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Aus den Verhandlungen der schweiz. Bundesversammlung.

(Vom 20. September 1864.)

Die eidg.Rathe, welche ihre ordentliche Sommersession vom ll... J..li d. J. vertagt hat, sind heute zur Forlsezung derselben wieder zusammengetreten.

Der Präsident des Nationalrathes, Herr G. Jä germon Brngg, eröffnete die Siz....g mit folgender Ansprache :

"Tit.!

"Jn der kurzen Zeit, welche seit dem Sehlusse unserer lezten Sizung verflossen ist, haben zwei unerwartete Ereignisse die Gemüther des ganzen Sehweizervolkes auf ungewohnte Weise in Einspruch genommen, i ..h meine die Vorfalle am Polytechnikum in Zürich und diejenigen in Gens.

..Während man steh allgemein darnber freute, dass die Schule, welche von den eidgenössischen Behörden mit so vieler Vorliebe gepflegt und mit so reichen Hülssmitteln ausgerüstet wurde, einen guten Fortgang habe und immer stärker besucht wurde, hat unter den Schülern der Keim der Unzufriedenheit gewuchert, und diese Unzufriedenheit kam zum Ausbrühe bei einem sehr ungeeigneten Anlasse und aus eine sehr unzulässige Weise.

Die Ordnung war bald wieder hergestellt, und es bleibt den Aufsichts-

Behörden nur noch die Aufgabe, zu prüfen, ob die Ursaehe der Unzufriedenheit als eine begründete anzusehen sei. Die Beschwerden scheinen im Wesen reuiger der besondern Leitung, als den bestehenden Vorschriften über die Schulordnung zu gelten, und es wird in Frage kommen, ob man die von den Schülern verlangte, mit den. Wesen eines Polytechnikunis kaum vereinbare akademische Freiheit gewähren oder diejenigen VorChristen festhalten wolle, welche den Fleiss der Schüler überwachen. Sicher ist, dass die öffentliche Meinung mit einer Aendernng ini ersteren Sinne (in Dieser Beziehung) nicht einverstanden wäre ; man erwartet vielmehr, die uberstandene Krisis werde auch sonst nicht ohne wohltätigen Einfluß aus die Schule bleiben.

,,Ungleieh in Geuf.

wichtiger

und in den Folgen ernster sind die Ereignisse

,,Als Hr. Staatsrath Challet-Venel zum Mitgliede des Bundesrathes ernannt wurde, vereinigten sich Vertreter aller politischen Parteien in Gens, ihre Freude kund zu geben ; alle sprachen ihre volle Befriedigung über diese Wahl aus. man nahm sie als einen neuen Beweis enger Ver-

717 brüderung mit der übrigen Schweiz aus ; man wiederholte die sehon oft gegebene Zusicherung, Genf werde in Zeiten der .Gefahr eine starke Gränzfeste des gemeinsamen Vaterlandes sein.

Mit ungewohntem Glanz wollte Genf den 50^. Jahrestag seines Eintritts in den Bund der Eidgenossen seiern, und gerade dasjenige Erei^niss, über welches alle Parteien sieh gleich freuten, sollte die Veranlassung zu einer blutigen Katastrophe werden.

.,^tatt dass in den ersten Tagen des Septembers die Eidgenossen aus allen fegenden nach Genf gekommen wären, um diese Stadt in ihrem schönsten ^.estschmuk.. zu begrüsseu, musste der Kanton mit eidgen ossisehen Truppen beseht werden, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, und der Untersuchungsrichter hat die schwere Aufgabe, den Verirrnngen politisier Leidensehaften nachzuspüren.

,,J^ ^arf u^ iezt u.^ .^u Urlheil über diese traurigen Ereignisse selbst erlauben, allein das darf ich sagen .

^^Verhältnisse in Gens seheinen so zu sein, dass sie eine gesunde kantonale Ent.vil.lung nicht gestalten. dass sie die immer wiederkehrende Aufregung der Leidenschaften systematisch organare... und weil der innere Zwiespalt, der leidenschaftliche Kampf der Bürger unter sich einem äussern Feinde immer die beste Waffe bietet, so sind die Zustände in Gens, wie sie in den legten Ereignissen sich geoffenbart haben, nicht nur für den Kanton, sondern f ü r . unser ganzes Vaterland eine bleibende Gesahr.

Moge dieses auch zur Ueber..eugu..g der Genser werden. moge ihre Liebe ^um Kanton und ^um gemeinsamen Vaterlande stark genug sein, um die ungesunden Elemente aus ihrem ^taatslebeu auszuscheiden, damit der Kanton zur Ruhe u...d zum Frieden gelange, damit diese Grän^tätte einig und stark werde, nm in Zeiten der Gefahr in Wirklichkeit eine feste ^..ti.^e des Vaterlandes ^u sein l ..Meine Herren l Die Bundesversammlung hat sieh ausserordentlieh Versammelt, um über die mit Frankreich vereinbarten Verträge sich ausZusprechen. ^ie haben je^t die öffentliche Stimme darüber vernehmen konnen und wissen , dass sie im Allgemeinen den Vertragen günstig ist.

Wir würden ohne Zweifel Manches anders ordnen, wenn wir freie Hand hätten; doeh bieten sie im Ganzen für unsern Handel und Gewerb wesentliche Vortheile, und di.^ Bedenken, welche gegen die Annahme der Verträge erhoben werden, sind weniger gegen deren
Jnhalt selbst gerichtet, als gegen die Berechtigung der Bundesversammlung ^ur Verfügung in Beziehung einzelner Bestimmungen. Der Bundesrath und die Kommisslonen beider Räthe erachten diese Bedenken nicht für genügend, um ihnen die Existenz der Verträge zu opfern. .^ie, meine Herreu, werden entscheiden , ob ^ie einer ängstlichen Ausscheidung der kantonalen Souveränitäten oder der lebendigen Entwikluug unserer Bnndesverhältnisse den Vor^.g geben wollen.^

718 Jm ..Nationalrath ist als neues Mitglied dieser Behörde erschienen : Herr Niklaus Baiser, von Grellingen, m Delsberg (Bern), welcher am

21. August d. J. im ^. eidgenossischen Wahlkreise, in Ersezung des verstorbenen Hrn. S t o c k m a r , gewählt wurde.

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Aus den Verhandlungen des schnweiz. Bundesrathes.

(Vom 19. September 1864.)

Der Bundesrath hat dem bisherigen Brosessor sür Maschinenbau am eidg. Polytechnikum, Hrn. Reuleaux von Eschweilerpumpe (Vreussen), die nachgesuchte Entlassung von seiner Brosessur anf Ende dieses Monals ertheilt, und zwar unter Verdankung der geleisteten guten Dienste.

(Vom 20. September 1864.)

....lls Bostkommis in Solothurn wurde Hr. Ednard Beyer

Lostorf gewählt.

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Aus den Verhandlungen der schweiz. Bundesversammlung.

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22.09.1864

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716-718

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