboratorium.

Hr. Direktor Frick an der landwirthschaftlichen Schule im Strickhof, welchem an Stelle des Hrn. Prof. Kohler die Vorträge über Obstbau und Obstkunde waren übergeben worden, ist der Anstalt nach kurzer Wirksamkeit durch den Tod wieder entrissen worden. Sein Nachfolger ist zur Stunde noch nicht bestimmt.

Als Privatdozenten endlich sind ausgetreten : die H H. Dr. HenneAm-Rhyn für Geschichte, Dr. Kleiner für Physik, Dr. Meister für Chemie und Grüebler für Mechanik und Maschinenlehre.

Neu gewählt wurden : Hr. Dr. Arthur Hautzsch von Dresden als Professor für Chemie an Stelle des Hrn. Prof. Dr. V. Meyer; Hr. Jérôme Franel von Provence, Waadt, als Professor für Mathematik an Stelle des Hrn. Prof. Méquet Nach längerer Vakanz, resp. nach einem alternirend durch die HH. Professoren Kinkel und Sehen- besorgten Provisorium, ist sodann im Berichtjahre die Lehrstelle für deutsche Literatur in der Person des Hrn. Dr. Julius Stiefel von Russikon, Kanton Zürich, wieder besetzt worden.

Dem Hrn. Dr. Treadwell, erstem Assistenten am chemischanalytischen Laboratorium, und den HH. Privatdozenten Dr. Goldschmidt und Dr. Rudio wurde in Anwendung von Art. 52 des Reglements der Professorentitel verliehen.

An die vakanten Assistentenstellen wurden ernannt: Hr.

Dr. Stößel von Bärentsweil, Zürich, für Physik : Hr. Dr. H. Ganter von Neustadt, Baden, für Mathematik: Hr. E. Steiger von Luzern arn agrikultur-chemischen Laboratorium ; Hr. Dr. Jos. Messinger von Donnersmark, Böhmen, am chemisch-analytischen, uud Hr. Robert Schmidt von Münster, Elsaß, am chemisch-technischen Laboratorium.

Als Privatdozenten haben sich habilitirt die HH. : Dr. Franz Benecke von Berlin für landwirthschaftlich-botanische Fächer; 31. Bosch, Pfarrer in Rykon, für Philosophie; Dr. E Constam von New-York für Chemie; Joh. Hartmann von Degersheim, St. Gallen, für Ingenieurfächer ; Dr. A. Bodmer von Stäfa für physische Geographie und Geologie; E. Mertens in Schaffhausen für Obstbau und Obstkunde; Dr. Paul Culmann von Zürich für mathematischphysikalische Disziplinen; Dr. Chr. Heinzerling aus Hessen für chemische Technologie und Gewerbehygiene; Dr. G. Maillard von Ollon für Geologie und Paläontologie.

469

Endlich erwähnen wir hier noch der Wahl des Hrn. Anton Kleiber von Senken, Basel-Landschaft, als erster Assistent der landwirthschaftlich-chemischen Untersuchungsstation, des Hrn. Eugen Thiele von Chaux-de-fonds als I. Assistent der Samenkontrolstation und des Hrn. Dr. M. Standfuß von Parschwitz, Preußen, als Kustos der entomologischen Sammlung.

S t i p e n d i e n und S c h u l g e l d e r l a s s e . Aus dem Châtelain'schen Legate wurden an 11 dürftige und gleichzeitig begabte und strebsame schweizerische Schüler Stipendien im Beirage von Fr. 2700 verausgabt und 20 Schülern das Schulgeld ganz oder theilweise erlassen.

Ueber die Verwendung des Châtelain'schen Legates scheint es angemessen, nach so vielen Jahren eine Uebersicht zu geben.

Seit dieses Legat in Wirksamkeit getreten ist (1857/58), wurde aus dessen Zinsen schon die Gesammtsumme von Fr. 68,550 verwendet und gleichzeitig ist der Kapitalfond des Legates von circa Fr. 60,000 auf Fr. 87,142. 64 gestiegen. Der Schulrath kommt in der. Verwendung des Legates dem Willen des edlen Stifters im strengsten Sinne des Wortes nach. Der Wortlaut des Legates verlangt, ,,daß der Ertrag der Stiftung für un vermögliche, aber gleichzeitig t a l e n t v o l l e , s i t t l i c h e u n d f l e i ß i g e schweizerische Studirende des Polytechnikums verwendet werden soll." Die Stipendien sollen keineswegs ohne weitere Untersuchung als Almosen an dürftige Studenten vergeben werden. Die Würdigkeit der Kandidaten, ,, T a l e n t , S i t t l i c h k e i t und F l e i ß " , ist die Hauptsache. Die Ertheilung eines Stipendiums soll zugleich die für jeden einzelnen Aspiranten ehrenhafte Erklärung der Behörde in sich schließen, daß die Lehrer und Schulbehörden guten Grund haben, den Bedachten als einen begabten und strebsamen Schüler anzuerkennen. Ein anderes, wesentlich auf den Charakter als Almosen auch für die Mittelmäßigkeit berechnetes Vergeben würde mehr nur das Pflanzen eines technischen Proletariates bedeuten. Wir griffen jüngst beliebig 10 Jahre (1873 bis 1883) zu einer Statistik heraus und zählten dabei nur die Schüler der obersten Kurse.

Hiebei ergab sich für die Diplomerwerbung, welche den besten Beweis des Studienerfolges bildet, folgendes Resultat. Von den vom Bunde Nichtstipendirten (darunter wohl auch Stipendiaten von Kantonen , Gemeinden und Zünften)
ergibt sich ein Durchschnitt von 39 % Diplomirten ; die Stipendiaten aus dem Châtelain'schen Legate dagegen ergaben einen Durchschnitt von etwas zu 82 % der Gesammtzahl. In drei Jahren von diesen zehn haben sogar sämmtliche Stipendiaten der obersten Kurse das Diplomexamen gemacht und das Diplom auch wirklich erhalten. Diese Statistik ist wohl ein

470

ziemlich z u verläßiger Beweis, dass die Stipendien in der That im Sinne des Stifters vergeben werden.

O r g a n i s a t o r i s c h e s . Die Réorganisation der Abtheilungen der Schule ist vom Schulrathe seit Jahren aufs Eifrigste in's Auge gefaßt und in Ausführung gebracht worden. Die L, III., IV. und V. Abtheilung haben eingreifende Reformen erfahren, die in Ausführung begriffen sind. Der Reformplan der mechanisch-technischen Abtheilung liegt bereits im Entw urie vor. Ein sehr wichtiger Theil dieses Planes kann indessen ohne einen Neuhau für Physik nicht ausgeführt werden. Mehrfache Veränderungen und Ergänzungen der Schulpläne haben auch dieses Jahr stattgefunden.

In wiederholten Keil abschnitten hat der schweizerische Schulrath wieder und wieder die Frage ernstlich erörtert, ob und wie zur Befriedigung der welschen Schweiz der französische Unterricht, an der Schule gekräftigt werden könnte. Die Freizügigkeit der Gelehrten in Frankreich begegnet wir Zeit ganz andern Schwierigkeiten als in Deutschland, und die Erwerbung ausgezeichneter Lehrer von dorther ist demnach sehr schwor au erreichen, anderseits ist die kleine Schweiz nicht im Stande, für vier Universitäten, mehrere Akademien und eine technische Hochschule in jeder Branche ausgezeichnete Kräfte zu liefern, zumal dus Ausland stets bei der Hand ist, unsere ersten Celebritäten, soweit immer möglich, wegzuholen. Es scheiterten demnach in gar manchen Fällen der beste Wille der Wahlbehörde und ihre oft wiederholten Anstrengungen.

Die Erfahrung hat auch gezeigt, daß es ohne den entschiedensten Nachtheil für die Schule überhaupt nicht durchzuführen wäre, ganz beliebig in den Berufsabtheilungen die eine Hauptlehrstelle deutsch, die andere französisch zu besetzen und so allen Schülern die volle Gewandtheit der Kenntniß zweier Sprachen von vorneherein zuzumuthen. Gelungen ist seit Anfang der Schule nur das System, in einigen Hauptfächern zugleich beide Sprachen zu vertreten. Der Schulrath, von dem lebhaften Wunsche beseelt, die welsche Schweiz in dieser Hinsicht zu befriedigen, hat auf diese letzte Erfahrung hin einen neuen Plan gefaßt. Wir verweisen diesfalls für alle Details auf die schulräthliche Botschaft vom 8. August 1885. Der Schulrath ist durchaus geneigt, keine Anstrengungen zu scheuen, um in dieser Richtung vorzugeben und eine Aussicht
gehende Lösung au suchen.

P hy sikge b ä u d e u n d p h y s i k a l i s c h e r U n ter r i e h t.

Chemie und Physik sind rücksichtlich ihrer Bedeutung für die Schule und in Bezug auf die Notwendigkeit neuer Gebäude stets auf durchaus gleiche Linie gestellt worden. An Zürich hat der

471

Bund auf dem Prozeßwege die Forderung einer Neubaute für Physik, wie einer solchen für Chemie geltend gemacht. Nach dem bezüglichen Vergleiche mit Zürich wurde nie daran gedacht, die eine oder andere dieser im Interesse der Schule verlangten Bauten lallen zu lassen. Der Schulrath hat gleichzeitig in seinem Berichte vom 24 Juni 1883 bezüglich der Baute für Chemie diejenige für Physik aufs Kräftigste betont und in gleiche Linie gestellt. Dieses ßedürfniß zeigt sich dann auch von Semester zu Semester in erhöhtem Alaße als dringlich und unaufschiebbar. Die jetzigen Lokalitäten sind beschämend gegenüber der sich stets steigernden Bedeutung dieser Wissenschaft für die gesammte Technik. Der Unterricht kann in den vorhandenen Räumen nicht vorteilhaft ertheilt werden, die Lehrer sind in einer Art gequält und überlastet,. welche längere Dauer nicht zuläßt. Die Arbeiten der Schüler (zur Zeit sind 47 Laboranten in Forin abwechselnder Schichten beschäftigt) können nicht mit Vortheil organisirt werden. Andere Bedürfnisse warten auch auf die jetzigen Räume. Das Institut der Festigkeitsprüfung von Baumaterialien kann nicht einlogirt, die Reorganisation mehrerer Schulen, namentlich der III. Abtheilung, Mechaniker, kann grossentheils nicht in Vollzug gesetzt werden. Diese Sache ist in der That von höchster Dringlichkeit. Rascher Neubau oderZurückfalleni in die beschämende frühereInferioritätt dieses Hauptzweiges des technischen Unterrichtes stehen sich gegenüber.

Auch die Platztrage mußte inzwischen in neue Erwägung gezogen werden, da es sich zeigte, daß nach dem Bau des Chemiegebäudes der übrig bleibende, dem Bunde vertragsmässig zugesicherte Platz ungeeignet ist. Von dritter Seite ist ein geeigneter Platz um bestimmten Preis anerboten worden ; diese. Fragen aber bedürfen rascher Lösung.

V e r t r a g s u n t e r b a n d I u n g e n m i t d e n K a n t o n on bez ü g l i c h K r ä f t i g u n g d e r M i t t e l s c h u l e n . D i e Kräftigung d e r Mittelschulen für Vorbereitung an's Polytechnikum und der Abschluß von Maturitätsverträgen mit diesen Schulen geht seinen befriedigenden Gang Zur Zeit bestehen mit acht Kantonen neue definitive Verträge auf Grundlage entschiedener Hebung dieser Schulen. Zürich und Winterthur haben vorläufig ihren Industrieschulen oben ein volles Jahr zugesetzt und es besteht darauf
hin vorläufig der Anschluß an's Polytechnikum fort. St. Odilen und Aargau haben die früher abgebrochenen Unterhandlungen wieder aufgenommen; das Gleiche steht für Bern in Aussicht Mit Genf sind die Unterhandlungen im Gang und es darf wohl ein günstiges Resultat prognostizirt werden, Wir- können in diesem Augenblicke hoffen, daß durch das gemeinsame Interesse der kantonalen Mitlei-

472

schulen und des Polytechnikums und durch den guten Willen auf beiden Seiten aus diesen mühsamen Unterhandlungen in Bälde doch ein schöner Gesammterfolg hervorgehe, welcher unsere schweizerischen Mittelschulen den Vorbereitungsanstalten der uns umgebenden Staaten annähernd gleich stellen wird. Für ein solches Ziel ist keine Mühe und Anstrengung zu groß.

B a u s a c h e n . Das im Bau begriffene Chemiegebäude geht seiner Vollendung entgegen. Eine Abordnung des Schulrathes hat auf Einladung unseres Departements des Innern an der Festsetzung und Büdgetirung der Mobiliarbedürfnisse Theil genommen.

L e g a t e . Hr. Stadtrath La n d o i t sel. hat durch letztwillige Verfügung seine K u p f e r s t i c h s a m m l u n g nebst dazu gehöriger Bibliothek der zürcherisehen Künstlergesellschaft zugewendet mit der Bestimmung, daß aus derselben vorerst die Kupferstichsammlung des Polytechnikums, soweit wünschbar, ergänzt werde. In Folge dessen sind der letzteren 8305 Blätter nebst 20 Kupferwerken mit 400 Blättern, Alles im Werthe von mindestens Fr. 32,800, zugeschieden worden, und es hat dieselbe dadurch eine Bereicherung erfahren, welche sie zu der bedeutendsten der Schweiz und zu einem würdigen Vertreter unter den mittleren Kupferstichkabineten in Europa erhebt.

VII. Statistisches Bureau.

Es wurden folgende Arbeiten geliefert : Die B e w e g u n g d e r B e v ö l k e r u n g in d e r S c h w e i z im J a h r e 1884 wurde in einer kürzern Uebersicht in gewohnter Weise ausgeführt; die einläßlichere, den Stoff verwerthende Publikation war am Jahresschlusse mit Ausnahme der Einleitung gedruckt.

Die w ö c h e n t l i c h e Z u s a m m e n s t e l l u n g der Geburten und T o d e s f ä l l e in der S c h w e i z wurde in der gewohnten Weise fortgeführt.

Die ü b e r s e e i s c h e A u s w a n d e r u n g aus der Schweiz i m J a h r e 1884 wurde in der ersten Hälfte des Berichtjahres publizirt.

Die Resultate der p ä d a g o g i s c h e n P r ü f u n g e n bei der Rekrutirung pro 1885 erschienen im Anfange des Berichtjahres;

473

diejenigen der Rekrutirung pro 1886 waren am Schlüsse des Jahres nahezu bearbeitet.

Die Ergebnisse der s a n i t a r i s c h e n U n t e r s u c h u n g hei der Rekrutirung pro 1885 wurden dieses Mal in einer sehr ausführlichen Arbeit publizirt.

Die S t a t i s t i k der S p a r k a s s e n konnte auch in diesem Jahre nicht abgeschlossen werden. Da es sich nämlich bei der Zusammenstellung erzeigte, daß die meisten Kantone über die Fabrik- und über die Jugend- oder Schulsparkassen keine Antworten eingesandt hatten, so mußte durch Kreisschreiben vom 23. April 1885 das fehlende Material erbeten werden, dessen Einsendung sich bis an den Jahresschluß hinauszog.

Die eventuell in Aussicht genommene Zusammenstellung über die F i n a n z e n des B u n d e s und d e r Kantone konnte gar nicht in Angriff genommen werden.

Dagegen war das Bureau und namentlich der Direktor desselben während des ganzen Jahres durch die Alkoholfrage sehr in Anspruch genommen. Die vorberathenden Kommissionen, welche denselben zur Theilnahme an ihren Berathungen einluden, verlangten u. A. weitere Aufschlüsse über die nach der Bundesverfassung auf Ende 1890 dahinfallenden Zoll- und Octroigebühren.

Da durch die von der Bundesversammlung mit großer Majorität angenommene Vorlage die Bundesverfassung eine Abänderimg erlitt, welche der Sanktion des Volkes bedurfte, so war auch nach dieser Richtung belehrende Auskunft über die komplizirte und schwierige Frage nothwendig.

Nebenbei betheiligten sich die Beamten des Bureau wie bisher bei der Herausgabe der Zeitschrift für schweizerische Statistik.

Der Direktor des Bureau war wie bisher auch vielfach durch Fragen des Versicherungs- und des Civilstandswesens in Anspruch genommen.

Arbeitsunterbrechungen traten im Berichtjahre wiederholt theils in Folge von Krankheit, theils in Folge von Militärdienst von Beamten oder Angestellten ein.

Der Sekretär des Bureau, Herr H. S t e i g e r , welcher seit 25 Jahren, d. h. von der Gründung an, dem Bureau in verschiedenen Stellungen treu gedient, starb im Oktober nach mehr als sechs monatlicher Krankheit. Am 20. November wurde er ersetzt durch den bisherigen Revisor des statistischen Bureau, Herrn Josef I) u r r e r von Kerns, während an des Letzteren Stelle der frühere Kanz

474

list, Herr Alfred G u t t a t von Rossemaison, vorrückte.

besetzung der Kanzlistenstelle fällt ins folgende Jahr.

Die Neu-

Der Direktor des Bureau, Herr J. J. K u m m e r , wurde am Jahresschluß, nach nahezu 13-jähriger Dienstzeit, vom Buudesrathe als Direktor des neuen eidgenössischen Versicherungsamis berufen.

VIII. Schweizerische meteorologische Centralanstalt.

Das Netz der m e t e o r o l o g i s c h e u B e o b a c h t u n g s p o s te u wurde im Berichtjahre erweitert durch drei neue Stationen in W a l l e n s t a d t , O b e r -1 b e r g und K l o s t e r s .

Im Netze der R e g e n m e ß - S t a t i o n e n wurde im Berichtjahre eine weitere Lücke ausgefüllt. Das Departement d'agriculture des Kantons N e u en b ü r g übernahm nämlich die Hälfte der Kosten von acht von der Centralanstalt errichteten Stationen, die möglichst rationell über den Kanton vertheilt wurden. In den Kantonen Bern, Wallis, Tessin und Graubünden bestehen immer noch erhebliche Lücken, da die resp. Regierungen noch keine Hand boten, in dieser Richtung das Nöthige zu thun. Doch hat die Centralanstalt von sich aus Schritte gethan, daß wenigstens im Berner Oberland zwei neue Stationen mit Anfang 188(5 auf Kosten der Central nstal t in Funktion treten: in Lauenen und au der L e n k .

Durch Bundesbeschluß vom 27. März hat die Bundesversammlung die Uebernahme der bis dahin provisorisch auf Grund freiwilliger Beiträge und mit Subvention des Bundes unterhaltenen Station auf dem Sä ut i s durch den Bund genehmigt und dieselbe der Leitung der meteorologischen Centralanstalt unterstellt. Damit ist die Portführung dies wissenschaftlich bedeutungsvollen Unternehmens gesichert.

Die G e wi 11 er b e o ba c h t u n gen wurden in gleicher Weise wie in den beiden vorhergehenden Jahren, aber mit einer etwas vermehrten Zahl von rapportirenden Stationen fortgesetzt. Die. Zahl der eingegangenen Gewitterrapportkarten beträgt 2685 und vertheilt sich auf die einzelnen Monate wie folgt: Januar 2, Februar l, März 21, April 58, Mai 312, Juni 963, Juli 431, August 782, September 98, Oktober 7, November 0, Dezember 10.

Die Zahl der durch Vermittlung des eidgenössischen Forstinspektorats bei der Ceutralanstalt eingegangenen Berichte über

475

H a g e l s eh 1 äg e beträgt 105 und vertheilt sich auf die einzelnen Tage und Kantone wie nachstehende Tabelle zeigt. Bei der Bearbeitung der Gewitter- und Hagelphänomene wurde auch das Material der Schweiz. Hagelversicherungsgesellschaft, von der Direktion derselben in verdankenswerther Weise zur Verfugung gestellt, benutzt. Die Centralanstalt hält es noch nicht an der Zeit, die aufgestellten Hypothesen über den Einfluß des Waldes, des Terrains etc. auf den Verlauf der Hagelwetter eingehend zu prüfen.

Es bedarf hiezu noch eines weit umfangreichern Materials; sie betrachtet es deßhalb als ihre Aufgabe, gute, vorurteilsfreie Beobachtungen zu sammeln und eine möglichst zuverläßige Statistik zu führen.

Das t ä g l i c h e r s c h e i n e n d e autographische W i t t e r u n g s b ü l l e t i n fand eine etwas stärkere Verbreitung als im Vorjahre.

In Basel, Neuchâtel, Chauxdefonds und Zürich wird dasselbe au mehreren Stellen öffentlich angeschlagen und es ermöglicht die beigegebene synoptische Karte dem Publikum das Verständnis der Witterungserscheinungen. Auf ein Gesuch des Gemeinderathes von Locamo hat das Postdepartement die Taxfreiheit für die tägliche Uebermittlung der Daten der meteorologischen Station Locamo ari die Centralanstalt bewilligt und es figurirt daher vom 1. Oktober fies Berichtjahres auch diese Station im Witterungsbülletin.

Die Kontrole über das Zutreffen der von der Centralanstalt ausgegebenen W i t t e r u n g s p r o g n o s e n ergab für das Berichtsjahr folgendes Resultat: In Zürich ist die Prognose in 72 °/o der Fälle in ihrem ganzen Umfange, in 23 % nur theilweise, in 5 % gar nicht eingetroffen; für Neuenburg hat Prof. Weber 67 °/n ganz und 27 °/o theilweise richtige und 6 % unrichtige Prognosen konstatirt; für Luzern fallen nach Prof. Arnet 62 °/o der ersten, 30 °/o der zweiten und 8 % der dritten Prognosenklasse zu.

Außer dem Witterungsbülletin kam im Berichtjahre der Jahrgang 1884 der Annalen der Centralanstalt zur Publikation; die Ausgabe desselben war jedoch erst zu Beginn des laufenden Jahres möglich.

Nicht gering war auch im Berichtjahre die Zahl der Auskunftsbegehren von amtlicher und privater Seite über Witterungs- und klimatische Verhältnisse, über Niederschlagsmengen u. s. w.

Zu erwähnen bleibt noch ein der meteorologischen Centralanstalt seitens des am 1. Mai in Zürich ohne Hinterlassung von Nachkommen verstorbenen Hrn. Friedrich B r u n n e r von Winterthur zugewendetes bedeutendes Vermächtniß, welches indessen

476

bis zum Schlüsse des Berichtjahres nicht mehr liquidirt werden konnte.

Berichte von Forstbeamten über Hagelschläge im Jahre 1885.

]-

· t\

1 ·o

Datum.

30. Mai . .

5. Juui .

6.

9.

15.

16.

17 11.

25.

26.

29.

30.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

4. Juli .

10. ,, .

11. ,, .

13. ,, .

18. ,, .

3. August 4- ,, 6. ,, .

7. ,, .

11. ,, .

12. ,, .

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

iq 10.

,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,,

,,

.

.

EZ t.

0>

m

2 -- -- 3 O 9 -- 2 W

g3

·g

i

.C

2 ^ ta

-- -- -- -- --

Q> en

cd

,,--

.

a cd o L.

cd

tC _

S _1

m

-- -- -- 1 --

2 -- -- -- -- --

--

-- -- -- --

' 1T

-- -- -- -- -- --

--

1 ·4 2 -- -- -- 1 -- -- -- 1 3 -- 1 --

--

-- -- 1 -- -- -- -- -- -- -- --

2

-- -- --

-- -- -- -- -- -- 1 -- 1 3 -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- 1 -- -- 1 -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

.

5 29

3

1

3

»

t?

*z :=) N

N >·«

·e

.e u (/>

e o>

15 o

53

.

i-

c W

*o "eä .a O

-- -- 1 -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

6 28

-- -- -- -- -- -- --

5

3

rt k

u

i -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- 1 -- -- -- -- -- --2 -- -- -- 3 -- -- -- -- 1 -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --2 -- -- -- -- -- -- 1 --

2 3 1 3 -- 1 -- -- -- -- 7 -- -- -- -- -- -- -- 1 ---iJ, -- -- _ -- -- -- -- -- -- 2 -- -- 20 -- -- 2 -- -- 2 -- -- -- -- -- -- --

c to ·o C sa .a

5 16

""

-l

i

3

477

IX. Abtheilung Bauwesen.

A. Allgemeines.

lo unserem letzten Geschäftsberichte wurde mitgetheilt, daß die vom eidgenössischen Wasserbaupolizeigesetze verlangten kautonalen Gesetze oder Verordnungen damals noch von Freiburgund Appenzell I. Rh. ausstunden. Seither ist die bezügliche Verordnung des erstem Kantons eingegangen und vom Bundesrathe genehmigt worden. Eine auch von letzterm Kanton eingesandte Verordnung lag zu Ende des Berichtjahres noch in Behandlung.

Wir haben im vorjährigen Berichte darauf aufmerksam gemacht, wie die große Vermehrung der Geschäfte in allen Zweigen der Bauverwaltung des eidgenössischen Departements des Innern, beziehungsweise das Bedürfniß, den daherigen Anforderungen in vollständigerer Weise zu entsprechen, als es bisher theilweise geschehen konnte, eine Vermehrung des Personals bei diesem Verwaltungszweige nothwendig erscheinen lasse. Nachdem wir noch in einer besondern Eingabe die genauem Nachweise hiefür geliefert, haben Sie dem daran geknüpften Gesuche, im Budget für 1886 die Kredite für einstweilen provisorische Beschaffung der nöthigen Aushülfen bewilligen zu wollen, entsprochen.

B. Eigenes Bauwesen des Bundes.

I. Hochbauten.

Der Unterhalt der eidgenössischen Gebäude und die Ausführung der durch das Budget und die Nachtragskredite bewilligten Umbau- und Erweiterungsarbeiten wurde während des Berichtjahres in bisher üblicher Weise besorgt. Für die nähern Details verweisen wir auf die bezüglichen Rechnungsbelege.

Nebstdem kamen im Jahre 1885 folgende Neubauten zur Ausführung : 1) ein Waaghaus bei der Kaserne in Thun; 2) eine Schießhütte auf der Allmend in Thun; ·i) ein Schuppen zur Unterbringung des Kohlenholzvorrathes in der Pulverrmühle Lavaux; 4) ein Werkstattgebäude in der Pulvermühle Lavaux;

478

5) der Wiederaufbau des durch Explosion zerstörten Mengetonnengebäudes in der Pulvermühle Lavaux; 6) ein Schuppen zur trockenen Lagerung des Kohlenholzvorrathes in der Pulvermühle Chur; 7) der Wiederaufbau eines explodirten Läufermühlegebäudes in der Pulvermühle Chur; 8) ein Torfschuppen in Uebeschi; 9) ein Oekonomiegebäude mit Wohnstock arn Hafnersberg bei Winkeln ; 10) ein Zollhaus in Bargen ; 11) ein Zollgebäude in St. Gingolp ; 12) ein Magazingebäude für die Telegraphen Verwaltung auf dem Liebefeld bei Bern ; 13) eine Postwagenremise mit Postbüreau beim Bahnhofe Travers.

Die Bauarbeiten für das Chemiegebäude in Zürich rückten gemäß Programm vor. Der Rohbau wurde vollendet und der innere O O Ausbau begonnen. Das Gebäude wird so frühzeitig fertig gestellt werden können, daß dessen Bezug für den Beginn des Wintersemesters 1886/1887 kein Hinderniß im Wege stehen wird.

Das Zollgebäude in Locamo, dus im Jahr "1884 unter Dach gebracht worden war, gelangte im Berichtjahre zur Vollendung und konnte im letzten Herbst von der Zollverwaltung bezogen werden.

Im Anschluß an dus im letzten Geschäftsberichte über das Postgebäude St. Gallen Mitgetheilte mag über diese Baute erwähnt werden, daß die Betheiligung an dei- veranstalteten Plankonkurrenz eine sehr starke war indem 59 Projekte zur Beurtheilung eingesandt wurden. Die Ausarbeitung der definitiven Baupläne übertrugen wir den mit dem ersten Preise bedachten Architekten, welche wir gleichzeitig mit der Bauleitung betrauten. Mit den Bauarbeiten wurde im Spätsommer begonnen und es konnten bis zum Eintritt der kalten Witterung die Erdarbeiten der Pfahlrost, die Betonfundamente und das gesammte Kellermauerwerk bis Unter kant Sockel ausgeführt werden. Naeh dem aufgestellten Arbeits programm soll das Postgebäude bis zum Monat November 1887 zum Bezüge bereit stehen.

Zu Erlangung von Projekten für das Post- und Telegraphengebäude in Luzern ist ebenfalls eine Plankonkurrenz, für welche 48 Entwürfe eingingen, angeordnet worden. Auch für diese Baute

479 wurde die Ausarbeitung der definitiven Baupläne und die Bauleitung den Verfassern des mil dem ersten Preise gekrönten Projektes übertragen. Die Vorarbeiten sind so weit vorgerückt, daß die Gebäudefundationen im Februar 1886 in Angriff genommen werden können.

Durch Beschluß des Nationalrathes vom 20. Dezember 1884 wurde der Bundesrath eingeladen, zu dem vorgelegten Projekte für Umbau des alten Inselspitalgebäudes in ein Militärverwaltungsgebäude auch noch Plan und Kostenberechnung für einen Neubau auf dem Terrain der Inselliegenschaft ausarbeiten zu lassen und für den Fall, als Umbau oder Neubau auf diesen Platz zu stehen kommen würden, mit dem Gemeinderath der Stadt Bern bezüglich der neuen Baulinie diejenigen Vereinbarungen zu treffen, wonach auf den Zeitpunkt des. Bezuges des projektirten Gebäudes auch zugleich diejenigen baulichen Veränderungen ab Seite der Stadt ausgeführt sein werden, welche für die in Aussicht genommene, Erweiterung und Verschönerung der Inselgasse erforderlich sind.

Wir kamen dem uns gewordenen Auftrage nach, indem wir für die Neubaute eine allgemeine Plankonkurrenz unter den schweizerischen Architekten eröffneten, wobei wir, um ein genaues Bild über die Ueberbauung sowohl des Komplexes der Inselliegenschaft, als des zwischen demselben und dem Bundesrathhaus gelegenen Terrains zu erhalten, gleichzeitig Projekte über ein auf letzterm zu erstellendes Gebäude für die Sitzungssäle der eidgenössischen Räthe ein verlangten. Im letztem sollten nach Programm auch ausgedehnte Lokalitäten für das eidgenössische Archiv und in ersterm nebst den Räumen für die gesammte Militärverwaltung auch die nothwendigen Lokale für die eidgenössische Eichstätte, die Handelsstatistik des Zolldepartements und eine größere. Anzahl disponibler Zimmer vorgesehen werden.

Wir betonen ausdrücklich, daß wir durch dieses Vorgehen nicht etwa beabsichtigen, schon in der nächsten Zeit (hui Antrug auf Erstellung eines Parlamentsgebäudes einzubringen, dagegen glaubten wir, die Studien für einen Neubau des Verwaltungsgebäudes in erwähnter Weise ausdehnen zu sollen, um für letztem nicht mit Projekten hervorzutreten, welche den spätem Hau eines Parlaments- oder eines fernem eidgenössischen Verwaltungsgebäuden auf dem Terrain zwischen dem Bundesrathhause und der Inselliegenschaft erschweren oder gar verunmöglichen
würden.

Afu die eingegangenen Konkurrenzentwürfe glauben wir hier nicht näher eintreten zu sollen, indem während der letzten Junisession den Mitgliedern der Bundesversammlung Gelegenheit geboten

480

war, dieselben ausgestellt zu sehen und überdies jedem Mitgliede ein Album, welches das Programm, die prämirten Entwürfe und den Bericht des Preisgerichtes enthält, übermittelt worden ist.

Mit der Ausarbeitung eines. Projektes zum Verwaltungsgebäude im Hundertstel-Maßstabe betrauten wir den Verfasser der mit dem zweiten Preise bedachten Konkurrenzarbeit, Hrn. Architekt Auer von St. Gallen, Professor in Wien, dessen Entwurf für das Verwaltungsgebäude, um welches es sich vorläufig nur handelt, wir gegenüber dem erstgekrönten Projekte den Vorzug geben mußten.

Während die Pläne für die Neubauten noch im Berichtjahre fertig gestellt werden konnten, war es uns jedoch nicht mehr möglich, die vorerwähnten Unterhandlungen mit dem Gemeinderathe der Stadt Bern vor Schluß des Jahres anzubahnen, sondern es mußten solche auf das Jahr 1886 verschoben werden.

Bemerkt sei hier nur noch, daß nach dem vorliegenden Projekte im neuen Verwaltungsgebäude die ganze Militärverwaltung, das statistische Bureau, die Handelsstatistik des Zolldepartements, das Versicherungsamt, sowie die Eichstätte untergebracht, auch dem eidgenössischen Archiv geräumige, »weckdienliche Lokalitäten angewiesen und überdies eine größere Anzahl disponibler Zimmer für spätere Bedürfnisse geschaffen werden könnten. Durch die Verlegung des statistischen Bureaus aus dem Bundesrathhaus würden die von demselben okkupirten Lokale frei und könnten solche einestheils der räumlich sehr beengten Bundeskanzlei abgegeben und anderntheils zur bessern Unterbringung der eidgenössischen Centralbibliothek verwendet werden.

II. Straßen- und Wasserbauten.

Diese beschränkten sich während des Berichtjahres der Hauptsache nach auf den Unterhalt der Straßen, Wege, Fabrikkanäle und Uterbauten und die durch das Budget bewilligten Neuanlagen von Wegen auf dem Waffenplatz Thun und sowie auf die nöthigen Einrichtungen am Fabrikkanal in der Pulvermühle Lauvauxum Betriebe des neuen Werkstattgebäudes.

C. Mobiliar.

Der Unterhalt des Mobiliars und die Neuanschaffungen erfolgten nach jeweiligem Bedürfniß. Ueber die Verwendung des

:

481

hiefür bewilligten Kredites geben die Mobiliarkontrolen nähern Aufschluß.

Eine zeitraubende Arbeit bildete die Aufstellung des Kosteuanschlages für die innere Einrichtung des neuen Chemiegebäudes in Zürich.

D. Beschaffung von Büreaulokalen für die eidgenössische Centralverwaltung, Büreaubedienung.

Auf da erneutes Gesuch des Verbandes von Vertretern deiPresse in der Bundesstadt um Einräumung eines eigenen Journalistenzimmers im Bundesrathhause ließen wir hiefür zwei kleinere Zimmer im Erdgeschoß daselbst einrichten.

Da das eidgenössische Archiv eines dieser Zimmer inné hatte und wir demselben auch das nunmehr als Pfahlbautensammlungslokal dienende Magazin im dritten Stock des Bundesrathhauses entziehen mußten, so waren wir genöthigt, ein noch von der Druckschriften Verwaltung des Oberkriegskommissariates im Souterrain okkupirtes geräumiges Lokal in Sland setzen zu lassen und solches dem Archiv zur Verfügung zu stellen.

Der genanntec Drucksehriftenverwaltung wiesen wir dagegen für einstweilen die nöthigen Lokale im alten Spitalgebäude an der Inselgasse an, allwo auch die Handelsstatistik des Zolldeparteinents und das Versicherungsamt provisorisch untergebracht wurden.

Zur bessern Sicherung des Bundesrathhauses hüben wir dio nöthig erscheinenden baulichen Vorkehren getroffen und gleichzeitig bezüglich des Hausdienstes in verschiedener Beziehung strengere Vorschriften erlassen.

E. Verschiedene Aufträge betreffend Hochbau.

Im letzten Geschäftsberichte haben wir in Aussicht gestellt, daß das neue Bundesgerichtsgebäude in Lausanne auf Ende 1885 werde bezogen werden können. Die Arbeiten rückten jedoch auch während des Berichtjahres so langsam vor, daß gegen unser Erwarten der innere Ausbau erst im Laufe des Jahres 1886 wird fertig gestellt werden.

Seitens der Munizipalität von Lausanne sind die letzten Vorlagen für das Gebäude, nämlich diejenigen über die Möblirung und Beleuchtung der Zimmer, Korridore u. s. w., eingegangen und haben solche unsere Genehmigung erhalten.

482

Weitere Geschäfte, zu deren Behandlung wir unsere Bauverwaltung in Anspruch nahmen, betreffen die Fragen des Ankaufes der eidg. Waffenfabrik der ehemaligen Eisenbahnmaterialfabrik in Bern, der Gebäulichkeiten der Pferderegieanstalt in Thun und des Waffenplatzes Frauenfeld, den Ankauf der Zollhäuser in La Goule, Rheineck und Gy, ferner die Vergrößerung des Transitpostbüreaus im Bahnhofe Genf und der Postlokale im Centralbahnhofe in Basel, den Ankauf des Postgebäudes in Biel und eines Bauplatzes für ein Post- und Telegraphengebäude in Interlaken, die Erstellung von neuen Transitpostlokalen im badischen Bahnhofe in Basel u. s. w.

Ueber das Nähere dieser Geschäfte geben die Jahresberichte derjenigen Verwaltungen, in deren Geschäftskreis der Gegenstand gehört, Auskunft.

F. Kantonale Straßen und Brücken.

1. Oberaufsicht über den Unterhalt.

Die Straßen, an deren Unterhalt der Bund aus eint und anderm Grunde ein Interesse hat, sind auch im Berichtjahre wieder in großem Umfange Gegenstand von Inspektionen des Oberbauinspektorates gewesen, welche größerntheils ohne spezielle Veranlassung, zum Theile aber auch in Folge meist durch die Postverwaltung eingereichter Reklamationen vorgenommen wurden. In einzelnen Fällen mußten dieselben wiederholt werden. Im Allgemeinen wird es Sache der diesjährigen Besichtigungen sein, zu verifiziren, in wie weit die den Kantonsregierungen empfohlene Berücksichtigung der denselben Mitgetheilten Inspektionsberichte stattgefunden hat.

Es handelt sich dabei meist um den gewöhnlichen Unterhalt der Fahrbahn, bei den Gebirgsstraßen aber besonders auch um die nöthigen Barrieren und überhaupt Sicherheitsvorkehren, wie dann um verschiedene einzelne Objekte.

Die in den letzten Jahren wiederholt berührte Oeffnung der Furka- und der Oberalpstraße für die Wagen gab im letzten Frühjahre keine Veranlassung zu besondern Verhandlungen mit den betreffenden Kantonsregierungen, da sie sich wegen geringer Schneemenge und günstiger Witterung zwar erst in der zweiten Hälfte Juni ohne viel Arbeit vollzog.

2. Subventionirung von Neubauten.

Die Vollendung der S t r a ß e am rechten Ufer des Thunersees von M e rli gen bis N e u h a u s ist schon letztes Jahr gemeldet

483 worden. Von dem daherigen Bundesbeitrage ist noch ein Rest zur Ausbezahlung im laufenden Jahre verblieben.

Bezüglich der S t r a ß e am Vierwaldstättersee von V i t z n a u bis G e r s a u konnte schon im letzten Berichte das infolge Ein-ganges der nöthigen Erklärungen von Seite der Regierungen der Kantone Luzern und Schwyz erfolgte Inkrafttreten der mit Bundesbeschluß vom 27. Juni 1884 erfolgten Subventionszusicherung mitgetheilt werden. Nach vorangegangener definitiver Feststellung und diesseitiger Genehmigung der Ausführungsprojekte wurde dann auch die Bauausführung in Angriff genommen und dieselbe während des Berichtjahres auf beiden Kantonsgebieten weit gefördert.

3. Verschiedene Straßen- und Brückenangelegenheiten.

a. Tresabrücke bei Cremenaga.

Diese schon wiederholt erwähnte, die Instandstellung dieser Grenzbrücke betreffende Angelegenheit war zwar auch im Berichtjahre wieder Gegenstand verschiedener Korrespondenzen, jedoch ohne damit ihre definitive Erledigung gefunden zu haben, woran, wie es scheint, der Widerstand der italienischen Gemeinde Cremenaga gegen Uebernahme der ihr treffenden Hälfte der Kosten die Schuld trägt.

b. Die Maggiabrücke bei Ascona.

In dieser Beziehung hat die Regierung des Kantons Tessin auf erneuerte diesseitige Nachfrage bestätigt, dass sie die Erledigung dieser alten Pendenz auf dem schon inunseremm letzten Berichte erwähnten Wege der Verbesserung des jetzigen Provisoriums anstrebe. Sie wies dabei auf rien Widerstand hin, welchem diese Angelegenheit im dortigen Großen Käthe begegne, ein Widerstand, der sich darauf stütze, daß die daherige vertragsmäßige Verpflichtung gegenüber Italien erloschen sei, welche Anschauungsweise aber, wibekannt,t, von der italienischen Regierung nichgetheiltlt wird. Auf die gleichzeitige Anfrage der tessinischen Regierung, ob der Bund an die Kosten der Wiederherstellung dieser Brücke einen Beitrag bewilligen würde, erwiderten wir, die Zusicherung eines Bundesbeitrages könne nur durch die Bundesversammlunertheiltll werden. Der Bundesrath könne auf Grund des im Bundesveschluss vom 19. Juli 1869 liegenden Vorganges es als wahrscheinlich bezeichnen, daß, wenn die damaligen Voraussetzungen jetzt noch bestehen und die jetzt beabsichtigte Rekonstruktion deBrückek» Bundesblatt. 38. Jahrg. Bd. I.

85

484

denselben zu genügen vermöge, die Bundesversammlung wieder zu einer Beitragszusicherung bereit sein werde.

· c. Straßenanschluß zwischen Arogno (Tessin/ und Lanzo /Italien).

Auf den von der italienischen Gesandtschaft ausgesprochenen Wunsch betreffend Herstellung einer Straßenverbindung zwischen Lanzo und Arogno erwiderte die Regierung des Kantons Tessin auf erfolgte Mittheilung an dieselbe, die Gemeinde Arogno wäre zwar diesem Straßenbau geneigt, vermöge aber nicht den ganzen auf sie entfallenden Kostenantheil zu übernehmen; die Regierung ihrerseits besitze auch kein gesetzliches Mittel, um die Gemeinde in dieser Beziehung zu etwas anzuhalten. Dies wurde der italienischen Gesandtschaft mitgetheit.

d. Straße Porlezza-Lugano.

Eine analoge Erledigung fand die Nachfrage der italienischen Gesandtschaft über die Aussichten für den Bau einer Straße von Portezza über Orio nach Lugano, indem die Regierung des Kantons Tessin darauf erwiderte, das Stück von Lugano bis Castagnolo sei schon letztes Jahr ausgeführt worden, für die weitere Fortsetzung bestehe dagegen, zufolge der Ungeneigtheit der beteiligten Gemeinden Castagnolo und Candria zur Beitragsleistung keine Aussicht.

e. Innbrücke zu Martinsbruck.

Diese hälftig der Schweiz und Oesterreich (Graubünden und Tyrol) angehörende Grenzbrücke ist bei dem auf beiden Seiten erfolgten Neubau der Straße einstweilen beibehalten worden. Nun hat sich aber infolge des letztem und des hinzugekommenen Einflusses der Arlbergbahn der Verkehr sehr wesentlich vermehrt, sodass demselben die alte hölzerne Jochbrücke wegen ihrer geringen Breite und ebensolchen Tragkraftt nicht mehr genügt. Aus Rücksicht auf Letzteres mußten die Lasten, mit welchen die Brücke befahren werden darf, limitirt werden. Unter solchen Umständen scheint der Umbau derselben im allgemeinen Verkehrsinteresso geboten ; eine besondere Veranlassung, dessen baldige Vornahme zu wünschen, ergibt sich noch daraus, daß der schweizerischerseits auf dieser Linie besorgte Postdienst während des Sommers den Gebrauch von schweren Wagen mit sich bringt. Dieser Umbau kann aber nur im Einverständnisse mit Oesterreich erzielt werden, und wir haben daher, nach stattgefundener Untersuchung der Brücke durch das Oberbauinspektorat und vorgängigem Benehmen mit der

485

Regierung von Graubunden, die Angelegenheit bei der österreichischen Regierung augeregt.

f. Fahrbarmachung des Großen St. Bernhard.

Eine Anfrage der italienischen Gesandtschaft betreffend die diesseitigen Absichten bezüglich Fahrbarmachung des G r o ß e n St. B e r n h a r d wurde der Regierung von Wallis zur Aeußerung darüber mitgetheilt. Letztere war aber zu Ende des Berichtjahres noch nicht eingegangen.

G. Allgemeines Wasserbauwesen.

1. Oberaufsicht über die Wasserbaupolizei und Verschiedenes.

Die im letzten Geschäftsberichte erwähnte Differenz zwischen den Regierungen von Zürich und Zug wegen der K o r r e k t i o n d e r Si hl auf einer Strecke oberhalb Sihlbrück, wo letztere die Kantonsgrenze bildet, ist auch im Berichtjahre noch nicht zum gänzlichen Abschlüsse Ogekommen.

ö Bezüglich eines im letzten Berichte erwähnten Projektes betreffend A b l e i t u n g e i n e s K a n a l s v o m R h e i n u n t e r h a l b d e r S a l i n e v on S c h w e i z e r h a l l , welches auf Wunsch der Regierung von Basel-Landschaft der großherzog]. badischen Regierung in Gemäßheit der Uebereinkunft betreffend den Wasserverkehr auf dem Rhein vom 10. Mai 1879 mitgetheilt worden war, ist seither die Aeußerung der letztern Regierung eingegangen und derjenigen des Kantons Basel-Landschaft mitgetheilt worden, wonach der Sache bisher keine weitere Folge gegeben wurde.

Gemäß der gleichen Uebereinkunft mit Baden ist im Berichtjahre der dortigen Regierung auf Gesuch derjenigen des Kantons Aargau das Projekt der Gemeinde Laufenburg betreffend eine i m R h e i u auf dortiger Gemarkung a n z u l e g e n d e S a l ni e u w a a g e mitgetheilt und von Baden die Zustimmung zu dieser Anlage ertheilt worden.

Auf die von privater Seite eingegangene Anfrage, welchen Standpunkt der Bundesrath gegenüber dem (schon oft erwähnten) Projekte eines v o m L u g a n e r s e e n a c h I t a l i e n a b z u l e i t e n den K a n a l es einnehme, wurde erwidert, der Bundesrath habe bisher keine Veranlassung gehabt, sich hierüber zu entscheiden.

Dem von der Regierung von Graubünden eingereichten P r o j e k t e e i n e r z w i s c h e n Maienfeld u n d R a g a z un e r b a u e n d e n R h e i n b r ü c k e wurde, nachdem es der Regierung

486

von St. Gallen mitgetheilt und von dieser, als bestellendem Einverständnisse zwischen beiden Regierungen entsprechend, gutgeheißen worden war, vom Bundesrathe die Genehmigung ertheilt. Ueber die von Graubünden und zunächst von der Gemeinde Maienfeld übernommene Ausführung ergab sich dann aber zwischen genannten beiden Kantonen ein Anstand, und da in Folge desselben der unvollendete und bezüglich seiner Solidität von St. Gallen beanstandete Bau mitten im Sommer der Gefahr des in dieser Jahreszeit täglich möglichen Eintrittes höherer Wasserstände preisgegeben war, so fand sich der Bundesrath genöthigt, einzuschreiten, um einer Sachlage ein Ende zu machen, deren Fortdauer polizeilich unzuläßig erschien. Dabei wurden aus dieser Angelegenheit allfällig entstehende Staats- und zivilrechtliche Fragen auf den Rechtsweg verwiesen. Für die Wiederaufnahme dieses Brückenbaues wurde dagegen die Genehmigung des Bundesrathes vorbehalten und es handelte sich in Folge dessen am Ende des Berichtjahres um die Ermittlung der technischen Voraussetzungen für diese Genehmigung.

2. Subventionirung von Korrektionen und Verbauungen durch den Bundesrath.

Im Berichtjahre sind vom Bundesrathe für folgende Korrektionsund Verbauungsarbeiten Bundesbeiträge bewilligt worden: Kanton Bern.

a. Verbauung des Kl o st erb ach es, G e m e i n d e D ä r s t e t t e n (Untersimmenthal).

b . Verbauung d e s M a n n i g g r u n d - o d e r N a r r e n b â c h e s b e i Z w i s c h e n f l ü h (Diemtigenthal).

c. Korrektion der A a r e z w i s c h e n der E i s e n b a h n b r ü c k e Uttigen und der J a b e r g - B r ü c k e bei Kiesen.

d. Korrektion des E r s i g e n b a c h e s zwischen Ruzwyl und Niederösch.

e. Korrektion des 0 en z b a'hes zwischen Wynigen und Bollodingen.

Vorläufige Subventionszusicherungen, vorbehaltlich definitiver Beschlußfassung nach Eingang vollständiger Vorlagen, wurden ertheilt für die Verbau ung des Gil- u n d A l l e n b a c h es, Gemeinde Adelboden.

In Behandlung ist geblieben: die S c h m i t t e n g r a ben - V e r b a u u u g , Gemeinde Adelbodeu.

487

Kanton Luzern.

R e u ß d a m m er höhung und Binnenkanal-Anlage zwischen I n w y l u n d K l e i n d i e t w y l .

Kanton Uri.

Erhöhung des Dammes der S e e d o r f e r R e u ß w e h r e (Beitrag aus der Hülfsmillion).

Kanton Schwyz.

a. Verbauungen und Entwässerungen im S e e b o d e n bei K ü s n ach.

b. Korrektion des untern Laufes des S c h l i e r e n b a c h e s im Inner-Wäggithale, nach schon stattgehabter Subventionirung der Verbauung des obern Laufes.

c. Verbauung des H u n d s b ü l b a c h e s an der Ibergegg, Gemeinde Schwyz.

d. Verbauung der Glattenberg- und R u c h b e r g r u n s e n , Gemeinde Gersau.

Kanton Unterwalden Nid dem Wald.

Verbauung und Korrektion des R ü b i b â c h e s bei Buochs; Fortsetzung im untern Laufe.

Kanton Freiburg.

Korrektion der G l a n e zwischen Siviriez und Macconnens.

Kanton Solothurn.

Korrektion der A a r e zwischen Schönenwerd und der Kantonsgrenze Solothurn-Aargau.

Kanton Graubünden.

a. Gemeinde Nufenen: Verbauung des B r a s c h - T o b e l s ; Verbauung des T h ä l i - T o b e l s .

b. Gemeinde Trimmis: Verbauung der H a a g - R u f e .

c. Gemeinde Schiers: Verbauung des R a d a l s- T o bei s.

Kanton Tessin.

a. Verbauung des Wildbaches G u a s t a bei Bellinzona (Ergänzungsarbeiten).

488 b. Korrektion des C a s s a r a te in den Gemeinden Cadrò, Dovesco und Canobbio.

c. Korrektionsarbeiten an der S e m e n t i n a , Gemeinde Monte Carasso.

d. Schutzbau am B r e n n o bei D o n g i o (Blegno-Thal), Beitrag aus der Hülfsmillion.

'e. Schutzbauten am B r e n n o bei M a l v a g i i [ a ; Fortsetzung der dortigen Korrektionsarbeiten.

f. Schutzbauten an der M a g g i a b e i C e v i o (Ergänzungsarbeiten) blieben noch in Behandlung.

Kanton Wallis.

Korrektion des Wildbaches La L o q u e t t e bei Sierre.

Kanton Neuenburg.

Korrektion der R e u s e von der Chaussee-Brücke von Coraillod bis zum See.

Einem Gesuche des Kantons Schaffhausen um Bewilligung eines Beitrages zu Gunsten der Dampfbootgesellschaft für Untersee und Rhein an die Kosten von B a g g e r u n g s a r b e i t e n behufs Verbesserung des Fahrwassers des R h e i n s an verschiedenen Stellen fand der Bundesrath, nicht entsprechen zu können.

Folgendes sind die im Berichtjahre für Arbeiten dieser Klasse, also solche, deren Subventionirung der Bundesrath theils schon früher, theils, wie vorstehend, erst im Berichtjahre bewilligt hat, ausbezahlten Beiträge : Kanton Bern.

1} Korrektion der Zulg bei Steffisburg .

. Fr. 2,300. -- 2) Korrektion und Verbauung des Riedernbaches bei Oberhofen ,, 3,882. 35 3) Simmenkorrektion bei Lenk .

.

· v> 7,200. -- 4) Korrektion der Ilfls zwischen Langnau und Emmenmatt ,, 7,735. 30 5) Korrektion der Aare zwischen Uttigen und Kiesen ,, 6,700. -- 6) Verbauung des Klosterbaches bei Därstetten ,, 8,900. -- 7) Verbauung des Narrenbaches im DiemtigenThale .

.

.

.

.

. ,, 3,800. -- 8) Verbauung des Tscherzisbaches bei Gsteig ,, 6,000. -- 9) Verbauung im Sytiwalde bei Wüderswyl . ,, 4,552. 40 Total Fr. 51,070.1)5

489

Kanton Schwyz.

1) Verbauung des Spreiten bâches bei Lachen . Fr. 11,083. 70 2) Verbauungen im Inner-Wäggithale .

. ,, 15,490. 36 Total Fr. 26,574. 06 Kanton Unterwaiden Ob dem Wald.

1) Korrektion und Verbauung der Kleinen Schlieren bei Alpnach Fr. 8,960. -- 2) Verbauung der obern Zuflüsse der Kleinen Schlieren ,, 8,640. -- Total FrTÏ7,600. -- Kanton Glarus.

Korrektion des Sernftbaches bei Elm

.

. Fr. 11,520. --

Kanton Freiburg.

Korrektion der Glane zwischen Siviriez und Macconnens .

.

.

.

.

.

Kanton Schaffhausen.

1) Rheinkorrektion bei Rüdlingen .

.

2) Korrektion der Wutach bei Sehleitheim

,,

5,500. --

. F r . 3,658. 50 . ,, 15,137. 35

Total

Fr. 18,795. 85

Kanton Graubünden.

1) Rechtseitige Bewuhrung des Vorderrheins bei Waltensburg, Ergänzungsarbeit .

.

. Fr.

385. -- 2) Glennerkorrektion (linkseits) bei llanz . ,, 1,700. -- 3} Verbauung des Thäli-Tobels bei Nufenen (Rheinwald) ,, 534. 72 4) Linkseitige Bewuhrung des Hinterrheins bei Medels (Rheinwald) ,, 1,153. 13 5) Rechtseitige Bewuhrung des Hinterrheins bei Rothenbrunnen ,, 2V049. -- 6) Liakseitige Rheinbewuhrung bei Felsberg . ,, 3,000. -- Uebertrag Fr. 8,821. 85

490

Uebertrag Fr. 8,821. 85 Verbauung des Weite-Tobels bei Churwalden ,, 767. 14 Verbauung der Val Parghera-Rüfe bei Chur ,, 320. -- Linkseitige Rheinbewuhrung bei Untervaz . ,, 916. 67 Colmatirungs-Anlagen auf dem linken Landquartufer bei Grüsch ,, 3,048. 10 11) Korrektion des Taschinas-Baches bei Grüsch rechtseits ,, 3 , 1 2 5 . 95 12) Rechtseitige Landquart-Bewuhrung bei Schiera ,, 4,737. 83 13) Verbauung des Bildli-Baches bei Davos . ,, 279. 63 14) Rechtseitige Inn-Bewuhrung bei Bevers (Oberengadin) ,, 4,000. -- 15) Entwässerungsarbeiten zu Fetan' (Unterengadin) ,, 5,508. 95 16) Verbauung der Val Forcella bei Vicosoprano (Bergell) ,, 1,951. 92 17) Verbauung der Val Dremola bei Lostallo (Misoxerthal) ,, 1,800. -- 18) Rechtseitige Bewuhrung der Moesa bei Cabiolo (Misoxerthal) ,, 1,578. 97 19) Verbauung der Rufe Bosco grasso bei Cabiolo (Misoxerthal) ,, 318. 9» 20) Verbauung der Val Ruinas bei Fuldera (Münsterthal) ,, 1,637. 80 21) Verbauung der Archa gronda bei Valcava (Münsterthal) ,, 293. 96

7) 8) 9) 10)

Total

Fr. 39,107. 70

Alle vorstehenden Posten mit Ausnahme von Nr. 14, 16 und 17 betreffen Fortsetzungen früher in Angriff genommener Werke.

Kanton Tessin.

1) Verbauung des Wildbaches Guasta bei Bellinzona 2) Wuhrbauten am Tessin bei Molinazzo .

3) Korrektion der Magliasina bei Caslano .

Total

,, ,, ,,

8,000. -- 3,448. 80 9,554. 18

Fr. 21,002. 98

491

Kanton Waadt.

Verbauung der obera Gryonne

.

.

. Fr. 2,179. 69

Kanton Wallis.

1) Entsumpfungskanäle im Rhonethal .

. Fr. 4,285 08 2) Verbauung der Bonne-Eau bei Sierre .

. ,, 187. 63 3) Verbauungen an den Wildbächen der Gemeinde Bagnes ,, 2,226. 96 Total Gesammtbetrag

Fr. 6,649. 67 Fr. 200,000. --

Außerdem wurden Beiträge aus der Hülfsmillion bezahlt: Dem K a n t o n Uri für die Erhöhung der Reußwuhre bei Seedorf Fr. 1439. 04 Dem K a n t o n W a l l i s an die Entsumpfungskanäle ,, Total

800. 40

Fr. 2239. 44

Die Werke, für welche der Bundesrath bis Ende des Berichtjahres Bundesbeiträge bewilligt hat und die damals noch nicht vollendet waren, sind zusammen devisirt zu . Fr. 5,181,182. --Die dafür zugesicherten Beiträge belaufen sich auf Fr. 1,924,806. 50 und das Beitragsverhältniß ist somit durchschnittlich 37 °/n. Nach dem gesetzlichen Maximum von 50 °/n würde sich die Summe der Bundesbeiträge um Fr. 666,000 höher stellen.

Noch nicht ausbezahlt war bei Abschluß der Rechnung für 1885 von obiger Beitragssumme .

.

. Fr. 1,359,050. 49 Somit sind über 6 Jahresbeiträge von Fr. 200,000 erforderlich, um diese Summe abzutragen.

Es kann aber kaum angenommen werden, daß die Ausführung der betreffenden Werke sich durchschnittlich so weit hinaus erstrecken werde. Außerdem werden unterdessen neue Beitragsbewilligungen in sehr bedeutendem Betrage hinzukommen, wenn den ohne Zweifel eingehenden Gesuchen entsprochen werden soll.

492 3. Große Gewässerkorrektionen subventionirt durch besondere Bundesbeschlüsse.

Im Berichtjahre sind neuerdings solche Beschlüsse erfolgt, betreffend : 1) K o r r e k t i o n d e r E m m e im Kanton Bern auf der Strecke von der Ilfismündung bei Emmenmatt bis zur Gemeindegrenze Burgdorf- Kirchberg, vom 26. März 1885.

2) R e g u l i r u n g der W a s s e r s t ä n d e des G e n f e r s e e ' s , vom 16. Juni 1885.

3) Sanirunsg der S ü m p f e d e r O r b e , Kanton Waadt, vom 19. Juni 1885.

4) K o r r e k t i o n der W i e s e im Kanton Basel-Stadt, vom 26. Juni 1885.

Für die T e s s i n k o r r e k t i o n und für die V e r b a u u n g des S t e i n i b a c h e s bei H e r g i s w y l wurde das Beitragsverhältniß von 40 °/o auf 50 % erhöht, bei ersterer in Abänderung des Bundesbeschlusses vom 3. April 1883, bei letzterer in Abänderung des betreffenden Bundesrathsbeschlusses, in welchen wir nun den höhern Prozentsatz eingeführt haben, um dem daherigen Beschlüsse der eidg. Räthe Vollzug zu geben.

Vorläufig angemeldet wurden in der Dezembersession Gesuche um : 1) Nachsubvention für die Rhonekorrektion auf Gebiet des Kantons Waadt.

2) Regulirung des Zürichsee's.

3) Zweite Naehsubvention für die Rheinkorrektion im Kanton St. Gallen.

Von den im Berichtjahre erfolgten Subventionszusicherungen sind die vorstehend unter 2, 3 und 4 aufgeführten in Folge Erfüllung der Bedingungen seitens der Kantone auch bereits in Kraft getreten. Von frühem solchen Zusicherungen ist dies erfolgt bezüglich der Wildbäche von Beckenried, Nidwaiden, der Korrektion der Aare von Böttstein bis Rhein, Aargau, und der 2. Nachsubvention für die Rhonekorrektion im Wallis.

Fristverlängerungen wurden bewilligt betreffend Merjelensee im Wallis bis 20. Juni 1886 und betreffend Lorze, Zug, bis 27. Juni 1887. Betreffend die Tessinkorrektion liegt von der Regierung von Tessin das Gesuch um weitere Erstreckung der bereits abgelaufenen, schon einmal verlängerten Frist vor.

493 Dazu ist noch Folgendes zu bemerken : In Folge Verwerfung
Für durch Bundesbeschlüsse subventionirte Korrektionswerke sind im Berichtjahre folgende Beitragszahlungen geleistet worden : 1) Für die Korrektionen an der Thur sammt Rhein an der Thurmündung, der Töß, Glatt, Liminat und Sihl an den Kanton Zürich . Fr. 186,000. -- 2) Für die Aarekorrektion im Haslithale an den Kanton Bern ,, 40,000. -- 3) Für die Korrektion der Emme von dur Gemeindegrenze Burgdorf - Kirchberg bis zur Kantonsgrenze Bern - Solothurn, an den Kanton Bern ,, 34,000. -- 4) Für Arbeiten an den Wildbächeu von Beckeuried an den Kanton Unterwaiden nid dem Wald ,, 14,000. -- 5) Pur die Rheinkorrektion im Domleschg, an den Kanton Graubilndeu .

.

.

. ,, 3(5,000. -- ti) Für die Landwasser-Korrektion zu Davos, an den Kanton Graubünden ,, 35,000. -- 7} Für die Verbauuug der Nolla, an den Kanton Graubünden ,, '22,164. 50 Uebertrag

Fr. 307,164. 50

494

Uebertrag 8) Für die Korrektion der Thur und der Murg im Kanton Thurgau .

.

.

.

9) Für die Korrektion der Veveyse, an den Kanton Waadt 10) Für die Korrektion der Gryonne, an den Kanton Waadt

Fr. 367,164. 50 ,,

90,000. --

,,

10,483. 35

,,

16,359. 42

Total Fr. 484,007. 27 Die Werke, für welche die Bundesversammlung bis Ende des Berichtjahres Beiträge bewilligt hat und die damals noch nicht vollendet waren, sind zusammen devisirt zu . Fr. 26,224,952. 14 Die dafür zugesicherten Beiträge belaufen sich auf Fr. 9,604,200 und das Beitragsverhältniß ist somit durchschnittlich 36,6 % Nach dem gesetzlichen Maximum von 50 % würde sich die Summe der Bundesbeiträge um Fr. 3,508,000 höher stellen.

Noch nicht ausbezahlt waren bei Abschluß der Rechnung für 1885 von obiger Beitragssumme .

.

. Fr. 8,802,069. 88 Die jährlichen Beitragsmaxima sind hier in den SubventionsBeschlüssen selbst festgesetzt, unter der Bedingung entsprechenden Fortschreitens der Ausführung der betreffenden Werke.

Es braucht kaum gesagt zu werden, daß in Folge der großen Zahl und des theilweise großen Umfanges der vom Bund subventionirten Werke es nicht mehr möglich ist, über die jährlich ausgeführten Arbeiten und die einzelnen darauf bezüglichen Vorgänge nähere Angaben in den Geschäftsbericht des Bundesrathes aufzunehmen.

Wir fügen daher bloß noch folgende besondere Bemerkungen hier bei: Arn R h e i n fand arn 28. September ein bedeutendes Hochwasser statt; es war das höchste seit 1871 und stund zu Reichenau ungefähr l m. unter demjenigen von 1868.

Trotzdem hat dasselbe im Allgemeinen wenig Schaden angerichtet. Bezüglich der Rheinkorrektion von der Tardisbrücke bis Monstein ist besonders erwähnenswerth, daß zum ersten Male bei einem Wasserstande von solcher Höhe keine Breschen in den Wahren und Dämmen und dadurch verursachte Ueberschwemmungen vorgekommen sind. Wohl mit Recht wird es als ein besonders glücklicher Umstand angesehen, daß die Binnengewässerkorrektion

495

i in Bezirke Werdenberg schon vollendet und damit die Verschließung der hier bestandenen Bachmündungen erfolgt war. Selbstverständlich wurde durch die anderwärts wegen solcher Mündungen noch in der Eindämmung bestehenden Lücken das Wasser in das hinterliegende Land eingestaut und sind dadurch je nach den Lokalverhältnissen kleinere oder größere Bodenflächen für die Dauer des hohen Rheinstandes unter Wasser gesetzt worden. Dies wird sich so lange wiederholen, bis auch diese Oeffnungen infolge gesonderter Ableitung der Binnenwasser geschlossen werden.

Auf das Nähere bezüglich der bei diesem Hochwasser gemachten Beobachtungen und die daraus betreffend noch weiter nöthiger Vervollständigung der Rheinkorrektionswerke zu ziehenden Schlüsse einzutreten, kann hier unterlassen werden, nachdem in dem Gesuch der Regierung von St. Gallen um eine zweite Nachsubvention für die Rheinkorrektion die Veranlassung gegeben ist, dies an anderer Stelle zu thun.

Der Dammbruch bei St. Margretheu und die dadurch veranlaßte Ueberschwemmung sind unterhalb der vom Bund subventionirten Rheinkorrektion auf derjenigen untersten Strecke "des RheinJauf'e.s vorgekommen, welche durch den projektirten FußacherDurchstich abgeschnitten werden soll. Daß die Gefahr von Ueberschwemmungen in diesem untern Rheinlaufe sich sehr steigern werde, nachdem das Austreten des Flusses im obern Laufe nicht mehr stattfinde, war vorausgesehen und auch schon vor längerer Zeit als Grund für die möglichst baldige Erledigung der Durchst ichfrage, geltend gemacht worden. Es darf daher vielleicht gehofft weiden, daß in dieser Beziehung die für beide Seiten in bedrohlicher Weise stattgehabte thatsächliche Bestätigung jener Voraussicht einen günstigen Einfluß ausüben werde.

Im letzten Geschäftsberichte sind folgende die J u r a g e w ä s s e rk o r r e k t i o n betreffende Pendenzen erwähnt worden: Erstlich wurde mitgetheilt, die Kantone Freiburg, Waadt und Neuenburg, welchen die Ausführung der obern Juragewässerkorrektion, bestehend in den Kanälen der obern Zihl und untern Broye, oblag, hätten verlangt, daß diese Kanäle als vollendet erklärt und den mit ihrem Gebiete an dieselben angrenzenden Kantone, daher den vorgenannten nebst Bern, zum Unterhalte übergeben werden sollen. Der hiezu erforderliche Kollaudationsakt hat n u n , nachdem er im Jahr 1884
wegen im letzten Berichte erwähnter Verumständungen nicht zu Stande gekommen war, im Berichtjahre stattgefunden, infolge dessen diese Angelegenheit durch Beschluß des Bundesrathes ihre Erledigung fand.

496

Eine weitere Pendenz betraf die im Nidau-Büren-Kanal bei Nidau auszuführende Schleuse. Hierüber wurde mitgetheilt, daß, nachdem eine Verständigung unter den betheiligten Kantonen über das Ausführungsprojekt nicht zu Stande gekommen war, wir eine nochmalige genaue technische Prüfung der Angelegenheit veranlaßten, um eine sichere Basis zu gewinnen fit r die vom Bundesrathe, im Falle auch weiterhin nicht erzielbarer Einigung, gemäß der ihm übertragenen Vollziehung des betreffenden Bundesbeschlusses zu treffende Entscheidung. Wir haben dem nun noch beizufügen, daß die Erledigung der Angelegenheit auf diesem Wege stattgefunden hat, indem wir dem Projekte von Bern, nachdem infolge der von uns veranstalteten Expertise noch etwelche Modifikationen daran vorgenommen worden waren, die Genehmigung ertheilt haben.

Infolge dessen ist auch die Ausführung des Baues schon im letzten Herbste in Angriff genommen worden, um nicht noch einen Winter dafür unbenutzt verstreichen zu lassen.

Die Notwendigkeit dieses Schleusenbaues hat unterdessen der sehr niedrige Wasserstand des Winters 1884/85 neuerdings bewiesen, indem infolge desselben die Schiffahrt zwischen dem Neuenburgerund dein Murtensee während langer Zeit unterbrochen war.

Linthunternehmung Dem nach bestehender Vorschrift von der eidg. Linthkommission erstatteten Amtsberichte für 1885 ist zu entnehmen, dass schon wiederholt erwähnte Rechtsanstände bei der Ziegelbrücke auch im Berichtjahre ihre Erledigung noch nicht gefunden haben, daß gewisse von der Linthkommission für Korporationen besorgte Arbeiten derselben von letztern für eine neue Periode übertragen worden sind und daß bezüglich der Schifffahrt auf dem Linthkanal sich eine kleine Vermehrung ergeben hat. Die Linthsteuer wurde wie im Vorjahre »u 4 Rappen pro Are erhoben, indem die Kommission Angesichts des Widerstrebens der Pflichtigen fand, von dem gesetzlich gestatteten Maximum von 5 Rappen absehen zu sollen.

Indem aber gleichzeitig eine auf Kosten des Linthfonds zu begleichende Büdgetüberschreitung stattfand und die Kommission zum Zwecke rascherer Vollendung sämmtlicher Hauptarbeiten am Linthkanal es als nothwendig bezeichnete, auch künftighin die daherigen Kosten theilweise aus dem Linthfond zu bestreiten , so ergab sieh über diesen Punkt eine Verhandlung zwischen dem Bundesrathe und der Linthkommission, welche zu dem Beschlüsse des erstem führte, ,,es werde der Linthkommission gestattet, zum Zwecke einer, mit Rücksicht auf drohende Gefahren nothwendigen, Beschleunigung der Ausführung der von ihr bezeichneten Vollendungsarbeiten am

497

untern Linthkanal und nm Grj'naukanal jährliche Beträge von Fr. 10,000 aus dem Kapitalvermögen des Linthwerkes während der zehn Jahre von 1885 bis 1894 zu entnehmen. tt Die ausgeführten Arbeiten bezogen sich außer solchen Vollendungsbauten auf Umbau und Ersetzung abgängiger alter Wuhre und überhaupt den Unterhalt, wie dann auf Spreng- und BaggerungsArbeiten im Bette des Linthkanals zu Gunsten der Schifffahrt.

Wiederholte bedeutende Hochvvasser der Linth im Späjtuhre veranlaßten unter Mitwirkung des Umstaudes, daß der Walleusee bei ihrem Eintritte tief stund, Erosionen und infolge dessen den Einsturz einzelner Wuhre auf der untersten Strecke. Infolge der Retension des Wallensees erreichten diese Hochwasser am Linthkanal keine gefährliche Höhe.

Die Für ,, ,, v ,, ,,

Kosten pro 1885 betragen: den Escherkanal ,, Linthkanal die Verwaltung allgemeine. Auslagen .

.

d e n Grynaukanal .

.

.

Rechnung der Korporationen

.

.

.

Fr. 5,285. 84 ,, 46,364. 10 ,, 6,700. -- · -n 7,605. 22 .

. 5,360. 6 3 . ,, 4,796. 96

Total ~ Fr. 7ö7l 127 75 Das Rechnungsergebniß pro 1885 ist Folgendes: Liegenschaften Fr. 102,225. (54 Schuldbriefe und Obligationen ,, 242,245. 77 Restanzen .

.

.

.

.

.

. ,., (5,316. 5 5 Mobilien ,, 8,000. -- Kassa-Saldo ,, 2ß,064. 79 Schuld der 2 Korporationen ,, '2,835. 80 Total Bestand Ende 1884

Fr. 387,688. 55 ,, 402,843. 78

Es ergibt sich somit ein Rückschlag von . Fr. 15,155. 23 wovon auf Rechnung des noch laufenden Kredites der s. Z. aus dem Linthtbnd bewilligten Fr. 150,000 für die Grynaukorrektiou Fr. 5360 fallen, für welche nun nur noch ein disponibler Rest von Fr. 7814. 15 übrig bleibt.

Der übrige Theil des Defizits wurde durch unsern vorerwähntuu Beschluß geregelt.

498 4. Hydrometrie.

Wir haben schon an anderer Stelle das Bedürfniß eines inten-sivem und systematischem Betriebes der hydrometrischen Arbeiten besprochen. Nachdem Sie auch für diesen Zweig unserer Bauverwaltung provisorisch die Mittel au Vermehrung der Arbeitskräfte bewilligt haben, wird sofort die neue Organisation an Hand genommen werden. Das Ergebniß der daherigen Bestrebungen ist zu wesentlichem Theil vom Handbieten der Kantonsregierungen abhängig, das wir indessen im Hinblick auf das große Interesse, welches das Wasserbauwesen und damit auch die Hydrometrie für dieselben hat, wie auch auf die Intentionen des eidgen. Wasserbaupolizeigesetzes glauben erwarten und verlangen au dürfen.

III. Geschäftskreis des Finanz- und Zolldepartements.

I. Finanzdepartement.

A. Finanzverwaltung.

Münzwesen.

Münzvertrag, lieber das Resultat der Verhandlungen der am 20. Juli zusammengetretenen internationalen Münzkonferenz haben wir in unsern Botschaften vom 4. und 15. Dezember, auf welche hier verwiesen wird , einläßlich Bericht erstattet, und es erfolgte am 21. gleichen Monats die Ratifikation der am 6. November zwischen Frankreich, Griechenland, Italien und der Schweiz abgeschlossenen neuen Münzkonvention, sowie gleichzeitig auch des Zusatzaktes vom 12. Dezember, betreffend den nachträglichen Beitritt Belgiens zu dieser Konvention.

Der Abschluß des neuen Vertrages war namentlich durch den Umstand wesentlich erschwert worden, daß Frankreich, unterstützt von Italien, Griechenland und der Schweiz, die Aufnahme einer Liquidations- oder Kompensationsklausel vorschlug, dahin lautend: im Fall der Auflösung der Union sei jeder der kontrahirenden

499 Staaten verpflichtet, die von ihm geprägten und im Gebiete der andern Staaten umlaufenden silbernen Fünffrankenstücke zum Nennwerthe zurückzunehmen, beziehungsweise den Saldo, der sich nach Ausgleichung der Stücke eigenen und fremden Gepräges ergebe, in Gold oder Wechseln auf den guthabenden Staat auszugleichen.

Belgien, welches weit über seinen eigenen Bedarf hinaus silberne Fünffrankenstücke geprägt hat, erblickte in diesem Vorschlage eine erhebliche finanzielle Schädigung oder Störung seiner Geldzirkulation und verzichtete daher auf die fernere Theilnahme an den Konferenzverhandlungen, so daß anfänglich der Konventionsabschluß ohne den Beitritt des genannten Staates erfolgt war.

Da dadurch Belgiens Verbleiben beim internationalen Münzverband zweifelhaft geworden und eine nahe bevorstehende Demonetisirung seiner außer Landes befindlichen silbernen Fünffrankenstücke, deren Zahl in der Schweiz auf circa 2 Millionen geschätzt wurde, zu befürchten war, so trafen wir sofort Anstalten zu deren möglichst rascher Einsatnmlung und Zurückleitung, welch' letztere in der Weise geschah, daß wir theils das für die diesjährige Prägung erforderliche Silberquantum gegen belgische Fünffrankenstüeke ankauften und theils Zahlungen für Rechnung von Banken und Eisenbahnverwaltungen in Belgien ausführten. Der inzwischen erfolgte nachträgliche Beitritt Belgiens zur MUnzunion unterbrach die in Vollzug gesetzte Zurückleitung, welche sonst bis zum Jahresschluß ziemlich zu Ende geführt worden wäre, um so mehr, als die hievor benannte Schätzung von 2 Millionen Stücken sich als zu hoch erwiesen hatte.

Silberscheidemiinzen. Auch im Berichtjahre befanden wir uns in der Lage, schweizerische Zwei-, Ein- und Halbfrankenstücke aus Frankreich zurückzuziehen, da unser Vorrath vollständig erschöpft war.

Billonmllnzen. Nachdem der Rückzug der Zwanzig-, Zehn- und Fünfrappenstücke alter Legirung seit dem Jahre 1880 betrieben worden , setzten wir zu Anfang des Jahres einen Endtermin bis 31. Dezember 1885 fest. Das Ergebniß des Rückzuges ist bis jetzt folgendes : Zwanzigrappenstücke,

Zehnrappenstücke.

Fünfrappenstücke.

11,367,100

12,170,000

9,960,000

gegenüber einer Prägung von ...

15,883,608

17,694,848

26,513,566

Rückstand

4,516,508

5,524,848

16,553,566

Bundesblatt. 38. Jahrg. Bd. I.

36

500

Der Umstand, daß keine oder höchst selten alte Stücke mehr sichtbar sind, läßt darauf schließen, daß eine große Zahl derselben verloren gegangen oder zerstört worden ist. Wir haben indessen gleichwohl eine Terminverlängerung von drei Monaten, d. h. bis Ende März 1886, eintreten lassen -- eine Verlängerung, welche namentlich den an die Schweiz grenzenden Departementen Frankreichs zu Statten kommen soll, wo zufolge erhaltener Mittheilnngen noch eine beträchtliche Zirkulation besteht.

Der Stand der Prägung neuer Billonmünzen war zu Ende des Beriehtjahres folgender : Zwanzigrappenstücke .

.

. 10,500,000 Zehnrappenstücke .

.

. 17,000,000 Fünfrappenstücke .

.

.

. 16,000,000 Da im Gewölbe der Staatskasse ein bedeutender Vorrath vorhanden ist, so wurde für das laufende Jahr die fernere Ausmünzung sistirt.

Liegenschaften.

Waffenplatz in Thun. Die Aufhebung der über die Allmend führenden Privatwegrechte konnte im Berichtjahre nicht zu Ende geführt werden wegen der infolge Aenderung des Straßentrace's eingetretenen Verzögerung im Ankauf des dem bernischen Fiskus und der Einwohnergemeinde Thun angehörenden Landes.

Ein seit mehreren Jahren häugiger Anstand mit der Gemeinde Thierachern, betreffsnd die Marchung am untern Hasleholz, wurde in der Weise endlieh beseitigt, daß die Parteien sich über einen kleineu Landabtausch verständigten.

Bei der infolge besserer Bewirthschaftung des Landes eintretenden Erhöhung, des Futter- und Getreideertrages erweisen sich die bestehenden Gebäulichkeiten je länger je mehr als unzulänglich.

Es mußte nach der Ernte eine große Menge Getreide wegen Mangel an Platz in den Stallungen der neuen Scheuer untergebracht werden. Ein Quantum Futter wurde aus dem nämlichen Grunde in eine alte baufällige Scheuer (Schmitte) eingelegt, wo sich dasselbe stark erhitzte und infolge dessen seinen Futterwerth theilweise einbüßte. Wenn die Steigerung der Futterproduktion von Nutzen sein soll, so muß entweder ein weiteres Oekonomiegebäude errichtet oder aber auf den Abverkauf des Mehrertrages Bedacht genommen" werden, welch' letzteres uns aber aus Gründen, die wir in unserer Botschaff, zum Budget pro 1883 des Nähern dargelegt, nicht rathsam erseheint.

501 Den Getreidebau anbelangend, erwähnen wir an dieser Stelle n u r , daß derselbe hauptsächlich zur Gewinnung von Stroh betrieben wird. Weizen war in Qualität vorzüglich.

Die Torfausbeute ist auch im Berichtjahr wieder befriedigend ausgefallen. Dank des lange anhaltenden schönen Wetters konnte ein Quantum von beiläufig 300 Fudern gestochen und getrocknet werden. Der Absatz war bis anhiu der guten Qualität des Materials wegen gesichert.

Der Allmendbesatz pro 1885 gehört zu den günstigsten seit einer Reihe von Jahren, da infolge einiger neu eingeführter Weideregeln und der Vermehrung des Quellwassers der Besatz etwas erhöht werden konnte. Ein Uebelstand liegt hier noch in dem Mangel an Räumlichkeiten zur Unterbringung des Viehes während einzelner Militärkurse, während welcher dasselbe auch in vorgerückter Jahreszeit und bei rauher Witterung die Nacht im Freien zubringen muß Eine aus Holz erstellte Barake würde diesen , den Ertrag des Weidganges beeinträchtigenden Uebelstand beseitigen.

Waffenplätze Herisau-St. Gallen, Frauenfeld und Bière.

Ueber dieselben ist au dieser Stelle nichts zu bemerken.

Liegenschaft in Kriens.

Eine wiederholte Besichtigung des Areals und der restirenden baulichen Anlagen hat uns zum Schlüsse geführt, daß von einer Wiederaufnahme der Pulverfabrikation daselbst nicht mehr die Rede sein kann. Und da auch das Militärdepartement keine vortheilhafte Verwendung für die dortigen Räumlichkeiten finden konnte, so soll nun die Veräußerung en bloc oder eventuell stückweise versucht werden, wozu einleitende Vorkehren getroffen sind. Durch die Anlage einer Straßenbahn von Luzern nach Kriens dürfte die Liegenschaft an Werth gewinnen.

Angelegte Kapitalien.

Infolge des Bundesbeschlusses vom 26. Juni 1884, betreffend Erweiterung und Abänderung des Bundesgesetzes über die Anlage eidgenössischer Staatsgelder, fanden in den eidgenössischen Werthschriften folgende Mutationen statt: Inländische. Der Ankauf von inländischen 8taatsobligationen betrug im Ganzen im Nominalwerth .

. Fr. 1,036,000. -- Dieselben kosteten ,, 1,043,775. -- ~F*.

"77775."-- folglich tiber den Parikurs in Prozenten ausgedrückt: 0,75.

502

Der Verkauf belief sich auf .

.

der Nominal- oder Anschlagswerth betrug

. Fr. 5,908,656. 15 . ,, 5,840,254. 55

es ergibt sich somit ein Kursgewinn von oder gleich 1,17 °/o über den Parikurs.

. Fr.

68,401. 60

Ausländische. Es wurden angekauft im Nominalwert von Fr. 10,076,896. 12 und d e r Ankaufspreis betrug .

.

- n 10,076,079. 5 5 Differenz unter dem Parikurs Fr.

oder in Prozenten ausgedrückt 0,008.

816. 57

In den inländischen Werthschriften sind auch die aus der Liquidation der Walliser Bank erhaltenen Hypothekar- und andern Forderungen begriffen , welche bei einem Nominalwerth von Fr. 112,171. 75 im Inventar zu 50 °/o oder Fr. 56,085. 85 angesehlagen sind.

Wir haben über diese Titel im Berichtjahr eine nähere Untersuchung durch theilweise Besichtigung der vorhandenen Grundpfänder veranstaltet und bei diesem Aulasse gleichzeitig auch Vorkehroü zur Konsolidirung einiger Forderungen getroffen, welche weder durch Grundpfand noch durch Bürgschaft versichert waren.

Es ist uns bei den angeordneten Erhebungen die Gewißheit erwachsen , daß zwar Verluste bevorstehen, daß aber der effektive Eingang die dermalige Werthung der Titel um eine namhafte Summe übersteigen wird.

Akkreditive Banken.

Behufs verzinslicher Anlage verfügbarer Verwaltungsgelder wurden 27 öffentlich Rechnung legende Banken in gewohnter Weise akkreditirt. Es schien uns angezeigt, auf Ansammlung eines zinstragenden, in Gold rückzahlbaren Guthabens Bedacht nehmen zu sollen, was in der Weise geschah, daß bei einigen akkreditirten Banken Golddepots errichtet wurden, welche gegenwärtig sich auf Fr. 790,000 belaufen.

Personelles.

Bei Anlaß der Integralerneuerung wurden sämmtliche Beamte des Finanzbüreau's, der Staatskasse und der Pulver- und der Miinzverwaltung in ihren Funktionen bestätigt.

An Stelle des verstorbenen Buchhalters, Hrn. Ochs, wurde dessen bisheriger Gehilfe, Hr. Vinzenz Schumacher von Bern, und

503

an des Letztem Stelle provisorisch Hr. Adolf Richardet von Vivis gewählt. Der ebenfalls verstorbene Adjunkt und Verifikator der Münzstätte, Hr. Oberst Sehorer, erhielt provisorisch als Nachfolger Hrn. Paul Adrian von Ölten. Weitere Mutationen fanden nicht statt.

Postulate.

Am Schlüsse dieser Abtheilun« unseres Berichtes bleibt uns noch des folgenden, unterm il. Juni 1885 bei Anlaß der Diskussion über die Staatsreehnung beschlossenen Postulates zu erwähnen: Nr. 343 : ,,Es sind in Zukunft in der Staatsrechnung ,,oder in der bezüglichen Botschaft des Bundesrathes bei den ,,einzelnen Rubriken der Band und die Nummern der Rech· ,,nungsbelege beizudrucken."1 Ganz abgesehen davon, daß die Lieferung der Belegbände au das Finanzdepartement, namentlich aber derjenigen der Militär-, Zoll-, Post- und Telegraphenverwaltung, erst erfolgen kann, nachdem die Staatsrechnung schon lange fertig gedruckt ist, muß beigefügt werden, daß die Angabe der Nummern der Bände und Belege, sei es in der Rechnung, sei es im Rechnungsbericht, eine so sehr Zeit und Raum beanspruchende Arbeit nach sich zöge, daß die Vorlage dieser Traktanden kaum noch für die Junisession möglich wäre. Uebrigens ist zur Zeit für die Vergleichung zwischen den Rechnungsrubriken einer- und den Bänden und Belegen anderseits in einer Weise gesorgt, welche unseres Erachteiis sollte genügen können.

Aus den angeführten Gründen beantragen wir, es sei von oben erwähntem Postulate Umgang zu nehmen.

B. Finanzkontrole.

Personelles.

Die durch Austritt des Herrn E. Studer im Dezember 1884 vakant gewordene Revisorenstelle wurde im Januar besetzt durch Beförderung des bisherigen Revisionsgehülfen Herrn A. Kohler und an dessen Stelle gleichzeitig als Revisionsgehülfe gewählt Herr A. Frey von Ölten in Bern.

Wegen vorgerückten Alters und Augenschwäche nahm der langjährige Revisionsgehülfe Hr, Fr. Richard auf Jahresschluß seine Entlassung. Zu Erzielung einer sachgemäßen Revision des um-

504

fangreichen Rechnungswesens der Postverwaltung wurde statt der erledigten G-ehülfenstelle diejenige eines Revisors ausgeschrieben und besetzt durch Herrn S. Wild von Holderbank, Beamter der Kreispostdirektion Bern.

Diese Mutationen führten gegenüber dem bisherigen Personalbestande lediglich die Aenderung herbei, daß nun eine Revisorenstelle mehr, dagegen eine Gehülfenstelle weniger besteht. Das Gesetz bestimmt weder die Zahl der einen noch der andern dieser Stellen.

Revisionsarbeiten.

Die Revisionsarbeiten bilden fortwährend die ständige Hauptbeschäftigung der Finanzkontrolle und sind im Zusammenhange mit der Ausdehnung der eidg. Staatsverwaltung in steter Zunahme begriffen. Der Gang der Revisionsarbeiten ist wesentlich abhängig von dem Stande der übrigen laufenden Geschäfte, indem bei einer Zunahme dieser letztern nicht jeweilen außerordentliche Aushttlfe herbeigezogen werden kann, und mithin das ständige Personal je nach Bedürfnis den Revisionsarbeiten zeitweise entzogen werden muß. Für Besorgung von Revisionsarbeiten ist in Rücksicht auf deren Eigenart vorübergehende Aushülfe überhaupt wenig geeignet.

In erheblichem Maße vermehrte Arbeit im angedeuteten Sinne brachte in der ersten Hälfte des Berichtjahres die Ausführung des Bundesbeschlusses vom 26. Juni 1884 beireffend Anlage der eidg.

Staatsgelder, bezw. der Verkauf inländischer und der Ankauf ausländischer Wertpapiere. Ferner hat die Mitwirkung bei den Arbeiten der Banknotenkontrole annähernd im gleichen Verhältnisse fortgedauert wie im Vorjahre.

Gleichwohl war es möglich, die Revisionsarbeiten ohne Personalvermehrung soweit zu fördern, daß mit Ausnahme der Rechnungen der Postverwaltung, deren Revision infolge längerer Arbeitsunfähigkeit eines Beamten eine empfindliche Störung erlitt, gegenüber den im Geschäftsbericht pro 1884 berührten Rückständen, wieder ein normales Verhältniß hergestellt werden konnte.

Die Eingangs erwähnte Aenderung ini Personalbestand läßt erwarten, daß auch im Rechnungswesen der Postverwaltung das Zurückgebliebene bald nachgeholt und ein geregelter Fortgang der Revision gesichert werden kann.

Die Zahl der revidirten Rechnungen, Inventarien, Militärcomptabilitäten etc. beläuft sich auf 742. Vermehrungen erzeigen sich bei der Militär- und Telegraphenverwaltung, während die Post-

505

Verwaltung aus dem angeführten Grunde einen Ausfall aufweist.

Nicht, Inbegriffen ist hier die Revision der Rechnungsbelege derjenigen Departemente, welche nicht eigene Rechnungsstellung haben.

Die Revision dieser Belege geschieht in der Regel jeweilen unmittelbar vor dem Visum der betreffenden Zahlungsmandate.

Das Ergebniß der Revision darf durchgehends als ein befriedigendes bezeichnet werden. Die Rechnungsstellung zeugt im Allgemeinen von Fachkenntniß und Gewissenhaftigkeit.

Kleinere Mängel und Abweichungen von bestehenden Vorschriften mußten freilich hie und da richtig gestellt werden, worüber die Register der Revisionsbemerkungen Aufschluß geben. Eigentliche Mißbräuche dagegen waren nicht wahrnehmbar.

Kassa-Inspektionen.

Auch im Berichtjahre wurden die in Art. 5 des Réglemente über die Organisation der Finanzverwaltung vom 19. Februar 1877 vorgeschriebenen monatlichen Verifikationen der Bestände der eidg.

Staatskasse regelmäßig vorgenommen und hatten durchgehends ein befriedigendes Ergebniß. Das Nähere hierüber ist i u den jeweilen aufgenommenen Kassabordereaux und Verbalprozessen niedergelegt.

Ebenso wurde die in Art. 15 des citirten Reglements vorgesehene tägliche Kontrolirung der Eintragungen in das Kassabuch der Staatskasse, sowie die Behändigung der bezüglichen Mandate ununterbrochen fortgesetzt.

In üblicher Weise fand ferner eine einmalige Inspektion sätnnitlicher Hauptzoll- und Kreispostkassen, sowie der Kassen der in Art 3 des citirten Reglements aufgeführten Verwaltungen und Etablissemente statt, ebenfalls mit durchwegs günstigem Resultate.

Die Hauptzoll- und Kreispostkassen werden Uberdieß im Laufe des Jahres von den betreffenden Direktionen wiederholt untersucht und die daherigen Verbalprozesse jeweilen der Finanzkontrole zur Verifikation eingesandt.

Die Kassa- und Buchführung des eidg. Amtes für Fabrik- und Handelsmarken, des Kontroiamtes für Gold- und Silberwaaren, sowie der Kontrolstelle betreffend das Urheberrecht an Werken der Kunst und Literatur, wurde ebenfalls mehrmals inspizirt, ohne Veranlassung zu Bemerkungen.

Gemäß Verordnung vom 2 Mai 1880 wurden endlich im Verein mit Beamten der Postverwaltung die vorgeschriebenen halbjährlichen Inspektionen der Arbeiten und Einrichtungen für Fabrikation der Werthzeichen der Post- und Telegraphenverwaltung, sowie jeweilen

506 eine Verifikation der Vorräthe an Markenpapier und fertigen Marken vorgenommen. Auch hier befand sieh Alles in guter Ordnung.

Zu erwähnen ist, daß seitens der Finanzkontrole früher gerügte Mängel in Bezug auf zweckentsprechende Einrichtungen für sichere Verwahrung der Kassenbestände im Bevichtjahre gehoben worden sind.

Werthschriften.

Der hierseits kontrolirte Verkehr wo r folgender : Bestand der Werthschriften am 31. Dez. 1884 Fr. 9,903,126.80 wobei die bis Jahresschluß angekauften ausländischen Werthschriften zum Ankaufspreis eingestellt waren. Der Nominalwert!! sämmtlicher Werthsehriften betrug Fr. 9^933,726.40 Im Laufe des Jahres 1885 wurden angekauft für ,, 11,112,910. 12 Verkauft und zurückbezahlt wurden

~Fr. 21,046^636. 52 .

,, 5,862,489. 55

.

S o m i t v e r b l e i b e n auf E n d e 1885

Fr. 15,184,146. 97

Angekauft wurden : Zu 41/4°/o.

a. Inländische Titel.

St. Galler Staatsobligationen

.

.

Fr.

50,000. --

Fr.

50,000.--

Zu 4°/o.

Zürcher Staatsobligationen (konvertirt) Berner Staatsobligationen (konvertirt Fr. 80,000) Freiburger Staatsobligationen .

.

Neuenburger Staatsobligationen .

Kassascheine der Kantonal bank von Bern Obligationen derZUrcherKantonalbank Obligationen der Neuenburger Kantonalbank Kassascheine der bernischen Hypothekarkasse

144,000. -- 380,000.-- 65,000. -- 100,000. -- 50,000. -- 5,000. -- 50,000. -- 42,000. -- 836,000. -

Uebertrag

Fr.

886,000. --

507 Zu 38/4°/o.

' Kassascheine der bernischen Hypothekarkasse

Fr.

Uebertrag

886,000.--

150,000.--

150,000. -- Hiezu : Vermehrung auf den Titeln aus der Liquidation d e r Walliserbank .

.

.

.

.

14. -- T o t a l i n l ä n d i s c h e W e r t h s c h r i f t e n 1,036,014.-- b. Ausländische Titel.

Zu 5%.

Fr.

Italienische Rente .

.

.

460,000. -- Russische konsolidirte Eisenbahnanleihe . £ 20,000 504,400.-- Zu 41/2°/o.

Französische Rente

Fr.

964,400. -- .

.

.

494,444.45 494,444.45

Zu 4%.

Badisches Eisenbahnanleihen .

.

. M . 240,000 296,400. -- Bayrische Staatsobligationen .

. ,, 190,000 234,650.-- Belgische Rente .

.

.

.

450,000. -- Deutsche Reichsanleihe M. 1,210,000 1,494,350. -- Französische Bons du Trésor .

1,000,000. -- Hessische Staatsobligationen .

. M. 35,000 43,225.-- Oesterreichische Gold- ' rente .

.

. fl. 50,000 125,000.-- Niederländische Staatsobligationen .

. ,, 180,000 378,000. -- Norwegische Staatsanleihe .

.

37,800. -- Preußische Conaols . M. 1,176,000 1,452,360. -- Ungarische Goldrente . fl. 150,000 375,000. -- 5,886,785. --

Zu 3°/o.

Englische Consola . £ 80,000 2,017,600.-- Französische Rente, amortissable .

250,000. -- ,, ,, perpétuelle .

216,666.67 Sächsische Rente .

. M. 200,000 247,000. -- 2,731,266. 67 T o t a l a u s l ä n d i s c h e W e r t h s c h r i f t e n 10,076,896.12

508 Rekapitulation.

Fr.

. 1,036,014. -- . 10,076,896.12

Inländische Titel .

Ausländische Titel

S u m m a 11,112,910.12 Verkauft und zurückbezahlt wurden: a. Inländische Titel.

1/2%

ZU 4

Zürcher Staatsobligationen (konvertirt)

Berner

,,

.

.

Fr.

144,000. --

.

17,500.--

Zu 4 /*°/o.

Thurgauer Staatsobligationen .

.

Thurgauer Kantonalbankobligationen

5,000. -- 60,000. --

Fr.

-ifi-i ^no JDl^OUU.

1

fiOO,UUU.

K rinn

^U 4°/0.

Eidgenössische Obligationen .

. 1,487,500. -- Zürcher Staatsobligationen .

. 250,000. -- Berner ,, .

. 1,517,000.-- Freihurger ,, .

.

88,000. -- Solothurner ,, .

.

50,000. -- Baselstadt ,, .

. 506,000. -- St. Galler ,, .

.

7,000. -- Tessiner ,, .

.

73,000. -- Waadtländer ,, .

. 216,500.-- Neuenburger ,, .

. 260,000. -- Walliser ,, .

.

32,000.-- Jurabahnobligationen .

.

. 290,000. -- Kassascheine der bern. Hypothekarkasse .

.

.

.

' .

.

17,500. -- Diverse .

.

.

.

.

.

50.-- £PiA 4 ,7QJ.

larr^OOU.

Zu 2 Va »/o.

Schuldschein des Kantons Zürich Schuldschein des Kantons Aargau

.

.

800,000. -- 16,000. --

fH R finn Ö1D,UUU.

Kapitalrückzahlung auf den Titeln aus der Liquidation der Walliserbank

3,204. 55

Total i n l ä n d i s c h e Wer t h s c h v i f t e n

5,840,254. .55

509

b. Ausländische Titel.

Zu 4°/o.

Niederländische Staatsanleihe . fl. 10,000 Badisches Eisenbahnanleihen .

.

. M . 1,000

Fr.

Fr.

21,000. -- 1,235.-- 22,235. --

Total ausländische W e r t h s c h r i f t e n Rekapitulation.

22,235.-- Fr.

5,840,254. 55 22,235. --

Inländische Titel Ausländische Titel Summa Fr.

5,862,489. 55

Das finanzielle Ergebniß der in Gemäßheit des Bundesbeschlusses vom 26. Juni 1884 betreffend Erweiterung und Aenderung des Bundesgesetzes über die Anlage eidgenössischer Staatsgelder d. d.

17. März 1877 ausgeführten und nunmehr vollendeten Ankäufe fremder Werthtitel, mit Inbegriff der am Schluß des Vorjahres erworbenen Werthschriften, ist aus nachstehender Tabelle ersichtlich :

Titel à 5°/o.

Italienische Rente . .

Kussische Eisenbahnanleihe

Frenide Währung.

.

.

L. 600,000. -- . Pfd. St. 20,000. --

Titel à 4V>%-

Fr. 49^444. 45

0

Titel à 4 /o.

Badisches Eisenbahnanleihen .

Bäuerische Staatsobligationen .

Belgische Rente . . . .

Deutsche Reichsanleihe .

Franz. Tresorscheine Hessische Staatsobligationen Oesterreichische Groldrente Niederländische Staatsobligatiouen .

Norwegische Staatsobligationen Preußische Consols . . . .

Ungarische Groldrente Titel à 3%.

Französische Rente, perpétuelle ,, ,, amortissable Englische Consols . . .

Sächsische Rente . . .

Rekapitulation.

Titel à 5°/o _ _ dl/So/o ,, ,, 4«/o nn3°/o

M.

.

.

Tt

Fr. 216,666.

250,000.

.' Pfd."s t. 80,000.

M. 200,000.

.

.

.

240,000. -- 250,000. -- Fr. 500,000. -- M. 1,210,000. -- Fr. 1,000,000. -- M. 35,000. -- n. 150,000. -- u. 200,000. -- M. 132,000. -- 1,256,000. -- 1) fl. 150,000. --

67 -- -- --

Schweiz. Währung.

Fr.

600,000. -- 504,400 -- 1,104,400. -- Fr.

494,444. 45 Fr.

296,400. -- 308,750. -- 500,000. -- 1,494,350. 1,000,000. -- 43,225. -- 375,000. 420,000. -- 163,800. -- 1,551,160. -- 375,000. -- 6,527,685. -- Fr.

216,666. 67 250,000. -- 2,017,600. -- 247,000. -- 2,731,266. 67 Pr.

. 1,104,400. -- 494,444. 45 . 6,527,685. -- . 2,731,266. 67 10,857,796. 12

h^

Fr.

-- 16,517. 50 -- 22,007. 50 -- 38,525. --

+

-- --

-- + -- -- -- -- -- -- + + -- --

Pr.

46,930. 35 Fr.

11,536. 65 13,260. 35 23,711. 05 70,080. 90 11,256. 25 2,147. 50 49,270. 70 6,727. 10 710. 90 65,738. 30 72,167. 20 82,309. 30 Pr.

39,518. 82 43,645. 20 5,811. 25 33,156. 05 122,131. 32 Pr.

38,525. -- 46,930. 35 82,309. 30 122,131. 32 31,416. 67

Pr.

583,482.

482,392.

1,065,875.

Pr.

541,374.

Fr.

307,936.

322,010.

523,711.

1,564,430.

1,011,256.

45,372.

325,729.

426,727.

163,089.

1,616,898.

302,832.

6,609,994.

50 50 -- 80 65 35 05 90 25 50 30 10 10 30 80 30

Fr.

177,147. 85 206,354. 80 2,011,788. 75 213,843. 95 2,609,135. 35 Fr.

1,065,875. -- 541,374. 80 6,609,994. 30 2,609,135. 35 10,826,379, 45

511

Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß die Ankäufe fremder Werthschriften zu folgenden Durchschnittskursen bewerkstelligt wurden : Für die 5 °/o Titel .

.

.

96'/2°/o ,, ,, 41/2°/o ,, lOQVaO/o ,, ,, 4 «/o ,, .

.

.

101'/4<>/o » ,, 3 °/o ,, .

.

.

95V20/0 Die Minderausgabe gegenüber dem Nominalwert!) betrug Fr. 31,416. 67 oder 3 /io°/o.

Der Nominalwerth der angekauften inländischen Werthschriften beträgt Fr. 1,036,000. -- Bezahlt wurden hiefür ,, 1,043,775. -- S o m i t m e h r als N o m i n a l w e r t h entsprechend einem Kurse von 100 aU.

Fr.

7,775. --

Was sodann die Verkäufe schweizerischer Werthschriften anbelangt, so betrug deren Nominalwerth (Konversion und Rückzahlungen abgerechnet) Fr. 5,421,000. -- wofür erlöst wurden ,, 5,489,401. 60 Somit, mehr als Nominalwerth Fr.

gleich einem durchschnittlichen Kurse von 101 3/io.

68,401. 60

Eine am Schlüsse des Jahres . vorgenommene Verifikation sämmtlicher Werthschriften ergab vollständige Uebereinstimmung mit den Büchern der Kontrole.

Bankdepositen.

Am 31. Dezember 1884 betrug die Zahl der bei der Staatskasse akkreditirten Banken .

.

.

.

.

. 27 I m Laufe d e s Jahres 1885 k a m hinzu .

.

.

.

l Total der akkreditirten Banken auf Ende 1885

28

Der Verkehr mit .den Banken gestaltete sich folgendermaßen : Stand der Bankdepositen auf Ende 1884 . Fr. 4,647,906. 55 Rückbezüge im Jahre 1885 . ,, 4,072,070. 30 Neue, Anlagen im Jahre -1885 Stand der Bankdepositeu auf Ende 1885

.

Fr. 575,886. 25 ,, 1,663,449. 95 Fr. 2,239,28(5. 20

512

Bei einem Zinsfuß der Bankdepositen von 2 Vs °/o belief sieh der Ertrag derselben auf Fr. 80,328. 06.

Wechsel.

Der Bestand des Wechselportefeuille betrug am 31. Dezember 1884 .

. 1 5 7 Wechsel im Betrage von Fr. 3,255,675. -- Angekauft wurden 664 -n -n -n -n -n 13,422,492.86 ~82T Eingelöst und verkauft wurden 690 Bestand am 31. Dezember 1885 131

,,

,,

,,

,,

Fr. 16,678,167. 86

,,

,,

,,

,,

tt

»

,,

,,

n F«'-

14,058,577. 67 2,619,590. 19

Der Umsatz (Ankauf plus Inkasso und Verkauf) ergibt im Jahre 1885 die Summe von .

.

.

. Fr. 27,481,070. 53 im Vorjahre dagegen von .

.

.

. ,, 26,487,815. 88 Somit Vermehrung im Jahre 1885 Der Ertrag ergab im Jahre 1885 im Jahre 1884 dagegen

.

.

Somit Vermehrung im Jahre 1885 Von den angekauften zu 2 °/o ,, 2'/8 °/o ,, 2 1 /4°/o ,, 2 3 / 8 °/o ,, 2 Va °/o ,, 25/s % 3 fl 2 /4 °/o , 3 »/o ,, S^o/o ,, 3 J /2 ° / o

Fr.

993,254. 65

. Fr. 76,596. 36 ,, 68,196. 09 Fr.

8,400. 27

Fr. 13,422,492. 86 wurden diskontirt: .

.

Fr.

546,400 .'

.

,, 3,172,904 .

.

,, 1,440,875 .

.

,, 1,033,065 .

.

,, 2,614,231 .

.

,, 300,500 .

.

,, 2,155,565 .

.

,, 1,231,022 .

.

,, 670,583 ..

257,348 fl Total

Fr. 13,422,493

was einen durchschnittlichen Diskonto von 2*/z °/o ergibt.

513 1. I Stand auf 31. Dezember Werthschriften .

Baarsaldo .

.

Kapitalablösungen .

Spezialfonds.

n v a 1 i d e n f o n d.

1884: . Fr. 889,130.44 . ,, 1,100,419.39 .

.

.

.

Fr. 1,989,549. 83 1,000. -- w ~Fr. 1,988,549. 83

Kapitalanwendungen : 4°/o Berner Staatsobligationen .

.

.Fr.

4°/o Basel-Stadt Staatsobligationen .

. ,, 4°/o Tessiner Staatsobligationen . ,, 4% Kassascheine der Hypothekarkasse des Kantons Bern .

. ,, 2 J /2 % Schuldschein des Kantons Zürich . ,,

278,000. -- 27,000.-- 73,000.-- 30,000. -- 792,000. --

Fr. 1,200,000. -- Weniger : Verminderung des Baarsaldo .

.

,, 1,100,290.45 fl

99,709. 55

Stand auf 31. Dezember 1885: Werthschriften .

. Fr. 2,088,130.44 Baarsaldo . ,, 128.94 Fr. 2,088,259. 38 2. G r e n u s - I n v a l i d e n f o n d .

Stand auf 3l. Dezember 1884: Werthschriften .

. Fr. 4,141,034.36 Marchzinse . ,, 34,657.70 Baarsaldo .

,, --. 48 Fr. 4,175,692. 54 Kapitalablösungen ,, 70,397. 78 Uebertrag Fr. 4,105,294. 76

514

Uebertrag

Fr. 4,105,294. 76-

Kapitalanwendungen : 4°/o Basel-Stadt Staatsobligationen .

. Fr. 211,000.-- Vermehrung der Marchzinse .

.

. ,, 15,931.40 Vermehrung d. Baarsaldo ,, 134. 08 ,,

227,065. 48

Stand auf 31. Dezember 1885: Werthschriften .

. Fr. 4,281,636.58 Marchzinse . ,, 50,589. 10 Baarsaldo . ,, 134.56 Fr. 4,332,360. 24

3. S c h u l f o n d .

Stand auf 31. Dezember 1884: Wevthschriften .

. Fr. 487,925.91 Baarsaldo . ,, 396.26 Kapitalablösungen .

.

.

.

.

Fr.

,,

488,322. 17 500. --

~F7!487,822. 17 Kapitalanwendungen : 4°/o Berner Staatsobligationen .

.

.Fr.

4°/o Kassascheine der Hypothekarkasse des Kantons Bern .

. ,,

10,000.-- 16,000. --

~F726,000.-- Vermehrung d. Baarsaldo ,, 175.11 ,,

26,175. 11

Fr.

513,997. 28

Stand auf 31. Dezember 1885: Werthschriften .

. Fr. 513,425.91 Baarsaldo 571.37 w

515 4. C h a t e l a i n f o n d .

Stand auf 31. Dezember 1884: Werthschriften .

. Fr. 86,217.90 Baar.saldo . ,, 924.74 ---- Fr.

Kapitalanwendung<;n : 4% Berner Staatsobligationen .

.

. Fr.

1,000. -- Weniger : Verminderung des Baarsaldo .

. ,, 414. 70 : Stand auf 31. Dezember 1885: Werthschriften .

. Fr.

87,217.90 Baarsaldo . ,, 510.04 Fr.

87,142. 64

585. 30

87,727. 94

5. S c h o c h ' scher S c h u l f o n d .

Stand auf 31. Dezember 1884: Werthschriften .

. Fr.

Baarsaldo . ,, Kapitalablösungen

.

.

.

Kapitalaufwendungen : 4°/o Berner Staatsobligationen .

.

. Fr.

4 °/o Kassaschein der Hypothekarkasse des Kantons Bern .

. ,, Weniger: Verminderung des Baarsaldo .

.

69,000. -- 298. 74 .

.

Fr.

.

69,298. 74 5,000. --

~ÌV

64,298. 74

6,000. -- 1,500. --

FÏ.

7,500. --

,,

45. -- 7 455

'

Stand auf 31. Dezember 1885: Werthschriften .

. Fr.

Baarsaldo . ,,

71,500. -- 253. 74 Fr.

Bundesblatt. 38. Jahrg. Bd. I.

' ~

71,753. 74 37

516

6. C u l m a n n f o n d .

Stand auf 31. Dezember 1884: Werthschriften .

. Fr. 5,000. -- Anlage bei Banken . ,, 1,868. 78 _ pr.

Kapitalanwendung: Anlage bei Banken ,, Stund auf 31. Dezember Werthschriften .

Anlage bei Banken

1885: . Fr.

. ,,

6,868. 78 1,693. 72

5,000. -- 3,562. 50 Fr.

8,562. 50

Fr.

15,867. 25

^

613. 25

Fr.

16,480. 50

8. E d l i b a c h s t i f t u n g .

Stand auf 31. Dezember 1884 .

.

. Fr.

Kapitalanwendung: Anlage bei Banken . ,,

1,237. 80 49. 30

Stand auf 31. Dezember 1885

1,287. 10

7. W i n k e l r i e d f o n d .

Stand auf 31. Dezember Werthschriften .

Anlage bei Banken .

Baarsaldo .

.

1884: . Fr. 15,000. -- . ,, 832. 40 · -n 34. 85

Kapitalanwendungen : Anlage bei Banken . Fr.

Weniger : Verminderung des Baarsaldo .

. ,, Stand auf 31. Dezember Werthschriften .

Anlage bei Banken .

1885: . Fr.

. ,,

648. 10 34. 85

15,000. -- 1,480.50

.

.

. Fr.

517

9. H ü l f s f o n d für Schweiz. W e h r m ä n n e r .

Stand auf 31. Dezember 1884: Anlage bei Banken Fr. 26,945. 55 Kapitalablösungen .

.

.

.

.

.

150. -- Fr.

Kapitalanwendungen : Anlage bei Banken Stand auf 31. Dezember 1885: Anlage bei Banken

,, Fr.

26,795. 55 814. 30 27,609. 85

10. S c h u t z b a u t e n f o n d .

Stand auf 31. Dezember 1884 : Anlage bei Banken .

. Fr. 203,822. 96 Baarsaldo .

.

. ,, 12,283. 45 Kapitalanwendungen : Anlage bei Banken Weniger : Verminderung des Baarsaldo Stand auf 31. Dezember 1885: Anlage bei Banken .

.

.

.

Fr.

,,

216,106. 41 5,783. 98

,,

221,890. 39

,,

12,283. 45

. Fr.

209,606. 94

11. A l l g e m e i n e r S c h u t z b a u t e n f o n d .

Stand auf 31. Dezember 1884: Werthschriften .

. Fr. 50,000. -- Anlage bei Banken . ,, 183,569. 99 Baarsaldo . ,, 4,823. 60 Fr. 238,393. 59 Kapitalablösungen ,, 3,867. 03 Kapitalanwendungen : Anlage bei Banken . Fr. 21,457. 51 Weniger : Verminderung des Baavsaldo .

.

4,823. 60 ,, 16,633. 91 Fr.

251,160. 47

518

Stand auf 31. Dezember 1885: Werthschriften .

. Fr. 50,000. Anlage bei Banken .

. ,, 201,160. 47 Fr.

251,160. 47

12. U n t e r s t ü t z u n g s f o n d für Beamte des internationalen Postbureau.

Stand auf 31. Dezember 1884: Werthschriften .

. Fr. 30,000. -- Anlage bei Banken . ,, 1,068. 75 Fr.

31,068. 75 Kapitalanwendungen : Anlage b e i Banken .

.

.

.

,, 1,244. 5 5 Stand auf 31. Dezember 1885: Werthschrifteu .

. Fr. 30,000. -- Anlage bei Banken . ,, 2,313. 30 Fr.

32,313. 30

13. U n t e r s t ü t z u n g s f o n d f ü r B e a m t e des internationalen Telegraphenbüreau.

Stand auf 31. Dezember 1884: Werthschriften .

. Fr. 30,000. -- Anlage bei Banken . ,, 1,068. 75 Fr.

31,068i 75 Kapitalanwendungen : Anlage b e i Banken .

.

.

.

,, 1,244. 5 5 Stand auf 31. Dezember Werthschriften .

Anlage bei Banken

1885: . Fr.

. ,,

30,000. -- 2,313. 30 Fr.

32,313. 30

Die anläßlich der Ablösung der Coupons pro 1886 auf Jahresschluß vorgenommene Verifikation der Titel der Spezialfonds ergab auch hier vollständige Uebereinstimmung mit den Büchern der Finanzkontrole.

519

Depots und Kautionen.

a. D e p o t s .

Die Zahl der bei der Staatskasse hinterlegten Depots hat im Laufe des Jahres 1885 keine Veränderung erlitten.

b. K a u t i o n e n .

Neu hinzugekommen sind die Amtsbürgsehaften zweier neugewählten Beamten und die Kaution einer Auswandernngsagentur, während zwei Kautionsdepots für Anfertigung der neuen Banknotenformulave nach beendigter Abrechnung mit den betreffenden Firmen denselben zurückerstattet wurden.

Der Gotthardbahndirektion wurden Titel herausgegeben im Betrage von Fr. 215,670 für deren Ersatz neu hinterlegt wurden ,, 224,226 Mithin Vermehrung Der Bestand der Kaution beträgt auf Ende 1885 Kurswei'th berechnet Fr. 3,474,326.

Fr.

8,556

nach dem

Staatsanleihen.

Von den zur Rückzahlung ausgeloosten Obligationen des eidgenössischen Anleihens von 1880 waren auf 31. Dezember 1885 noch nicht zur Einlösung vorgewiesen worden : Von der III. Amortisationsserie .

. Fr. 1,000 ,, ,, IV.

,, .

. ,, 6,000 . ,, ,, V.

,, .

. ,, 67,500 Zusammen An Coupons Coupons pro ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,,

Fr. 74,500

waren am 31. Dezember 1885 noch ausstehend 31. Dezember 1880 .

. Fr.

40 30. Juni 1881 .

.

.

220 fl 31. Dezember 1882 .

.

20 30. Juni 1883 .

.

. ,, 100 31. Dezember 1883 .

.

240 30. Juni 1884 .

.

. ,, 180 31. Dezember 1884 .

. ,, 1,210 30. Juni 1885 . ,, 5,270 31. Dezember 1885 .

.

137,900 Zusammen

Fr. 145,180

520

Von dea älteren Anleihen stehen noch aus: Vom Anleihen von 1857, Obligationen und Coupons Fr. 1931. 25 ·n -n -n 1871, Zinscoupons .

.

. ,, 1653. 75 ,, ,, ,, 1877, Obligationen und Coupons ,, 2090. -- Zusammen

Fr. 5675. --

Von dem Rechte der Einschreibung von Obligationen à Fr. 5000 und Fr. 10,000 wurde wieder ein ausgedehnter Gebrauch gemacht.

Es fanden nämlich folgende Mutationen statt: Umschreibungen von Inhabertiteln auf den Namen . 67 Stück ,, ,, nominativen Titeln auf den Inhaber 43 ,, ,, ,, ,, ,, aufandereEigenth timer . 5 ,, Total 115 Stück gegenüber 38 Stück im Jahre 1884.

Verschiedenes.

Die laut Reglement der Finanzkontrole obliegende Kontrolirung der Kredite vollzieht sich auf Grund der von den Departementen und der Bundeskanzlei ausgestellten Zahlungsmandate, die vor der Auszahlung dem Visum der Finanzkontrole unterliegen. In gleicher Weise wird der Vorschuß- und Verrechnungsverkehr kontrolirt.

Zu diesem Zwecke gelangten im Berichtjahre zur Kontrole und wurden visirt: 1 ) Zahlungs- u n d Verrechnungsmandate .

.

.

. 3796 2) Abrechnungen betreffend den internationalen Postverkehr 130 3") Zahlungsanweisungen für Vorschüsse an Postkassen . 234 Total 4160 gegenüber 4117 im Vorjahre.

Im Verkehr mit Wechseln und W e rth Schriften treten an Stelle der Mandate die vom Finanzdepartement ausgestellten An- und Verkaufsbewilliguugen, nach deren Kontrolirung sodann die Anfertigung bezw. Verifikation der daherigen Bordereaux zu erfolgen hat. Hier brachte das Berichtjahr namentlich infolge Verkaufes inländischer und Ankaufes ausländischer Werthschriften eine erhebliche Zunahme der Geschäfte.

521 lieber die Veränderungen im Bestände der Werthschriftenschränke und das Resultat der jeweilen gegen Jahresschluß stattfindenden Verifikation sämmtlicher Werthschriften, sowie über die Inspektionen der eidgenössischen Staatskasse wurden wie bis anhin genaue Verbalprozesse aufgenommen, deren Zahl gegenüber 80 im Jahre 1884 im Berichtjahre auf 101 angestiegen ist.

Im Zusammenhange hiemit ist der Umstand, daß die infolge allgemeinen Sinkens des Zinsfußes vielfach eingetretenen Aufkündungen und Konversionen von Anleihen sowohl in den eigenen Werthschriften, als in den Beständen der Spezialfonds, Kautionen und Depots vermehrte Mutationen nach sich zogen.

Die Führung der Inventarien auf Grundlage der Verordnung vorn 26. November 1881 gibt zu Bemerkungen nicht Anlaß.

Militärsteuerwesen.

Die Durchführung des Bundesgesetzes vom 28. Juni 1878 betreffend den Militärpflichtersatz hatte im Berichtjahre im Allgemeinen einen normalen Verlauf. Das Ergebniß der in beiliegender Tabelle zusammengestellten Erhebungen betreffend Anlage und Bezug des Militärpflichtersatzes weist der Hauptsache nach gegenüber dem Vorjahre wesentliche Veränderungen nicht auf. Die Zahl der im wehrpflichtigen Alter befindlichen Männer hat sich um 159 vermindert, ebenso die Zahl der Bingetheilten um 2124. Dagegen verzeigt das Total der Dienstbefreiten eine Vermehrung von 196(J. Im Einklänge damit steht die Vermehrung der Taxirten um 1155 und der Nichttaxirten um 814. Das prozentuale Verhältnis der Dienstbefreiten zu der Gesammtzahl der im wehrpflichtigen Alter stehenden Männer hat um 0,34 % zugenommen, ebenso dasjenige der von der Ersatzpflicht Befreiten zu den Dienstbefreiten um 0,30 %. Solche Schwankungen liegen in den Verhältnissen und stehen meistens nicht im direkten Zusammenhange mit der Anwendung des Gesetzes über Militärpflichtersatz. Auffallender dagegen ist noch fortwährend das Verhältniß der von der Ersatzpflicht Befreiten zu den Dienstbefreiten zwischen den einzelnen Kantonen.

Wenn schon der Umstand nicht leicht erklärlich ist, daß das erwähnte Verhältniß varirt zwischen 0,60 % (Solothurn) bis 16,03 °/o (Waadt), so sind die gegenüber dem Vorjahre bei einigen Kantonen eingetretenen Schwankungen (beispielsweise Obwalden von 8,92 °/o auf 13,61 °/o und Waadt von 11,75 °/o auf 16,03 %) noch weniger zu begreifen. In den meisten übrigen Kantonen ist dieses Vorhältniß gegenüber dem Vorjahre annähernd gleich geblieben. 13 Kan-

Zu Seite 521.

l

Auszug aus den Stammkontrolen auf 1. Januar Iß85.

|T!^^^"^^^"--

- -

Hull>c jErssataisteueir.

I>icu.isitl>efreite.

Total

1

der Männer Total im wehrder pflichtigen Alter laut Gingetheilten.

Stammkontrolen.

Kantone.

Total der Dienstbefreiten.

Prozent der Dienstbefreiten zur Gesammtzahl laut iStammkontrolen.

Taxirte.

Prozent der von der Pro 1884 bezahlte Sicht- Ersatzpflicht Befreiten taxirte.

Steuert eträge.

zu den Dienstbefreiten.

-· 1

Fr.

Zürich Bern Luzern Uri Schwyz

l

Glarus

i

Zno-

' !

i l i 1

'

Basel-Stadt . .

Basel-Landschaft .

Schaffhausen . .

Appenzell A. Rh. .

Appenzell I. Rh. .

Graubüuden Aargau

.

.

.

.

.

.

· .

· .

. . . .

Waadt \Vallis Genf

i

Total Laut Geschäftsbericht pro 1884 Total auf 1. Januar 1884 . .

1

50,690 81,086 21,285 2,674 8,752 2,083 2,092 5,448 3,589 18,077 12,886 10,917 9,160 4,902 8,412 2,112 37,932 17,903 35,571 16,495 26,847 39,453 18,700 16,595 12,672

25,091 35,148 9.857 1^117 3,801 1,253 1,280 2,909 1,717 7,251 7,053 4,395 5,076 2,756 4,009 1,154 17,738 7,861 16,223 8,251 7,653 24,159 8,135 7,359 6,289

25,599 45,938 11,428 1,557 4,951 830 812 2,539 1,872 10,826 5,833 6,522 4,084 2,146 4,403 958 20,194 10,042 19,348 8,244 19,194 15,294 10,565 9,236 6,383

466.333

217,535

248,798

466,488

219,659

246,829

50.37

24,872 44,420 10,856 1,442 4,785 717 768 2,475 1,783 10,212 5,798 6,393 3,903 2,066 4,218 935 19,571 9,669 18,719 8,065 17,297 12,843 9,879 9,1 14 6,313

727 1,518 572 115 166 113 44 64 89 614 35 129 181 80 185 23 623 373 629 179 1,897 2,451 686 122 70

3.33

237.113

11.685

50.50 56.65 53.69 58.23 56.57 39.85

38.81 46.60 52.16 59.88 45.27 59.74 44.59 43.78 52.34 45.36 53.23

56.09 54.39 49.97 71.49 38.75

56.50 55.66

)2.!)1

235,958

10,871

2.84 3.30

5.oo 7.39 3.35 13.61

0.42 2.62 4.75 5.67 0.60 1.98 4.43 3.72 4.20 2.40 3.09 0.71 3.25 2.17 9.88 16.03

6.4« 1.33 1.10

197,874.

197,704.

44,424.

4,750.

13.594.

3,322.

2,504.

16,920.

10,422.

38,373.

31,229.

59,197.

18,830.

19,705.

21,892.

3,175.

87,816.

47,790.

77,707.

36,612.

38,468.

76,919.

27,206.

76.005.

56/778.

45 10 65 82 06 25 30 83 70 55 32 08 95 57 79 10 18 05 -- 30 37 20 78

!

j Pro 1885 1 nmthmaßliche, Steuerbeträge.;

Durchschnitt von 1884 und 1885.

Fr.

Fr.

199,679.

185,385.

43,915.

4,750.

13,600.

3,195.

2,500.

17,010.

10,196.

42,614.

31,400.

62,664.

18,359.

18,265.

22,117.

3,200.

87,713.

48,379.

76,087.

36,523.

40,825.

77,000.

27,000.

75,000.

61.000.

05 48 92 -- --1 40 -1 20 75 40 --J 22 -- 32 25 -- 05 03 59 10 62 --1 -1 -- --

198,776.

191,544.

44,170.

4,750.

13,597.

3,258.

2,502.

16,965.

10,309.

40,494.

31,314.

60,930.

18,594.

18,985.

22,005.

3,187.

87,764.

48,084.

76,897.

36,567.

39,646.

76,959.

27,103.

75,502.

58,889.

Fr.

75 79 28 41 03 83 -- 25 37 12 85 88 66 20 10 78 92 57 38 58 81 65 19 60 39

1,208,803. 39

4.70

1,209,225. 40

1.208,381. 38

4.40

pro 1883 1,160,530. 44

pro 1883 und 1884 pro 1884 1,191,789. 27" 1,176,159. 85

Approximativ rikkständig tiei Schwyz Fr. 5600, isidwalden Fr. ·J5(X Solothm n Fr. 1000 Waadt Fi . 27.000. Wallis Fr. 27,000.

DurchDurchschnittlich schnittlich per Kopf per Kopf der der Dienstbefreiten. Taxirten.

7.

4.

3.

3.

2.

3.

3.

6.

5.

3.

5.

9.

4.

8.

5.

3.

4.

4.

3.

4.

2.

5.

2.

8.

9.

77 17 87 05 75 93 08 68 51 74 37 34 55 85 -- 33 35 79 97 44 07 03 57 17 23

1

Kantone.

i |

Fr.

7.

4.

4.

3.

2.

4.

3.

6.

5.

3.

5.

9.

4.

9.

5.

3.

4.

4.

4.

4.

2.

5.

2.

8.

9.

99 31 07 29 84 54 26 85 78 97 40 53 76 19 22 41 48 97 11 53 29 99 74 28 33

4. 8fj

5. 10

4. 77

4. 90

Zürich.

Bern.

Luzeru.

Uri.'

Schwyz.

Obwaldeu.

Nidwaldeii.

Glarus.

Zug.

<· Freiburg.

Solothurn.

Basel-Stadt.

Basel-Landschaft.

Schaffhausen.

Appenzell A. Rh.

Appenzell I. Rh.

St, Gallen.

Graubünden.

Aargau.

Thurgau.

Tessin.

Waadt.

Wallis.

Neuenburg.

Genf.

, l

j

, ·.

i ' :

522 tone verzeigen eine Vermehrung, 12 Kantone dagegen eine Verminderung. Bemerkenswert!! ist die Verminderung beim Kanton Genf von 3,4 °/o auf 1,10 °/o. lieber dem Durchschnitte von 4,70 % befinden sich folgende Kantone: Waadt 16,03 °/o, Obwalden 13,61 °/o, Tessin 9,88 °/o, Uri 7,39 °/o, Wallis 6,49 °/o, Freiburg 5,67 °/o, Nidwaiden 5,42 °/o, Luzern 5 % und Zug 4,75 %.

Von den übrigen unter dem Durchschnitt bleibenden Kantonen weisen die niedrigsten Prozentverhältnisse auf: Solothurn 0,60 °/o, Genf 1,10 °/o und Neuenburg 1,32%.

Bereits im Jahre 1883 haben wir die Kantone auf diese ungleichen Verhältnisse aufmerksam gemacht und durch das Finanzdepartement die zur Aufklärung der Sache geeignet scheinenden Erhebungen vornehmen lassen. Das daherige Ergebniß' ist im Geschäftsbericht genannten Jahres niedergelegt, worauf wir hier verweisen. Diese Maßnahmen waren bis jetzt nicht von demjenigen Erfolge, welcher erwartet werden durfte. Wenn auch anzunehmen ist, daß diejenigen Fälle, in welchen die Bestimmungen des Gesetzes über Enthebung von der Ersatzpflicht (Art. 2) zur Anwendung gelangen ,\ wie öffentlich unterstützte Armuth, Erwerbsunfähigkeit infolge geistiger oder körperlicher Gebrechen, nicht in allen Kantonen gleichmäßig vorhanden sind, so kann doch der Unterschied zwischen den einzelnen Kantonen in Wirklichkeit kaum so groß sein, wie es sich aus der erwähnten Zusammenstellung ergibt.

Wahrscheinlicher ist, daß in denjenigen Kantonen, welche die hohen Prozentverhältnisse Nichttaxirter aufweisen, die Herbeiziehung der Pflichtigen zur Besteuerung noch immer nicht mit den Bestimmungen des Gesetzes im Einklänge steht, beziehungsweise nicht in umfassender Weise durchgeführt wird.

Wir werden nicht unterlassen, dieser Angelegenheit auch ferner unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, können jedoch nicht umhin, zu bemerken, daß in einigen Kantonen ein gewisser Mangel an ernsthaftem Einschreiten vorhanden zu sein scheint, dessen Verschwinden für die gleichmäßige Durchführung der einschlägigen Bestimmungen des Gesetzes eine unerläßliche Bedingung bildet.

Der muthmaßliche Ertrag der halben Ersatzsleuer ist verzeigt mit Fr. 1,208,381. 38 oder um Fr. 16,592. 11 höher als pro 1884.

Der Durchschnitt per Kopf der, Dienstbefreiten hat um 9 Rp., derjenige per Kopf der Taxirten um 20 Rp. zugenommen.

Der wirkliche
Ertrag pro 1885, d. h. die in diesem Rechnungsjahr erfolgten Ablieferungen der Kantone belaufen sich auf Fr. 1,235,412. 41 und sind um Fr. 83,040. 79 höher als im Jahr 1884. Gegenüber dem Budget ergibt sich eine Mehreinnahme von Fr. 135,412. 41.

523

Beim Rechnungsabschluß waren mit den Ablieferungen noch im Rückstande: Ganz: der Kanton Wallis.

Theilweise: die Kantone Schwyz, ' Nidwaiden. Solothurn und Waadt.

Der Generalausweis, welcher gemäß Art. 10 der Verordnung vom 1. Juli 1879 spätestens bis zum 31. Januar des auf das Bezugsjahr folgenden Jahres eingereicht werden soll, steht noch aus von den Kantonen Luzern, Schwyz, Glarus, Solothurn, Waadt, Wallis und Genf. Ueberdies ist zu bemerken, daß es noch nicht gelang, den Generalausweis des Kts. Luzern pro 1884 zu bereinigen.

Diese Säumnisse müssen, als einen geregelten Geschäftsgang erschwerend, neuerdings ernstlich gerügt werden, zumal, da kaum anzunehmen ist, daß es in Wirklichkeit nicht allen Kantonen möglich sei, den vorgeschriebenen Termin einzuhalten.

Die im letztjährigen Geschäftsbericht erwähnte Frage betreffend Rückerstattung bezahlten Militärpflichtersatzes wegen Dienstversäumniß in Fällen späterer Nachholung des versäumten Dienstes fand im Berichtjahre ihre Erledigung durch den Erlaß einer Verordnung vom 24. April 1885. In dieser Verordnimg wird das Recht der Rückforderung bezahlter Ersatzsteuern eingeräumt f ü r diejenigen Fälle, in welchen ein Dienstpflichtiger in Erfüllung der Bestimmungen von Art. 82 und 85 der Militärorganisation einen Wiederholungskurs besteht, für dessen Versäumniß er die Ersatzsteuer bezahlt hat. In diesem Sinne wurden auch die bis zum Erlass der erwähnten Verordnung zurückgelegten, diese Frage beschlagenden Besehwerden erledigt. Bezüglich des weitern Inhaltes dieser Verordnung verweisen wir auf die amtliche Gesetzessammlung, Band VIII, Seite 85.

Die in der Durchführung dieser Verordnung bis jetzt gemachten Erfahrungen berechtigen zu der Annahme, daß diese Angelegenheit eine richtige Lösung gefunden hat.

Die Zahl der eingelaufenen Rekursbeschwerden und anderweitigen Eingaben, den Militärpflichtersatz betreffend, ist auf 98 angestiegen gegenüber 92 im Jahre 1884. Von diesen Geschäften fanden 23 ihre Erledigung durch Entscheid, beziehungsweise Schlußnahme des Bundesrathes, während die übrigen vom Finanzdepartement erledigt werden konnten. Zu Rekursentscheiden von prinzipieller Bedeutung war im Berichtjahre Veranlassung nicht vorhanden, was darauf schließen läßt, daß in der Anwendung des Gesetzes im Allgemeinen weniger Unsicherheit und Zweifel mehr herrscht.

524

Unter dea vom Finanzdepartement behandelten Geschäften befanden sich in großer Zahl Einfragen von Behörden und Besteuerten betreffend die Anwendung der Verordnung vom 24. April 1885 über Rückerstattung von Militärpflichtersatz. Andere Eingaben beschlugen vielfach Angelegenheiten, deren Erledigung nach Mitgabe des Gesetzes in die Kompetenz der kantonalen Behörden fällt, denen diese Geschäfte auch zur gutfindenden Erledigung zugewiesen wurden Im Hinblick auf die verschiedenen Postulate betreffend die.

gleichmäßige Durchführung des Bundesgesetzes über Militärpflichtersatz wurde auch im Berichtjahre eine Revision der Ersatzregister vorgenommen, und zwar in den Kantonen Zürich, Bern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden,, Zug, Solothurn, Baselland, Appenzell A.Rh.,, Appenzell I. Rh., St. Gallen, Thurgau, Waadt, Neuenburg und Genf.

An der Führung der Register ist im Allgemeinen nicht viel auszusetzen. D i e Ausscheidung d e r Dienstbefreiten von d e n Art. 4 der Verordnung vom 1. Juli 1879 ist nun durchwegs vorhanden, indem für Letztere entweder besondere Register angelegt sind, oder eine getrennte Eintragung dieser beiden Kategorien im allgemeinen Register stattfindet.

Nur selten dagegen finden sich die in Art. 13 des Gesetzes vorgeschriebenen besondern Kontrolen vor für die Militärpflichtersatzanlage der im Auslande wohnenden Schweizer. Die Führung dieser Kontrole erscheint, abgesehen von der erwähnten Gesetzesvorschrift, empfehlenswerth aus praktischen Gründen, indem Anlage und Bezug der Steuer für diese Kategorie von Pflichtigen mit außerordentlichen Vorkehren verbunden sind, zu deren Erleichterung ein eigenes Register wesentlich beiträgt. Um möglichst Gewißheit darüber zu erlangen, ob sämmtliche Pflichtigen zum Militärpflichtersatz herbeigezogen werden, fand anläßlich dieser Inspektionen jeweilen eine stichprobeweise Vergleichung der Ersatzkontrolen mit den Stammkontrolen und , wo solches möglich war, auch mit den Korpskontrolen statt. Das Ergebniß dieser Prüfung war, mit Ausnahme der Besteuerung der Landesabwesenden, durchgehends ein befriedigendes. Im Weitern bieten diese Inspektionen jeweilen geeigneten Anlaß zu Ertheilung von Aufschlüssen und Rathschlägen, welche im Berichtjahre vorzugsweise die Anwendung der mehrerwähnten Verordnung vom 24. April 1885, die Besteuerung der Landesabwesenden, sowie die hienach berührte Frage der Provisionen für den interkantonalen Ersatzbezug zum Gegenstand hatten.

525

Bei diesem Anlasse konstatiren wir gerne, daß der mit diesen Inspektionen betraute Beamte seitens der kantonalen Behörden überall bereitwilliges Entgegenkommen fand.

Auf erfolgte Reklamation von Seite einer kantonalen Behörde sahen wir uns veranlaßt, unter Hinweisung auf die Bestimmungen von Art. 3 der Verordnung vom 1. Juli 1879 über Vollziehung des Bundesgesetzes betreffend Militärpflichtersatz, mittelst Kreisschreiben vom 14. April 1885 zu verfügen, es habe die Mitwirkung beim Ersatzbezug zwischen den Kantonen u n e n t g e l t l i c h und g e g e n s e i t i g zu geschehen.

Nachdem von den Regierungen zweier Kantone gegen dieses Kreisschreiben Einsprache erhoben worden und von einer in Zürich abgehaltenen Versammlung von Sektionschefs der deutschen Schweiz eine Vorstellung eingelangt war, in welcher Revision des erwähnten Kreisschreibens und Einführung einer für die ganze Schweiz einheitlichen Bezugsprovision beantragt wird, nahmen wir keinen Anstand , die Frage zu prüfen, ob und eventuell in welcher Weise eine Abänderung dieses Kreissehreibens, beziehungsweise der Verordnung vom 1. Juli 1879, vorzunehmen sei. Da das zu diesem Zwecke vom Finanzdepartement gesammelte Material von Seite einiger Kantone erst gegen Jahresschluß einlangte , konnte diese Angelegenheit im Berichtjahre nicht zur Erledigung gelangen.

Anläßlich der Behandlung von Rekursen betreffend die Ersatzpflicht eingeteilter Wehrpflichtiger wegen Dienstversäumniß ist die Frage entstanden , wie es gehalten werden soll in Fällen, wo der Betreffende, seinem Aufgebote Folge leistend, den Dienst angetreten hat, jedoch aus sanitarischen oder andern Gründen vor Schluß des betreffenden Dienstes dureh Verfügung der Militärbehörde entlassen worden ist.

Um zu einer gründliehen Prüfung dieser Frage möglichst zuverläßiges Material zu erhalten, haben wir sämmtliche Kantone zur Vernehmlassuug darüber eingeladen, wie solche Fälle bis jetzt behandelt worden seien , beziehungsweise ob und unter welchen Voraussetzungen die Betreffenden zur Bezahlung des Militärpflichtcrsatzes augehalten wurden.

Nachdem das gewünschte Material eingelangt ist, werden wir nun in der Lage sein, auch für das Verfahren in den angedeuteten Fällen bestimmte Normen aufzustellen und auf diese Weise eine weitere Frage auf dem Gebiete der gleichmäßigen Durchführung des Gesetzes ihrer Lösung entgegenzuführen.

In einer Eingabe brachten 29 in Mailand wohnende Schweizerhürger uns zur Kenntniß, daß von den dort domizilirten Schwei-

526 zern nur die Angehörigen der Kantone Zürich, Basel, Graubünden und Tessin zur Bezahlung des Militärpflichtersatzes angehalten werden, während die Angehörigen anderer Kantone unbehelligt bleiben.

Unter Einweisung auf das Gesetzwidrige eines solchen Zustandes und namentlich auch unter Hervorhebung des Unrechts, welches diese ungleiche Behandlung der Angehörigen der verschiedenen Kantone zur nothwendigen Folge hat, behielten sich die Beschwerdeführer für die Zukunft volle Freiheit des Handelns vor , insofern das Gesetz gegenüber den im Auslande wohnenden Schweizerbürgern nicht eine gleichmäßige Anwendung erfahre.

Wir haben nicht unterlassen, von dieser begründeten Beschwerde mit Kreisschreiben vom 27. Oktober sämmtlichen eidgenössischen Ständen Kenntniß zu gehen und dieselben unter Hinweisung auf die zur Beseitigung dieser Uebelstände schon früher wiederholt erlassenen Anleitungen neuerdings ernstlich zu mahnen, der Vollziehung des Gesetzes gegenüber Landesabwesenden die erforderliche Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Bezüglich des Inhaltes dieses Kreisschreibens verweisen wir auf das Bundesblatt 1885, Band IV, Seite 190. Auch den Beschwerdeführern wurde gleichzeitig von dem Erlaß dieses Kreisschreibens Mittheilung gemacht und die Erwartung ausgesprochen, daß diese erneute Mahnung dazu beitragen werde, die gerügten Ungleichheiten allmälig zu beseitigen.

Nach dem bestehenden Gesetze, dessen Vollziehung mit Ausnahme des Oberaufsichts- und Entscheidungsrechtes Sache der Kantone ist, stehen dem Bundesrathe zu weitergehenden Maßregeln die Mittel nicht zur Verfügung. Wir müssen deßhalb hier wiederholen, daß die Vollziehung dos Gesetzes im Allgemeinen und namentlich gegenüber den Landesabwesenden, wo sie dermal noch am meisten zu wünschen übrig läßt, nur dann eine einheitliche werden kann, wenn särnmtlichc zuständigen kantonalen Behörden der Frage diejenige Beflissenheit zuwenden, welche erfahrungsgemäß einigen Kantonen zu sehr günstigen Resultaten verhelfen hat.

C. Banknotenkontrole.

Banknotenanfertigung.

Nachdem die letzte Lieferung von Notenpapier im September 1885 erfolgt, konnte auch mit den holden englischen Häusern, nämlich mit T. H. Saunders
527

riehtjahre stattfinden. Hieoach belaufen sich die definitiven Anfertigungskosten per Note auf 12 Cts. Viele Noten der frühereu Emissionen wurden bis auf 30 Cts. per Stück bezahlt, so daß diesen gegenüber und mit Rücksicht auf die technische Anlage die Erstellungskosten der neuen Noten keine übertriebenen zu nennen sind.

Sowohl Papier als Druck haben sich bis jetzt gut bewährt und sind uns bis heute weder Fälschungen noch Fälschungsversuche an neuen Noten bekannt geworden.

Alle bei der Anfertigung des Papiers wie beim Drucke dei Noten zur Verwendung gelangten Gegenstände, als : Schöpfbrctter, Wasserzeichenforrneri, Kupferdruckplatten, Platten für Typographendruck u. s. w., wurden uns von den beiden englischen Häusern nach Maßgabe des Vertrages abgeliefert.

Die Stämpfli'sehe Buchdruckerei in Bern war im Berichtjahr zu wiederholten Malen mit dem Textdruck von neuen Noten für solche Banken beschäftigt, die die Ermächtigung zur Erhöhung ihrer Emissionssumme erhielten. In diesen Fällen reichten die vorhandenen Reservenoten nicht aus.

Umtausch der alten Noten.

Der Umtausch der alten Noten gegen neue Formulare vollzog sich auch im Berichtjahr in geordneter Weise.

Bis 31. Dezember 1885 waren an die 33 gesetzlich autorisirten Emissionsbanken abgeliefert : Fr. 31,600,000 in Abschnitten à Fr. 50 ,, 72,751,600 ,, ,, ,, 100 ,, 18,708,000 ,, ,, ,, 500 13,316,000 ,, ,, ,, ,, 1000 B Fr. 136,375,600 Auf den gleichen Zeitpunkt waren von alten Noten amtlich vernichtet : Fr. 31,419,865 unter der Bundeskontrole; ,, 72,114,270 unter der kantonalen Kontrole; Fr. 103,534,135 und es bleiben somit auf Ende 18S5 noch alte Noten ausstehend im Betrage von Fr. 1,983,905.

In Ausführung von Art. 52 des Banknotengesetzes haben wir als Termin, bis zu welchem die Banken die alten Noten einzulösen

528 haben, den 1. Februar 1886 bestimmt. Auf diesen Zeitpunkt haben die Banken den baaren Gegenwerth der noch ausstehenden alten Noten der eidgenössischen Staatskassa abzuliefern, welche an der Stelle der Banken die Einlösung noch während dreißig Jahren übernimmt. Die Modalitäten über die Einlösung der alten Banknoten durch die eidgenössische Staatskassa wurden in einem Regulativ vom 13. Oktober 1885 festgestellt.

Stand der Emissionsbanken.

Die Zahl der konzessionirten Emissionsbanken erlitt im Jahre 1885 keine Veränderung.

Im Berichtjahr wurde folgenden Banken eine Erhöhung der Emissionssumme bewilligt: der Bank in Luzern von 21/2 Millionen auf 3*/2 Millionen ,, Solothurnischen Bank ,, 2^2 ,, ,, 3 ,, ,, Bank in Schaff hausen ,, l ,, 1^2 ,, B ,, Bank in St. Gallen ,, 7 ,, ,, 8 ,, Auf Ende 1885 ergibt sich gegenüber Ende 1884 eine Mehremission von Fr. 3,000,000.

Die Beilage Nr. l enthält das Verzeiehniß der gesetzlichen Emissionsbanken, der Emissionssummen und die Deckungsart.

Banken mit hinfälliger Emission.

Von den Noten der Banken, deren Emission dahingefallen v waren Ende 1885 noch ausstehend: Bank in Glarus Fr. 37,560 Ancienne Banque cantonale neuchâteloise .

. fl 92,960 Caisse hypothécaire du Canton de Fribourg . ,, 3,080 Bank für Graubünden ,, 10,620 Leihkasse Glarus ,, 4,400 Eidgenössische Bank ,, 75,800 Banque populaire de la Broyé ,, 900 Fr. 225,320 gegen Fr. 379,020 Ende 1884.

Diese noch ausstehenden Noten, von denen vielleicht Fr. 150,000 überhaupt nicht mehr existiren, dürfen für den gesammten Notenumlauf kaum mehr in Betracht fallen und wurden dieselben deßhalb in unsern statistischen Ausführungen über die Notenbewegung im Jahr 1885 nicht mehr berücksichtigt.

Zu Seite 528.

Beilage Nr. 1.

Verzeichniss der

Ordnungs- 1 irammer. i

vom Bundesrathe autorisirten schweizerischen Emissionsbanken.

1

2 3 4 5 6 7 8 9

10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26

; 27 i 28 i 29

30 31 32 Ì

33

F i r in a.

St. Gallische Kimtonalbank St. Gallen Basellandschaftliche Kantonal b a n k .

.

.

.

. Liestal Kantonal bank v o n Bern .

.

.

.

.

.

. Bern Zweiganstalten: Thun, Burgdorf, Langenthal, Biel, St. Immer, Pruntrut.

Banca cantonale ticinese .

.

.

.

.

.

. Bellinzona Zweiganstalten : Locarno, Lugano, Mendrisio.

Bank in St. Gallen St. Gallen Crédit agricole et industriel de la Broyé .

. . .

. Estavayer Thurgauische Kantonalbank .

.

.

.

.

. Weinfelden Aargauische Bank .

.

.

.

.

.

.

. Aarau Toggenburger Bank .

.

.

.

.

.

.

. Lichtensteig Zweiganstalten : Rorschach, St. Gallen.

Banca della Svizzera italiana .

.

.

.

.

. Lugano Zweiganstalten : Locarno, Mendrisio.

Thurgauische Hypothekenbank .

.

.

.

. Frauenfeld Zweiganstalt: Romanshorn.

Graubündner Kantonalbank .

.

.

.

.

. Chur Kantonal -Spar- und Leihkasse .

.

.

.

.

. Luzern Banque d u Commerce .

.

.

.

.

.

. Genève Appenzell A . Rh. Kantonalbank .

.

.

.

. Herisau Bank in Zürich Zürich Zweiganstalt : Winterthur.

Bank i n Basel .

.

.

.

.

.

.

.

. Basel Bank i n Luzern .

.

.

.

.

.

.

. Luzern Banque d e Genove .

.

.

.

.

.

.

. Genève Crédit Gruyéilen .

.

.

.

.

.

.

. Bulle Zürcher Kantonalbank .

.

.

.

.

.

. Zürich Zweiganstalten: Winterthur, Affoltern a./A., Rüti, Uster, Andelfmgen, Bülach, Horgen, Bauma, Meilen, Dielsdorf.

Solothurnische Bank .

.

.

.

.

.

. Solothurn Zweiganstalen: Ölten, Balsthal .

.

.

.

.

Bank i n Schaffhausen .

.

.

.

.

.

. Schaffhausen Banque cantonale fribourgeoise .

.

.

.

. F r i bourg Caisse d'amortissement dé la dette publique .

.

. Fribourg Banque cantonale vaudoise .

.

.

.

.

. Lausanne Ersparnißkasse d e s Kantons U r i .

.

.

.

. Altorf Kantonale Spar- und Leihkasse von Nidwalden .

. Stans Banque populaire d e l a Gruyère .

.

.

.

. Bulle Banque cantonale neuchâteloise .

.

.

.

. Neuchâtel Zweiganstalten: La Chaux-dé- Fond s, Locle.

Banque commerciale neuchâteloise .

.

.

.

. Nouchâtel Zweiganstalten : La Chaux-de-Fonds, Loelo, Métiers.

Schaffhauser Kantonalbank .

.

.

.

.

. Schaffhausen Glarner Kantonalbank .

.

.

.

.

.

. Glarus

*

Total

Frühere Emissionssumme.

Vom Bundesrath bewilligte Emiasionssumme.

Fr.

Fr.

Deekungsart.

Kantonsgarnnl.il'.

6,600,000 720,000 7,950,000

1,500,000 10,000,000

1,986,670

2,000,000

Werthsohrifteii.

5,000,000 399,410 1,500,000 3,000,000 1,000,000

8,000,000 500,000 1,500,000 4,000,000 1,000,000

Portefeuille.

Werthaohriftou.

Kantonsgaranlie. · 11 Wertliachriften.

1,850,000

2,000,000

11

750,000

1,000,000

»

2,000,000 1,094,300 19,700,000 2,900,000 5,000,000

3,000,000 2,000,000 20,000,000 3,000,000 6,000,000

Kantonsgavantic.

ni Portefeuille.

Kantonsgarantie.

Portefeuille.

8,000,000 2,000,000 5,000,000 240,000 15,000,000

12,000,000 3,500,000 5,000,000 300,000 15,000,000

Worlhachriftcti.

Portefeuille.

Wortlischriftou.

Kantonsgara utie.

2,500,000

3,000,000

n

700,000 1,891,905 749,910 7,209,565 300,000 300,000 176,280 --

1,500,000 1,000,000 1,500,000 10,000,000 500,000 500,000 300,000 3,000,000

Wertlischnffcen.

11 KaulonHgavaiitie.

·n

8,000,000

11 Ti

0

·n

·n 11

Werthschriften.

Kantonsgarautio.

--

5,000,000

Portefeuille.

-- --

1,000,000 1,500,000

Kantonsgaraiitie.

·n

105,518,040

138,100,000

529 Beziehungen zu den Emissionsbanken, Inspektionen bei denselben und den Depositenämtern.

Der Verkehr mit den Emissionsbanken war auch im Berichtjahr ein in allen Theilen befriedigender und angenehmer.

Die Wochensituationea und Monatsbilanzen gehen pünktlich ein und geben diese Ausweise zu keinen Aussetzungen mehr Veranlaßung. Auch mit Bezug auf die Jahresrechnungen können wir mit Befriedigung konstatiren, daß die Auffassung über die Aufstellung derselben eine dem Sinne des amtlichen Schemas entsprechende geworden ist, materielle Differenzen nicht mehr vorkommen und allfällige Bemerkungen sich nur noch auf Fragen formeller Natur beschränken. In unsern Augen darf dieses durch das Gesetz adoptirte Prinzip der Oeffentlichkeit als eine der wichtigsten Errungenschaften in unserm Notenwesen angesehen werden, da hiedurch die Gebahrung der Notenbanken klar gelegt und durch die präzise Ausscheidung und Bezeichnung der Bilanzposten gewichtige Momente zur Beurtheilung der Kreditwürdigkeit eines Institutes geschaflen werden. Die Beilage Nr. 2 enthält die Wochens tuationen der Emissionsbanken über die Emission, Zirkulation und gesetzliche Baarschaft im Jahr 1885.

Die bei den kantonalen Depositenämtern vorgenommenen Inspektionen gaben zu keiner Bemerkung Veranlaßung.

Dagegen wurden bei zwei Emissionsbanken Zuwiderhandlungen gegen die gesetzliche Bestimmung betreffend die Baardeekung (Art. 10) konstatirt. Wir werden unter dem Abschnitt ,,Rekurse und grundsätzliche Entscheide1* eingehender üher die beiden Fälle berichten.

Die Beilage Nr. 3 enthält die Resultate über die Untersuchungen bei den Deposilenämtern und den Emissionsbanken.

Rekurse, grundsätzliche Entscheide.

Eine Emissionsbank glaubte sich berechtigt, auf einer zur Einlösung präsentirten, sichtbar mit Absicht beschädigten eigenen Note von Fr. 50 dem Inhaber 50 Cts. in Abzug zu bringen.

Der Beschädigte reklamirte den Abzug von der Emissionsbank, von welcher er die benannte Note erhalten, und jene beschwerte sich nun gegen das Vorgehen der ersteren Bank beim Finanzdepartement. Von diesem zur Veruehmlassung aufgefordert, stützte sich die einlösende Bank zur Begründung ihrer Handlungsweise auf die Art. 50 und 60 des Obligationenvechtes.

Zur Seite 529.

Beilage Nr. 2.

Gen eral-lSituation der

33 gesetzlich autorisirten schweizerischen Emissionsbanken für das Jahr 1885.

Datum.

3. Januar 10.

,,

Notenemission. \otenzirkulation

o/o

134,290,000 134,290,000

132,297,000 129,942,000 127,655,000 124,269,000 124,694,000 122,008,000 118,357,000 115,971,000 117,316,000 117,453,000 116,854,000 115,721,000 118,786,000 122,179,000 121,681,000 123,559,000 124,351,000 129,830,000 125,312,000 125,353,000 120,895,000 122,857,000 121,167,000 119,550,000 119,294,000 121,592,000 125,538,000 122,609,000 121,145,000 119,051,000 121,236,000 118,345,000 117,023,000 117,488,000 117,816,000 117,745,000 117,344,000 116,152,000 117,618,000 122,075,000 122,020,000 124,366,000 124,792,000 129,399,000 132,787,000 135,068,000 134,170,000 132,781,000 132,582,000 131,953,000 133,213,000 134,546,000

99

134,379,000 17.

l 134,376,000 24.

,, 134,479,000 31.

,, 134,569,000 7. Februar 134,499,000 14.

,, 134,534,000 21.

,, 134,632,000 28.

,, 134,634,000 7. März 134,683,000 14. ,, 21. ,, 134,758,000 28. ,, 134,812,000 134,952,000 4. April 134,943,000 11. ,, 18. ,, 135,109,000 25. ,, 135,658,000 2. Mai 135,658,000 135,652,000 9. ,, 135,762,000 16- « 23. ,, .135,765,000 30. ,, 135,614,000 6. Juni 135,659,000 135,709,000 |13. ,, 135,709,000 ,20. f l 135,716.000 '27. ,, 4. Juli 135,699,000 135,994.000 ! 11. ,, 18. ,, 136,069,000 25. ,, 136,075,000 1 . August 136^084,000 8. ,, 136,309,000 136,304,000 15. ,, .

22. ,, 136,304,000 29. ,, 136,304,000 5. Septemb. 136,304,000 12.

,, 136,579,000 19.

,, 136,579,000 26.

,, 136,5". 8,000 3. Oktober 136,569,000 10.

,, 136,779,000 17.

,, 136,779,000 136,774,000 24.

,, 31.

,, 136,981,000 7. Novemb. 137,575,000 14.

,, 137,584,000 21.

,, 137,464,000 28.

,, 137,582,000 5. Dezetnb.

137,584,000 12.

,, 137,569,000 19.

,, 137,569,000 26.

,, 138,084,000

97 95 92 93 91 88 86 87 87 87 86 88 91 90 91 92 96 92 92 89 91 89 88 88 90 93 90 89 87 89 87 86 86 86 86 86 85 86 89 89 91 91 94 97 98 98 97 96 96 97 97

Gesetzliche Baarschaft.

>

70,046,000 70,184,000 71,265,000 70,139,000 67,798,000 65,395,000 62,318,000 61,519,000 60,348,000

53 54 56 57 54 54 53 53 51 51 51 52 51

59,501,000 60,072,000 60,538,000 60,382,000 60,278,000 61,448,000 64,936,000 69,090,000 70,199,000 68,544.000 69,682,000 69,002,000 67,720,000 66,628,000 66,605,000 66,362,000 05,794,000 65,027,000 63,817,000 63,453,000 61,857,000 61,670,000 61,481,000 61,639,000 02,307,000 62.243,900 62,731,000 62,741,000 62,738,000 63,141,000 63,188,000 64,360,000 0)5,747,000 66,706,000 67,889,000 67,523,000 68,498,000 70,634,000 70,534,000 70,671,000 70,321,000 70,230,000 69,601,000

49 50 53 56 54 55 56 57 55 55 56 56 54 52 52 52 52 51 52 52 53 53 53 53 54 54 52 53 53 53 52 51 51 53 53 53 53 53 52

Durchschnitt

135,902,000

123,431,000

91

*65,511,000

53

Maxima

138,084,000

135,068,000

99

71,265,000

57

26. Dezember 14. November S.Jan.

17. Januar

24. Jan.

23. Mai

Minima

134,290,000

115,721,000

85

59,501.000

49

Tag

3./10. Januar

21. März

19. Sept.

7. März

i. April

Tag

* Gold 47,537.000 = 39 «/o, Silber 17,974,000 = 14 %.

Zu Seite 529.

Beilage Nr. 3.

i

Resultat der Inspektionen bei den Emissionsbanken und kantonalen Depositenämtern im Jahre 1885.

!

Deckung von 60 % der Emission (Art. 12 des Gesetzes).

Werthsclirifteiihinferlage. 1i · Weckselportefeiiille.

i Kanlonsgaraniie.

Bnndesräthl.

"Wechsel 1 ' NominalAuslandSchätzungs- i mit Total.

wert!].

Wechsel.

Baardeckung : 40 °,'o der Zirkulation.

i

!

i

Banken.

!

Datum der Inspektion.

Emission.

(Art. 10 des Gesetzes.)

Zirkulation.

i '

Gold.

Silber.

1 : j Zentralstelle. 1

!

S Ij jj ;

Kantonalbank v o n Bern .

.

.

.

29. Januar 1 885 Caisse d'amortissement de la Dette publique .

17. Juni ,, Crédit Gruyérien .

.

.

.

.

.

!8. ,, l 18 Banque populaire de la Gruyère .

- -n * 19 ! Banque cantonale fribourgeoise - r, * ; Crédit agricole et industriel de la Brove 20.

l Aargauische Bank .

.

.

.

.

24. l l 2S ; Basellandschaf'tliche Kantonalbank - 11 26 | Solothuruisdie Bank .

.

- * l Banque cantonale vaudoise .

.

.

.

3./4. Juli 8 ! Banca della Svizzera italiana - f, l : Q " Banca cantonale ticinese .

.

.

.

11 11 1 Ersparnißkasse des Kantons Uri .

' T, Kantonale Spar- und Leihkasse von Nidwaiden » Banque cantonale neuchâteloise Bank i n Schaffhausen .

.

.

.

.

9. Sept.

Toggen burger Bank 10 - u l Thurgauische Kantonalbank .

.

.

.

11 T) "n 10 .

" Thurgauische Hypothekenbank · fi n Graubündner Kantonal bank .

.

.

.

U- l Glarner Kantonalbank .

.

.

.

.

18 ' 11 ! Schaffhauser Kantonalbank .

.

.

.

30. ,, l ! S t . Gallische Kantonalbank .

.

.

.

2. Okt.

,, ; Appenzell A. Rh. Kanfonalbank .

· 11 n Banque de Genève" 8/10 · 11 1 · · > ri Banque d u commerce .

.

.

.

.

8./10. ,, , Banque commerciale neuchâteloise 20./23. Nov.

Kantonalbank v o n Bern .

.

.

.

28. Dez.

,, Banque cantonale neucliâScloise 23. Januar 1886 27 : Kantonal -Spar- und Leihkasse Luzern .

- 11 Bank i n Luzern .

.

.

.

.

.

2*. , i Bank i n Zürich .

.

.

.

.

. 18. '19. Februar ,, Zürcher Ktintonalbank .

.

.

.

.

20. » Biink i n B^isd .

.

.

.

.

. 25,27.

,, .,



10

-; i

11

Bank in St. Gallen

9. 11. März

1.

10,000,000 1,493,010 300,000 300,000 998,880 500,000 4,000,000 1,500,000 2,980,000 9,792,245 2,000,000 2,000,000 500,000 500,000 3,000,000 1,500 000

i,ooo'ooo

1,500,000 1,000,000 3,000,000 1,500,000 1,000,000 8,000,000 3,000,000 5,000 000 20ÌOOo'oOO 5,000,000 10,000,000 3,000,000 2,000.000 3,500,000 5,900,000 15.000,000 12^000,000 8,000,000

9,473,575 1,472,360 298,070 299,630 979,310 498,330 3,672,020 1,468,440 2,839,930 9,566,485 1,980,600 1,997,730 474,200 484,500 2,828,250 1,317,750 '991Ì720 1,494,950 987,530 2,991,380 1,478,000 976,300 7,987,750 2,983,800 4 904,080 lö'793^350 4,679,150 9,940,415 2.897,050 1^981,300 3,479^450 4.236,150 11,501,600 9,378,900 7.324,550

3,900,000 600,000 120,000 120,000 400,000 200,000 700,000 600,000 1,125,000 4,000,'000 750,000 630,000 175,000 191,800 780,000 600,000 400,'000 200,000 400,000 1,200,000 490,000 290,000 2,300,000 900,000 1 380 000 Ö^OO^OOO 1,295,000 3,900,000 965,000 800,000 1,100.000 1,000^000 6,000,000 3,200,000 1,800,000

i !

!

' !

'

350,000 -- -- 110,000 110,000 900,000 300,000 170 000 lOo'oOO 355,000 -- 150,000 -- 300,000 1,000,000 -- -- 500,000

;

!

3,900,0«!>0 600,0(50 120,000 120,0*0 400,0()0 200,0( 10 1,558,82 1 600,000 1,165,OQO 4,000,000 800,000 800,000 200,000 198,000 1,127,600 600,000

--

-- -- __ -- -- 485,000 -- 40,000 -- 50,000 170,000 25,000 6,200 122,000

Total.

-- -- -- -- 373,821 -- -- -- -- -- .-- -- 225,600 61,369 -- _ --

-- -- -- ' i ; j j | '

!

:

-- -- --

-- --

-- -- -- -- -- -- -- -- -- --

-- -- -- -- -- -- --

.

611,369 400,000 1,200,000 600,000 400,000 3,200,000 1,200,000

-- -- -- -- -- -- --

6,500,000 2,015,072 4,513^520 1,303,000 800,000 1,400,000 2,000,000 6,000,000 4,029,173 ' 3,680.21 ;jo

wert.

Faustpfand.

eoo'ooo

dOfi QQF, 1 1 QSÎfi QQfi

j -- ' 365,072 ; 613,520 j 188,000 ' -- i -- i -- !

-- ' 829,173 1 1.380,213

SchweizerWechsel.

-- -- --

ii!

-- --

-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

-- -- -- -- -- -- -- -- --

-- -- -- -- --

_ 196,000 198,900 668,000 323,000 -- -- -- -- 1,502,000 1,361,000 -- -- -- 994,000 644,000 -- 643,000 --

-- -- 10,263,073 13*399,934 8,218,744

Kantonsgarantie. !

i 11 1 1 i

--

182,280 180,675 603,240 300,390 -- --

-- Kantousgavantie.

11 "n

-- -- 1,200,700 1,225,085 --

Ti

I

--

1

Kaatonsgarautie.

·n ·n

-- -- 919,300 600,920 -- 600,850 -- -- -- -- --

-- -- -- ~TM~

i

-- Kantonsgarantie.

-- Kantonsgarantie.

·n ·n ·n f>

1,216,485 Ì l',957,600 i -- 1 885,615 7,290,638 i -- Kantonsgarantie. | -- -- -- -- -- -- 1 -- f\ \ -- ·n \i -- -- -- -- -- 2,162,800 2,125,442 t -- -- 1 -- 9,373.561 !'

-- 4,726,837 46,431 4,600,293 ' ' : Kantonsgarantie. : -- -- ; -- 1 !

j -- i -- i -- 5,075,138 ' 597,861 5,817,339 ! 11,492,338 7,253.783 , -- j 4i-- 2,546,171 · 1,533.324 ; 3,174,288 ; 182,560 29J644 42,491 -- -- --

8 864,028

n'-m'eoo

i

Beuierknng. Die obigen Zahlen enthalten nur die Bestände der Hauptiiank, ohne Herbeiziehnng derjenigen der Zweiganstalten.





l

\

·

!

!.

'

j

\

Kantonale Depositenämter.

Die L'utcrsuchunjcen wurden vor,;(';ioinrn: -n : Aui IS'. Juni löSö l,d;u iVjj rn'gisnien, aia 9. Juli 1885 beim tessinischeu, am 12. September 1885 heim thurgaui«chen, am 1. Oktober 1885 heim schaffhauserischen. am 29. Januar 1886 beio: liizernisehen und am l ì . JJäiY -b^>'a btira St. G-aüiscisen DepoJiteiwtnt. Die Verifikation des Titel bestaades und die Prüfung der Anlage und Haltung der Koutrolen gab zu keinen Aussetzungen Veranlassung.

Zentralstelle der Konkordatsbanken.

Die am 17. Februar 1886 vorgenommene Inspektion ergiti) die genaue UebereinstinümuDg der Büchei'saldi mit den Efivktivbeständen.

Fr. 2,600,000 in Gold, - 3.000,000 in Silber, Total Fr. 5,600,000.

Der Effektiv bestand war zusammeogesetzt aus: \

530

Das Finanzdepartement konnte diese Anschauung nicht theilen, von der Meinung ausgehend, daß es mit dein Wesen der Banknote und den positiven gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sei, die Banknoten der generellen Wirkung der Art. 50 und 60 des Obligationenrechtes auszusetzen.

Die Anwendung müsse nach hierseitiger Ansicht den Fällen vorbehalten bleiben, wo der Schädiger als solcher nachweisbar und rechtlich erreichbar sei. Das Finanzdepartement neige sich vielmehr der Meinung zu, es habe im vorliegenden Fall der Art. 24 des Banknotengesetzes zur Anwendung zu gelangen.

Unter Berufung auf einen früheren bundesräthlichen Entscheid wurde auf eine Anfrage, ob sogen. Zahlungsscheine eines Kreditinstitutes, auf den Inhaber und 30 Tage dato lautend, als Banknoten oder als andere zum Umlauf bestimmte g l e i c h b e d e u t e n d e Geldzeichen anzusehen seien, dem Fragesteller der Bescheid, es können diese Scheine, weil auf 30 Tage dato lautend, weder als Banknoten noch als andere gleichbedeutende Geldzeichen behandelt werden.

Der im letztjährigen Geschäftsbericht erwähnte Straffall der Caisse d'amortissement de la dette publique in Freiburg, wegen Uebertretung der gesetzlichen Bestimmungen über die Baardeckung der Notenzirkulation, wurde von den kantonalen Gerichten durch Verurtheilung der Schuldigen : Direktor, Kassier und Buchhalter, cratere Zwei zu je Fr. 50, Letzterer zu Fr. 30 Geldbuße und alle Drei zur Tragung der Kosten, erledigt.

Durch die am 16. Juli 1885 vorgenommene Inspektion wurde bei der Banque cantonale neuchâteloise die wiederholte Zuwider handlung gegen die Bestimmung des Banknotengesetzes über die Baardeckung (Art. 10) konstatirt. Zufolge dessen wurde auf den Antrag des Finanzdepartements das gedachte Institut den kantonalen Gerichten zur Bestrafung überwiesen (Art. 49 des Gesetzes).

Am 11. Januar 1886 verurtheilte das Polizeigericht von Neuenburg den Direktor und den Kassier der Bank zu einer Geldstrafe von je Fr. 50, ohne Kosten.

Eine sehr gravirende Uebertretung der gesetzlichen Bestimmung über die Baardeckung wurde bei der Banque de Genève festgestellt. Es wurde konstatirt, daß die Bank an 101 Tagen die Baardeckung unter die vorgeschriebenen 40 °/o sinken ließ, daß die Defizite in der Notendeckungskasse einige Mal über 1/4 Million Franken betrugen und daß an einigen Tagen dieNotendeckungg z u z ü g l i c h des Bestandes der gewöhnlichen Kasse (Baarschaft, Noten anderer Banken, Mandate u. s.w.)) nicht genügt hätte, um

531 die Baardeckung auf die gesetzliche Höhe von 40 % der Notenzirkulation zu bringen. In Anbetracht der Schwere des Falles glaubten wir die Beurtheilung desselben dem Buudesgericht nach Art. 49 des Banknotengesetzes zuweisen nu sollen. Herr Staatsanwalt Perrier in Freiburg wurde als Bundesanwalt bezeichnet. Die Assisenverhandlungen fanden am 8. und 9. Februar 1886 in Genf statt. Die beiden Angeklagten, Direktor und Kassier der Bank, wurden wegen mehrfacher Zuwiderhandlungen gegen Art. 10 und 48 c des ßanknotengesetzes schuldig erklärt und Ersterer zu Fr. 300, Letzterer zu Fr. 50 Geldstrafe, sowie zur Tragung der Gerichtsund Prozeßkosten, wovon *k zu Lasten des Direktors und 1I& zu Lasten des Kassiers, verurtheilt.

Wirthschaftliche Erscheinungen.

Das Jahr 1885 hat auf dem Gebiete des schweizerischen Geldund Kreditwesens keine auffälligen Abweichungen vom Vorjahre zu verzeichnen. ^ Von einem allgemeinen geschäftlichen Aufschwung ist noch wenig zu verspüren, und wenn auch nicht gerade von einem weitern Niedergang in Produktion und Umsatz gesprochen werden kann, so muß doch zugegeben werden, daß die schon so oft berührte wirthsehaftliche Lethargie fortbesteht und sich diese in der Thätigkeit der Banken in den letzten Jahren deutlich abgespiegelt hat.

Unter diesen Verhältnissen leiden in erster Linie- die sogenannten Diskontobanken, welche die eigenen und die fremden Golder 'M einem gedrückten Diskontosatz zu veranlagen gezwungen sind und aus dem Emissionsgeschäft nicht denjenigen Nutzen ziehen, der den andern Banken aus der größern Mannigfaltigkeit ihrer Anlagearten zufällt.

Wie schon oben bemerkt, ist die gesetzliche Emi.ssioussumine im Berichtjahr gegenüber dem Vorjahr um 3 Millionen Franken gestiegen und hat dieselbe damit die Höhe von Fr. 138,100,000 erreicht.

Der Jahresdurchschnitt der Emissionssumme beträgt 135,» Millionen Franken gegenüber 130 Millionen Franken im Jahr 1884.

Im Jahrzehnt 1871/80 stieg die Zahl der Emissionsbanken von 32 auf 36 und die durchschnittliehe jährliche Vermehrung der Emission ergab 7,9* Millionen Franken (1871: 39,9 Millionen Pranken, 1880: 111,4 Millionen Franken). Von 1881 bis 1885 reduzirte sich die Zahl der Emissionsbanken auf 33, und es betrug die Vermehrung der durchschnittlichen Emissionssumme jährlich 5,87 Millionen Franken (1881: 112,4 Millionen Franken, 1885: 135,9 Millionen Franken).

ßnndesblatt 38. Jahrg. Bd. I.

38

532 Wir haben bereits im letztjährigen Bericht angeführt, daß die wesentliche Vermehrung der Notenemission in die Zeit vor dem Inkrafttreten des Banknotengesetzes fallt und dieses letztere für den gegenwärtigen Stand der Emissionssumme nicht ausschließlieh verantwortlich gemacht werden kann. Es ist übrigens nicht zu bestreiten, daß die Summe der Notenausgabe, beziehungsweise des Umlaufes von wirtschaftlichen Gesetzen abhängig ist, denen sich Gesetzgeber und Banken nicht entziehen können, und daß eine a b s o l u t e Normirung der Höhe der Gesammtemission, die zudem nur eine willkürliche sein kann, in der Ausführung mannigfachen Schwierigkeiten begegnen würde.

Die durchschnittliche Zirkulation der Noten betrug im Jahr 1885: 90,8 °/o von der durchschnittlichen Emissionssumme, im Maximum 99 °/o, im Minimum 85 °/o, was nach de°m oben Gesagten als Beweis dienen mag, daß die Plethora der papierenen Umlaufsmittel nicht gerade eine beunruhigende Gestalt angenommen hat.

Frankreich hatte im Jahr 1885 Fr. 74, Belgien Fr. 61, Italien inklusive Staatsnoten Fr. 59 und die Schweiz; ¥v. 42 Noten per Kopf der Bevölkerung im Umlauf. Berücksichtigen wir unsere gegenwärtigen Verhältnisse im Münzweseu, die Schwerfälligkeit des Silbers und den Mangel an Gold, beziehungsweise die eventuelle Unmöglichkeit der Festhaltung dieses Metalls infolge einer dezentralisirten unwirksamen Diskontopolitik, die ungenügende Entwicklung des Kompensationssystems (Clearnighouse), den gegenüber Frankreich und Belgien verhältnißmäßig bedeutendem Betvag an Noten von Fr. 50, so kann unsere Notenzirkulation im Vergleich zu den gedachten Ländern um so weniger eine übertriebene genannt werden^ als durch die Adoptirung des Prinzips der Oeffentliclikeit und das vielmaschige Netz der Einlösungsstellen zwei wichtige Sicherheitsvorrichtungen gegen eine allfällige Notenüberschwemmung geschaffen sind.

( Die nachfolgende Tabelle liefert den Ausweis über die durchschnittliche Emission, Zirkulation und gesetzliche Baarschaft der Emissionsbanken in den Jahren 1881 bis 1885.

Durchschnittliche Zirkulation.

Fr.

Fr.



Durchschnittliche gesetzliche Baarsehaft.

Fr.

Andere kurzfällige Verbindlichkeiten.

Total der kurzfälligen Verbindlichkeiten.

Fr.

Fr.

--

--

"/· Baarschaft 1 gegenüber dem Total 1 der kurzfälligen 1 Verbindlichkeiten. 1

N« ÎM
Durchschnittliche Emission.

% II der Zirkulation. 1

Jahr.

IS

%

a
der Emission. 1

1

Emission, Zirkulation, gesetzliche Baarschaft und kurzfällige Verbindlichkeiten der schweizerischen Emissionsbanken von 1881--1885.

1881

36

112,386,000

99,401,000 88.0

42,851,000 43.7

1882

36

113,346,000

98,235,000 86.4

49,806,000

52.2 56,811, 000 2

155,046,000

31.i

1883

39

114,540,000

102,228,000 89.7

59,828,000

59.3

56,204,000 2

158,432.000

26.5

1884

40

129,838,000

114,801,000 88.7

64,398,000

55.8 61,284,000 2

176,085,000

27.3

1885

331 135,902,000

90.8

65,511,000

53.1 61,482,0002

184,913,000

28.2

123,431,000

1

Die 7 Banken mit hinfälliger Emission fallen vom Jahr 1885 an außer Betracht.

Die andern kurzfälligen Verbindlichkeiten bestehen aus: den Giro- und Cheques-Conti, den kurzsichtigen Depositen- und Kassascheinen, 25°/o der unter den kurzfälligen Schulden gebuchten Contocorrent-Kreditoren und lo°/o der Sparkassaeinlagen.

2

533

534

Der durchschnittliche Baarvorrath ist gegenüber dem Vorjahr, absolut genommen, im Jahr 1885 um l,i Million Franken gestiegen, hat dagegen mit der vermehrten Notenzirkulation nicht Schritt gehalten, indem das prozentuale Verhältniß im Jahr 1884: 55,s °/o, im Jahr 1885 nur 53,i % betrug, mit einem Maximum von 57 °/o und einem Minimum von 49 °/o. Die Baarschaft bestand Ende 1885 aus 47,6 Millionen Franken Gold und 18 Millionen Franken Silber.

Die Tendenz, das Gold als Notendeckung zu verwenden, ist immer noch bemerkbar.

Wenn wir in unsern bisherigen Ausführungen die Quantität der umlaufenden Noten noch nicht als bedrohlich darstellten, so können wir nicht in gleicher Weise mit Bezug auf die Summe des Baarvorrathes berichten.

Nach unserer Meinung ist der durchschnittliche Baarbestand bei mehr als der Hälfte der Banken ein zu geringer, ein für ein gesundes Geschäftsgebahren ungenügender.

Die disponible Baarschaft ist bei einzelnen Instituten auf ein geradezu gefahrdrohendes Minimum gesunken. So verfügte z. B.

eine Bank mit einer Emissionssumme von 5 Millionen Franken und einem durchschnittlichen Betrag von Fr. 700,000 sofort rückzahlbarer Girogelder, außer den gesetzlichen 40 %, im Jahr 1884 nur über eine Baarschaft von durchschnittlich 2 %, im Jahr 1885 über eine solche von nur 1,7 °/o des Notenumlaufes.

Der Grund dieser Geldknappheit mag neben dem Bestreben, das Geschäftsresultat zu verbessern, besonders in der ungenügenden Beachtung der übrigen kurzfâlligen Schulden, außer den zirkulirenden Noten, zu suchen sein.

Es liegt in der Natur der Sache und ist durch die Erfahrungmehrfach bewiesen, daß in kritischen Zeiten die Banken von dieser Seite durch die geforderten Rückzahlungen mehr zu befürchten haben werden, als von Seite der Noteninhaber, und es erscheint deßhalb als ein Gebot der eigenen Sicherheit, als eine im Interesse der Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit liegende Forderung, dem G e s a m m t b e t r a g e der kurzfälligen Verbindlichkeiten eine entsprechende Summe von Baarmitteln oder andern leicht und sicher realisirbaren Aktiven gegenüber zu stellen.

Diese schlimmen Zustände bei einzelnen Banken und die unter dem Abschnitt ^Rekurse und grundsätzliche Entscheide" erwähnten Erscheinungen konnten nicht verfehlen, in der öffentlichen Meinung Aufsehen zu erregen und die Zahl Derjenigen zu vermehren, welche dem Gedanken des Notenmonopols näher zu treten beginnen.

535 Aus den bisherigen Erfahrungen und Wahrnehmungen hat sich unstreitig ergeben, daß die Revision von einigen Punkten des gegenwärtigen Banknotengesetzes als angezeigt erscheint, und werden wir voraussichtlich bald in der Lage sein, diesbezügliche Vorschläge einzureichen.

Der durchschnittliche Diskontosatz an den vier schweizerischen Hauptplätzen Genf, Basel, Zürich und St. Gallen hat sich im Berichtjahr gegenüber dem Vorjahr nur unbedeutend gehoben. Selbst die früher so belebten Mai-, Martini- und Neujahrs-Epochen vermochten den Zinsfuß nur für kurze Dauer auf 3 Va und 4 °/o zu bringen.

Ueber die Diskontobewegung seit 1851 gibt die nachfolgende Tabelle Aufschluß.

Die Diskontobewegungen von 1851 bis 1885.

Frank-1 Belgien.» Italien.8 Schweiz.* England.'«' reich.

Durchschnitt von:

1851--1885 1851--1860 1861--1870 1871--1880 1881--1885 1885

>

o/o

°/o

°/o

o/o

3,87

3,66

5,27

4,14

3,82

4,40

4,16

3,86

5,32

4,18

4,ii

4,89

3,96

3,68

5,91

4,61

4,22

4,57

3,76

3,61

4,75

3,94

3,34

4,84

3,34,

3,74

4,89

3,51

3,40

4,23

o/o

2,92 4,13 3,00 3,28 5,33 3,09 Banque de France.

2 Banque nationale Belgique.

8 Banca nazionale.

4 Banque du Commerce, Genf; Bank in Basel; Bank in Zürich, bezw.

Zürcher Kantonalbank; Bank in St. Gallen.

5 Bank of England.

* Deutsche Reichsbank, bezw. Preußische Bank.

1

D. Eidgenössische Staatskasse.

Jahr

Der Gesammtverkehr der S t a a t s k a s s e betrug hu 1885: in Einnahmen .

. Fr. 115,762,682. 35 in Ausgaben . ,, 112,669,207. 72

Total Fr. 228,431,890. 07 oder gleich einem monatlichen Durchschnitt von Fr. 19,035,990. 84 oder gleich einem täglichen (zu 300 Arbeitstagen berechnet) von Fr. 761,439. 63.

536 In obigem Total befinden sich auch die blos durchlaufenden oder sog. Skripturposten im Gesammtbetrage von Fr. 43,010,352. 66.

Gegenüber 1884 ergibt sich eine Verkehrsvermehrung von Fr. 14,030,046. 18, welche hauptsächlich von der Ausführung des Bundesbeschlusses betreffend Erweiterung und Abänderung des Bundesgesetzes über die Anlage eidgenössischer Staatsgelder, d. d.

vom 26. Juni 1884 herrührt. In Folge dieses Beschlusses wurde nämlich eine bedeutende Anzahl schweizerischer Staatspapiere (Obligationen von verschiedenen Kantonen) veräußert und dafür ausländische Staatspapiere angekauft.

Die verschiedenen An- und Verkäufe dieser Papiere, sowie der Bestand der eidgenössischen Werthschriften und der verschiedenen Spezialfonds sind in einer besondern Uebersicht, unter Rubrik ,,Finanzkontrole", dargestellt und es wird hierorts auf diese Uebersicht verwiesen. Die unterpfändlich versicherten Kapitalien geben zu keinen weiteren Bemerkungen Anlaß, als daß wir den Zinsfuß sämmtlicher Hypothekartitel bis auf Weiteres auf 4 % herabsetzten.

Nach dreimonatlicher Verspätung soll jedoch die Verzinsung zu 4 1/2 % geschehen.

Die kraft des Gesetzes vom 16. März 1877 betreffend die Anlage eidgenössischer Gelder vorhanden gewesene sogenannte Kriegsmillion wurde zu Folge des vorerwähnten Bundesbeschlusses vom 26. Juni 1884 ganz aufgehoben und zur Anschaffung ausländischer Titel verwendet.

Gleich wie in den vorhergehenden Jahren und aus den gleichen Gründen wurde vom Rechte des Diskontirens von soliden SchweizerWechseln Gebrauch gemacht.

Der Stand des Wechselportefeuille war jeweilen folgender: Am 1. Februar 1885 .

. Fr. 2,833,059. 30 ,, 1. März ,, .

.

,, 3,156,672. -- ,, 1. April ,, .

.

,, 4,282,167. 70 ,, 1. Mai ,, .

,, 4,517,493. 59 ,, 1. Juni ,, .

.

,, 4,148,805. 48 " 1. Juli ,, .

.

,, 3,246,492. 65 ,, 1. August ,, .

,, 3,056,012. 47 ,, 1. September ,, .

,, 2,971,012. 47 ,, 1.Oktober ,, .

.

,,'2,251,520.80 .. 1. November ,, .

.

,, 2,180,687. 50 ,,' 1. Dezember .

.

,, 1,533,226. 70 ,, 31.

,, ,, ,, 2,619,590. 19 Der Ertrag der Wechsel belief sich auf Fr. 76,596. 36 gegenüber Fr. 68,196. 09 im Vorjahre.

537 Der höchste Diskontosatz war 3 Va %, im Vorjahre 31/2 % und der niedrigste 2 °/o, im Vorjahre1 3/4* °/o. Der durchschnittliche Ertrag ist 2 Va °/o.

Verluste sind auch dieses Jahr keine zu verzeigen.

Münzeinlösung.

Durch Bundesrathsbeschluß vom 6. Januar 1885 wurde der Termin zur Einlösung der Zwanzig-, Zehn- und Fünfrappenstücke alten Gepräges auf Ende des Jahres 1885 fixirt.

Es gingen zu Folge dessen An Zwanzigrappenstücken ,, Zehnrappenstücken ,, Fünfrappenstücken

ein: .

.

.

.

400,000 Stücke .

570,000 ,, . 1,060,000 ,,

An Billonmünzen neuer Prägung hat uns die eidg. Münzstätte die büdgetirte Summe abgeliefert, nämlich: An Zwanzigrappenstücken .

. 3,000,000 Stücke ,, Zehnrappenstücken .

. 3,000,000 ,, " Fünfrappenstücken .

. 3,000,000 ,, Mit Einschluß des Vorrathes auf Ende 1884 sind bis Ende 1885 nicht zur Ausgabe gelangt und ruhen in unserm Gewölbe an neuen Billonmünzen : An Zwanzigrappenstücken .

. 2,800,000 Stücke ,, Zehnrappenstücken .

. 2,700,000 ,, Fünfrappenstücken .

. 1,700,000 ,, " Der Münzauswechslungsdienst in klein Silber und Billon vorzeigt in Ein- und Ausgang einen Umsatz von Fr. 4,878,425. 26 in 2200 Posten.

Der schon letztes Jahr signalisirte Mangel an Silberscheidemünzen machte «ich auch 1885 geltend.

Der neue Münzvertrag, nach welchem der Schweiz eine Mehrprägung von Fr. 7,000,000 in Silberscheidemünzen zugestanden ist, wird dem Mangel an denselben abhelfen und zwar um so mehr, als die italienischen Silberscheidemünzen bei uns nun auch wieder in die Zirkulation zugelassen werden.

In der Ungewißheit, ob Belgien dem neuen Münzvertrag nachträglich beitreten werde, glaubten wir, Präliminarmaßnahmen zur Zurückleitung der silbernen Fünffrankenstücke genannten Staates ergreifen zu sollen. Sämmtliche Emissions- und die übrigen öffent-

538 liehen Banken, sowie die schweizerischen Hauptzoll- und Kreispostkassen und die kantonalen Staatskassen wurden daher um Zusendung ihrer Bestände ersucht und dieselben weiters begeben. Es waren schließlich nur noch die in Händen von Privaten befindlichen Stücke im Rückstand verblieben, zu deren schleunigster Einsammlung und Absendung nach Belgien wir die nöthigen Vorkehren ebenfalls getroffen hatten.

Die auf neue Rechnung vorgetragenen Postvorschüsse behufs Einlösung von Geldanweisungen belaufen sich auf die Summe von Fr. 1,070,000.

E. Pulververwaltung.

Die Erweiterung der nach dem System der Läuferwerke umgebauten Mühlen zu Lavaux, Worblaufen und Chur wurde im Berichtjahre derart gefördert, daß die Mühle zu Kriens, deren Unibau der zu geringen Betriebskraft wegen unthunlich war, ohne Einbuße an der bisherigen Leistungsfähigkeit aufgegeben werden konnte.

Von den ausgeführten Bauten sind hervorzuheben : ein Werkstattgebäude und ein Holzmagazin zu Lavaux, der Urnbau der Kohlenbrennerei und der Neubau eines Holzmagazins zu Chur; ferner die Wiederbestellung eines aus unermittelter Ursache zu Lavaux und eines infolge Fahrläßigkeit des betreffenden Arbeiters zu Chur explodirten Fabrikationsgebäudes. An neuen Maschinen und Apparaten wurden angeschafft und erstellt: zwei Walzenpressen, eine Schneidemaschine und ein Retortenofen mit beweglichen Verkohlungscylindern. Alle drei Mühlen bereiten nun die Pulverkohlen nach demselben Verfahren, verwenden für die Pulverfabrikation gleichartige Maschinen und stehen sich auch in Bezug auf quantitative Produktion gleich.

Von den Bestandteilen des Schießpulvers stehen Salpeter und Schwefel der Fabrikation in reiner resp. unveränderlich gleicher Qualität zur Verfügung, die Kohle dagegen zeigt im quantitativen Verhältniß ihrer Bestandteile und in den physikalischen Eigenschaften Verschiedenheiten, deren Ursache und Betrag zunächst mit den Temperaturdifferenzen des nicht durchaus gleichmäßig durchführbaren und deßhalb ungleich verlaufenden Verkohlungsprozesses im Zusammenhange stehen. Da die Qualität des Pulvers hauptsächlich durch die Kohle bestimmt wird, ist es also von größter Wichtigkeit, diese unvermeidlichen Differenzen der Kohlenbereitung, innert der Erfordernisse der verschiedenen Pulversorten, durch geeignete Auswahl des zu verkohlenden Materials und Ver-

539

vollkommnung der Verkohlungsapparate möglichst einzuschränken.

In letzterer Beziehung kann die Einführung der beweglichen Verkohlungscylinder bei der trockenen Destillation unzweifelhaft als ein Fortschritt bezeichnet werden, denn die Produkte dieser Verkohlung übertreffen in Bezug auf Gleichmäßigkeit der elementaren Zusammensetzung diejenigen der festliegenden Cylinder bedeutend und bleiben hinter denen der Dampfverkohlung wenig zurück.

Außer den bisher verwendeten Holzarten wurden zur Kohlenbereitung verschiedene andere Materialien beigezogen, von denen einzelne zwar brauchbare Resultate ergaben, ihrer schwierigen Beschaffung halber aber nicht ernstlich in Betracht kommen können.

Weitere Proben in dieser Richtung sind z. Z. noch im Gange.

Die Pulverfabrikation ergab: Jagd pul ver ' .

.

.

- k g . 15,741 Gewehrpulver .

.

.

.

,, 54,302 Kanonenpulver ,, 85,347 Sprengpulver . . . . , , 216,953 Zusammen kg. 372,343 Außerdem wurden verschiedene Probe-Muster an Gewehr- und Kanonenpulver angefertigt; bezüglich des erstem namentlich in der Absicht, eine größere Geschoßgeschwindigkeit zu erreichen, was zwar ohne Schwierigkeit gelingt, aber nur unter Einbuße an Präzisions-Leistung.

Die Munitionskontrole übernahm und plombirte als den Vorschriften entsprechend : kg. 46,100 Gewehrpulver, kg. 94,250 Knonenpulver und kg. 1100 Jagdpulver Nr. l und 2 für Revolverladungen und Shrapnelfüllung.

Die Explosion zu Lavaux kostete einem Arbeiter das Leben.

Der [unterlassene Vater desselben, der, wie es scheint, auf die Unterstützung des Verunglückten angewiesen war, erhielt die von ihm selbst geforderte Entschädigung von Fr. 4000.

F. Eidgenössische Münzstätte.

Für das Berichtjahr waren gesehen worden : 3,000,000 Zwanzigrappenstücke 3,000,000 Zehnrappenstücke 3,000,000 Fünfrappenstücke 9,000,000 Stück im Nennwerthe

im Voranschlag zur Prägung vorim Nennwerthe von Fr.

,, ,, ,, ., ,, ,, ,, ,,

600,000 300,000 150,000

von Fr. 1,050,000

540

Dieses Quantum wurde vollständig ausgemünzt und an die Bimdeskasse abgeliefert. Das Gesammtgewicht der dazu verwendeten Metalle beträgt 270 metrische Zentner mit einer Kostensumme von Fr. 314,640. 13.

Der Fabrikationsausweis stellt sich wie folgt: Zwanzigrappen.

Vorrath von 1884 .

. kg.

208,450 Ankauf von Plättchen .

. ,, 11,783,400 kg. 11,991^850 Gewicht der geprägten und abgelieferten Stücke Fabrikationsabgang 0,2 °/oo Vorrath auf N. R

kg. 11,986,100 ,, 2,350 ,, 3,400 kg. 11,991,850

Zehn- und FUnfrappen.

Vorrath von 1884 .

. kg.

488,000 Ankauf von Plättchen .

. ,, 14,837,590 kg. 15,325,590 Gewicht der gemünzten und abgelieferten Stücke Fabrikationsabgang .

.

.

.

.

.

Vorrath auf N. R

kg. 14,994,101 .

1,489 ,, 330,000 ~kg. 15,325,590

Nachdem nun seit dem Jahre 1879 fast ausschließlich Billonmünzen geprägt worden sind, scheint uns der Bedarf an solchen soweit gedeckt, daß eine Unterbrechung in der Anfertigung unbedenklich eintreten darf.

Die Ankaufskosten des Metalles stellen sich etwas niedriger als im Vorjahre; die Reinnickelplättchen wurden um 50 Rappen per kg., also statt um Fr. 20 um Fr. 19. 50, und die legirten Plättchen um 20 Rappen niedriger, also statt um Fr. 5. 60 um Fr. 5. 40 geliefert.

Alte, außer Kurs gesetzte Silbermünzen gelangten im Berichtjahre keine an die Münzstätte. Ein kleineres, zu Nebenarbeiten benöthigtes Quantum Silber wurde zum Preise von Fr. 183. 21 inklusive Spesen per kg. fein beschafft. Da in Zukunft die Zwanzigfrankenstücke und eventuell auch die Fünffrankonstücke zum

541

größeren Schutze gegen Nachahmungen mit Randschrift geprägt werden sollen, so wurde zu diesem Zwecke eine neue Prägmaschino (System Tonnelier) angeschafft, wofür, sowie für einige andere Einrichtungen, die Bundesversammlung einen besonderen Kredit von Fr. 30,000 bewilligte.

Da der Schweiz infolge des unterm 21. Dezember vorigen Jahres ratifizirten neuen lateinischen Miinzvertrages eine Mehrprägung von 7 Millionen Franken Silberscheidemüozen gestattet ist, wovon im laufenden Jahre 3 Millionen angefertigt werden sollen, so haben wir auch eine Erneuerung der schadhaft gewordenen Schmelzöfen, sowie die Erstellung von zwei Muffelöfen zum Glühen der Metalle für nothwendig erachtet und die Arbeit im Berichtjahre ausführen lassen.

Werthzeichenfabrikation.

Diese seit 5 Jahren in der Münzstätte eingerichtete Fabrikation umfaßt das Gummiren, Schneiden und Perforiren sämmtlicher Postmarken. Der Verbrauch derselben nahm im Berichtjahre wieder etwas zu, indem im Ganzen W5llz Millionen Marken verarbeitet wurden gegenüber 99 Millionen im Vorjahre.

Große Schwierigkeiten verursacht gegenwärtig die Beschaffung des Gummi, dessen Preis infolge der Kriege in Egypten in den letzten zwei Jahren um mehr als 100 % gestiegen ist.

Nebenarbeiten.

Die bedeutendste Nebenarbeit war die Anfertigung von Schützenthalern für das eidg. Schützenfest in Bern.

Weitere Nebenarbeiten bestanden, wie gewohnt, in der Anfertigung von silbernen und bronzenen Medaillen, Erstellung von Siegeln und Farbstempeln für die Bundeskanzlei und für die Zollbehörden, Taxwerthstempeln für die Postverwaltung etc.

Falsche Mlinzen.

Die Direktion untersuchte auch im Berichtjahre eine nicht unbeträchtliche Anzahl verdächtiger Münzen und gab darüber Gutachten ab. Gefälschte s c h w e i z e r i s c h e Münzen kamen keine vor.

Periodisch treten immer wieder falsche französische Zwanzigfrankenstüeke auf; dieselben sind im Gewichte genau justirt, bestehen aus vergoldeten Platinplättchen und sind mit falschen Stempeln vorzüglich geprägt. Solche Stücke müssen als höchst gefährlich bezeichnet werden.

542 Personelles.

Im Bestände der Arbeiter trat im Berichtjahre keine Aenderung ein. Die Anstalt beschäftigte für die Münzfabrikation 9 Arbeiter und für die Werthzeichenfabrikation 3 Arbeiter und 3 Arbeiterinnen.

MUnzkommissariat.

Dem Münzkommissariat wurden im Laufe des Berichtjahres im Ganzen 90 Münzwerke zur Verifikation übergeben, wovon 30 Zwanzig-, 30 Zehn- und 30 Fünfrappenstücke, deren Resultat in nachstehender Uebersicht enthalten ist.

Durchschnitt des Gewichtes der im Jahre 1885 geprägten Münzen.

·M..

, Munzsorte.

Mittleres Gewicht pM> kg_

Zwanzigrappenstücke Zehnrappenstücke Fünfrappenstücke

0.998842 0.999759 0.999380

Abweichungen im Gewicht.

« Weniger.

Mehr _

-- -- --

0.001158 0.000241 0.000620

II. Zollverwaltung.

Ergebnisse im Allgemeinen.

Die Roheinnahmen der Zollverwaltung beziffern sich pro 1885, nicht eingerechnet die statistischen Gebühren, in Betreff welcher wir auf den Abschnitt ,,Handelsstatistik"' dieses Berichtes verweisen, auf Fr. 21,063,279.41. Es ist dieß das zweithöchste Erträgniß der Zölle seit dem Bestehen des eidg. Zollwesens, einzig überstiegen durch das Ergebniß des Jahres 1884 mit Fr. 21,486,577. 59, hinter welchem die Einnahmen von 1885 somit um Fr. 423,298. 18 zurückgeblieben sind.

Wenn man berücksichtigt, daß vor dem Inkrafttreten des neuen Zolltarifs auf 1. Januar 1885 aus Grund der in demselben enthaltenen Zollerhöhungen sehr beträchtliche Waareneiufuhren noch im Jahre 1884 stattgefunden haben, so läßt das erste Jahr des neuen Zolltarifs darauf schließen, daß, bei sonst gleichen Verhältnissen, das Jahr 1886, nachdem die erwähnten antizipirt eingeführten Waarenvorräthe aufgebraucht sind, sich als ein annähernd normales darstellen werde.

Die Zollbezugskosten betrugen 1885 8,27 % der Roheinnahmen gegenüber 7,666 % für das Jahr 1884; jenes Resultat ist einerseits auf die Mindereinnahme pro 1885 zurückzuführen ; andererseits erklärt es sich durch vermehrte Verwaltungskosten infolge der Verstärkung des Personals, welche sowohl im Bestände der Grenzwacht-

543 mannschaft mit Rücksicht auf den neuen Zolltarif, als bei den Zollgebietsdirektionen und Zollstätten mit Rücksicht auf die Anforderungen der Handelsstatistik nothwendig geworden war. Die Ausgaben für das handelsstatistische Bureau in Bern sind in den pro 1885 Fr. 1,742,010.49 betragenden Nettoausgaben der Zollverwaltung für den Zollbezug nicht Inbegriffen, sondern es werden dieselben aus dem Ertrag der statistischen Gebühren bestritten (s. unter ,,Handelsstatistik").

Von denjenigen Artikeln, welche im neuen Zolltarife eine Erhöhung der frühem Ansätze erfahren haben, erweisen die nachstehend genannten die größten Minusdifferenzen gegenüber 1884 : Mindereinnahme.

1885.

Apotheker- und Drogueriewaaren, nicht speziell genannte Fr. 13,466 Thee ,, 6,587 Zucker .

.

.

.

.

.

.

.

.

.

. 254,143 Baumwollgewebe, gebleicht, gefärbt .

.

···>·> 32,009 "Tr" 306,205 Der Artikel Zucker allein macht somit schon ca. 60 °/o der Einnahmen Verminderung von Fr. 423,298.18 aus.

Das Nähere betreffend das p.echnungsergebniß der Zollverwaltung pro 1885 ist unserin Spezialbericht zur Staatsrechnung zu entnehmen.

Verkeilung der Zolleinualimen auf die einzelnen Kollgebiete.

I. Gebiet (wichtigste Verkehrspunkte Basel. Pruntrut-Waldsnut) II. Gebiet (Komanshorn, Schaffhansen, Konstanz, Singen, Erzingen, Niederlagshaus Zürich) III. Gebiet (St. Margrethen, Rorschach, -Buchs, Niederlagshaus S t . Gallen) .

.

.

.

IV. Gebiet (Chiasso, Luino.Locarno) V. Gebiet (Verrières, Vallorhes, Loele,Niederlagshäuser Morges nnd Lausanne) .

.

.

VI. Gehiet (Genf, Moillesulaz, Perly)

1885.

Fr.

1881.

Fr.

Differenz.

1885.

Pr.

8,760,696.17 9,090,207.64--329,511.47 3,488,155. 42 3,638,053.12 --149,897. 7Ü 2,708,007.06 2,022,253.22 + 685,753.84 1,367,134. 21 1,594,470. 32 -- 227,336.11 1,783,750.16 1,852,964.40 -- 69,214.24 2,955,536.39 3,288,628.89--333,092.50

Total 21,063,279.41 21,486,577. 59 -- 423,298.18

544 Die starke Zunahme des Verkehrs im HI. Zollgebiet fällt auf Rechnung der Arlbergbahn, seit deren Biröönung eine gewisse Verschiebung des Verkehrs eingetreten ist.

I. Zolleinnahmen.

Die Zolleinnahmen haben lietragen : 1 ) a n Einfuhrzöllen .

.

.

. 1885 1884 Mehrertrag an Einfuhrzöllen .

F r . 20,792,904. 9 6 ,, 20,741,533. 49

.

1885

Fr.

51,371. 47

.

1885 1884

Fr.

,,

123,420. 9 1 590,529. 57

. 1885

Fr.

467,108. 66

.

1885 1884

Fr.

,,

-- 10,340. 95

1885

Iv!

10,340. 95

1885 1884

Fr.

,,

146,953. 54 144,173. 58

Mehrertrag an diversen Einnahmen 1885

Fr.

2,779. 96

2 ) a n Ausfuhrzöllen .

.

.

Minderertrag an Ausfuhrzöllen 3) an Durehfuhrscheiugebühven .

n

Ausfall pro 4) an diversen Einnahmen (Niederlagsgebühren, Bußen, Untermiethen, etc.)

Aus obigen Zahlen geht hervor, daß der durch gänzliche Abschaffung der Durchfuhrscheingebühren und durch die Beschränkung des Ausfuhrzolles auf eine geringe Anzahl Artikel (Thiere, rohe Felle und Häute, frisches Fleisch, Gerberrinde, Lumpen etc.) entstandene große Ausfall von rund Fr. 477;000 durch den Ertrag der Einfuhrzölle pro 1885 nahezu ausgeglichen worden wäre, wenn nicht 1884 unmittelbar vor Jahresschluß die bereits Eingangs erwähnte Mehreinfuhr solcher Artikel stattgefunden hätte, die der auf 1. Januar 1885 in Kraft getretene neue Tarif mit erhöhten Zöllen belegt.

II. Waarenverkehr.

Eine detaillirte vergleichende Uebersicht des Waarenverkehrs pro 1884 und 1885 kann nicht aufgestellt werden. Einmal würde schon die gänzliche Umgestaltung der Tarifkategorien, Vereinigung

545

von Waarengattungen, die früher verschiedenen Positionen angehört hatten oder, umgekehrt, Trennung solcher, die im alten Tarif in einer Gruppe vereinigt gewesen waren, eine derartige Vergleichung für viele Artikel unmöglich machen; sodann ist die Basis für die statistischen Anschreibungen eine andere, nachdem mit 1. Januar 1885 das N e t t o g e w i c h t der Waaren in Berechnung kommt, während bis und mit 1884 sämmtliche Aufzeichnungen auf dem B r u t t o g e w i c h t vorgenommen worden sind.

Um nun gleichwohl den Waaren verkehr pro 1884 und 1885 wenigstens einigermaßen, kategorienweise, mit einander vorgleichen zu können, hat unser Zolldepartement pro 1885 aus den Kornptabilitätebelegen der Zolldirektionen für die Einfuhr das Bruttogewicht ausmitteln lassen ; für die Ausfuhr war dies nicht ausführbar in Folge Abschaffung des größten Theils der Ausfuhrzölle, es mußten somit pro 1885 die Ausfuhrquantitäten nach dem Nettogewicht verzeichnet werden.

Die Resultate der fraglichen Zusammenstellung sind der nebenstehenden Tabelle zu entnehmen.

Beireffend die in früheren Geschäftsberichten mitgetneilten Uebersichten des direkten Transitverkehrs, sowie des Transitverkehrs mit Geleitscheinabfertigung auf 6 Monate fili- die sogenannten Partiegüter (Baumwolle, Farbhölzer, G-etreide, Kaffee, Mais, Mehl, Oele, Fette, Petroleum, Reis, Seide, Wolle, Zucker) verweisen wir auf die Jahrestabellen des Waarenverkehrs der Schweiz, da die diesfälligen Aufzeichnungen pro 1885 für die Bin- und Ausfuhr nach Mitgabe der Bestimmungen des neuen statistischen Waarenverzeichnisses vorgenommen wurden.

III. Niederlagsverkehr.

Der Ertrag der Niederlagsgebühren beziffert sich : pro 1885 auf .

.

. F r . 32,621. 43 ,, 1884 ,, .

.

. ,, 35,345. 52 Mindereinnahme pro 1885

Fr.

2,724. 09

Da nunmehr der Niederlagsverkehr ebenfalls nach dem gleichen Maßstab wie die übrigen Verkehrsarten statistisch angeschrieben wird, verweisen wir auch hier, sowie gleichzeitig in Betreff des Freipaßverkehrs, auf die handelsstatistisehen Jahrestabellen.

Das eidgenössische Niederlagshaus für Wein in Luzern, dessen Eröffnung im letztjährigen Berichte gemeldet wurde, hat auch im

Zur Seite 545.

Vergleichende Uebersicht des

Waahrenverkehrs pro 1884

und 1885.

Einfuhr.

I.

II.

Ausfuhr.

Kategorien.

Nr.

Abfälle u n d Düngstoffe .

.

.

.

.

Chemikalien : A. Apotheker- und Drogueriewaaven B. Chemikalien für gewerblichen Gebrauch .

C . Farbwoaren .

.

.

.

.

.

III.

Glas

IV.

Hol/,

.

1884.

1885.

1884.

1885.

q. brutto.

q. brutto.

q. brutto.

(j. netto.

389,815

500,474

234,698

32,413 411,697 75,001 59,464

28,715 372,204 86,989

10,370 71,651 28,351

59,409

1,289

2,026,582

1,812,575

112,862 Fr.

7,387,453

t

149,168 7,377 62,895 !

21,816 789 1,462,749

q. brutto.

V.

VI.

VII.

VIII.

239,594

Landwirthschaftliche Erzeugnisse

46,627

45,04(5

11,756

8,0(53

1 5,080

8,290

.

28,235

172,140 27,905

Literarische, wissenschaftliche und Kunst-Gegenstände

19,52?

17,172

1,781

1,884

( 1,844 { [

69,335

215,787 (

Leder

.

.

.

.

.

.

.

Mechanische Gegenstände: A . Uhren

.

.

.

.

.

.

.

-

61,531

B. Maschinen, nicht genannte, Ackergeräthe .

Fr.

{

462,275

527,283

l

q. brutto.

17,903

q. brutto.

22,071

946,918 17,444 1,294 14,225 3,972 1,425 5,91.5 9,695,530

1,053,895 17,484 843 14,563 4,351 1,927 14,126 9,001,904

762 85,121 3,803 216 396 119 249 652 978,442

6,844,871

6,164,991

f 852,642 ] (

Fr.

Maschinen, Fahrzeuge, Schiffe .

IX.

Metalle : A. Blei B. Eisen C. Kupfer D. Nickel E. Zink F-.--Zmn

X.

XL

XII.

xur.

XIV

XV.

XVI.

XVII.

G. Edle Metalle H. Erze und Metalle, verschiedene Mineralische Stoffe .

.

.

.

Nalmings- u n d Genußmittel

.

.

Oele und Fette Papier .

.

.

.

Spinnstoffe: A . Baumwolle .

.

.

.

B . Flachs, Hanf, Jute, etc. .

.

C. Seide D. Wolle, rein oder gemischt E. Kautschuk und Guttapercha F. Stroh, Rohr, Bast, etc G. Konfektioos- und Modewaaren .

Thiere und thierische Stoffe: A. Thiere B. Thierische Stoffe Thonwaaren .

.

Verschiedene Waaren

.

.

.

.

^,,

* Bier, Branntwein und Wein in Fässern.

.

.

.

.

.

.

.

102,769 1,904 102,186 3,951 395 916 165 1,480 464

614,489 585,482 Liter.

2,7 53,229 *

127,590 60,960

9,1 58

q. netto.

7,065

97,015

136,624

355,902 55,043 49,192 73,525 1,900 18,988 17.830

301,366 48,346 42,957 72,562 2,052 19,727 16,337

253,050 6,358 64,786 26,471 1,162 5,921 2,631

210,933 5,680 48,383 21,719 2,026 5,610 2,686

Stück.

Stück.

223,783

q. brutto.

23,484

q. brutto.

24,828

.

272,467 20,259

225,885 20,480

q. brutto .

q. netto Werth Fr. .

Stück .

Liter .

21,990,692 -- 462,275 31«,794

20,408,047 -- 527,283 223,783

.

a. netto.

150,245 56,719

316,794

.

.

(

.

437 Stück.

3,559,937 9,220

--

Stück.

102,751 q. brutto.

44,132 137,845 3,987 3,325,233 __ 7,387,4.W 102,751 -

·

Stück.

109,312 q. netto.

46,626 125,155 1,076 -- 3,794,414

3,ti7H,4ti9 2,753,229

546

Jahre 1885 noch nicht dea gehofften Verkehrsaufschwung aufzuweisen, ungeachtet seine centrale Lage ihm gegenüber andern eidgenössischen Niedeiiagshäusern von sehr wesentlichem Vortheil sein sollte. Es mag sich dies zum Theil daher erklären, daß in Piémont die Weinlese von 1884 quantitativ sehr gering, dagegen qualitativ gut ausgefallen ist, was eine erhebliche Steigerung der Preise zur Folge hatte, die lähmend auf die Ausfuhr wirkte.

Auch das eidgenössische Niederlagshaus für Waaren jeder Gattung im Bahnhof von Buchs (Rheinthal) scheint keinem großen Bedürfnisse zu entsprechen, indem es bis jetzt nur einen äußerst ininimen Verkehr hatte, so minirn, daß zwei einzige Niederlagsscheine ausgestellt worden sind.

Das Niederlagshaus in Chiasso wurde scheinbar bedeutend stärker als im Vorjahre benutzt ; die Bewandtniß davon liegt jedoch einzig darin, daß daselbst eine starke Partie alter, nach Afrika bestimmter Gewehre eingelagert wurde.

Wie im Geschäftsbericht der Zollverwaltung pro 1883 (Bundesblatt 1884, II, 553) gemeldet wurde, ist in den Lagerhäusern der Gesellschaft der Kornhalle im Bahnhof Genf eine eidgenössische Niederlage von Wein und andern Getränken, auf dem gleichen Fuße, wie die eidgenössischen Niederlagshäuser organisirt sind, den 1. Juni 1883 eröffnet worden.

Die Direktion jener Gesellschaft hat nun, befürwortet durch die Handelskammer von Genf und die Regierung von Genf, im Jahre 1885 das Gesuch eingereicht, es möchte jene Niederlagsbowilligung auf Kaufmannswaaren jeder Gattung ausgedehnt werden.

In Würdigung der sowohl von dem Staatsrathe von Genf als von den Petenten geltend gemachten Verkehrsinteressen wurde dem Gesuche entsprochen und einer diesfalls mit der Direktion der Kornhalle und der allgemeinen Lagerhäuser von Genf abgeschlossenen Uebereinkunft unsere Genehmigung ertheilt. Zufolge dieser Vereinbarung werden die Lagerräume und ein als annehmbar befundenes Lokal für ein Zollbüreau mit Beleuchtung und Beheizung unentgeltlich der Zollverwaltung zur Verfügung gestellt und dieser nebstdem die Besoldungskosten des Zolldienstes durch die Gesellschaft der Lagerhäuser vergütet. Letztere übernimmt ferner alle Verantwortlichkeit für die eingelagerten Niederlagsgiiter und haftet der Zollverwaltung für die Bezahlung der Zollgebühren. Im Uebrigen steht diese eidgenössische Niederlage unter den Bestimmungen der Vollziehungsverordnung zum Zollgesetz von 1881, betreffend die eidgenössischen Niederlagshäuser.

547 Die Eröffnung dieser Einrichtung wurde auf den 1. März 1886 festgesetzt.

IV. Freipaßverkehr.

Im Veredlungsverkehr mittelst Freipaßabfertigung, für dessen nähere Ergebnisse wir auf die Jahrestabelle der schweizerischen Waarenstatistik verweisen, spielt besonders die Stickerei eine große Rolle.

Ostschweizerische Industrielle senden massenhaft Gewebe zum Besticken nach Oesterreich und Deutschland, wogegen der Verkehr in umgekehrter Richtung ein schwacher ist. So gelangten z. B. im Jahre 1885 nur 630 q. in die Schweiz zum Besticken, Bleichen und Appretiren, während 9990 q. behufs dieser Bearbeitung nach dem Ausland gesandt wurden.

Dagegen ist die Schweiz ein stark besuchtes Gebiet für Sömmerungs- und Winterungsvieh aus dem Ausland, während dieser Verkehr in entgegengesetzter Richtung unbedeutend ist.

Auch der Freipaßverkehr mit Handelsmustern weist nach, daß die Schweiz enorm mehr von Handelsreisenden aus dem Ausland besucht wird, als das Ausland von Handelsreisenden aus der Schweiz.

Ueberhaupt zeigen die Ergebnisse unserer Handelsstatistik (s. Tabelle des Spezialhandels und des Generalhandels im Abschnitt ,,Handelsstatistik") deutlich, wie sehr die Schweiz ein ergiebiges Absatzgebiet für das Ausland ist, welches hinwieder dem Exporthandel der Schweiz je länger je schwieriger zugänglich wird.

Bundesblatt. 38. Jahrg. Bd. I.

548

V. Personelles.

N u m e r i s c h e r Bestand des Personals der Z o l l v e r w a l t u n g a m S c h l ü s s e d e s J a h r e s 1885.

Bestand auf den 31. Dezember 1885.

1884.

Beamte.

Angestellte nnd Bedienstete.

Oberzolldiroktion . . . 2 5 Bei 6 Gebietsdirektionen . 3 6 Bei 255 Zollstätten . . . 326 Bei 24 Zollbezugsposten .

-- (Grenzwächter 9 u. Landjäger 3, siehe unten.)

Chefs des eidgenössischen Grenzwachtkorps in den Kantonen Schaffhausen, Thurgau,£ürich,St.Galleu, Tessin, Neuenburg, Genf und Wallis . . . .

4 Chef der kantonalen Landjägermannschaft für den eidgenössischen Grenzwachtdienst im bernischen Jura und der eidgenössischen Grenzwachtmannschaft im Kt. Solothurn 1 Eidgenössische Grenzwächter (von diesen verwendet: 19 gleichzeitig als Einnehmer, 9 gleichzeitig an Zollbezugsposten") . -- KantonaleLandjäger im eidgenössischen Dienst (von diesen verwendet: 32 gleichzeitig als Einnehmer, 3 an Zollbezugsposten, 3 als Büreauaushülfe, l als Aufseher bei einer Zollstätte ' -- 3 9 2 5 899 Vermehrung 81 im Jahre 1885.

Beamte.

Angestellte und Bedienstete.

l 7 121 12

9 32 309 --

--

4

--

l

--

--

212

239

7 99 14

127 -- 131 0 7 3 5 5 4 6 3 ~ 818

549

Stellenerledigungen gebieten 57 vor, und zwar: 8 durch Tod (worunter l 26 ,, Entlassungsgesuch 16 ,, Wegweisung aus wächter), 7 ,, Beförderung oder l l l Ì l l l l \ 5

kamen im Jahr 1885 in den ZollGrenzwächter), (worunter 4 Grenzwächter), dem Dienst (worunter 12 GrenzVersetzung.

A u f g e h o b e n wurden:Floßkontrolstelle in Laufenburg (infolge Aufhebung des Holzausfuhrzolles seit Inkrafttreten des neuen Zolltarifs), Koutroleurstelle in Locle (ersetzt durch eine Gehülfenstelle), Gehülfenstelle bei der Zollstätte Lugano, Büreauaushülfestelle in Thayngen, Bahnhof (ersetzt durch eine Aufseherstelle), Aufseherstelle in Chiasso, Bahnhof, ,, ,, Genf, Port franc, Zollbezugsstelle in Buchenloo (umgewandelt in eine Nebenzollstätte), Zollbezugsstelle in Ellikon (ersetzt durch Grenzwächter-Zollbezügerstelle), Floßaufseherstelle in Rheinsulz (infolge Aufhebung der /ollstätte), kantonale Grenzjägerstellen im Kanton St. Gallen.

K r e i r t wurden: 3 Revisorenstellen bei der Oberzolldirektion (eine beim Rechnungswesen, zwei bei der handelsstatistischen Abtheilung), 13 Kanzlistenstellen bei der Oberzolldirektion (handelsstatistische Abtheilung), l Abwartenstelle bei der Oberzolldirektion (handelsstatistische Abtheilung), l Civil-Einnehmerstelle in Buchenloo (Umwandlung des Zollbezugspostens), 1 Kontroleurstelle in Basel, C. B. (Vorstation Wolf), 2 Gehülfenstellen bei der Zolldirektion Basel, l Gehülfenstelle in Pruntrut, l ,, ,, Basel, C. B., P. V., l

,,

,,

,,

.,,

tr. V.,

550

2 Gehülfeustellen in Basel, Badische Bahn, l Gehülfenstelle im eidg. Niederlagshaus Basel, l ,, bei der Zollstätte Waldshut, l ,, ^ ,, ^ Schaffhausen, Bahnhof, l ,, ,, ,, ,, ,, am Rhein, l ,, ,, ,, ,, Singen, l ,, im eidg. Niederlagshaus Zürich, 1 ,, bei der Zolldirektion Chur, 2 Gehülfenstellen bei der Zollstätte St. Margrethen, Bahnhof, l Gehülfenstelle ,, ,, ,, Buclis, Bahnhof, l ,, Chiasso, ,, fl fl fl l ,, ,, ,, ,, Locle, ,, (in Ersetzung der aufgehobenen Kontroleurstelle), l Gehülfenstelle bei der Zolldirektion Genf, l ,, ,, ,, Zollstätte Genf, Port franc, I n n * n n Bahnhof, G . V., l Büreau-Aushülfsstelle in Laufenburg (in Ersetzung der eingegangeneu Floßkontrolstelle), l Visiteur-Aushülfs>telle in St. Galleu, Entrepôt, l Landjäger-Büreauaushülfsstelle in Puschlav, l Aufseherstelle in Basel, C. B., P. V., l ,, -n -n Badische Bahn, l ,, ,, Thayrigen, Bahnhof (ersetzt die aufgehobene Büreauaushülfe), l Aufseherstelle in Singen, Bahnhof, l ,, ' ,, Genf, am See, l ,, ,, Moillesulaz, l ,, ,, Corsier, l ,, ,, Croix de Rozon, l ,, ,, Sacconnex, l Grenzwächter-Zollbezügerstelle in Ellikon (ersetzt dio bisherige Civil-Zollbezugsstelle), 27 eidgenössische Grenzwächterstellen iu den Kantonen Genf, Wallis, St. Gallen und Neuenburg.

551 VI. Oberzolldirektion und Zollgebietsdirektionen.

Behufs Eintritts in eine Anstellung im Ausland hat Hr. Manuel, Oberzollrevisor seit dem November 1882, um seine Entlassung von dieser Beamtung auf Ende Februar 188t> nachgesucht, und es ist ihm dieselbe unter angemessener Verdankung der geleisteten Dienste bewilligt worden. Zu seinem Amtsnachfolger wurde Hr. Kollier, seit 1879 Kontroleur und seit 1884 Einnehmer der Hauptzollstätte Romanshorn, gewählt.

Dem Oberzollrevisor, welchem die Oberleitung der mit Beginn des Jahres 1885 eingeführten schweizerischen Waarenstatistik übertragen ist, wurde auf den nämlichen Zeitpunkt ein Rechnungsrevisor beigegeben.

Die Büreauabtheilung für die Waarenstatistik wurde bestellt aus 4 Revisoren (Abtheilungschefs"), 3 Kanzlisten erster und 9 Kanzlisten zweiter Klasse und einem Ausläufer, im Ganzen 17 Mann.

Mit dem 1. April 1885 hat eine neue dreijährige Amtsdauer des Beamtenpersonals der Zollverwaltung begonnen.

Bei den diesfälligen Wahlen wurden etliche Versetzungen vorgenommen , wodurch gewisse Mißstände , durch welche dieselben theilweise hervorgerufen worden waren, beseitigt sind.

VII. Zollstätten.

Für die Erstellung eines Zollhauses in La Bouège am Doubs, bei Noirmont (Kant. Bern), hatte die Bundesversammlung im Budget pro 1884 Fr. 10,000 bewilligt; wegen übertriebener Forderung seitens der Grundeigentümer für den Bauplatz mußte jedoch der Bau vorläufig unterbleiben.

Im Laufe des Jahres 1885 zeigte sieh Gelegenheit, neue Kaufsunterhandlungen anzuknüpfen. die diesmal von Erfolg begleitet waren. Der nöthige Bauplatz wurde für Fr. 550 einschließlich der Handänderungsgebühren erworben, (ür welche Ausgabe wir einen Nachtragskredit nachgesucht und erhalten haben.

Die Ausführung der Baute fällt in das kommende Jahr.

In La Goule am Doubs (beru. Jura) wurde das Haus, in welchem die Zollstätte sich befindet, zum Verkauf ausgeboten. Für die Zollverwaltung hätte es mehrfache Nachtheile auf sich gehabt, wenn diese Gebäulichkeit in andere Hände übergegangen wäre und der Zolldienst aus derselben halte wegverlegfc werden müssen.

552

Nach langem Verhandlungen gelang es, jene Gebäulichkeit, für welche anfänglich ein Preis von Fr. 8000 gefordert worden war, für Fr. 6200 anzukaufen. Die Handänderungsgebühren beliefen sich auf Fr. 300. Für diese Erwerbung ist uns ein Nachtragskredit pro 1885 bewilligt worden.

Für den Bau der Bahnstrecke Genf-(Vollandes)Annemasse sind uns seitens des Staatsrathes von Genf die Pläne zur Einholung unserer Genehmigung vorgelegt worden.

Da das Trace dieser Bahnlinie keine bereits bestehende Zollstätte berührt, so hat der Art. 19 des Zol.gesetzes Anwendung zu finden, wonach die Bin- und Ausfuhr aller zollpflichtigen Gegenstände nur bei den festgestellten Zollstätteu geschehen darf und für Ausnahmen von dieser Regel eine ausdrückliche Bewilligung des Bundesrathes nöthig ist.

Wir haben die Ertheiluug unserer Bewilligung für den an der genannten Linie einzurichtenden Zolldienst, nämlich bei ChêneBourg und Vollaudes, an gewisse, näher stipulirte Bedingungen geknüpft, auf der Grundlage, daß der Zollverwaltung alle erforderlichen Diensträumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung gestellt und auch die nothwendigen Wohnungen für das Zollpersonal gegen Entrichtung eines verhältnißmäßigen Miethzinses beschafft werden.

Es sind die diesfälligen Bedingungen von dem Staatsrathe von Genf angenommen worden.

Das Zollbüreau im eidgenössischen Niederlagshaus zu Aarau ist in der Nacht vom 18. auf den 19. Alai seiner Kasse beraubt worden.

An Zollgeldern hatte die Kasse am betreffenden Tagesabschlusse Fr. 1320. 74 enthalten.

Der oder die Urheber dieses Einbruches sind ungeachtet der polizeilichen Nachforschung bis jetzt unermittelt geblieben.

Wir haben die Ermächtigung ertheilt, den Betrag der entwendeten Zollgelder unter der Ausgabenrubrik der Zollverwaltung VI. 2. e. zu verrechnen, nachdem festgestellt worden war, daß den Zolleinnehmer in Aarau keinerlei Schuld an dein Vorgefallenen treffen kann.

VIII. Grenzschutz.

Der im letztjährigen Geschäftsbericht (Bundesblatt 1885, II, 021) erwähnte neue Vertrag mit dem Kanton St. Gallen, betreffend den

553

zollamtlichen Grenzwachtdienst, ist mit dem 1. Januar 1885 in Kraft getreten.

Im Laufe des Jahres traten Anzeichen von gewerbsmäßigem Schmuggel auf dem untern Theile der st. gallischen Rheingrenze, sowie auf dem See in der Gegend von Rorschach hervor, weßhalb eine Verstärkung der Grenzwachtmannschaft nöthig wurde, in Verbindung mit welcher es möglich war, eine wirksamere Organisation des Grenzwachtdienstes auf jenem Grenzgebiete zu treffen.

Wie schon in frühern Geschäftsberichten berührt worden ist, besteht gewerbsmäßiger Schmuggel hauptsächlich an der Grenze des Kantons Genf, begünstigt durch das zollfreie Zonengebiet, welches sich längs derselben erstreckt, sowie durch die Beschaffenheit des Grenzgebietes, welche eine hinlänglich wirksame zollamtliche Ueberwachung desselben äußerst schwierig macht, ungeachtet die Grenzwachtmannschaft bei der Einführung des neuen Zolltarifs erheblich verstärkt worden ist und die direkte Leitung ihres Dienstes in sehr tüchtigen und erprobten Händen liegt.

Der bedeutendste Straffall, welcher zur Entdeckung gelangte, mag hier Erwähnung finden.

Der eidgenössische Grenzwachtchef im Kanton Genf hatte ausfindig gemacht, daß Schmuggel von Manufakturwaaren von der benachbarten französischen Ortschaft St. Julien her im Gange sei.

Seinen umsichtigen Anordnungen und dem Eifer der Mannschaft gelang es, am 2. November, Morgens gegen 3 Uhr, zwei einspännige, mit Wollen- und Leinengeweben beladene Wagen abzufassen, deren Ladungen, auf welchen ein Zoll von Fr. 192 haftete, eingeschmuggelt worden waren. Daß es sich um eine vorbedachte Schmugglerexpedition handle, stand außer Zweifel, da die Wagen, außer den Fuhrleuten, von mehreren mit Knütteln versehenen Individuen begleitet waren. Letztere zogen sich indessen vor der entschlossenen Haltung der Grenzwächter zurück und begaben sich davon.

Der Fall erhielt seine Erledigung durch Verkauf der beschlagnahmten Waaren und Wagen , welche von den Fuhrleuten , ohne daß sie sich zu erkennen gegeben hätten, im Stiche gelassen worden waren. Der Bruttoerlös von Fr. 3801. 35 wurde nach Gesetz unter die Antheilberechtigten, nach Abzug des Volles und der Kosten, vertheilt.

554

IX. Zollabfertigungen.

Die Anzahl der Zollabfertigungen beträgt: 1fl«R

Einfuhr .

Ausfuhr .

Geleitscheine Durchfuhr .

Freipässe .

Niederlagsscheine

.

.

.

.

.

.

löDA

Differenz

.

.

.

.

.

.

1885.

597,152 73,090 234,761 98,821 84,031 19,777

I884.

614,018 155,002 233,110 135,864 30,885 15,028

-- 16,8Ht> -- 81,912 -j1,651 --· 37.043 -f3,146 -j4,749

Total

1,107,632

1,233,907

-- 126,275

1885

Dieser bedeutende Unterschied gegenüber dem Vorjahr rührt einestheils von der bereits im letztjährigeu Berichte erwähnten Vereinfachung in der Ausstellung der Durehfuhrscheine, auderntheils von der Abschaffung des Ausfuhrzolles für fast alle Waavenartikel her.

X. Gesetzesübertretungen.

Im Berichtjahre hat sich die Zahl der KUL- Anzeige gelangten Straffalle gegenüber dem Vorjahre um 124 vermehrt und der Betrag der umgangenen Zölle um Fr. 2001. 39 höher gestellt.

Von früher wurden als unerledigt auf das Jahr 1885 übergetragen 19 Fälle gegen 24 pro 1884, neu hinzu gekommen sind . 923 ,, 799 ,, 1884, fl Total 942 Fälle gegen 823 pro 1884.

Davon sind erledigt: a. durch Aufhebung des Strafverfahrens .

.

. 2 0 Fälle gegen 8 p r o 1884, b. gütlich, infolge vorbehaltloser Unterziehung des Beklagten .

.

.

. 897 ,, ,, 796 ,, 1884, e. zufolge gerichtlichen Urtheils 2 ,, -- fl 1884, w Total 919 Fälle gegen 804 pro 1884.

Als unerledigt auf das folgende Jahr übergetragen: a. bei der Zollverwaltung anhängig 22 Fälle gegen 17 pro 1884, b. vor Gericht anhängig 1 ,, ,, 2 ,, 1884, Total

23 Fälle gegen

19 pro 1884.

555

Der Gesammtbetrag der umgangenen Zollgebühren beläuft sich auf Fr. 6803. 76 gegenüber Fr. 4802. 37 im Jahre 1884.

Au Bußen wurden bezogen Fr. 31,657. 14 gegen Fr. 18,617. 69 pro 1884; als gesetzlicher Antheil fielen davon Fr. 10,516. 23 in die Zollkasse. Das Strafmaß stellt sich durchschnittlich auf den 4,6fachen Betrag der umgangenen Gebühren.

Auf die einzelnen Zollgebiete vertheilen sich die angezeigten Zollübertretungen wie folgt: I. Zollgebiet (Basel) 292 Fälle gegen 225 pro 1884.

II.

,, (Schaffhausen) 118 ,, ,, 121 ,, 1884.

III.

,, (Chur) 61 ,, ,, 47 ,, 1884.

IV.

,, (Lugano) 66 ,, ,, 50 ,, 1884.

V.

,, (Lausanne) 139 ,, ,, 89 ,, 1884.

VI.

,, (Genf) 247 ,, ,, 267 ,, 1884.

In Getnäßheit des Zollgesetzes fällt demjenigen Kantone, in welchem eine Zollübertretung zur Bestrafung gelangt, ein Dritttheil der bezogenen Geldbuße zu.

Hinwieder sind wir im Falle gewesen, das Einschreiten von Kantonsbehörden in folgenden drei Fällen in Anspruch zu nehmen, und zwar gestü tat auf Art. 49 des eidgenössischen Zollgesetzes, wonach die Kantone zum polizeilichen Schutze dei- Zollbeamten und ihrer Amtsgeschäfte verpflichtet sind.

J. Am 21. Dezember 1884, Abends 9 Uhr, hatte ein Kutscher von Carouge, mit seinem Fuhrwerke von St. Julien kommend, die Zollstätte Perly passirt, ohne sich zur Erfüllung der Zollformalitäten zu melden und ohne anzuhalten, ungeachtet er von einem Grenzwächter hiezu aufgefordert worden war, indem er vielmehr die Pferde mit Sehlägen vorwärts trieb. Nachdem das Fuhrwerk durch den Grenzwächter eingeholt und zur Zollstätte zurückgebracht worden, bückte sich der Insasse des Fuhrwerkes, ein Wirth in Genf, aus diesem heraus, schlug nach der Laterne des Grenzwächters, bedrohte diesen selbst, beschimpfte nach Ankunft eines herbeigerufenen Unteroffiziers der Grenzwächter und eines Unteroffiziers der kantonalen Gendarmerie die Agenten der Zollverwal-tung, bemächtigte sich der Laterne und zerschlug sie.

Wir brachten diesen Vorfall zur Kenntniß der Regierung von Genf mit dem auf Art. 49 des Zollgesetzes gestützten Ansuchen, gegen die beiden Beklagten nach Mitgabe der kantonalen Gesetzesbestimmungen wegen Widersetzlichkeit gegen die öffentliche Gewalt.

556

sowie wegen Beschimpfung und Eigenthumsbeschädigung einschreiten zu wollen.

Durch Schreiben des Staatsrathes vom 23. Juni 1885 erhielten wir die Antwort, die Akten in dieser Angelegenheit seien alsobald nach erhaltener Zusendung dem Herrn Genoralanwalt des Kantons mit dem Ersuchen übermittelt worden, denselben die nöthige Folge zu geben.

Auf eine Recharge an diesen Beamten sei von ihm der Berieht eingelangt, die Untersuchung gegen die beiden Beklagten habe ergeben, daß die denselben zur Last gelegten Thatsachen sehr tibertrieben worden seien, daher er eingewilligt habe, die Angelegenheit durch einen Vergleich zu erledigen. Der beklagte Wirth habe einen Widerruf unterzeichnet, die Buße und die Untersuchungskoston bezahlt, und damit sei die Sache ad acta gelegt worden.

Zufolge einer mit dem Justiz- und Polizeidepartement des Kantons Genf dießfalls gepflogeneu Korrespondenz wäre die Generalanwaltschaft naeh Gesetz kompetent gewesen . den Fall auf diese Weise zu erledigen.

2. Ein ähnlicher Fall, wie der vorerwähnte, kam in St. Giugolph, Kanton Wallis, vor. Ein dortiger Einwohner wurde am 30. Dezember 1884, Abends halb 7 Uhr, auf dein Einschmuggeln eines ZuckerStockes durch einen eidgenössischen Grenzwächter ergriffen. Der Aufforderung, sich mit diesem nach dem Zollbüreau zu begeben, widersetzte sich der Schmuggler und rief seine Brüder und Schwestern zu Hülfe, worauf mehrere Personen, wahrscheinlich die Herbeigerufenen, hinzueilten über den Grenzwächter herfielen und ihm den Gegenstand der Zollübertretung entrissen. Ein von ihm auf die Angreifer abgegebener Revolverschuß scheint Niemanden getroffen zu haben.

Wir wendeten uns den 27. Januar 1885 in gleicher Weise, wie es im vorerwähnten Falle gegenüber der Regierung von Genf geschehen, an die Regierung von Wallis.

Auf wiederholte Recharge erhielten wir von dieser Behörde mit Schreiben vom 22. Februar 1886 also nach 13 Monaten, die Mittheilung, die Untersuchung habe nicht zur gesetzlichen Feststellung des dein Beklagten zur Last gelegten Vergehens geführt, in Betracht jedoch, daß immerhin Indizien der Schuld gegen denselben vorhanden seien, habe der Untersuchungsrichter des Bezirks Monthey dem Beklagten sammtlichen Untersuchungskosten, welche sich auf Fr. 19. 60 belaufen, auferlegt.

557

3. Ein dritter, im November 1885 vorgekommener Fall war folgender : Ein Einwohner von Puschlav hatte sich anläßlich einer Zollentrichtung die er beanstandete, unter Beschimpfung des Zollpersonals der Zollstätte Compocologno (Kanton Graubünden") an einem Zollbeamten thätlich vergriffen und, nachdem er durch die Anwesenden an weitern Thätlichkeiten verhindert worden, die Thüre des Drahtgitterabschlusse beschädigt.

Wir ersuchten die R gierung von Graubünden unterm 1. Dezember 1885, gegen den Beklagten einschreiten zu wollen. Diese überwies die Angelegenheit sofort dem Kreisgericht von Brusio, welches schon am 29. Januar 1886 den Beklagten wegen Beschimpfung und Widersetzlichkeit zu Fr. 40 Buße und zu den Prozesskoslen von Fr. 136. 1verurtheilte,e, durch welcheErkenntnissß, verbunden mit dem ernsten Vorgehen der kantonalen Behörden, dem Ansehen der eidgenössischen Behörde in anerkennenswerther Weise Genungthuung zu Theil wurde.

XI. Eidgenössischer Zolltarif.

Mit dem 1. Januar 1885 ist der neue Zolltarif in Anwendung getreten.

Wie nicht zu vermeiden war, stellten sich damit vielerlei Schwierigkeiten für die Zollverwaltung ein, welche sich das ganze Jahr hindurch fortsetzten.

Das Zolldepartement kam beinahe alltäglich in den Fall, über Fragen betreffend die Tarifanwendung zu entscheiden, und auch der Bundesrath hatte sich mit diessfallsigen Entscheiden zu befassen, nämlich gemäß Art. 35 des Zollgesetzes von 1851 in denjenigen Fällen, wo der Zollpflichtige sich bei dem Entscheide des Departements nicht beruhigte.

Mit dem Erscheinen des Zolltarifs wurden als gedruckte Beilage zu demselben die von früher her bestandenen Tarifentscheide in Form von Anmerkungen zu den einzelnen Tarifnummern soweit jene Entscheide noch zutreffend erschienen, dem Zollpersonal zur Hand gestellt und auch dem Publikum zugänglich gemacht. Ferner wurden allmonatlich die neu hinzugekommenen Tarifeutseheide in den amtlichen Orgauen veröffentlicht. Eine sich auf das ganze Jahr erstreckende Zusammenstellung dieser Tarifentscheide wurde ebenfalls an Hand genommen, deren Erscheinen fällt jedoch in das nächste Jahr. Ebenso befindet sich ein alphabetisches Waaren

558

verzeichniss zum Zolltarif in Arbeit, die jedoch wegen sonstiger Arbeitsüberfülle nur langsam vorwärts gedeihen kann.

Je nach der Natur der Waarengattungen wurde, vorgängig dem Entscheide über die anzuwendende Tarifposition, das Outachten von Fachmännern eingeholt. Es verdient bemerkt zu werden, daß die Behörde hiebei viel verdankenswerthes Entgegenkommen gefunden hat, sowohl bei Einzelexperten, als bei Handelskammern, Zu ganz besonderm Danke ist das Zolldepartement dem Vorort des schweizerischen Handels- und Industrievereins verpflichtet, welcher in zahlreichen Fällen, wo seine Rathschläge über Zollfragen eingeholt wurden, solche in ebenso nützlicher ais bereitwilliger Weise ertheilt hat.

Durch Schreiben des Nationalrathes vom 13. Juni 1885 war uns mitgetheilt worden, daß er in Bezug auf die Zolltraktanden Nr. 17 und 32 b beschlossen habe: A. Ueberweisung der Petitionen : 1) der Genfer Handelskammer, betreffend Rückzoll au Rohtabak, 2) einer Anzahl aargauischer Handelsfirmen, betreffend Herabsetzung des Zollansatzes für Strohgeflechte (Tressen), 3) der Firma J. Wegmann in Uttweil, betreffend chemische Produkte, an den Bundesrath zur Berichterstattung und gutfindender AntragStellung; B. XVerschiebung der Behandlung des bundesräthlichen Vorschlages über Ergänzung des Zolltarifgesetzes (Bundesblatt 1885, IV, 294) bis zu gleichzeitiger Behandlung mit obigen Petitionen.

Es betrifft letztere Vorlage den Antrag, die Bestimmung zu erlassen, daß im Eisenbahntransport das Maximum der statistischen Gebühr bis auf 50 Rp. per Wagenladung zu ermäßigen und der Bundesrath zu ermächtigen sei, diejenigen Waarengattungen zu bezeichnen, auf welche eine solche Gebührenermäßigung Anwendung zu finden hat.

Dem Beschlüsse ad A sind wir durch unsere Botschaft vom 10. November (Bundesblatt 1885, IV, 283) nachgekommen, und es haben hierauf unsere Vorlagen ad A und B: durch die Schlußnahmen der beiden Räthe vom 21. und 22. Dezember ihre Erledigung gefunden in dem Sinne, daß die Petition der Genfer Handelskammer später zur Behandlung zu kommen habe und daß ad A, 2 und 3, sowie ad B zur Zeit nicht eingetreten werde.

559

In einer an die Bundesversammlung gerichteten Petition hatte die Email- und Metallwaarenfabrik in Zug das Begehren gestellt, eine Abänderung des Zolltarifs in dem Sinne eintreten zu lassen, daß 1) decapirte Stanzbleche, welche gemäß Nr. 124 des Tarifs zu Fr. 3 per q. verzollbar sind, nach Nr. 121 zu 60 Rp. per q.

zugelassen, 2) die unter Nr. 130, ,,gemeine Eisenwaaren, abgeschliffen", klassirten geschliffenen Pfannen als feine Eisenwaaren, polirt, nach Nr. 131 a zu Fr. 20 verzollt, und 3) die unter Nr. 130 aufgeführten ,,gemeinen Eisenwaaren, verzinnt", ebenfalls unter Nr. 131 als feine Eisenwaaren versetzt werden mochten.

Diese Eingabe wurde, bevor sie bei der Bundesversammlung zur Behandlung gelangte, von den Petenten zurückgezogen.

Dieselben kamen dann kurze Zeit später bei dem Zolldepartement und, auf dessen abschlägigen Bescheid, bei dem Bundesrath mit dem Gesuche ein: Es möchte auf dem Wege der Interpretation angeordnet werden, daß die decapirten Stanzbleche statt unter Position Nr. 124 unter Position Nr. 121, d. h. vom Zollansatz zu Fr. 3 unter denjenigen von 60 Rp per q., versetzt werden.

Wir lehnten dieses Begehren ab, mit Hinweisung darauf, daß dasselbe mit dem Zolltarif im Widerspruch stehe, somit nicht mittelst Interpretation, sondern nur auf dem Wege einer Abänderung des Zolltarifs demselben zu entsprechen möglieh wäre, WO/AI dem Bundesrath die Befugniß abgehe.

Endlich kam die genannte Fabrik noch mit einem Gesuche ein, dahin gehend, daß polirte eiserne Pfannen, nämlich solche, welche mit Schmirgelpapier bearbeitet und blank gemacht worden sind, nach Nr. 131 a zu Fr. 20 per q. verzollt werden möchten.

Da polirte Eisenwaaren überhaupt unter dieser Position im Tarif aufgeführt sind, so bedurfte es zwar keiner besondern Verfügung, damit dieselbe auch auf polirte Pfannen Anwendung finde; indessen hat das Zolldepartement die Zoilstätten angewiesen, darauf zu achten, daß polirte Pfannen, wenn solche vorkommen, tarifgemäß verzollt werden.

XII. Handelsstatistik.

In Vollziehung von Art. 4 und 5 des Bundesgesetzes vom 26. Juni 1884, betreffend einen neuen schweizerischen Zolltarif

560

(Amtl. Samml. n. F. VII, 549) sind die von uns getroffenen, im Geschäftsberichte des Vorjahres bereits erwähnten Anordnungen für die Ein- und Durchführung einer schweizerischen Handolsstatistik mit dein 1. Januar 1885 in's Leben getreten.

Es war vorauszusehen, dass die Durchführung dur unwohl für die Zollpflichtigen, als auch für das Zollpersonal gänzlich neuen Vorschriften, zumal im Anfang, auf große Schwierigkeiten stoßen würde. Es bedurfte denn auch einiger Monate, bis sich das Publikum und die Zollstelleu in die neuen Anordnungen genügend eingelebt hatten, und es dürften im Beginne hie und da Fehler und Irrthümer mitunterlaufen sein; immerhin kann das Gesammtresultat des Jahres als ein durchaus befriedigendes bezeichnet werden.

Laut Art. 6 der von uns unterm 10. Oktober 1884 erlassenen Verordnung betreffend die Waarenstatistik (Amtl. Samml. n. P.

VII, 597) sollen die Werthe sowohl der aus- als auch der eingehenden Waaren alljährlich durch eine besondere, von unserm Zolldepartemeut zu ernennende Schätzungskommission geprüft, beziehungsweise festgestellt werden.

Als Hülfsquellen für die Taxationsfaktoren standen den Kommissionsmitgliedern, außer ihrer persönlichen Kenntniß der Werthverhältnisse und allfälliger Zuratheziehung von anderweitigen Fachmännern ad hoc, zu Gebote: Preiscourants. die Ergebnisse der Statistiken der uns umgebenden Staaten, unsere eigenen statistischen Aufzeichnungen seit 1. Januar 1885, die Werthungen der ständeräthlichen Zolltarifkommission pro 1884 etc etc.

Sämmtliche Schätzungsexperten haben sich ihrer Autgabe mit sehr verdankenswerther Bereitwilligkeit unterzogen und deren bestmögliche Lösung sich sorgfältig angelegen sein lassen, was wir an dieser Stelle mit vollster Anerkennung hervorheben.

Die zum ersten Male auf Grundlage der neuen Statistik erseheinenden Uebersichtstabellen pro 1885 enthalten, außer einer Einleitung nebst alphabetischem Register zum statistischen Waarenverzeichniß, folgende Hauptabtheilungen : I. Speziai- und Generalhandel mit dem gesammten Ausland.

II. Spezial- und Generalhandel mit den einzelnen Herkunftsund Bestimmungsländern, und zwar: 1. Deutschland.

2. Oesterreich-Ungarn, Bosnien, Herzegowina.

3. Frankreich.

4. Italien.

5. Belgien.

6. Holland.

7. Großbritannien mit Irland und europäischen Besitzungen.

8. Rußland, inklusive russisch Asien.

9. Schweden und Norwegen.

10. Dänemark mit, Faröer, Island und Grönland.

11. Portugal mit Azoren und Madeira.

12. Spanien mit den kanarischen Inseln.

13. Griechenland.

14. Donau-Länder: Bulgarien, Rumänien, Serbien.

15. Europäische Türkei, Rumelien, Montenegro.

16. Aegypten.

17. Algier, Tunis, Tripolis, Marokko.

18. Westküste von Afrika und Kapland.

19. Ostküste von Afrika, Madagaskar und übrige Inseln.

20. Asiatische Türkei, Arabien, Persien, Iran, Turkestau.

21. Briliseh Indien.

22. Holländisch Indien.

23. Japan, China, französisch Indien und übriges Ostasio.n.

24. Britisch Nordamerika.

25. Vereinigte Staaten von Nordamerika, 26. Mexiko, Centralamerika, Westindien.

27. Chile und Peru.

28. Brasilien.

29. Argentinien, Uruguay, Paraguay.

30. Uebriges Südamerika.

31. Australien, Neuseeland, Inseln des Stillen Ozeans.

Als Anhang zu dieser Tabelle II wird eine vergleichende Uebersicht der Binheitswerthe für die Ausfuhr nach den verschiedenen Ländern erscheinen.

III. Unmittelbare Durchfuhr.

IV. Niederlagsverkehr.

V. Veredlungsverkehr.

VI. Grenzverkehr.

VII. Verkehr mit zollfreien Waaren.

VIII. Schweizerische Retourwaaren aus dem Auslande.

IX. Retourwaaren nach dem Auslande.

Betreffend die nähern Angaben über die genannten Verkehrsarten verweisen wir auf die Jahrestabellen selber und begnügen uns, nachstehend eine summarische Rekapitulation des Speziai- und Generalhandels der Schweiz pro 1885 zu publiziren.

Zur Seite 5151.

Summarische Rekapitulation des

Speziai- und Generalhandels der Schweiz im Jahre 1885.

S!

Kategorien.

Nr.

Menge.

Werth.

Menge.

Wertli.

Meng«.

Werth.

q. netto

Fr.

q. netto

Fr.

q. netto

Fr.

q. imtto

Kr.

·n t) ·n n

23,143 334,934 81.364 51,552

IV !', Holz ii V ii Landwirtschaftliche Erzeugnisse ·

·n

1,809,176

·n

VI | Leder

.

.

.

Chemikalien : A. Apotheker- und Drogueriewaaren B. Chemikalien für gewerblichen Gebrauch C . Fai'bwaareu .

.

.

.

.

.

III jj Glas

149,168

1,466,244

512,823

0,381,711

163,860

1,650,787

7,377 62,895 21,816

789

1,706,114 3,275,869 9,016,903 132,260

28,679 394,612 102,505 75,497

4,093,077 18,963,916 9,011,457 4,098,046

13,178 122,850 43,033 24,662

2,814,263 6,566,707 11,918,924 1,284,365

12,000,205

1,462,749

9,588,631

2,535,770

21,833,206

2,154,840

19,162,722

171,589

6,449,974

45,046

497,709

193,681

7,902,105

67,617

2,128,930

n

26,152

23,667,202

8,063

8,530,431

29,248

26,154,940

11,126

11,006,289

n

13,933

7,980,239

8,290

5,279,081

16,538

9,537,087

10,886

6,832,224

799

1,170,026

437

2,185,583

971

1,463,489

609

2,479,049

6,198,337

II

ii

!

i l

Ausfuhr.

Werft.

498,175

.

Einfuhr.

Menge.

q-

Abfälle u n d Düngstoffe

Ausfuhr.

Einfuhr.

Einheit.

l i

I

General hamlel.

Spezialhandel.

3,035,559 15,698,319 ]!

6,108,027 2,941,518

VII l Literarische, wissenschaftliche und Kunslgegeujj stände 1 VIII |i Mechanische Gegenstände : A. Wanduhren, gemeine, Uhrenhestandlheile 1

1

t 1

i i

Andere Uhren

.

.

.

.

. Stücke

B. Maschinen, nicht genannte, Ackergeväthe

i i

1 i

IX i Metalle: A. Blei B . Eisen .

.

.

.

.

.

C. Kupfer I). Nickel B. Zink F. Zinn G. Edle Metalle H. Erze und Metalle, verschiedene .

Mineralische Stoffe .

.

.

.

X XI Nahrungs- und Gemißmittel .

.

1 XIII

XIV i

1

1

XV

.

T) 11

.

1

n T) T)

Liter

q: .

.

.

.

Spinnstoffe : A . Baumwolle .

.

.

.

B. Flachs, Hanf, Jute, etc.

C. Seide D. Wolle, rein oder gemischt .

E. Kautschuk und Guttapercha F. Stroh, Rohr, Bast, etc.

G. Confections- urul Moclcvvaarcii

.

.

.

.

f>

T) ·j} VI

11

Thiere und thierische Stoffe: A. Thiere

Stücke 214,001 ij. netto 57,469 Stücke 10,358
·n

Stücke 223,783 q. netto 24,661 221,385

.

·n

13,333

(

q-

l

La 1er

19,238,040 448,142 71,005,700

Stücke

XVI

B. Thierische Stoffe.

Thonwaareii .

.

.

.

.

.

XVII

Verschiedene Waaren .

.

.

.

Stücke 3,559,937 q. netto 102,769 Stücke 9,220

4,082,593 7,761,524 1,115,672 760,109 23,584,890 3,570,100 399,805 765,208 1,063,258 36,666,789 283J530 28,285,120

q, netto 1,904 102,186 3,951

395 jl l1 u !'

i

916 165 1,480 464 614,489 585,482 Liter 2,753,229

79,840,180 13,160,686 8,543,803 103,889 3,550,104 694,077 46,355 53,824 36,423 36,734,056 7,354 2,481,773

4,302,003 18,904,953 5,354,379

q. netto 22,671 812,313 1,622,511 45,875,145 19,712 4,161,387 830 444,248 14,980 817,185 4,277 1,079,192 1,621 37,434,035 16,076 | 325,265 9,885,557 32,660,816

Stiielto 3,575,523 q. netto 193,082 Stückü 11,549 q. netto 2,867 686,720 6,725

478 1,987

221 1,545 2,469 1,555,788

156,093 25,544,183 1,292,249 90,596 107,602 52,360 37,495,910 49,089 6,623,820

585,909

4,654,951 !;

136,624

3,741,115

105,592

6,637,147

183,360

5,710,850

210,933 5,680 48,383 21,719 2,026 5,610 2,686

166,852,973 1,611,315 172,913,189 11,523,498 2,517,309 4,603,494 4,220,888

402,056 90,255 71,532 101,841 2,744 38,846 15,362

93,588,180 16,101,155 1 239,712,900 71,105,390 2,714,550 10,941,065 27,563,150

318,916 50,004 79,012 55,633 2,770 24,843 4,455

191,411,068 6,343,580 287,508,939 27,345,638 ' 3,333,909 11,748,899 7,488,138

1,772,881

q. netto

12,348,420

12,778,425

7,065

i

979,3 (Ì7 Liter 8,919,777 q. jiatto 26,210

24,266,326

10,324,800 | (

31,428,556

19(5,243,480

80,060,404

5,874,206 Liter 77,225,297 q. netto 126,342

170,424,659

70,573,402

Stücke.

229,587 q. netto 147,811 Stücke 12,690

34,127,986

!)(>,548,ß(H) ) 1

4,445,275 2,816,959

II V) T) ·y)

1 1

i

·n n n

Oele und Feite Papier .

qT>

Bier, Wein, Branntwein, Sprit, in Fässern

XII

q.

Stücke

Maschinen, Fahr/,euge, Schiffe !

·n

q-

Total { StiicUe

68,352,145 11,373,440 124,648,800 55,192,070 1,897,950 3,741,980 24,287,700

;

!

,; Ì

| i 1 Stücke 32,871,112 1 109,312 l q. netto 46,626 9,287,490 2,445,817 125,155

1,076

10,941,630

685,963,171 3,794,414 38,069,377 3,678,469 31,428,556 j| .2,753,229

ii

15,456,920 2,695,226

Stücke 561,699 q. netto 69,335 143,485

741,466

15,112,582

729,184

5,378,744

23,483,654 918,447 77,225,297

962,173,738 57,926,463 34,127,986

7,731,117 4,148,771 8,919,777

816,297,989 130,4 23,042 ·1,445,275

8,059,744 666,574

Stücke 676,170 q. netto 47,368 239,674

1,205,257

22,185,449

547,622,033 110,569,432 1,772,881

48,270,081

37,584,213 14,221,014 919,263

S62 Die für unsere Verkehrsübersichten adoptirten Begriffe. von ,,Spezialhandel" und ,,Generalhandel" stimmen im Wesentlichen überein mit dem ,,besondern Waarenverkehr" und dem ,,allgemeinen Waarenverkehr" Deutschlands, sowie mit dem ,,Commerce spécial" und ,,Commerce général" Frankreichs, Italiens und Belgiens.

Der S p e z i a l h a n d e l umfaßt: a. Bei der Einfuhr: diejenigen Waaren, welche in den freien Verkehr übergehen, d. i. alle zum Eingang verzollten, sowie alle gemäß Zolltarif zollfrei eingeführten Waaren; b. Bei der Ausfuhr: alle Waaren, die aus dem freien innern Verkehr nach dem Auslande gehen, d. i alle Waaren inländischen Ursprunges, sowie solche, die durch Entrichtung des schweizer.

Einfuhrzolles nationalisirt worden waren.

Der G e n e r a l h a n d e l umfaßta. Bei der Einfuhr: alle Waaren, welche aus dem Auslande kommend, die schweizer. Grenze überschreiten, sei es, daß die fragliehen Sendungen direkt in den innern Konsum übergehen, d. i.

verzollt werden, sei es, daß dieselben zur Einlagerung oder zur Durchfuhr bestimmt seien.

b. Bei der Ausfuhr: alle Waaren einheimischer oder fremder Provenienz, die, nach dem Auslande gehend, die schweizer. Grenze übersehreiten.

Die in der praktischen Durchführung der neuen Vorschriften betreffend die Handelsstatistik entstandenen Schwierigkeiten führten im Laufe des Berichtjahres zu zahlreichen Anständen und zu Reklamationen und Vorstellungen seitens der betheiligten Kreise des Handelsstandes.

In einer von unserm Zolldepartement auf den 7. Oktober 1885 nach Bern berufenen Konferenz von Interessenten, bei welcher, außer der Zollverwaltung, der Vorort des Schweiz. Handels- und O i Industrievereins und die Handelskammern von Basel und Genf vertreten waren (das ebenfalls zur Beschickung der Konferenz eingeladene kaufmännische Direktorium von St. Gallen theilte seine Wünsche nachträglich schriftlich mit), wurde die Frage, wie den eingelangten Vorstellungen in thunlichem Maße Rechnung getragen werden könne, durch mündliehe Besprechung näher erörtert.

Die diesfälligen Postulate lassen sich, abgesehen von einigen Punkten untergeordneter Natur, in Folgendem zusammenfassen : 1} Abschaffung der Angabe einer speziellen Nummer für die Statistik bei Deklaration der Gattung der Waare (Art. 3 l» der Verordnung vom 10. Oktober 1884);

563 2) Abschaffung der Wertangaben bei der Einfuhr (Art. 2 f cit. Ver.); 3) Abschaffung der Angabe des Nettogewichtes (Art. 4); 4) Veröffentlichung von Monatsübersichten an Stelle der bisherigen Quartal Übersichten (Art. 16 a); 5) Abschaffung, bezw. Ermäßigung der statistischen Gebühr im Eisenbahnverkehr für Wagenladungen einheitlicher Gattung.

Nach Prüfung dieser Begehren haben wir in thunlichster Berücksichtigung der geäußerten Wünsche auf Antrag unsere Zolldepartements beschlossen : Ad 1. Vereinfachung des Modus der Deklaration durch entsprechende Umarbeitung des statistischen Waarenverzeiehnisses, bezw. Anpassung desselben an den Zolltarif.

Ad 2. Abschaffung der Werthangaben bei der Einfuhr für allo Tarifpositionen, deren Durchschnittswert!] durch die Sehätzungskommission festgestellt werden kann.

Ad 3. Die Abschaffung der Angabe des Nettogewichtes erzeigt sich als unausführbar, da als Basis einer möglichst genauen Waarenstatistik selbstverständlich nur das Nettogewicht geeignet ist, dessen Angabe durch den Deklaranten somit unerläßlich erscheint.

Ad 4. Der Erfüllung des Wunsches nach monatlichen Publikationen über den Waarenverkehr anstatt der Quartaltabellen steht die Schwierigkeit entgegen, daß die Herausgabe von monafliehen Mittheilungen im Umfange der jetzigen vierteljährlichen Uebersichten eine sehr bedeutende Mehrarbeit mit entsprechenden Mehrkosten nach sich ziehen würde. Wir konnten daher auf dieses Begehren nicht eintreten. Dagegen hat das Zolldepartement angeordnet, daß in gleicher Form wie vor 1885 monatliche Auszüge veröffentlicht werden, mit Beschränkung der Angaben auf die Quantitäten.

Ad 5. Wir verweisen diesfalls auf unsere Hotschaft vom 8. Mai 1885 sammt Nachtrag vom 10. November gl. J. (Bundesbl.

1885, III, 67 und IV, 297) betr. theilweise Ermäßigung der statistischen Gebühr im Eisenbahn-Transitverkehr mit Wagenladungen von einheitlicher Waarengattung. Die Erledigung, welche diese Vorlage erhalten hat, ist im Abschnitt ,,Zolltarif" hievor erwähnt.

Die Entsprechung der Begehren von Interessenten ad l und 2 machte eine theilweise Abänderung der Verordnung vom 10. Oktober 1884 betr. die Statistik, sowie eine Umarbeitung des statistischen Waarenverzeiehnisses im Sinne der Verschmelzung desselben mit dem Zolltarife, erforderlich. Es wurde von uns daher am 13. NoBundesblatt. 33. Jahrg. Bd. I.

40

564

vember 1885 eine neue Verordnung betr. die Statistik erlassen (Amtl. Samml. n. F. VIII, 327) und gleichzeitig die Umarbeitung des statistischen Warenverzeichnisses in vorstehendem Sinne angeordnet.

Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Bestimmungen wurde auf den 1. Januar 1886 festgestellt und es steht zu erwarten, daß durch dieselben die im Berichtjahre zu Tage getretenen Schwierigkeiten in der Durchführung der Vorschriften betr. die Statistik wenn nicht gänzlich beseitigt, so doch auf ein Minimum reduzirt werden.

Der Ertrag der durch Art. 4 des Bundesgesetzes vom 26. Juni 1884 betr. einen neuen schweizer. Zolltarif normirten statistischen Gebühren betrug pro 1885 die Summe von . Fr. 128,154. 31 gegenüber dem Büdgetvoranschlag von Fr. 90,000.

Die Ausgaben für die handelsstatistische Abtheilung unseres Zolldepartements, nebst Kosten für die Honorirung der Experten, beziffern sich pro 1885 auf ,, 75,955.82 Ein nahmen Überschuß pro 1885 .

.

. Fr. 52,198.49 In diesen Ausgaben figuriren nicht: ein Theil der Kosten für die Drucklegung der Jahrestabellen der Statistik pro 1885; ferner die Kosten für Vermehrung des Zollpersonals an der Grenze (bei den Zollgebietsdirektionen und einzelnen Zollstätten), da es unmöglich ist, genau auszumitteln, in welchem Verhältnisse diese Personalvermehrung durch Einführung des neuen Zolltarifs mit theilweise erhöhten Ansätzen oder aber durch die seit 1. Januar 1885 komplizirter gewordenen statistischen Anschreibungen herbeigeführt worden ist.

Näher betrachtet, stellt sich somit jener Ueberschuß grösstentheil als ein bloß scheinbarer dar.

XIII. Verkehrsverhältnisse an der Grenze.

Die Regierung des Kantons Bern ist auf Veranlassung der Gemeinde Burg (Amt Laufen) mit einer Vorstellung darüber eingekommen, daß in Folge einer im Herbst des Jahres 1884 durch die deutschen Zollbehörden erlassenen Verordnung die Benutzung der direkten Straßenverbindung Biederthal-Rodersdorf-Leymen-Basel für den Verkehr mit zollpflichtigen Waaren untersagt worden sei, was zur Folge hatte, daß die Bewohner von Burg genöthigt waren, den weitern und viel beschwerlicheren Weg über Mariastein, Flühen und Benken zu benutzen.

565

Infolge der Verwendung, welche wir zu Gunsten der petitionirenden Gemeinde bei der Kaiserlich deutschen Regierung haben eiutreten lassen, ist von derselben unter gewissen Kautelen zur Verhütung von Zollumgehungen die nachgesuchte Verkehrserleichterung zugestanden worden.

Am schweizerischen Ufer des Lemansees bestand seit der Einführung des Zollwesens die Einrichtung, daß zollpflichtige Gegenstände im Dampf bootverkehr nur an solchen Dampf bootstationen ein- oder ausgeführt werden durften, wo sieh ein eidgenössisches Zollbiireau befindet. An allen andern Stationen war der Verkehr bloß mit zollfreien Gegenständen gestattet und das Anlanden der Dampfboote überdies nur an solchen Orten erlaubt, wo sich ein Grenzwachtposten befand, der darüber zu wachen hatte, daß die aus- und einsteigenden Personen keine zollpflichtigen Gegenstände mit, sich führten.

Bei der ausgedehnten Entwicklung des Verkehrs auf dem Lemansee, namentlich am obern Theile desselben, erwies sich diese Einrichtung je länger je ungenügender. Es führte dieselbe zu vielen Unerquicklichkeiten in den Beziehungen zum Publikum, und anderseits besaß die Verwaltung dabei nicht hinlängliche Garantie gegen Mißbräuche zum Nachtheile des Fiskus; auch entstand die Schwierigkeit, daß, da die Begehren um Bewilligung zum Anlanden stets zahlreicher wurden, die Zollverwaltung sich denselben entweder zum Nachtheil des Verkehrs zu widersetzen, oder aber für die Kosten des entsprechenden Bewachungsdienstes aufzukommen genöthigt war.

Dieser Zustand ist nun irn Berichtjahre in der Weise beseitigt worden, daß ein ambulanter Zolldienst auf den die ausländischen Landungsplätze berührenden Dampfbooten eingeführt wurde, ähnlich wie er seit etlichen Jahren auf dem schweizerischen Theile des Langensees besteht.

Die Damptbootverwaltung hat hiebei ihr anerkennenswerthes Entgegenkommen durch Gewährung kostenfreier Fahrt des mit dem ambulanten Dienst beauftragten Personals der Zollverwaltung bezeigt.

Die getroffenen Anordnungen, welche mit Anfang August in Wirksamkeit traten, haben sieh zur Zufriedenheit der Zollverwaltung bewährt und sind auch von dem Publikum mit Befriedigung aufgenommen werden.

566 XIV. Maßregeln gegen Waarenfälschung.

Von Seite der Gesellschaft schweizerischer Landwirthe, sowie des Vorstandes des Bauernvereins des Kantons Luzern ist das Gesuch an uns gestellt worden, in Erwägung zu ziehen, ob nicht im öffentlichen und speziell im landwirtschaftlichen Interesse die massenhafte Einfuhr von Kunstbutter (Margarinfett) aus dem Ausland in die Schweiz zu erschweren, in Bezug auf Verwendung gesundheitsschädlicher Stoffe der nöthigen Kontrole zu unterwerfen und vorzusorgen sei, daß nicht eine Waare in die Schweiz eingeführt werde, deren Bezugsland hinsichtlich der verwendeten Rohmaterialien keine Garantie biete.

Zur Durchführung allfälliger im Sinne der Petition zu ergreifender Maßregeln wäre die Mitwirkung des Zolldienstes erforderlich. Diese könnte jedoch nur dann von Erfolg sein, wenn leicht erkennbar charakteristische Merkmale eine sichere Unterscheidung der Kunstbutter von der gewöhnlichen Butter ermöglichen würden.

Zufolge Erkundigung bei den Potenten sind zwar gegenwärtig mehrere Methoden für diese Unterscheidung bekannt; allein es erweisen sich dieselben als so sehr komplizirt, daß deren Anwendung durch das Zollpersonal als unthunlich erscheint.

Wir haben daher beschlossen, vorerst zu gewärtigen, ob ein praktisches, einfaches Erkennungsverfahren ermittelt werden könne, um alsdann in Erwägung zu ziehen, ob auf Grund desselben die Mitwirkung der Zollverwaltung möglich sei, und bejahenden Falles allfàllig die Aufstellung einer besondern Tarifbestimmung für Kunstbutter in Aussicht zu nehmen.

Aus den Verhandlungen des Schweiz. Bundesrathes.

(Vom 19. März 1886.)

Der Bundesrath bewilligte Portofreiheit für Korrespondenzen, welche in Sachen der eidg. W i n k e l r i e d s t i f t u n g vom eidg.

Centralkomite, dem geschäftsleitenden Ausschuß und den kantonalen Komite in Sachen dieser Stiftung gewechselt werden, sowie für die

567 an die genannten Stellen gehenden Geldsendungen, betreffend Beiträge an die eidgenössische Winkelriedstiftung.

(Vom 27. März 1886.)

Der Bundesrath hat zum Rückzug der Z w a n z i g - , Ze h u und F ü n f r a p p e n s t ü c k e eine letzte Frist bis zum 30. Juni d. J.

festgesetzt.

Unterm 8. Januar d. J. wurde hiefür eine Frist bis Ende März anberaumt.

Zu Stabssekretären mit Adjutant-Unteroffiziersgrad nannt worden : Hr. Xaver Widmer, in Ebikon ; ,, H. Ed. Chable, in Neuenburg; ,, Hans Fretz, in Zürich; ,, Gustav Eisele, in Locle; ,, Fritz Jenny, in Bern; ,, A. Kaufmann, in Bern; ,, César Collioud, in Berg.

sind er-

Der Bundesrath hat die provisorische Anstellung des Herrn Dr. Arthur H a n t z s c h , von Dresden, als Professor der Chemie am eidg. Polytechnikum, in eine definitive zehnjährige umgewandelt.

Hr. Johann H a r t m a n n , von Degersheim (St. Gallen"), erhielt die von ihm nachgesuchte Entlassung von der Stelle eines Assistenten an der Ingenieurabtheilung des eidg. Polytechnikums, unter Verdankung der geleisteten Dienste.

Vom Bundesrathe sind gewählt worden: als Postkommis in Lausanne : Hr. Adam Rast, von Hochdorf (Luzern), derz. Postkommisin Moudon (Waadt); ,, ,, ,, Zürich: ,, Jules Moser, Postaspirant, von St. Croix (Waadt), in Lausanne; " Telegraphist ,, Bern : ,, Ernst Galli, Telegraphenaspirant, v. Oberdießbach (Bern), in Bern ; ,, ,, ,, Biel : ,, Johann Meuly, Telegraphenaspiraut, in Biel.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht des Bundesrathes an die Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1885.

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1886

Année Anno Band

1

Volume Volume Heft

13

Cahier Numero Geschäftsnummer

---

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

27.03.1886

Date Data Seite

435-567

Page Pagina Ref. No

10 013 054

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv digitalisiert.

Le document a été digitalisé par les. Archives Fédérales Suisses.

Il documento è stato digitalizzato dell'Archivio federale svizzero.