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82.047

Botschaft zur Änderung des Bundesbeschlusses über die vierte Beitragsperiode nach dem Hochschulförderungsgesetz

vom 14. Juni 1982

Frau Präsidentin, Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, Wir unterbreiten Ihnen den Entwurf zu einer Änderung des Bundesbeschlusses vom 19. Dezember 1980 über die vierte Beitragsperiode nach dem Hochschulförderungsgesetz (SR 414.202) mit dem Antrag auf Zustimmung.

Wir versichern Sie, Frau Präsidentin, Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, unserer vorzüglichen Hochachtung.

14. Juni 1982

Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident: Honegger Der Bundeskanzler: Buser

8539

1982-440

26 Bundesblatt. 134. Jahrg. Bd. II

497

Uebersicht Mit dieser Vorlage soll der Bund die notwendige Kompetenz erhalten, um wirksam dazu beitragen zu können, dass der drohende Numerus clausus, d.h. die Rückweisung von an und für sich qualifizierten Studienanwärtern, in den medizinischen Studienrichtungen vermieden wird.

Sie haben im Bundesbeschluss vom 19. Dezember 1980 über die vierte Beitragsperiode nach dem Hochschulförderungsgesetz (Art. 4) das Eidgenössische Departement des Innern zusammen mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement ermächtigt, vom Verpflichtungskredit für Sachinvestitionen von 260 Millionen Franken Sonderbeiträge von maximal 60 Millionen Franken abzuzweigen, um damit ausser-ordentliche betriebliche Massnahmen der Hochschulkantone zur Erhöhung des Studienplatzangebotes, bis zu 50 Prozent zu unterstützen.

Die Sparmassnahmen 1980 gemäss Bundesbeschluss vom 20. Juni 1980 über die Herabsetzung von ßundesleistungen in den Jahren 1981, 1982- und 1983 (SR 611.02) hatten eine Reduktion der möglichen Bundeshilfe zur Folge. Zusätzlich sicherte der Bundesrat bei der parlamentarischen Behandlung der Vorlage zu, dass nur dann Sonderbeiträge gewährt werden, wenn mindestens ein regionaler Engpass im Angebot an Studienplätzen in einer oder mehreren Studienrichtungen auftrete.

Seit 1980 ist die Bereitschaft der kantonalen Hochschulträger, die eigenen Hochschulen wenigstens für die Schweizer und niedergelassenen Ausländer, welche die Voraussetzung für ein Studium besitzen, offen zu halten, erheblich gesunken-. Schon für den kommenden Herbst sind konkrete Massnahmen zur Einführung des Numerus clausus in den medizinischen Studienrichtungen vorbereitet worden. Der Präsident der Schweizerischen Hochschulkonferenz hat dem Eidgenössischen Departement des Innern am 29. April 1982 mitgeteilt, dass der Bund den Entscheid über die Verwirklichung dieser Massnahmen . nur dann beeinflussen könne, wenn er kurzfristig die finanzielle Hauptlast für die zusätzlichen Studienplätze in der Medizin trage.

Die dafür in der vierten Beitragsperiode erforderlichen Bundesgelder sind an und für sich vorhanden; bis jetzt wurden noch keine Mittel aus diesem Kredit zugesprochen. Der im Bundesbeschluss für die vierte Beitragsperiode vorgesehene maximale Beitragssatz von 50 Prozent, der zudem wegen der Sparmassnahmen 1980 reduziert werden muss, genügt jedoch

498

nicht, um 'im Falle des drohenden Engpasses im Medizinstudium wirksam eingreifen zu können. Wir schlagen Ihnen deshalb vor, den Bundesbeschluss vom 19. Dezember 1980 mit einem Artikel 4a so zu ergänzen, dass der Bundesrat mit Hilfe des Sonderkredites von 60 Millionen Franken kantonale Massnahmen zur-1 Erweiterung des Angebotes an Studienplätzen in den medizinischen Studienrichtungen mit besonderen: Beitragsätzen unterstützen kann.

Es geht dabei um eine vorübergehende'Hilfe. Sie soll dazu beitragen, einen wichtigen Grundsatz unseres Bildungswesens, den freien Zugang zu den Hochschulen, durchzuhalten, und zwar auch während des maximalen Zustromes.von Studenten, mit dem allerdings nur noch ibis Ende dieses Jahrzehnts gerechnet werden muss.

. : .

Die Vorlage gibt, eine Uebersich.t über die Entwicklung, die zu der heutigen Notlage an den .Hochschulen geführt hat. Sie zeigt, warum der Bund durch eine zusätzliche gezielte Hilfe für die medizinischen Studienrichtungen .die Bildungschancen der neuen Studentengeneration sichern muss, wenn er die bewährte Bildungspolitik im Interesse unseres .Landes fortsetzen will.

499

Botschaft

I

Allgemeiner Teil

II

Anlass und Konzept der Sondermassnahmen

Die Gefahr, dass an den kantonalen Hochschulen Zulassungsbeschränkungen eingeführt werden, hat in den letzten Monaten zugenommen. Die eidgenössischen Räte haben sich bisher stets konsequent dafür eingesetzt, dass die schweizerischen Universitäten für alle qualifizierten Studienanwärter unseres Landes offen sind. Wir erachten es deshalb als unsere Pflicht, Sie über die neuesten Entwicklungen zu informieren und Ihnen eine Aenderung des Bundesbeschlusses vom 19. Dezember 1980 über die Beitragsperiode 1980-1983 nach dem Hochschulförderungsgesetz zu unterbreiten. Wegen der sich abzeichnenden Engpässe an den kantonalen Hochschulen braucht der Bundesrat einen grösseren Handlungsspielraum. Nur so kann er die Kantone bei der Verhinderung von Zulassungsbeschränkungen an den schweizerischen Hochschulen wirksam unterstützen.

Die vorgeschlagene Aenderung hat für den Bund vorderhand keine zusätzlichen Belastungen zur Folge. Es geht vielmehr darum, mehr Freiheit beim Einsatz bereits bewilligter Sondermittel zu schaffen und so dem Bund die Möglichkeit zum raschen und den finanziellen Voraussetzungen der Kantone angepassten Handeln zu geben. Allerdings wird der Bund, um glaubhaft zu bleiben, diese Sonderleistungen auch für die nächste Beitragsperiode vorsehen müssen. Entsprechende Anträge werden wir Ihnen mit der Botschaft für die fünfte Beitragsperiode unterbreiten.

Die wesentlichsten Fakten, die zur Verschlechterung der heutigen Situation beitragen, sind: - Die Zahl der Studienanfänger in Medizin (Human- und Zahnmedizin sowie Tierheilkunde) ist nach einigen Jahren der Stagnation im letzten Herbst wieder etwas angestiegen und überschritt die von den medizinischen Fakultäten bereitgestellten Kapazitäten. Die Voranmeldungen für das kommende Studienjahr 1982/83 sind erneut gestiegen. Sie sind nach wie vor höher als das Studienplatzangebot. Die Prognosen zeigen, dass auch in den nächsten Jahren mit einem'Mangel an Studienplätzen gerechnet werden muss.

- Die Kantone sehen sich ausserstande, mit eigenen Mitteln und den gegenwärtigen Bundesbeiträgen weitere Studienplätze in der Medizin zu schaffen. Wenn der Bund hingegen die Hauptlast

500

der notwendigen Kapazitätserhöhungen trage, seien

Zu-

lassungsbeschränkungen allenfalls noch abwendbar. Einzelne Kantone sind wegen ihres defizitären Haushaltes nicht einmal mehr bereit, das gegenwärtige Studienplatzangebot aufrechtzuerhalten, Sondern sehen Reduktionen vor. Das rein regionale Denken gewinnt an Bedeutung, so dass sogar der Vorschlag,, auf Bundessubventionen zu verzichten und die Aufnahmekapazität ausschliesslich auf die Bedürfnisse der Hochschulkantone auszurichten, vermehrt Gehör findet.

- Die vom Parlament am 17. Dezember 1981 genehmigten neuen Verordnungen über die eidgenössischen Medizinalprüfungen für Aerzte, Zahnärzte und Tierärzte (AS 1981 563 ff.) treten auf den 1. Oktober 1982 in Kraft. Sie erfordern von den Hochschulen die Schaffung oder Verstärkung von Lehrangeboten in Toxikologie, Immunologie, Arbeitsmedizin, psychosozialer Medizin usw. und beanspruchen deshalb ebenfalls zusätzliche Mittel der Hochschulkantone.

- Die Versuche mehren sich(! ein hochschulpolitisches Klima zu schaffen, in dem Zulassungsbeschränkungen als unausweichlich erscheinen.

Die Einführung des Numerus clausus, auch wenn er vorläufig auf die medizinischen Studienrichtungen, beschränkt bliebe, bedeutet einen .Staats-, sozial- und bildungspolitisch sehr bedenklichen Bruch mit bewährten und wertvollen Traditionen des schweizerischen Bildungswesens. In unserem System fällt die Aufgabe der Auswahl der Studienanwärter im wesentlichen den gut entwickelten Mittelschulen zu, die auf die Vorbereitung zum Hochschulstudium ausgerichtet sind.

Zulassungsbeschränkungen an kantonalen Hochschulen könnten auf längere Sicht die Angehörigen von Kantonen ohne eigene Hochschulen und die|finanziell schwächeren Schichten unseres Volkes besonders, benachteiligen und damit zu schweren Konflikten in unserem föderativen Sozialstaat führen.

Die sich aus den wachsenden Anforderungen an die Hochschulen ergebenden Probleme sind auch in der Botschaft für die vierte Beitragsperiode nach Hochschulförderungsgesetz dargestellt worden. Sie haben damals das Eidgenössische Departement des Innern und das Eidgenössische Finanzdepartement - ermächtigt, vom Verpflichtungskredit für Sachinvestitionen von 260 Millionen Franken in dieser Beitragsperiode maximal 60 Millionen Franken für die Unterstützung ausserordentlicher betrieblicher Massnahmen zur Verhinderung des Numerus clausus einzusetzen.
Hälfte des kantonalen Aufwandes begrenzt. Zudem gab der Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern bei der Behandlung der Vorlage in den eidgenössischen Räten die Zusiche501

rung ab, dass eine solche zusätzliche Bundeshilfe nur gewährt würde, wenn in einer oder mehreren Studienrichtungen mindestens ein regionaler Engpass im Angebot an Studienplätzen vorliege. Die von Ihnen beschlossenen Sparmassnahmen hatten des weiteren eine Reduktion der Beitragssätze je nach Finanzkraft bis zu 10 Prozent zur Folge. Dieser Beitragssatz wird von , den kantonalen Hoehschulträgern als völlig unzureichend betrachtet.

Die Kantone machen darauf aufmerksam, dass der Bund die bisherige gemeinsame Politik der Offenhaltung unserer Hochschulen je länger je weniger angemessen finanziell unterstützt. In der Tat sinken - pro Student gesehen - die Grundbeiträge des Bundes an die kantonalen Hochschulen. Während sie 198G 3701 Franken betrugen, sind es 1989 schätzungsweise 2900 Franken, das heisst rund 20 Prozent weniger. Dieser Rückgang ist unter anderem auch eine der Konsequenzen der 1980 beschlossenen Sparmassnahmen. Da die 'Hochschulsubventionen zum Subventionsbereich gehören, mussten sie ebenfalls reduziert werden. Angesichts der gesamtschweizerischen Bedeutung der kantonalen Hochschulen wurden die Abstriche zur Vermeidung von Härtefällen jedoch gemildert: Die Grundbeiträge, d.h. die Beiträge an die Betriebsausgaben der Hochschulen, werden nur um acht bzw.

5 Prozent herabgesetzt, und bei den Bundesbeiträgen an die Sachinvestitionen für die kantonalen Hochschulen kommen die finanzschwachen Hochschulkantone in den Genuss des ermässigten Sparsatzes von 5 Prozent für finanzschwache Subventionsempfänger.

Die Lage der Hochschulen wird bei der Vorbereitung der Botschaft über die Bundesbeiträge nach Hochschulförderungsgesetz für 1984-1987 sowie im Zusammenhang mit der Aufgaben- und Finanzplanung des Bundes für die nächste Legislaturperiode neu beurteilt werden müssen. Um zu vermeiden, dass bis dahin irreversible Entscheide fallen, schlagen wir mit dieser Aenderung des Bundesbeschlusses von 1980 ein Ueberbrückungsinstrument vor, mit dem 1982 und 1983 Zulassungsbeschränkungen verhindert werden können.

Die nachfolgenden Abschnitte geben eine eingehendere Oebersicht über die hochschulpolitischen Entwicklungen der letzten Jahre und die Zukunftsperspektiven, die zur gegenwärtigen kritischen Situation geführt haben. Soweit es heute schon möglich ist, wird auch skizziert, was der Bund zur Meisterung dieser
Lage beizutragen gedenkt. Mit der Annahme des beantragten Bundesbeschlusses schaffen Sie eine Voraussetzung dafür, dass der Bund dazu beitragen kann, eine folgenschwere Aenderung der 502

schweizerischen Bildungspolitik abzuwenden. Eine solche Aenderung erscheint um so problematischer, als das Ende des Wachstums der Studentenzahlen abzusehen ist.

12

Die hochschulpolitische Jahren

121

Die allgemeine

Entwicklung seit den sechziger

Entwicklung

Die gegenwärtige, kritische Situation an den Hochschulen ist die Eolge einer beträchtlichen Entwicklung der Studentenzahlen und der damit verbundenen Kosten1 seit den sechziger Jahren.

Explosive Wissensvermehrung,' zunehmende Spezialisierung, personalintensivere Lehr- und Forschungsmethoden, neue Schwergewichte in und zwischen den einzelnen Wissenschaftssektoren und nicht zuletzt ein bedeutender, Nachholbedarf - im Vergleich, zu anderen hochindustrialisierten Nationen verfügte und verfügt die Schweiz immer noch über Deinen relativ geringen Akademikeranteil - liessen: die Nachfrage nach Hochschulabsolventen ,stark ansteigen. Die demografische ,Entwicklung (mit einem stetigen Wachstum der Geburtenzahlen bis 1964), die soziale Besserstellung weiter Bevölkerungskreise sowie grundlegende Wandlungen in der Beurteilung des Wertes einer höheren Bildung haben dazu geführt, dass sich wesentlich mehr Jugendliche für ein Hochschulstudium entschieden. Die Belastung für die einzelnen Hochschulen und' Hochschulkantone hat damit einen Stand erreicht, bei dem selbst die beachtliche Finanzhilfe des Bundes und der Nichthochschulkantone - wie erwähnt - nicht mehr genügt, um die Universitäten weiterhin offenzuhalten. In den folgenden Abschnitten soll diese .Entwicklung kurz skizziert werden.

122

Das Wachstum der Studentenzahlen

Zwischen 1960 und 1981 hat sich die Zahl der Studierenden rund verdreifacht. Einer Verdoppelung > bis 1970 folgte ein Wachstum ·von immerhin noch 40 Prozent in den folgenden zehn Jahren.

Seit 1978/79 - dem Stand der Berichterstattung in unserer Botschaft vom 23. April 1980 über die Kredite für die vierte Beitragsperiode nach Hochschulförderungsgesetz (BB1 1980 II 789) - erhöhte sich die Zahl der Studenten um weitere 6'000 auf gegenwärtig rund 64'ODO. Davon studieren rund 85, Prozent an den acht kantonalen Hochschulen.

503

Von dieser Entwicklung sind die einzelnen Hochschulen und Studienbereiche in unterschiedlichem Ausmass betroffen. Die folgende Tabelle zeigt das Wachstum der Studentenzahlen zwischen 1960/61 und 1980/81, differenziert nach Hochschulen:

Hochschule

1960/61 abs.

%

abs.

Universität Basel

2'4Z1

11,3 4 '376

Universität Bern

2 '481

11,6

Universität Freiburg

1 '684

Universität Genf

3 '488

Universität Lausanne Theol. Fak. Luzern

1'701 1) 65

1980/81

1970/71

5'539

7,9 3'011

%

01 10

abs.

10,4 5 '71 5

9,3

13,2 7'601

12,4

4,110

6,7

15,2 10'049

16,4

8,0 3'176

7,5 5 '493

9,0

0,3

0,2

198

0,3

16,4

6 '408

86

7,1

Universität Neuenburg

598

2,8 1'189

2,8 1'928

3,1

Hochschule St. Gallen

743

3,5

1'597

3,8 1-949

3,2

15,4

8'565

20,3 14'786

4,3 1'455

3,4 2'157

Universität Zürich ETH Lausanne ETH Zürich Total davon Frauen

3 '285 2

909 )

3 '941

18,5

21-316

100

3'587

17

6'776

16,1

42M78 100 · 91499

23

24,1

3,5

7 '388

12,0

61 '374 100

19'915

32

1)ohne die 909 Studenten der Architektur- und der Ingenieurschule )Architektur- und Ingenieurschule der Universität Lausanne

2

Die stärkste Entwicklung erlebte die heute grösste Hochschule, die Universität Zürich, mit einem Studentenzuwachs von 350 Prozent seit 1960. Dagegen weist die ETH Zürich - als studentenreichste Institution von 1960 - die geringste Wachstumsrate auf. Als zweite Universität überschritt Genf 1980 die Zahl von 10'OQO immatrikulierten Studenten.

Das stark überproportionale Ansteigen der Zahl der Studentinnen in den letzten 20 Jahren hat sich deren Anteil am Total der Studierenden mehr als verdoppelt - widerspiegelt eine der Ursachen des globalen Wachstums. Zudem haben Jugendliche aus traditionell in höheren Bildungskategorien untervertretenen Gruppen der Bevölkerung vermehrt Zugang zum Hochschulstudium

504

gefunden. Diese geschlechtsspezifische und sozioökonomische Umstrukturierung der Studentenschaft bildet ihrerseits eine wichtige Ursache für Gewichtsverschiebungen zwischen den einzelnen Studienbereichen: Fachbereich

Phil. I Phil. II Rechtswiss.

Wirtschafts-/ Soz.wiss.

Medizin Ingenieurwiss.

Total

1960

1970

1975

1980

Stud. in %

Stud. in %

Stud. in %

Stud. in %

5145 4782 1844 2957

23,9 22,5 8,7 13,9

10221 7006 3736 Ì6641

24,2 16,6 8,9 15,8

3832 2756

18,0 13,1

:8150

19,3 15,2

21316

6424

100 42178

14796 8812 5982 6990

28,1 16,8 11,4 13,3

19348 31,5 9779 15,9 7574 12,3 7413 12,1

9398 17,9 10263 16,7 6645 12,6 6997 11,4

100 52623 100 61374

100

Ueberdurchschnittlich stark gewachsen sind die Geisteswissenschaften sowie die Rechtswissenschaft. In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Studierenden in diesen beiden Fachbereichen verdoppelt; dabei ist der Frauenanteil in den Geisteswissenschaften von 44 Prozent auf 49 Prozent, in den Rechtswissenschaften von 14,5 Prozent auf 26 Prozent gestiegen. Auf der anderen Seite haben vor allem die Natur- und Ingenieurwissenschaften an Gewicht eingebüsst, wobei die Phil.

II-Disziplinen ihren Anteil nach einem starken Abbau zwischen 1960 und 1970 zu konsolidieren vermochten.

Nur unterdurchschnittlich gewachsen ist in den letzten Jahren auch die Medizin. Dennoch stellen sich hier die Wachstumsprobleme am deutlichsten. Einmal ist eine Erweiterung der bestehenden Studienkapazität mit grösseren Infrastrukturleistungen und finanziellen Folgen verbunden als in anderen Disziplinen.

Zum anderen erfordern hochschulspezifische Schwergewichte im Studienangebot - das Medizinstudium,kann an sieben Universitäten aufgenommen, aber nur an fünf (Humanmedizin), bzw. vier (Zahnmedizin) und zwei (Veterinärmedizin) abgeschlossen werden - alljährlich eine Reihe von Planungs- und Koordinationsmassnahmen zwischen den betroffenen Universitäten.

Schliesslich steht dem zu erwartenden Nachfrageüberhang nach Studienplätzen die Tatsache entgegen, dass bestehende Kapazitäten abgebaut und geplante Erweiterungen verzögert werden.

Der Kanton Basel-Stadt droht, seine klinischen Studienplätze bis 1986 von 180 auf 160 zu reduzieren, und die in St. Gallen geplante Medizinische Akademie kann frühestens 1983 den Stimmbürgern zum Entscheid vorgelegt werden.

505

123

Kostenentwicklung und Finanzierungsprobleme

Die Ausbau- und Förderungsphase im schweizerischen Hochschulwesen war mit erheblichen finanziellen Mehrbelastungen für die Trägerinstitutionen verbunden. Die folgende Tabelle zeigt, dass die Kosten verhältnismässig viel stärker gestiegen sind als die Studentenzahlen: Jahr

Betriebsausgaben aller Hochschulen

Total Hochschulstudenten

(in Mio. Fr.)

Bruttobetriebsausgaben pro Student

Bruttobetriebsausgaben pro Student (konstante (laufende Preise Preise 1980 in Fr.)

in Fr.)

1960

133,8

19'977

6-700

14-091

1965

266,8

30 '449

8'762

17-152

1970

532,8

40-083

13-292

24-564

1975

1'232,6

50'663

24-329

26-736

1980

1'536,8

61 '374

25-041

. 25-041

Die Betriebsausgaben der Hochschulen betrugen pro Student 1980 25*041 Franken gegenüber real 14-091 Franken im Jahr 1960. Für den einzelnen Studierenden wird heute also rund das Doppelte des Betrages vor 20 Jahren aufgewendet. Bemerkenswert ist aber gleichermassen die Entwicklung seit 1977: die realen Pro-KopfAusgaben sind wieder im Sinken begriffen.

In Zeiten der Hochkonjunktur vermochten Bund und Hochschulkantone die anfallenden Mehrkosten relativ leicht zu verkraften.

Als Folge des Konjunktureinbruchs zu Beginn der siebziger Jahre (1973) sind jedoch schwerwiegende finanzielle Engpässe entstanden; eine automatische Deckung der Wachstumskosten ist nicht mehr garantiert.

Ins Gewicht fällt dabei insbesondere die Tatsache, dass die vom Bund nach Hochschulförderungsgesetz an die kantonalen Hochschulen ausgerichteten Beiträge seit 1977 real sinken. Mit der Interkantonalen Vereinbarung über Hochschulbeiträge sind die Hochschulkantone zwar entlastet, keineswegs aber von finanziellen Sorgen befreit worden. In den beiden folgenden Kapiteln werden die Leistungen von Bund und Nichthochschulkantonen noch etwas genauer beleuchtet.

506

124

Die Leistungen des Bundes

Der Bund unterstützt das schweizerische Hochschulwesen in dreifacher Weise. Er ist Träger der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen und der zugehörigen Annexanstalten, er deckt mit Bundessubventionen nach dem Bundesgesetz vom, 28.

Juni 1968 über die Hochschulförderung (HFG, SR 414.20) - einen Teil der Kosten der kantonalen Hochschulen, und er finanziert mit den Beiträgen an den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung,, einen wesentlichen Teil der Forschung an den schweizerischen Hochschulen.

: Der Anteil der finanziellen Aufwendungen für diese drei Bereiche an den Gesamtausgaben des Bundes ist von 5 Prozent im Jahre 1976 auf 4,6 Prozent für 1980 zurückgegangen. Für die drohenden Zulassungsbeschränkungen von besonderer Bedeutung ist dabei der reale Rückgang der Beiträge an die kantonalen Hochschulen:, i Das HFG ist geschaffen worden, um den Hochschulkantonen zu ermöglichen, ihre Hochschulen auszubauen und den freien Zugang zu den Hochschulen zu sichern. Dazu werden einerseits Grundbeiträge zur Unterstützung des Hochschulbetriebes ausgerichtet und andererseits Sachinvestitionsbeiträge für einzelne Bauvorhaben oder für Anschaffungen gewährt. Um seinen Finanzhaushalt zu entlasten, kürzt der Bund seine Leistungen an die Hochschulkantone seit 1980. Er trägt allerdings der ausserordentlichen Bedeutung der Hochschulen insofern Rechnung, als er die Grundbeiträge gemäss der Verordnung über. Härtefälle bei der Herabsetzung von; Bundesleistungen (SR 611 .021 ) als prioritär (Reduktion nur um 8%} behandelt und bei den Sachinvestitionen für die Hochschulen den Kürzungssatz der Finanzkraft der Hochschulkantone entsprechend differenziert , (5-1085) anwendet. Von 19691 - , dem Inkrafttreten des HFG - bis Ende 1981 sind den Hochschulen Sachinvestitionsbeiträge in der Höhe von 1,2 Milliarden Franken zugesichert worden.

Nominal sind die Zuwendungen des Bundes seit 1969 zwar um rund 130 Millionen Franken gestiegen. Seit 197,7 haben sich die Beträge aber weitgehend stabilisiert bzw. verlaufen real sogar rückläufig. 1980 beträgt der Anteil; der Finanzhilfe des Bundes an den Betriebsausgaben lediglich noch 15,8 Prozent, das sind 2,3 Prozent .weniger als noch vier Jahre zuvor. Diese Entwicklung steht im Kontrast zu den steigenden Hochschulkosten und konnte bisher nur durch die Leistungen der acht Hochschulkantone aufgefangen werden. Die Entwicklung der Grundbeiträge nahm bis 1980 den folgenden Verlauf: 507

Jahr

1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980

125

Total Grundbeiträge an kanto- Anteil an den Benale Hochschulen (ohne Insti- triebsausgaben in % tutionen nach Art. 3 HFG) in Mio. Fr.

59,1 68,8 93,1 112,1 123,2 129,6 146,0 164,2 184,2 186,0 187,1 189,0

16,3 16,6 17,8 17,7 16,9 15,2 15,4 16,4 18,1 17,6 16,9 15,8

Die Interkantonale Vereinbarung über Hochschulbeiträge

Der grösste Teil der schweizerischen Hochschullasten wird von den Hochschulkantonen getragen. Diese erbringen mit der Offenhaltung ihrer Hochschulen für Schweizer und niedergelassene Ausländer aus allen Kantonen eine nationale Leistung, von der die achtzehn Nichthochschulkantone bedeutenden Nutzen ziehen.

In den sechziger Jahren war dies der entscheidende Anlass für die Hochschulförderung des Bundes. Ein Jahrzehnt später zeichnete sich - angesichts des noch für einige Jahre erwarteten Wachstums der Studentenbestände - das Bedürfnis ab, als weitere Finanzierungsquelle auch Beiträge der bisher an der Hochschulfinanzierung unbeteiligten Kantone zu erschliessen.

Erste Schritte in dieser Richtung bildeten der Universitätsvertrag zwischen Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie ein relativ bescheidener Solidaritätsbeitrag der Nichthochschulkantone zugunsten des klinischen Medizinstudiums (ab 1978 jährlich insgesamt 2 Mio. Fr.)

Ausbildungsengpässe, der drohende Numerus clausus und die Furcht vor diskriminatorischen Massnahmen der Hochschulen gegen Studienanwärter aus den Nichthochschulkantonen veranlassten bereits 1977 die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, sich gemeinsam mit der Hochschulkonferenz (deren Nichtdiskriminations-Abkommen von 1974 hier vorbereitend wirkte) der Frage anzunehmen. Bestimmend für die weitere Entwicklung wurde ein Rechtsgutachten von Professor Y. Hangartner, St.

Gallen (BBl 1980 II 789), das folgendes klarstellte:

508

Einmal sei es den Hochschulkantonen nach Bundesverfassung nicht verwehrt, aus zwingenden sachlichen Gründen Zulassungsbeschränkungen einzuführen und dabei die Einwohner des eigenen Kantons besserzustellen. Nach der gleichen Verfassung seien jedoch alle Kantone primär für das Hochschulwesen zuständig; daraus folge auch ihre Verpflichtung, in diesem Bereich tätig zu werden;: diese Verbindlichkeit aktualisiere sich für die Nichthochschulkantone jedenfalls in dem Zeitpunkt, wo der Hochschulzugang für deren studienberechtigte Einwohner nicht mehr gesichert erscheine.

Am 26. November 1979 haben die Konferenzen der kantonalen Erziehungsdirektoren und der Finanzdirektoren die Vereinbarung über Hochschulbeiträge zuhanden der Kantone verabschiedet. Die Vereinbarung trat auf den 1 . Januar 1981 in Kraft; sämtliche Kantone und das Fürstentum Liechtenstein sind ihr beigetreten. Der, Bundesrat genehmigte das Konkordat am 24. Februar 1982 (AS 1982 464).

Alle beitretenden Kantone sind,gehalten, für jeden ihrer Studenten, der, die Universität eines anderen Konkordatskantons besucht, einen jährlichen Beitrag zu entrichten (Pro-KopfLeistung von 3000 Fr. bis 1983, von 4000 Fr. bis 1985, von 5000 Fr. ab 1986). Als Gegenleistung verpflichten .sich die angeschlossenen Hochschulkantone, den freien Universitätszugang nach Möglichkeit sicherzustellen und dabei den Studenten und Studienanwärtern aus allen Konkordatskantonen die Gleichstellung mit den eigenen Studierenden einzuräumen.

Aufgrund der 1981 erstmals erstellten Listen mit den Namen der rund 18'000 ausserkantonalen Studierenden wurde den Kantonen und dem, Fürstentum Liechtenstein Rechnung gestellt. Den ; Hochschulkantonen (ohne St. Gallen) konnten nach bereinigter Abrechnung für 1981 36,5 Millionen Franken überwiesen werden.

Zustandekommen und erstmalige Durchführung der Interkantonalen Vereinbarung verdienen als Erfolg verbucht zu werden. Die Solidarität zwischen Hochschulkantonen und Nichthochschulkantonen .hat sich bewährt. Mit ihren Beiträgen kommen die Nichthochschulkantone: allerdings lediglich für etwa 2 Prozent der Hochschulkosten auf; die durch den realen Rückgang der Bundesbeiträge entstandene Mehrbelastung für die Hochschulkantone wird damit nicht kompensiert.

509

13

Die hochschulpolitischen Perspektiven für die nächsten Jahre

131

Die neusten Studentenprognosen

Seit den 1976-1978 durch den Schweizerischen Wissenschaftsrat veröffentlichten Studentenprognosen kennt man die Grössenordnung der Belastung durch wachsende Studentenzahlen, denen die Hochschulen unseres Landes in den achtziger Jahren ausgesetzt sein werden. Dieses Wachstum ist eine Folge der demographischen Entwicklung und der in den sechziger und siebziger Jahren eingeleiteten Politik, nach der den geburtenstarken Jahrgängen auf allen Stufen des Bildungswesens Bildungschancen offen stehen sollen, die mit jenen anderer Generationen vergleichbar sind; - Mädchen und Frauen ein Anrecht auf gleiche Bildungsmöglichkeiten haben wie das männliche Geschlecht; - die allgemeine Höherqualifizierung aller Bevölkerungskreise der Sicherung des err-eichten wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Standes dient und weiter gefördert werden soll.

Die geburtenstarken Jahrgänge haben heute die Volksschule und den unteren Sekundärbereich bereits durchlaufen; sie erreichten die Berufsbildung und die obersten Klassen der Mittelschulen, ohne dass von den erwähnten Zielen abgewichen werden musste. Es gilt nun, den eingeschlagenen Kurs auch in den Hochschulen und den höheren Fachschulen (Techniken, Höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschulen, Schulen für Sozialarbeit, höhere medizinische Berufe usw.) durchzuhalten. Es muss verhindert werden, dass Jugendliche, die - im Vertrauen auf die Bedeutung, die unsere Gesellschaft der höheren Bildung beimisst - den Weg durch die Mittelschule eingeschlagen haben, ihre Ausbildung nicht mit dem Hochschulstudium ihrer Wahl sinnvoll abschliessen können.

Der planerischen Vorbereitung von Massnahmen der Hochschulkantone und des Bundes zur Bewältigung des noch bevorstehenden Wachstums der Studentenzahlen dienen die vom Bundesamt für Bildung und Wissenschaft gemeinsam mit den Hochschulen erarbeiteten Studentenprognosen. Die neuesten dieser Studien, die sich auf überarbeitete Schüler- und Maturandenprogno-sen der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren abstützen, präzisieren und verändern das Bild, das man sich bisher von der Entwicklung der Studentenzahlen machen konnte:

510

5TUDENTENPRDGNOSEN 1978 und 1982 Abbildung 1 Studenten (in 1'000)

Prognose' 1982

Jahr 1975

76

77

78

79

Die wesentlichsten sind:

80

81

82

83

84

85

86

neuen Elemente der jüngsten

87

89

90

Prognosestudien

- die Maturandenzahlen werden um rund 10 Prozent stärker steigen als dies 1976 angenommen wurde; nachdem sich die Mittelschulquote 1970-1975 nur wenig veränderte, wächst sie seit 1976 wieder; Hauptursache ist der Nachholbedarf der Mädchen, deren Anteil an den Beständen der Mittelschulen von 35 Prozent (1970) auf rund 44 Prozent (1981) gestiegen ist. Die Maturandenquote der Knaben hingegen hat nur noch wenig zugenommen.

- Das Interesse der Maturanden, ein Studium aufzunehmen, ist in den letzten Jahren etwas zurückgegangen, so dass die Studienanfängerzahlen nicht proportional zu den Maturandenzahlen wachsen.

511

Die Maturanden nehmen ihr Studium häufiger erst nach 1-2 Zwischenjahren auf. Dies führt zu einer Verschiebung des Höchstwertes der Studienanfängerzahlen, der mit 11'400 nicht 1984, sondern 1986 erreicht wird.

Die Tendenz zu einem verspäteten Studienbeginn wirkt sich auch bei den Studentenzahlen in einer Verschiebung des Maximums von 1987 auf 1989/90 aus. Dabei verläuft die Kurve etwa entlang der 1978 aufgezeigt Maximalvariante und übertrifft diese mit rund 73'OOQ Studenten in den dahren 1988-1990 um rund 2'000.

Im Gegensatz zu bisher häufig vertretenen Annahmen wird die Kurve der Studentenzahlen wahrscheinlich nicht steil ansteigen und abfallen. Vielmehr ist mit einem regelmässigen Wachstum zu rechnen, das um 1987 in eine StabilisierungsStudentenzahlen der schweizerischen Hochschulen 1975-1990 Abbildung 2 Anzahl der Studenten (in. 1000) 17 16 15 14 13 12 11 10

9 8 7 6 5 4 3 2 1 «· Jahr 1975

512

76

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78

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phase übergeht, so dass auch um 1990 insgesamt noch mit einer hohen Belastung gerechnet werden muss. Anschliessend dürfte ein gewisser Rückgang eintreten.

Der Zuwachs an Studierenden' wird sich nicht gleichmässig auf alle schweizerischen Hochschulen verteilen. Vielmehr dürfte sich das stark unterschiedliche Wachstum der Hochschulen, das seit 1960 beobachtet werden kann, auch künftig fortsetzen. Die bereits heute am stärksten belasteten Hochschulkantone Zürich und Genf werden weiterhin die höchsten Zuwachsraten aufweisen. Insgesamt werden die Studentenzahlen der Westschweiz stärker wachsen als die der Deutschschweiz (vgl. Abbildung 2).

Die künftigen Studentenzahlen vermögen aller Voraussicht nach den gesellschaftlichen Bedarf an Hochschulabsolventen zu dekken. Ein genereller Ueberschuss ist nicht zu befürchten. Im Vergleich zum Ausland erscheint die Zunahme der Studentenzahlen in der Schweiz als bescheiden.

132

Die künftigen Leistungsmöglichkeiten der kantonalen Hochschulträger

Aus der Gegenüberstellung der Leist.ungsmöglichkeiten der .Hochschulträger und der Anforderungen, die an die Hochschulen gestellt sind, kann Einblick in die Probleme gewonnen werden, die in den nächsten Jahren zu lösen sind. Eine derartige hochschulpolitische Standortbestimmung für die Jahre 1984-1987 wird gegenwärtig in der durch das Hochschulförderungsgesetz verlangten gemeinsamen Entwicklungsplanung aller Hochschulen unseres Landes vorbereitet. Die Planungsarbeiten werden von der durch die Schweizerische Hochschulkonferenz eingesetzten Hochschulplanungskommission koordiniert. Die Ergebnisse werden den eidgenössischen Räten im kommenden Jahr in der Botschaft über die fünfte Beitragsperiode nach HFG unterbreitet.

Heute liegen die von jeder Hochschule erarbeiteten Absichtspläne vor. Diese Dokumente, welche die Vorstellungen über den Betrieb und Ausbau der Hochschulen in den Jahren 1984-1987 enthalten, sind Grundlage bereits laufender Koordinationsgespräche. Obschon diese Absichtspläne provisorisch sind und sich nicht überall in gleichem Mass auf konsolidierte kantonale Finanzplanungen abstützen können,: lassen sich bereits heute wesentliche Anhaltspunkte der künftigen Entwicklung gewinnen: - Die kommende Periode umfasst die Jahre stärkster Beanspruchung der Aufnahmefähigkeit der Hochschulen für Studenten.

Bis 1986 steigen die Studienanfängerzahlen. Die höchsten 27 Bundesblatt. 134. Jahrg. Bd. II

513

Studentenzahlen werden an den meisten Hochschulen erst 1987 und später erreicht. Die bevorstehende eigentliche Zerreissprobe, in der auch die Ausbildungsqualität gesichert werden muss, kann nicht ohne den gezielten Einsatz zusätzlicher Lehrpersonen und Einrichtungen bewältigt werden.

- Die nach wie vor in raschem Rhythmus voranschreitende Entwicklung der Wissenschaften verlangt unverminderte Anstrengungen auch in der Forschung; diese soll weiterhin vor internationalen Massstäben bestehen können. Die Forschung bleibt ein wesentliches Element der Erhaltung und Weiterentwicklung der Wirtschaft und Kultur. Sie darf nicht durch steigende Anforderungen an die Lehrleistung der Hochschulen eingeschränkt werden.

- Wachsende Studentenzahlen und rasche Wissenschaftsentwicklung verlangen von den Hochschulträgern zusätzliche Anstrengungen nicht nur im Personalbereich, sondern auch wesentliche Investitionen zur Bereitstellung der erforderlichen räumlichen Infrastruktur und apparativen Ausstattung; gerade letztere droht angesichts der bestehenden Finanzknappheit und des rasanten Fortschritts der Apparatetechnik rasch zu veralten.

- Die Entwicklung der Wissenschaft ist unter anderem durch eine verstärkte Anwendung empirischer Arbeitsmethoden in allen Disziplinen gekennzeichnet. Dadurch gewinnt die Informatik weiter an Bedeutung. Sie wird obligatorischer Teil von immer mehr Studiengängen, auch in den Geisteswissenschaften.

Die Folge ist ein gesteigerter Bedarf an Lehrpersonal und Einrichtungen in diesem Bereich.

- Ein weiterer Aspekt dieser Entwicklung ist die Notwendigkeit des Ausbaus und der ,Automatisierung der wissenschaftlichen Bibliotheken und Dokumentationsstellen. Auch sie kann nicht ohne zusätzliche Mittel vorankommen.

Diesen Anforderungen stehen beschränkte Leistungsmöglichkeiten der Hochschulkantone gegenüber. Alle Hochschulträger bekunden zwar in ihren Absichtsplänen den Willen, den freien Zugang zu den Hochschulen, die Ausbildungs- und Forschungsqualität und die Dienstleistung soweit wie möglich zu gewährleisten. Bei den Hochschulkantonen' sind jedoch folgende Leistungsgrenzen erkennbar : - Die Ausstattung insbesondere der juristischen Fakultäten und der grossen Fächer der Geistes- und Sozialwissenschaften, die sich dem stärksten Zuwachs an Studierenden gegenübersehen und bereits heute oft unbefriedigende Verhältnisse aufweisen, wird nicht grundlegend verbessert werden können. Die meisten Hochschulen müssen sich auf die Aufrechterhaltung

514

wenigstens der heutigen Verhältnisse konzentrieren. Das bedeutet, dass in manchen Fächern ein hauptamtlicher Dozent mehr als hundert Studenten .betreuen mUss.

: - Neue und dringliche Aufgaben wie der Ausbau der Nachdiplomausbildung und der Weiterbildung können nicht oder nur in .unbefriedigendem Ausmass erfüllt werden. ' -,,Wesentliche Ausbauprojekte, die, in früheren Planungsperioden angefangen wurden, können , nicht abgeschlossen werden.

- Die Institutskredite, wesentliches Element der Flexibilität und der sinnvollen Nutzung .der vorhandenen Ausstattung, gehen weiterhin zurück.

- Generell wachsen die Mittel wesentlich langsamer als die durch steigende Studentenzahlen verursachten Anforderungen.

- Die Förderung; des wissenschaftlichen Nachwuchses bleibt hinter dem als notwendig betrachteten Minimum: zurück.

- Unter dem Druck der Finanzlage beabsichtigt der Kanton Basel-Stadt, die Zahl der für die Universität bewilligten Stellen um 10 Prozent abzubauen.

Man muss an dieser Stelle an die Tatsache erinnern, dass die Leistungen des Bundes an die kantonalen Hochschulen (jährlich rund 260 Mio. Fr.) und die Beiträge der Nichthochschulkantone (1981: 36,5 Mio. Fr., 1985: ca. 50 Mio, Fr.) auch in Zukunft die Kosten nicht zu decken vermögen, die durch die Ausbildung der Studierenden aus Nichthochschulkantonën verursacht werden.

Insgesamt kann die erfreuliche Leistungsbereitschaft der Hochschulkantone hervorgehoben werden. Sie genügt aber nicht, um zu verhindern, dass bereits geringe unvorhergesehene zusätzliche Belastungen das labile Gleichgewicht in einzelnen Bereichen Wesentlich gefährden.

Die Hochschulen ihrerseits haben bisher im Rahmen ihrer Möglichkeiten tatkräftig dazu beigetragen, den freien Zugang zum Studium offenzuhalten. Insbesondere die Hochschulleitungen betrachten die Einführung des Numerus clausus als eine ernsthafte Bedrohung der freiheitlichen schweizerischen Hochschultraditionen. Deshalb vertritt die Schweizerische Hochschulrektorenkonferenz einhellig die Meinung, dass der Zugang zu allen, speziell aber auch zu den medizinischen Studienrichtungen, weiterhin offen bleiben sollte.

515

133

Der Sonderfall der Medizinerausbildung

Ausgangspunkt der vorliegenden Botschaft ist die Zuspitzung der Lage in der Medizin. Die drei medizinischen Ausbildungsgänge (Human-, Zahn- und Tiermedizin) nehmen eine hochschulpolitische Sonderstellung ein; ihre Lage wird zwar auch - wie die der meisten ändern Ausbildungsgänge - durch die Studentenzahlen und die Entwicklung der Wissenschaft bestimmt; die Medizinerausbildung ist aber ausserdem abhängig von den Anforderungen einer modernen medizinischen Versorgung der Bevölkerung sowie von Art und Zahl der Patienten der an der Ausbildung,beteiligten Spitäler.

.Diese Verknüpfung mit ändern als hochschulspezifischen Elementen hat bereits während der siebziger Jahre wiederholt zu Diskussionen über eine allfällige Einführung von Zulassungsbeschränkungen geführt. Solche konnten aber durch Erhöhungen der Ausbildungskapazitäten (letztmals 1976: Erhöhung der klinischen Ausbildungsplätze in Humanmedizin von 790 auf 850) vermieden werden. Unter dem Eindruck der Information über die Lage in der Medizin, die die Schweizerische Hochschulkonferenz jedem Maturanden zukommen lässt, stabilisierte sich 1976-1980 die Zahl der Studienanfänger. Der plötzliche Anstieg der Anfängerzahlen im vergangenen Herbst, mit dem die bisherige Kapazitätsgrenze um rund 50 überschritten wurde, hat jedoch die Diskussion um den Numerus clausus erneut entfacht. Im Vergleich mit ändern Disziplinen ist dieser Anstieg zwar geringfügig; und auch die bis 1990 zu erwartende Steigerung der Studentenzahlen in der Medizin (+ 4-5 %) nimmt sich neben der in den Geisteswissenschaften (+ 24 %) und den Rechtswissenschaften (+ 16 ?o) zu bewältigenden Entwicklung bescheiden aus. Es handelt sich nicht um die Schaffung von Studienplätzen für eine stark ansteigende Welle von Medizinstudenten, sondern um die vergleichsweise bescheidene Zahl von schätzungsweise 100-150 Studienplätzen.

Obschon das Problem sich also in eher kleinen Dimensionen darstellt, hat sich eine weitläufige öffentliche Diskussion entfacht, die von Befürwortern und Gegnern der Zulassungsbeschränkungen mit unterschiedlichsten Argumenten geführt wird.

Wir möchten nachfolgend drei der in der Oeffentlichkeit häufig vorgebrachten Argumente für Zulassungsbeschränkungen herausgreifen und näher beleuchten.

516

133.1

Aerztedichte

Die Frage der Aerztedichte in der Schweiz ist bereits in den siebziger Jahren vor 'allem von Medizinern in die hochschulpolitische Diskussion hineingetragen worden. Die Notwendigkeit von Zulassungsbeschränkungen wurde schon damals mit dem Hinweis auf die Nachteile einer1 zu grossen Zahl von Aerzten begründet. Diese Verkuppelung von Ueberlegungen zum Arbeitsmarkt mit der Bemessung der Bedürfnisse für die Studienplätze fehlt in allen ändern Zweigen der Hochschulausbildung weitgehend.

Die Hochschulpolitik des Bundes und der Kantone hat es bisher grundsätzlich und konsequent abgelehnt, auf solche arbeitsmarktpolitische Ueberlegungen einzugehen. Unser System erlaubt es dem Einzelnen, die Studienwahl: frei zu treffen; es überträgt dem Absolventen aber auch das volle Beschäftigungsrisiko. Geht man in einem Bereich von diesem Prinzip ab, werden sehr rasch andere Berufszweige mit vergleichbaren Forderungen auftreten. Aus dieser grundsätzlichen Erwägung darf auch die Medizin keine Ausnahme bilden.

133.2

Kostenentwicklung

Ein zweites Argument, das zugunsten von Zulassungsbeschränkungen angeführt wird, betrifft die Kostenentwicklung, des Gesundheitswesens und der Hochschulen. Es wird gesagt, ein weiteres Anwachsen der Aerztezahlen werde zu einer massiven Steigerung der Kosten des Gesundheitswesens führen.

Niemand wird bezweifeln wollen, dass eine Beziehung: zwischen diesen beiden Faktoren besteht. Aber der Schluss, das Problem der wachsenden Gesundheitskosten sei mit einer Begrenzung der Ausbildungskapazität auf die heutigen 850 Klinikplätze zu lösen, ist falsch. Die kürzlich mit Modellrechnungen ermittelten Zahlen zur künftigen Aerztedichte zeigen deutlich, dass sich diese wesentlich erhöht, auch wenn man die heute erforderlichen zusätzlichen Medizinerplätze nicht schafft. Unserer Meinung nach ist beispielsweise die Erziehung der jungen Aerzte zum sparsamen Einsatz von Medikamenten und der medizinischen Technik eine wirksamere Ausgabenbremse als die zahlenmässige Beschränkung der Studienplätze. Die übrigen und unseres Erachtens wichtigeren Faktoren der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen können nicht durch die Bildungspolitik gesteuert werden. Es sind Faktoren wie die weitere Technisierung der Medizin, die Entwicklung präventiver und therapeutischer Methoden, das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung, die Mechanismen im Bereich der Versicherungen usw. Diese folgen ihrer eigenen Gesetzmäsnigkeit und können deshalb nur durch direkte staatliche Ein517

griffe im Rahmen der Gesundheits- und Sozialversicherungspolitik so beeinflusst werden, dass das Wachstum der Kosten des Gesundheitswesens, wirksam beschränkt wird.

Auch das Argument, die Schaffung neuer Studienplätze sei angesichts der hohen Ausbildungskosten für Mediziner nicht zu ver-antworten, muss relativiert werden; die Ausbildungskosten Inder Medizin folgen nicht den Studentenzahlen:

Human-, Zahnund Veterinärmedizin

1970

Studenten

7487

1980

1975

Zunahme in % 1970-1975 1975-1980 1970-1980

Betriebsaufwand 1 ) in Mio.

359,9

8390

8797

+ 12

+ 5

+ 17 · '

557,8

619,5

+ 55

+ 11

+ 72

^ ) zu konstanten Preisen 1980 Quellen: SHIS und Eidgenössische Hochschulfinanzstatistik, einschliesslich 30 Prozent der Brutto-Betriebsausgaben der Universitätsspitäler

Die Tabelle zeigt, dass 1970-1980 der Aufwand der medizinischen Fakultäten und der ausbildungsbezogene Aufwand der Universitätsspitäler wesentlich stärker gewachsen ist als die Studentenzahlen. Dies hängt mit den inneren Bedingungen der Entwicklung der Medizin zusammen, beispielsweise der zunehmenden Spezialisierung, sowie der Nachfrage der Patienten nach einer immer stärker ausgebauten technischen Infrastruktur in Diagnostik und Therapie, die sich unabhängig von den Studentenzahlen entwickelt und deren Ende heute nicht abzusehen ist. Daraus kann gefolgert werden, dass die Schaffung zusätzlicher Studienplätze keinesfalls eine lineare Kostensteigerung bewirken wird.

133.3

Belastung der Patienten

Das dritte Element, das in der Diskussion beigezogen wird, betrifft die Frage, ob die Patienten der Universitätsspitäler durch wachsende Studentenzahlen übermässig belastet würden.

Zweifell-os muss verhindert werden, dass - gerade in den sogenannten kleinen Fächern wie Pädiatrie und Ophthalmologie Grenzen der Zumutbarkeit und des Persönlichkeitsschutzes überschritten werden. Wir stützen uns aber auf Aussagen von Experten, wenn wir der Meinung sind, zusätzliche Studienplätze könnten auch unter Einhaltung

518

solcher Grenzen geschaffen wer-

den. Wir denken : dabei nicht nur an die Pläne des Kantons St.

Gallen, der- mit der Schaffung einer1 Medizinischen Ausbildungsstätte ab 1984: 80 zusätzliche Klinikerp.lät.ze zur Verfügung zu stellen beabsichtigt, sondern en die Möglichkeit, weitere Satellitenspitäler oder bewährte Praktiker in die Ausbildung einzübeziehen, an Aenderungen des Studienplanes u.a m. Es ist nicht Aufgabe des Bundes, detaillierte Vorstellungen vorzulegen. Diese müssen von den zuständigen kantonalen und universitären Instanzen vorbereitet werden; Der Bund muss aber die Möglichkeit haben, für entsprechende Sonderanstrengungen zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen.

Als in den frühen siebziger Jahren bei den Hochschulen erstmals die Ausbildungskapazität der medizinischen Fakultäten erfragt wurde, betrat man Neuland. Es schien damals, objektive Kriterien zur Festlegung der Ausbildungskapazität könnten in der Zukunft entwickelt 'werden. Dies hat sich angesichts der unterschiedlichen Strukturen' der einzelnen Hochschulen als unmöglich erwiesen und erklärt, weshalb Hochschulzentren mit vergleichbarer Ausstattung und Infrastruktur ihre Ausbildungskapazität ungleich einschätzen. Dazu tritt eine regionale Dimension: Im Vergleich zum 'Einzugsgebiet stellen die 'westschweizerischen Universitäten eine: überproportionale Zahl von Studienplätzen zur Verfügung.

' Im Schnittpunkt all dieser Erwägungen erscheint die Frage der Einführung von Zulassungsbeschränkungen in der Medizin auch als Frage hochschulinterner Solidarität. Von deh ändern Fächern, die : in den letzten Jahren dem Druck steigender Studentenzahlen in grösserem Mass ausgesetzt waren als die Medizin, sind bislang keine Versuche zur Einführung des1 Numerus clausus unternommen worden, obschon sie teilweise 'eine Verschlechterung ihrer Lage in Kauf nehmen mussten. Es besteht die Gefahr, dass die ändern Fakultäten l nun ebenfalls auf Beschränkungen hinarbeiten werden, wenn die medizinischen Fakultäten das Prinzip der freien Studienwahl durchbrechen.

14

Der notwendige Beitrag des Bundes zur Verhinderung des Nuaerus clausus

141

Grundsätzliche Ueberlegungen zu den Bundesleistungen

In den Diskussionen über eine neue Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen und die Interkantonale Vereinbarung über Hochschulbeiträge tauchte öfters die grundsätzliche Frage' auf, ob der Bund weiterhin an die Finanzierung der kantonalen Hochschulen beitragen solle. Die mit der Ueberprüfung dieser Frage

519

beauftragten Instanzen in Bund und Kantonen sind sich einig, dass der Aufbau und der Betrieb einer modernen Hochschule weit mehr als nur ein regionales Anliegen darstellen und deshalb gesamtschweizerisch angegangen werden müssen. Dabei sind die Hochschulen nicht nur als Bildungsstätten für den wissenschaftlichen und technischen Nachwuchs zur Deckung der Bedürfnisse aller Landesteile zu sehen, sondern auch als nationale Einrichtungen, welche mit ihrer Forschung die Basis für industrielle Entwicklung und für Dienstleistungen im Interesse der Oeffentlichkeit bereitstellen. Die ausserordentliche Vielfalt der Wissensgebiete und die personell und finanziell hohen Anforderungen einer erfolgversprechenden modernen Forschung verlangen eine gesamtschweizerische Aufgabenteilung im Hochschulwesen und schliessen aus, dass die Last für eine Hochschule nur vereinzelten Kantonen zugemutet werden kann.

In den schwierigen Diskussionen bei der Vorbereitung der Interkantonalen Vereinbarung über Hochschulbeiträge ist deutlich geworden, dass die Nichthochschulkantone für solche Bildungsausgaben nur begrenzt belastbar sind. So wird sich in den nächsten Jahren das Verhältnis der Mittel, die den Hochschulkantonen dank dieser Vereinbarung zufliessen (1981 = 36,5 Mio. Fr.), und der Bundessubventionen nach Hochschulförderungsgesetz (1981 = 257 Mio. Fr.) nicht bedeutend, ändern. Deshalb werden die Hochschulkantone ihre gesamtschweizerische Aufgabe nur mit Hilfe des Bundes erfüllen können.

Angesichts der schwierigen Lage der Bundesfinanzen kann der Bund in den kommenden Jahren nicht sämtliche Kosten für alle neu zu schaffenden Studienplätze übernehmen. Deshalb müssen die Hochschulkantone 'wenn irgend möglich zusätzliche Mittel bereitstellen. In jenen Bereichen jedoch, in denen aus besonderen Gründen die kantonalen Leistungen nicht mehr gesteigert werden können, soll der Bund mit gezielten Massnahmen helfen, den freien Zugang zur Hochschule zu sichern.

142

Die Gründe für die Offenhaltung der schweizerischen Hochschulen

Zunächst muss festgehalten werden, dass die schweizerischen Hochschulen aus finanziellen und materiellen Gründen, aber auch aus bildungspolitischen Erwägungen schon seit einiger Zeit gezwungen waren, in manchen Studienrichtungen nur noch sehr zurückhaltend Studienanwärter aus ändern Staaten zu berücksichtigen. Für Schweizer und niedergelassene Ausländer hingegen haben eidgenössische und kantonale Hochschulträger bis jetzt eine Politik der Offenhaltung des Hochschulzuganges 520

praktiziert. Nach. Artikel igbis Absatz 2 des Hochschulförderungsgesetzes fordert der Bund alle Massnahmen, die dazu beitragen, dass jeder Schweizer oder niedergelassene Ausländer, der die Voraussetzungen für eine Immatrikulation erfüllt, das Studium seiner Wahl ohne Behinderung durch rechtliche oder tatsächliche Zulassungsbeschränkungen a n 1 e i n e r schweizerischen Hochschule beginnen und abschliessen kann.

Im Gegensatz etwa zu den angelsächsischen Staaten erfolgt in der Schweiz die Auslese der zum akademischen Studium Befähigten nicht durch Zulassungsprüfungen der Hochschulen, sondern in den Mittelschulen sowie an den eidgenössischen und kantonalen Maturitätsprüfungen. Diesem Konzept widerspricht der Numerus clausus an den Hochschulen. Auf längere Sicht würde er sicher die in vieljähriger Entwicklung erzielte Anerkennung der eidgenössischen und eidgenössisch anerkannten Maturitätszeugnisse als Ausweise zum 'Studium an : jeder schweizerischen Hochschule in allen Fachrichtungen in Frage stellen. Gegen den Numerus clausus sprechen zudem'noch 'folgende Ueberlegungen: - Sobald Zulassungsbeschränkungen drohen, werden die Steuerzahler in den Hochschulkantonen fordern, die eigenen Kantonsangehörigen seien bevorzugt zu behandeln. Der Numerus clausus provoziert somit eine nicht zu unterschätzende Belastungsprobe der eidgenössischen Solidarität.

- Zulassungsbeschränkungen in einzelnen Studienrichtungen beeinflussen die Studienwahl ungünstig und führen in gewissen Fällen zur Verlängerung der Studiendauer. In der Bundesrepublik Deutschland bewirkte der Numerus clausus, dass manche Abiturienten, auch wenn sie sich nicht zum Arztberuf hingezogen fühlten, nur darum das Medizinstudium begannen, weil sie die Zulassungsbedingungen erfüllten. In verschiedenen Fällen trat eine Ueberfüllung in den naturwissenschaftlichen .Fakultäten ein, da sie von etlichen Studenten i für ein "Wartestudium"; bis zur Erfüllung der Aufnahmebedingungen in den medizinischen Fakultäten benutzt wurden. Dies hatte nach Auffassung verschiedener Kenner des .deutschen Hochschulwe, sens zur Folge, dass der' Numerus clausus in finanzieller Hinsicht den Hochschulträgern gesamthaft gesehen kaum Einsparungen gebracht hat.

, - Zulassungsbeschränkungen treffen die finanziell schwächeren Bevölkerungsschichten stärker, da ihnen oft die Mittel
fehlen, um an eine ausländische Hochschule auszuweichen oder ein "Wartestudium" zu beginnen. Der Numerus clausus berührt somit das soziale Gleichgewicht und erhöht die Spannungen unter den Jugendlichen.

28 Bundesblatt. 134. Jahrg. Bd. II

521

- Wenn der Staat den Zugang zu einzelnen Studienrichtungen mit dem Hinweis auf das Fehlen einer ausreichenden Zahl von Arbeitsplätzen drosselt, so erweckt er damit den Eindruck, dass für die Absolventen der Ausbildungsgänge ohne Numerus clausus kein Mangel an Arbeitsmöglichkeiten bestehe. Falls aus irgendwelchen Gründen dies nicht mehr zutrifft, könnten insbesondere "umgelenkte" Studenten fordern, der Staat solle nun auch die fehlenden Arbeitsplätze bereitstellen. Dies widerspräche jedoch unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung.

Die Nachteile eines Numerus clausus in unserem Bildungssystem erscheinen uns so schwerwiegend, dass wir eine besondere Anstrengung als gerechtfertigt erachten, um ihn zu verhindern.

143

Zusammenfassung

und Folgerungen

Das Problem von Zulassungsbeschränkungen an den schweizerischen Hochschulen kam bereits bei der Debatte des HFG im Jahre 1968 in den eidgenössischen Räten zur Sprache. Schon damals wurde verlangt, .dass der Bund, soweit es ihm möglich sei, den Gefahren des Numerus clausus entgegentrete. Insbesondere wurde im Ständerat vorgeschlagen, den Empfängern von Bundessubventionen nach HFG "zu untersagen, zugunsten ihrer kantonseigenen und zu Lasten studierender Schweizer. Bürger anderer Kantone einen Numerus clausus einzuführen". Das bereits erwähnte Rechtsgutachten Professor Hangartners, kommt allerdings zum Schluss, dass der Bund auch dann einem Hochschulkanton Beiträge ausrichten kann, wenn dieser aus zwingenden, sachlichen Gründen an seiner Hochschule den-Numerus clausus einführt und dabei die eigenen Kantonseinwohner bevorzugt.

Wenn der Bund mithelfen will, Zulassungsbeschränkungen zu vermeiden, so muss er die Hochschulkantone zusätzlich unterstützen. In den vergangenen Jahren waren die Hochschulkantone von sich aus bereit, entsprechend den wachsenden Studentenzahlen neue Studienplätze zu schaffen. Dabei konnten sie sich zum Teil auf bauliche Infrastrukturen abstützen, die im letzten Jahrzehnt nicht zuletzt dank der bedeutenden Bundeshilfe für Sachinvestitionen geschaffen worden .waren. Auf der betrieblichen Seite jedoch bedeuteten die normalen Grundbeiträge des Bundes, speziell bei den vom Wachstum der Studentenzahlen aussergewöhnlich betroffenen grösseren Hochschulen, nur einen bescheidenen Beitrag. Schon 1971 beschlossen die eidgenössischen Räte, eine Sonderquote von 100 Millionen Franken bereitzustellen, um Hochschulkantonen bei einem Verzicht auf den Numerus

522

clausus Zuschüsse zu gewähren. In den beiden folgenden Beitragsperioden wurde diese Sonderquote allerdings nicht fortgeführt, sondern, erst in der laufenden, vierten Beitragspeiriode in etwas anderer Form wieder aufgenommen.

Im Falle der Medizin halfen neben dem Bund auch die Nichthochschulkantone mit, Zulassungsbeschränkungen zu vermeiden, indem sie 1978, 1979 und 1980 je zwei Millionen Franken 'zahlten. So konnte die Zahl der Klinikplätze an den medizinischen Fakultäten von 800 auf 850 Plätze erhöht werden.

Heute jedoch zeigt sich deutlich, dass die Hilfe des Bundes und der Nichthochschulkantone nicht mehr ausreicht, um den Numerus clausus zu verhindern. Die Hochschulkantone glauben, dass sie, besonders bei den teuren medizinischen Fakultäten, haben. Deshalb fordern sie, dass sich sowohl andere Kantone (z.B. St. Gallen mit seinen Plänen für eine medizinische Akademie), als auch der Bund in bedeutenderem Ausmass an den Erweiterungen des Angebotes an Studienplätzen beteiligen. Die Möglichkeit von Sonderbeiträgen nach Artikel 4 des Bundesbeschlusses über die vierte Beitragsperiode nach dem HFG reicht nach den bisherigen Erfahrungen nicht aus, um in den medizinischen Studienrichtungen allfällig erforderliche weitere Studienplätze bereitzustellen.

Es geht den kantonalen Hochschulträgern nicht darum, nun schrittweise die gesamte finanzielle Last für die Engpassfächer an ihren Hochschulen auf den Bund abzuwälzen. Sie verlangen' und benötigen aber eine.stärkere Unterstützung des Bundes, um die zeitlich beschränkten Zusatzlasten tragen zu können, die bei ihren Hochschulen während noch etwa zehn Jahren auftreten werden. Der Bund soll sich also nicht dauernd sondern nur vorübergehend mit erhöhten Beiträgen am Ausbau der Hochschulen beteiligen. Diese: aussergewöhnlichen Sonderleistungen werden nur für den Ausbau der Studienmöglichkeiten in der Medizin verlangt, die besonders hohe Anforderungen an die Qualität der Studienplätze stellt.

Für den Fall, dass der Bund nicht bereit ist, die geforderten höheren Leistungen zu erbringen, haben die Kantone in den gemeinsamen hochschulpolitischen Gremien, in der Schweizerischen Hochschulkonferenz und in der Gemischten Kommission für die Interkantonale Vereinbarung über Hochschulbeiträge, dieses 3ahr die Vorbereitungen für die Einführung des Numerus clausus in der
Medizin so weit vorangetrieben, dass dieser im kommenden Herbst eingeführt werden könnte. In einem Brief des Präsidenten der Hochschulkonferenz an den Vorsteher des Eidgenössischen Departementes des Innern vom 29. April 1982 wurde darauf

523

hingewiesen, dass der Bund mit seinen Sonderbeiträgen die Entscheidung über die Einführung des Numerus clausus in der Medizin nur dann beeinflussen könne, wenn er kurzfristig die Hauptlast für die allenfalls erforderlichen zusätzlichen Studienplätze in der Vorklinik übernehme.

Die Anwärter auf das Medizinstudium müssen sich jeweils bis zum 1. Juni voranmelden. Sie werden anschliessend den verschiedenen Hochschulen zugeteilt. Reichen die vorhandenen Studienplätze nicht aus, so bleibt demnach nur wenig Zeit, die erforderlichen Massnahmen mit den Hochschulkantonen auszuhandeln. .Deshalb benötigen wir rasch eine umfassende , Kompetenz, mit den Kantonen die erforderlichen Massnahmen zur Sicherung freien Zugangs zum Medizinstudium zu vereinbaren. Selbstverständlich wird es uns schon mit Rücksicht auf die schlechte Lage der Bundesfinanzen ein wichtiges Anliegen sein, die interessierten Kantone zu eigenen Leistungen anzuhalten. Dabei müssen wir aber auch auf die Finanzlage der Kantone Rücksicht nehmen, weshalb wir den prozentualen Anteil der Bundesleistungen nicht zum vornherein festlegen können.

Aufgrund der Voranmeldungen ist damit zu rechnen, dass im Herbst 1982 etwa 50 Vorklinikerplätze fehlen werden. Die vorwiegend naturwissenschaftliche Ausbildung der angehenden Mediziner in den ersten Semestern ist nicht so teuer wie das klinische Studium. Besonders wenn die neuen Studienplätze im wesentlichen mit zusätzlichen betrieblichen Massnahmen (Anstellung von Dozenten und Assistenten, Erhöhung der Institutskredite) bereitgestellt werden können, wird der erfoTderliche Mehraufwand nicht sehr bedeutend sein. Zusätzliche Klinikplätze müssen erst ab Herbst 1984 geschaffen werden. In der laufenden vierten Beitragsperiode sind also nur zusätzliche Studienplätze für Vorkliniker zu finanzieren, so dass der bereits beschlossene Kredit von maximal 60 Millionen Franken bei weitem ausreichen wird, um die erforderlichen Bundesleistungen zu erbringen. Bis jetzt wurden noch keine Mittel aus diesem Kredit zugesprochen. Nach ihren Auskünften werden die Hochschulkantone unter den geltenden Bedingungen davon nur wenige Millionen Franken beanspruchen. Deshalb beabsichtigen wir, die Sonderbeiträge, für die Vermeidung von Engpässen auch ausserhalb der Medizin beizubehalten.

Solange die Zahl der heute verfügbaren Studienplätze
(1450 Anfängerplätze/Jahr für die gesamte Medizin und 850 Klinikplätze/Jahr in der Humanmedizin) nicht ausreicht, wird der Bund seine Unterstützung im Bereich der medizinischen Fakultäten fortsetzen müssen. Die Vorlage über Kredite für die fünfte Beitragsperiode nach dem :HFG wird deshalb, falls die vorlie524

genden Anträge angenommen werden, Vorschläge für die Weiterführung der miti dieser Botschaft beantragten Massnahmen enthalten. Wir hoffen, aufgrund der Erfahrungen im Herbst 1982 eine bessere Schätzung der mutmasslichen Kosten für die Offenhaltung des Medizinstudiums geben; zu können.

2

Besonderer Teil: Bemerkungen zum Bundesbeschluss

Diese Vorlage ergänzt den Bundesbeschluss über die vierte Beitragsperiode nach dem HFG. Sie gibt dem Bundesrat die Kompetenz, maximal etwa 60 Millionen Tranken des Verpflichtungskredites für Sachinvestitionsbeiträge zur besonderen Unterstützung von ausserordentlichen betrieblichen Massnahmen für die Erhöhung des Studienplatzangebotes an kantonalen Hochschulen einzusetzen. ' " · l · Diese besondere Kompetenz des Bundesrates beschränkt sich auf die Unterstützung kantonaler Massnahmen zur Schaffung zusätzlicher Studienplätze an den medizinischen Fakultäten (Ziffer I des Beschlusses!) . Sie stimmt überein mit derjenigen für die ausserordentlichen Zuschläge an Sachinvestitionen .gemäss Artikel 12 Absatz 3 des HFG, für die ebenfalls der Bundesrat zuständig ist.

Da bereits für das Wintersemester 1982/83 zusätzliche Studienplätze an den i kantonalen Universitäten in den medizinischen Studienrichtungen geschaffen werden müssen, ! beantragen wir, den Bundesbeschluss rückwirkend auf den 1. Juli 1982 in,Kraft zu setzen. Nur so kann die erforderliche Bundeshilfe rechtzeitig wirksam werden (Ziff. II,des Beschlusses).

'

3

Finanzielle und personelle Auswirkungen

31

Finanzielle Auswirkungen

Durch Artikel 4 des Bundesbeschlusses über die vierte Beitragsperiode gemäss HFG wurden wir ermächtigt, einen Teil des Verpflichtungskredits für Sachinvestitionsbeiträge zur verstärkten Unterstützung von kantonalen Betriebsmassnahmen, die der Erhöhung der Ausbildungskapazitäten dienen, zu verwenden.

Mit. der beantragten Aenderung der Bestimmung erfahren weder der Verpflichtungskredit (260 Mio. Fr.) : noch die Quote für Sonderbeiträge (60 Mio. Fr.) irgendeine Vergrösserung. Ziel der Revision ist es allein, das Mittel der Sanderbeiträge entsprechend der hochschulpolitischen Lage leichter und zweckmässiger einsetzen zu können. Finanziell entsteht daraus in der

525

vierten Beitragsperiode keine zusätzliche Verpflichtung für den Bund, geht es doch lediglich darum, innerhalb des gleichbleibenden Verpflichtungskredits den Sonderbeiträgen etwas mehr Gewicht einzuräumen. Die in Aussicht zu nehmende Fortführung der allfälligen Sonderhilfe für die Schaffung medizinischer Studienplätze wird allerdings in der fünften Beitragsperiode, in der es dann die wesentlich teureren Studienmöglichkeiten in den klinischen Semestern bereitzustellen gilt, zu einer zusätzlichen Belastung führen. Diese kann heute noch nicht beziffert werden.

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Personelle Auswirkungen

Die erleichterte Verwendung von Sonderbeiträgen zeitigt allein keinen zusätzlichen Personalbedarf für die Bundesverwaltung.

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Auswirkungen auf den Vollzug durch die Kantone

Der von uns beantragte Bundesbeschluss bringt keine ins Gewicht fallende Mehrbelastung für die kantonalen Verwaltungen.

34

Richtlinien der Regierungspolitik

Wir haben in Ziffer 512 der Richtlinien der Regierungspolitik 1979-1983 festgehalten, dass die Verhinderung von Zulassungsbeschränkungen ein wesentliches Ziel unserer Hochschulpolitik darstellt und dass zu diesem Zwecke allenfalls flankierende Massnahmen befristeter Art erwogen werden müssen. Die gegenwärtige Situation in den medizinischen Studienrichtungen erfordert nun, wie wir in dieser Botschaft ausgeführt haben, dringend besondere Massnahmen zur Verhinderung von Zulassungsbeschränkungen an unseren Hochschulen.

/

4

Gesetzesmässigkeit

Der beantragte Bundesbeschluss stützt sich auf Artikel I9bis Absatz 2 HFG. Wie beim zu ändernden Bundesbeschluss vom 19. Dezember 1980 handelt es sich gemäss Artikel 14 Absatz 1 HFG wiederum um einen allgemeinverbindlichen, dem Referendum unterstehenden Bundesbeschluss.

8539

526

Bimdesbeschluss über die vierte Beitragsperiode nach dem Hochschulförderungsgesetz

Entwurf

Änderung vom

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 14. Juni 1982 '), beschliesst: I

Der Bundesbeschluss vom 19. Dezember 19802) über die vierte Beitragsperiode nach dem Hochschulförderungsgesetz wird wie folgt geändert: Art. 4a (neu) Sonderbeiträge für die medizinischen Fakultäten 1 Der Bundesrat kann einen Teil der nach Artikel 4 für Sonderbeiträge vorgesehenen 60 Millionen Franken zur Unterstützung zusätzlicher Studienplätze an medizinischen Fakultäten einsetzen.

2 Er legt das Verfahren und die Höhe der maximalen Bundesleistungen fest, soweit zur Verhinderung von Zulassungsbeschränkungen die Beitragssätze nach Artikel 4 Absatz 2 nicht genügen.

II 1 Dieser Beschluss ist allgemeinverbindlich; er untersteht dem fakultativen Referendum.

2 Er tritt rückwirkend auf den 1. Juli 1982 in Kraft und gilt bis zum 31. Dezember 1983.

8539

') BEI 1982 II 497 > SR 414.202

2

527

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Botschaft zur Änderung des Bundesbeschlusses über die vierte Beitragsperiode nach dem Hochschulförderungsgesetz vom 14. Juni 1982

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1982

Année Anno Band

2

Volume Volume Heft

27

Cahier Numero Geschäftsnummer

82.047

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

13.07.1982

Date Data Seite

497-527

Page Pagina Ref. No

10 048 705

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