#ST#

Schweizerisches Bundesblatt.

XVI. Jahrgang. ll.

Nr. ^9.

#ST#

6. Juli 1864

Botschaft des

.

Bundesrathes an die gesezgebenden Räthe der Eidgenossenschaft, betreffend die Anzahl und Gradverhältnisse der Korpsärzte bei der infanterie.

(Vom 20. Juni 1864.)

Tit. .

Wie wir s..hon zu wiederholten Malen in unsern Jahresberichten anzudeuten die Ehre hatten , macht sieh im Bestande des ärztlichen Bersouals bei der Armee eine sehr bedeutende Luke sühlbar. Jm gegenBärtigen Augenblike fehlen nicht nur etwa ein Fünstheil der Korpsärzte, sondern es sind auch im Gesnndheitsstabe eine verhältnissmässig grosse Anzahl von Ambulancearztstellen l. und ll. Klasse nicht beseht. Zn diesem Uebelftande tritt hinzn, dass in vielen Kautonen die vorhandenen Aerate nicht im richtigen Verhältnisse zu den einzelnen Korps vertheilt stud, so dass z. B. den Reservebataillonen, die doch im Falle eines allgemeinen Aufgebotes oder auch nur eines gewohnlichen Wiederholungskurses in gleicher Weise mit amtlichem Bersonal versehen sein sollten, wie der Ansang, meistens nur ein Arzt zugetheilt ist.

Der Grund dieser Verhältnisse liegt naeh den Erhebungen, welche der Herr Oberfeldarzt gemacht hat, hauptsächlich in dem Mangel an dienstpflichtigen Aerzten überhaupt, nnd sodann auch, was die unrichtige

B..nde...blatt. Jahrg. XVI. Bd. II.

^l3

170 Vertheilung aus die einzelnen .^.orps betrisst, in einem falschen System, das bei der Besorderung der Korpsärzte hie und da angewendet wird.

Bei der beabsichtigten Formation der Seharfschüzenkompagu^. in Bataillone müssen diesen leztern notwendigerweise ebensalls Korpsärzte zugetheilt werden, da in Zukunft im Brigadenverbande z. B. ganze Schulbataillone oder Halbbataillone nicht mehr, wie bisher, die einzelnen .Kompagnien von den Assistenzärzten der zunächst gelegenen Bataillone besorgt werden konnen, nnd.^ da die Zutheilung von Ambulaneeärzten natürlich nicht gedacht werden kann, so lange .selbst die Ambülaneen nicht hinlänglich mit Aerzten versehen sind.

Um nun,

troz dem Uebelstande,

dass schon jezt die reglementarisehe

Anzahl von Aerzten nicht erhältlich ist, um die Ambulante vollzählig zu machen, und um alle Korps mit Aerzten zu versehen, bleibt nichts Anderes übrig, als die Aerzte der Jnfanterie zn rednzireu. Jndem wir Jhnen einen dahin zielenden Gesezentwurs unterbreiten, erlauben wir uns , denselben mit Rachfolgendem näher zu begründen .

^.d Art. 1. Seit der jüngsten Organisation des Gesundheitsdienstes für die eidg. Armee wurden jedem Jnsanteriebataillon von 5-6 Kom^ pagnien drei und jedem halben Bataillon von 3 .--4 Kompagnien zwei Aerzte zugetheilt. Bei dieser reichliche.. Zuteilung von ärztlichem ^ersonal wurde offenbar Rüksicht genommen auf diejenigen Korps, welche keine Aerzte hatten (einzelne Kavalleriekompagnien, Scharfsehüzen, Raketenbatterien) und zu deren Besorgung man gewohnlich Jusanterieärzte verwendete. Diese organisatorische Bestimmung ist zum Theil herübergetragen worden ans frühern Gesezesvorschristen. Obsehon damals weniger Aerzte nothwendig waren als jezt, nachdem die Anzahl der Korps vermehrt ist und die Ausstellung einer grosseru Zahl von Brigaden eine entsprechende Vermehrung der Ambula^eärzle erheischt, war gleichwohl au.^

früher der Efsektivstand der Militärärzte nie den gesezlichen Forschriften

entsprechend, namentlich waren die Reservekorps oft gar uicht, oder doch nicht mit Aerzten der vorgeschriebenen Grade versehen. Es war schon viel, wenn die Reservebataillone je mit einem Bataillousarzt versehen

waren; die Assistenzärzte fehlten gewohulich ganz. Weil jedoch die Re-

serve selten in Dienst kam, so war früher der Uebelstand weniger fühlbar als jezt, wo die Reservekorps regelmäßig in Dienst kommen und bei der Armeeeintheilung aus die verschiedenen Brigaden und Divisionen in

gleicher Weise vertheilt sind, wie diejenigen des Auszugs. ^u dem heut

zu Tage großer gewordeneu Bedarf an Militärärzten trat andererseits ^er ^fatale Umstand, dass si.h die ^ahl der dienstpflichtigen Aerzte in den .Kantonen nicht entsprechend vermehrte, sondern im Gegeutheil verminderte, namentlich in den grossern Kantonen ^) , so dass es den Kantonsmilitär^) ^ur in den Kantonen ^ürich und ^ern hat. sieh die ^ahl der Aerzte .^er..

haupl inner den lezten 2.^ fahren nm .^2 ^erminder^ ^ln Zürich n.n 85, in ^ern um ^^.

171 behorde.. beim besten Willen nicht möglich war, ihre .Kontingente mit der gesezliehen ^ahl von Merzten zn versehen. Ungeachtet der ostern Juspektionen d.^r verschiedenen Kontingente, in deren Folge es nicht an Mahnungen zur Kompletirung des personellen wie des Materiellen fehlte, mangelten dennoch der Armee aus Ende 1863: a.

h.

c.

vom

24 (von 304) ^Korpsärzten beim Auszng; 66 (von 164) ,, bei der Reserve; 35 (von 105) Ambulaueeärzten ; Bedarf der Landwehr gar nieht zu reden.

Da man nach dem .^..bengesagten mit Sicherheit annehmen musste, dass es in den meisten Kantone^ an militärpflichtigen Aerzten fehle, so

blieb nichts Anderes übrig, als zu untersuchen, wie es möglich sei, mit der verfügbaren Zahl von Militärärzten auszukommen.

Bei Brüsuug dieser Frage musste es gleich klar werden, dass nur diejenigen taktischen Einheiten ärztliches personal abgeben können, denen mehrere Aerzte zugetheilt sind, was allein bei den Jnfanteriebatailloneu der Fall ist, für welche das Gesez bis dahin einen Bataillonsarzt und zwei Assistenzärzte verlangte.

Es war nun nicht schwer, sich zu überzeugen, dass wenn eben nichts Anderes möglich ist, die Jnsanter.e ohne den Gesundheitsdienst bei derselben zu verkümmern, des zweiten Assistenzarztes entbehren könne, namentlich nachdem so zu sagen keine Korps bei der Armee e^istiren werden, welchen

nicht Aerzte zugetheilt sind, mit Rüksicht auf welche Korps bis dahin hauptsächlich die Jnsauteriebataillone mit drei Aerzten versehen waren.

Berüksichtigt man überdies, dass selbst bei nur zwei Aerzten per Bataillon von zirka 720 Mann unsere Armee immer noeh so reichlich als irgend eine andere mit ärztlichem personal versehen wäre, so darf die vorgeschlagene Reduktion von drei auf zwei per Bataillon nicht beunruhigen. Es wird gnt sein, die Tatsache näher zu erortern, dass andere Armeen ein viel weniger zahlreiches ärztliches Personal haben, als unser Reglement vorschreibt.

Schon die ...^sammtzahl der Aerzte bei der französischen und der österreichischen Armee im Vergleich mit der schweizerischen beweist, dass wir au.h na.h der vorgeschlagenen Reduktion immer noch verhältnissmassig reichlich mit Aerzten versehen sein würden. Gegenwärtig werden bei der eidg. Armee 5^3 Aerzte verlangt. Jn Znknnft würden 468 erforderlich, wovon 363 für die Korps und 1l)5 für die Ambulanzen.

Der Etat der franzosischen Armee dagegen enthält für Korps, Ambnlaneen und ^pit.iler uur 1l47, wobei nicht zu übersehen ist, dass keine

Frater oder ein ähnliches .^ilsspers.^nal bei den Korps besteht, hingegen^ eingeführt^ werden soll^ Die österreichische Armee zählt 1646^ Aerzte, von welchen jedoch ^91 nnr^als niederes Hilfspersonal gilt, weil dasselbe nur für einen beschränkten Tl..eil der Heilkunde besngt ist.

172

Roch deutlicher spricht der Bestand des ärztlichen Bers ^ ls der einzelnen Korps ni verschiedenen Staaten.

Jn Breussen kommen auf ein Regiment von drei Bataill^ ..n ein Regimentsarzt, ein Bataillonsarzt und drei Assistenzärzte.

Jn Oesterreich sind für ein Regiment von fünf Bataillone. vorgeschrieben: zwei Regimentsär^te. ^wei Oberärzte und vier subalterne Aerate mit beschränkten Batenten. Für ein Genie- und Bontonnierbataillon zwei Aerzte, für ein Feldjägerbataillon ebenfalls zwei .Merzte.

Jn Frankreich kommen aus ein Regiment von drei Bataillonen ^rei Aerzte , auf ein Jäger- , so wie aus ein Bataillon leicher afrikanischer .

Jnsanterie zwei Aerzte.

Jn Belgien zählt ein Regiment von vier Bataillonen einen Regiments-

arzt und drei Bataillonsärzte.

Hätten wir genng Aerate, um jedem Bataillon drei zu belassen, s^ würden wir es immerhm als einen Vorzug unserer Armee betrachten.

Weil sie jedoch nicht erhältlich sind, so konnen wir uns getrosten, nach der Reduktion immer noch so reichlich mit Aer^ten versehen zu sein, als andere Armeen.

Jn Betreff des Grades der Jnfanterieärzte will der Entwurf als Regel beim Bisherigen verbleiben, spricht jedoch dem Assistenza^ nach einer gewissen Dienstdauer den Oberlientenantsgrad zu. Es schien dieses besonders wünschenswerth für diejenigen Kantone, welche keine Spezialwafsenärzte mit Oberlieutenantsgrad zu stellen haben, und wo es vorkommen kann, dass ein Assistenzarzt nie oder doch erst sehr spät zum ^lvaueiren kommt. Da nach unserem Vorsehlage für die Halbbataillone nnr noch je ein Arzt bestimmt ist, so scheint es namentlich mit Ri^sieht auf diejenigen kleinern Kautone, wel.he nur e.n Halbbataillon haben, nicht angemessen, diesem Arzte schon mit dem ersten Brevet einen hohern Grad als den eines L Uuterlieuteuauts zu geben ^ der Entwurf sieht aber die Möglichkeit vor, ihn nach Verslnss einer angemessenen Dienstzeit zum Oberlieutenant oder Hauptmann avaneiren zu lassen.

Ad Art. 2. Die Bestimmung dieses Artikels ist die absolute Bedingung eines regelmässigen Besorderungss^stems, besonders aber

einer

möglichst gleichmässigen Verkeilung des ärztlichen Personals .^uf alle Korps der Armee des Auszugs und der Reserve.

Ohne die Besorderung der Aerate durch Anszug und Reserve, .vie sie in einigen Kantonen bereits ^seh on sür die ..^ssizier der Artillerie gilt, würde der gegenwärtig bestehende Uebelstand fortdauere und die Reserve nur mit älterm Bersonal, bloss mit Hauptleuten, versehen werden kounen.

Der Hanptzwek dieses Gesezes, gleichmäßige Vertheiluug der disponibeln Merzte auf die ganze Armee mit billiger Berüksichtig....g der altern Offiziere jedes Grades dürste am besten erreicht werden, wenn die neu

173 ernannten Assistenzärzte zuerst in den Anszng treten, und damals solche nach der ^ueiennität in die Reserve übergehen würden, aus welcher sie zu den Korps der Spezialwassen , ebenfalls zuerst des Auszuges , zu befordern wären. Aus gleiche Weise hätte auch die Besorderuug der Spezialwassenärzte zn Bataillousärzten zu geschehen. Weil einfacher, dürste es jedoch .eher belieben, die Korpsärzte je im betreffenden Korps des Auszugs oder der Reserve zu belassen, bis die Beforderung nach dem Dienstalter eintritt, wobei es jedoch immerhin billig wäre, zu berüksiehtigen, dass Einer nicht seine Dienstzeit nur im Auszüge oder unr in der Reserve machen würde.

Es wird den Kantonen zu überlassen sein, welcher Modus am besten konvenireu kann, wenn nur daraus geachtet wird, dass immerhin alle Korps mit dem vorgeschriebenen personal versehen sind.

Schließlich haben wir noch au^f eiuen wesentlichen indirekten Vorzng aufmerksam zu machen, den das neue Gesez bieten wird.

Der wichtigste Tl..eil des Gesundheitsdienstes im Kriege ist derjenige, der in den Ambulanzen und Spitälern besorgt wird , es ^ist daher von absoluter Notwendigkeit, dass vor allen Dingen das ärztliche personal der Ambulanzen vollzählig erhalten werde.

Dies wurde leider bei uns bisher viel zu wenig beobachtet. Sei es, dass man in ^olge der läugern ^riedeuszeit sich wie in andern Dingen, so auch hier, nicht mehr recht bewusst ist, was im wirklichen Kriege praktisch und uotl.^weudig ist, sei es, dass einzelne Kantone unbekümmert um die allgemeinen Jnteressen in erster Linie sur die Vollzähligerhaltung ihres eigenen Personals sorgten, Thatsaehe ist es, dass troz den Bemühungen der eidg. ^ehorden das Ambulaneepersonal nie auf den erforderlichen Bestand gebracht werden konnte.

Durch die Reduktion der Korpsärzte bei der Jusauterie werden nun in Zukunft mehr Aerzte für den eidg. Stab disponibel, und es wird den eidg. Behorden moglich, eine Lüke auszufüllen, deren Vorhandensein im Ernstfalle von den bedanerlichsten folgen .sein würde. ^ Genehmigen Sie, Tit., bei diesem Anlasse die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

^ Bern, den 20. Jnni 18.^4.

Jm Ramen des schweiz. Bundesrathes, Der B n n d e s p r ä s i d e n t : ^ .^r. ^. Dubs.

Der Kanzler der Eidgenossenschaft.

Schieß.

174

^esezentwurf betreffend die Anzahl und Gradverhältnisfe der ..^orp.^ärzte bei der Infanterie.

Die B u n d e s v e r s a m m l u n g der s c h w e i z e r i s c h e n E i d g e n o s s e n s c h a f t , nach Einsicht des Berichts und Antrags des Bundesrathes vom

20. Jnni 1864,

besehliesst: Art. 1 . Jedem Jnfanteriebataillon von 5 ^-6 Kompagnien wird ein Bataillonsar.^t mit Hanptmannsgrad und ein Assistenzarzt mit Oberoder Unterlieutenantsgrad zugethei.t. jedem .^albbataillon von 3--^. Kompagnien ein Arzt mit Hanptma..us-, ....^ber- oder Unterlieutenantsgrad.

Art. 2. Die Beförderung der Korpsärzte der Jnsanterie gefleht durch Auszug und Reserve hindurch. Die Assistenzärzte der Bataillon^ konnen je nach ihrem Die^stalter .^en Oberlientenantsgrad oder Hauptmannsgrad erhalten.

Art. 3.

Der Art. 28 der Militärorganisation vom 8. Mai 1850,

so wie die .^asel V ^u besagtem Ges^e, endlieh ^. 15, Lnt. b des Regleu.ents über die Organisation des Gesundheitsdienstes, vom 30. Juli 1859 und Beilage l zu diesen. Reglement, treten, so weit ste mit obigen Bestimmungen im Widerspruche stehen, ausser Krast.

Art. 4.

beaustragt..

Der Bundesrath ist mit der Vollziehung Dieses Gesezes.

^...^^.^^

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Botschaft des Bundesrathes an die gesezgebenden Räthe der Eidgenossenschaft, betreffend die Anzahl und Gradverhältnisse der Korpsärzte bei der Infanterie. (Vom 20. Juni 1864.)

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1864

Année Anno Band

2

Volume Volume Heft

29

Cahier Numero Geschäftsnummer

---

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

06.07.1864

Date Data Seite

169-174

Page Pagina Ref. No

10 004 468

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv digitalisiert.

Le document a été digitalisé par les. Archives Fédérales Suisses.

Il documento è stato digitalizzato dell'Archivio federale svizzero.